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Schweizer Konkordanz-Fussball

Von PETER KNECHTLI

Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, liebe Leserin, lieber Leser. Der Sieg der Schweiz gegen Spanien an der Weltmeisterschaft in Südafrika scheint eine Ausnahmeleistung zu sein. Das EM-Qualifikationsspiel gegen England und heute Freitagabend die Niederlage gegen Montenegro bestätigten mich einmal mehr in der Auffassung, dass Fussball einfach keine für die Eidgenossen geeignete Sportart ist. Vielmehr ist der Schweizer Fussball das Abbild der vorherrschenden Konkordanzpolitik. Wir sind einfach keine Angreifer-Nation, sondern bis in den innersten Kern unseres Wesens auf defensives Verhalten und Harmonie angelegt.

An der Schweizer Verteidigung ist angesichts der Vielzahl von Angriffen nichts auszusetzen. Wie eine Alpenfestung hält sie gegen die grossen Eroberer der Welt dicht. Da ist "die Schweiz" schon ziemlich stark. Doch bereits im Mittelland der Mannschaftsaufstellung hält kräftig Realpolitik Einzug. Das Geschehen in diesem Angriffsabschnitt erinnert an ein Vernehmlassungsverfahren, dessen Ausgang weder durchschaubar ist noch eine Logik aufweist. Es scheint Dauer-Nacht der langen Messer zu herrschen, wenn der Ball wie eine heisse Kartoffel von der einen Spieler-Fraktion zur andern rollt und schliesslich dem Gegner zum Genuss vorgesetzt wird.

"Die Fight-Genossen fahren
ein Sonderzüglein nach dem andern."




Jetzt beginnt die Zeit von Hoffen und Bangen. Es scheinen sich auf dem Rasen geheime Fraktionssitzungen abzuspielen. Befindet sich Hakan Yakin auf den 6'000 Quadratmetern Grenzerfahrungen, scheint so etwas wie ein Meinungsführer aufzutreten, der mit Drall am Ball seine Schäfchen auf die Reise zu schicken vermag. Fehlt aber ein Drahtzieher, fahren die Fight-Genossen ein Sonderzüglein nach dem andern: Sie bedienen nicht jenen, der sich mit auffälligem Winken in aussichtsreiche Position gebracht hat, sondern trickreich jenen, den die Gegner längst umstellt haben. Sie blasen zum Rückwärts-Angriff, während die Links- und Rechtsaussen sich allmählich bemüssigt fühlen, ihren Unwillen durch Verwerfen der Hände kund zu tun – Zeit, in der Pause schleunigst ein Differenzbereinigungs-Verfahren in die Wege zu leiten.

Trainer Ottmar Hitzfeld begegnet uns Fernbetrachtende in der Spielhälfte als mehrfacher Hauptprotagonist in der TV-Werbung, mit der er sein bekanntlich mageres Sitzungsgeld aufbessert. Seinen elf Mannen dürfte er beim Tee eine staatspolitische Stilberatung verabreichen und sie daran erinnern, dass der Feind nicht mehr aus dem Osten kommt, sondern von der andern Platzhälfte, was sich alsdann in verstärken Aktivitäten und Wortmeldungen äussert. Das Mittelmass im Mittelfeld ist wie weggeputzt. In die Schweiz kommt etwas Bewegung. Erfolglosigkeit treibt an.

Jetzt wären die gefeierten Hoffnungsträger der Ewigkeit gefragt. Doch während Frei und Streller die Erwartungen der vorgängigen Meinungsumfragen nicht erfüllen, und Andere allein vor dem gegnerischen Goalie noch rasch den Schweizer Psalm memorieren, erweisen sich die Inlers und Derdiyoks als so erfreuliche Integrations-Vorbilder, dass ihnen der finale Tor-Instinkt abhanden gekommen zu sein scheint.

Wir konsensdurchtränkten Schweizer mögen einfach nicht gegen Gegner abdrücken – so wie es uns die kaltblütigen Wayne Rooneys dieser Welt immer wieder vormachen. Bleischwer drückt das Gebot der political correctness in unsere Kickschuhe, dass aller Grund zum Haareraufen besteht, wenn ein weiterer Angriff schon im Ansatz erstickt oder der Strafstoss im Kraut statt im Netz landet. Bahnt sich doch einmal ein ernsthafter Tor-Erfolg an, erscheint auf dem geistigen Radar unserer sportlichen Weisskreuz-Offensivkräfte das humanitäre Völkerrecht und die Mission des Roten Kreuzes: Vorsicht: Genfer Konvention! Gegner nicht unnötig schädigen!

Die Schweizer National-Elf ist keine wirkliche Mannschaft, sondern vielmehr eine Vereinigte Bundesversammlung von versprengten Fraktionslosen. Wo sich andere Feldherren des grünen Rechtecks blindlings aufeinander verlassen können, sind die Konkordanz-Fussballer aus der Alpenrepublik darauf bedacht, mit Fehlpässen einen Kompromiss zu ermöglichen.

Doch was nur ist zu tun? Vermutlich sollte Ottmar Hitzfeld ein interfraktionelles Von Wattenwyl-Gespräch organisieren – oder zumindest begutachten lassen, wie der junge Kosovo-stämmige Shaqiri seine Lenkwaffe ("meinen Hammer") ins Lattenkreuz biegt. Der kann wirklich shooten.

Wenn das alles nichts nützt, sollten wir nicht verzweifeln. Als ultima ratio empfiehlt sich dann immer noch ein Blick in Edgar Bonjours "Geschichte der schweizerischen Neutralität". Er hat aufgezeigt, wie die alten Eidgenossen aus den geostrategischen Ansprüchen der Grossmächte über Jahrhunderte geschickt Profite schlugen.

8. Oktober 2010
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Peter Knechtli, ist Chefredaktor und Gründer von OnlineReports.ch.

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"Nicht gute Lehrer brauchen wir"

Was so ein ehemaliger C-Junioren-Stürmer alles gelernt hat! Fazit: Nicht gute Lehrer brauchen wir – gute Fussballtrainer, die vife Tschüüteler heranbilden, die über Brillen- und Spielfeldrand hinausblicken können. Dann wirds langsam dämmern in der Confoederatio Helvetiva ;-)


Viktor Krummenacher, Lehrer, Bottmingen



"Schmeckt nach mehr"

Da bleibt nichts – aber auch gar nichts mehr beizufügen. Nur: Das schmeckt nach mehr!


Bruno Rossi, Gelterkinden



"Den Nobelpreis verdient"

Der Schreiber dieser Glosse verdiente den Nobelpreis für Sportkommentatoren, so es einen solchen gäbe. Ich habe mich selten köstlich amüsiert beim Lesen dieser Zeilen. Die vergehen wie Butter auf der Zunge. Dafür gibt's 100 Punkte!


Hans Zumstein, Cham



"Zurück ins Flaschengestell"

Wunderschön, Ihr süffig geschriebener Kommentar! Konnte mich schon enorm lange nicht mehr über einen Fussball-Artikel so freuen. Hervorragend ihm wahrsten Sinn des Wortes. Zurück ins Flaschengestell mit der Nati-Elf und sich auf die Stadt-Mannschaftsspiele freuen. Und: Sie schreiben weiter so!


Melanie Vogel, Basel



"Genau so ist es!"

Grossartig, lieber Peter! Einmal mehr hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen. Deine Analyse, jede Deiner träfen Schlussfolgerungen, jede Deiner famosen Formulierungen rufen bei mir – und offensichtlich auch bei anderen Leserinnen und Lesern – die bestätigende Reakton hervor: Genau so ist es! Übrigens, amüsant ist der Umkehrschluss, wenn man den Bundesrat mit der Schweizer Nati vergleicht.


Guido Wemans, Himmelried



"Ein Volltreffer"

Top! Top! Top! Im Gegensatz zum gestrigen Spiel in Montenegro ein Volltreffer, leider nicht von der Fussball-Nati! Die schweizerische Politik und die Schweizer Fussball-Nati – beides zum Wegschauen.


Rosmarie Leuenberger, Bottmingen



"Nicht Siegen ist Kernkompetenz"

Der Meister bringt's treffend auf den Punkt: Nicht Siegen ist Kernkompetenz, sondern das ständige Relativieren von Niederlagen. Wer kühl und sachlich die Situation(en) analysiert, kann nur zu dem einen finalen Schluss kommen: Der Sieg über Spanien muss während der nächsten x Jahre als Glorienschein am Horizont den regelmässig höher werdenden Berg der (ehrenvollen) Niederlagen bestrahlen. War nix, ist nix – und wird auch nie 'was werden.


René Wetzel, Zug



"Einfach köstlich"

Zur Kolumne gibt’s unter dem Strich nur höchst amüsiert zu sagen: einfach köstlich – vom Feinsten.


Edi Borer, Kaiseraugst


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Veranstaltungs-Hinweis


CIRCO FANTAZZTICO

Der Jugendzirkus Circo Fantazztico aus Costa Rica bietet sozial gefährdeten Kindern und Jugendlichen eine Gemeinschaft und neue Perspektiven.

Vorführungen:
BASEL: 31.8 & 1.9
BERN: 4.9 & 5.9
USTER: 7.9 & 8.9

Dauer: 90 Min., Eintritt kostenlos, Kollekte für das Zirkusprojekt
Mehr: www.ecosolidar.ch

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"Der Baselbieter Grünen-Landrat Philipp Schoch hat vor kurzem seinen Mann in Deutschland geheiratet."

Basler Zeitung
Frontseite
vom 23. August 2019
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Mit Verlaub: Er war mal Landrat.

RückSpiegel


Die BZ bezog sich in ihrer Recherche über die Abgänge von Kaderärzten am Kantonsspital Baselland auf einen Bericht in OnlineReports.

Die BZ berief sich in einem Bericht über die Massenkündigungen am Schorenweg auf eine OnlineReports-News.

Die Schweiz am Wochenende und die Basler Zeitung haben die OnlineReports-News über den Bombenalarm am EuroAirport aufgenommen.

Das SRF-Regionaljournal, Telebasel, die Schweiz am Wochenende und Prime News haben den OnlineReports-Primeur über die Schliessung des Basler Kinos "Rex" nachgezogen.

In ihrem Bericht über den Gelterkinder Antennenposter-Streit bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über den Rücktritt der Basler Unispital-Verwaltungsrätin Irmtraut Gürkan aus dem Vorstand des Universitäts-Klinikums Heidelberg auf.

Die Medienwoche empfiehlt ihren Leserinnen und Lesern die Lektüre des OnlineReports-Interviews mit "Prime News"-Gründer Christian Keller.

Telebasel und die Schweiz am Wochenende nahmen die OnlineReports-News über die Tresor-Knacker im Gartenbad St. Jakob auf.

In ihrem Artikel über die Solidarisierung von BVB-Mitarbeitenden mit einem BaZ-Redaktor nahm Prime News auf einen früheren OnlineReports-Beitrag Bezug.

Die Badische Zeitung nahm die OnlineReports-News über den Wechsel von Orthopäden vom Bruderholz-Spital in die Allianz von Universitätsspital Basel und Bethesda-Spital auf.

Die Basler Zeitung bezog sich in ihren Artikel über den Baselbieter Fremdsprachen-Streit auf OnlineReports.

In ihrem Bericht über die BVB-Tramblockade an der "Bankverein"-Kreuzung nahm die BZ Basel auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung und das SRF-Regionaljournal bezogen sich in ihren Berichten über das Urteil gegen den Rheinufer-Todesschläger auf OnlineReports. 

Die Basler Zeitung äusserte sich in einer Gerichtsberichterstattung über einen "Sexverbrecher" (so die BaZ) kritisch über OnlineReports.

Telebasel und die Basler Zeitung bezogen sich in ihren Berichten über das Bordell in der Schillerstrasse auf einen OnlineReports-Bericht.

Die BZ Basel, die Basler Zeitung, 20 Minuten, die Nachrichtenagentur SDA, das SRF-Regionaljournal und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über den Unfall an der Parking-Baustelle beim Kunstmuseum auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Beat Tschudin (48), seit rund zwölf Jahren den Fachbereich Fahrzeugbewirtschaftung der Baselbieter Polizei, übernimmt ab Dezember die Leitung des Fahrzeugwesens der Bau- und Umweltschutzdirektion als Nachfolger von Christian Oberhausser, der Ende August in vorzeitige Pension geht.

• Das Basler Gesundheits-Departement hat den Umzug von der St. Alban-Vorstadt an seinen neuen Hauptstandort an der Malzgasse 30 in Basel abgeschlossen.

Tom Ryhiner und Balz Stückelberger wurden an einer ausserordentlichen Generalversammlung in den Verwaltungsrat der St. Clara AG und damit gleichzeitig in den Verwaltungsrat des Claraspitals gewählt.

• Am 21. Juni fand der Spatenstich für den Neubau des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts) im BaseLink-Areal in Allschwil statt.

• Die Generalversammlung der "SVP Frauen Basel-Stadt" wählte Gianna Hablützel-Bürki einstimmig zur neuen Präsidentin.

• Nach elfjähriger Tätigkeit als Bürgerrätin der Basler Bürgergemeinde tritt die Juristin Gabriella Matefi auf Ende Jahr zurück.

• Die Nationalratsliste der Jungen LDP: Benjamin Grob, Emélie Dunn, Benjamin von Falkenstein, Adrienne Strahm und Michael Hug.

• Der frühere BVB-Kommunikations-Chef Stephan Appenzeller tritt die Nachfolge von Stephan Maurer als Präsident der IGöV Nordwestschweiz an.

• Die Nationalrats-Kandidierenden der EVP Baselland: Elisabeth Augstburger, Liestal; Sara Fritz, Birsfelden; Martin Geiser, Gelterkinden; Andrea Heger, Hölstein; Werner Hotz, Allschwil; Lukas Keller, Bottmingen

• Die Stadt Weil am Rhein und der Kanton Basel-Stadt veranstalten gemeinsam einen städtebaulichen Studienauftrag für das Areal Otterbach Süd in Weil am Rhein, das sich im Eigentum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel befindet.

• Der SP-Vizepräsident Mustafa Atici tritt Ende Mai aus dem Grossen Rat zurück und nach damit seiner Nachfolgerin Michela Seggiani Platz.

• Die Wintersingerin Nicole Roth wird neue Präsidentin der Jungen SVP Baselland (JSVP BL).

Anna Holm wird Präsidentin der Juso Baselland, Jasmine Bosshard und Noam Schaulin firmieren als Vizepräsidium.

• Der Arzt, Uni-Dozent, LDP-Grossrat, Meister E.E. Zunft zum Goldenen Stern und Aktivfasnächtler Raoul Furlano ist neuer Obersperber des Basler Sperber-Kollegiums.

• Eine Baselbieter Rentnerin übergab einem "falschen Polizisten" Schmuck im Wert von mehreren 10'000 Franken.

• Bei einem budgetierten Gewinn von 3 Millionen Franken schloss die Baselbieter Staatsrechnung mit einem Überschuss von 56 Millionen Franken.

• Die "Starke Schule Baselland" hat den Rückzug der Initiative "Niveaugetrennter Unterricht in Promotionsfächern" bekanntgegeben.

• Ein Referendums-Komitee hat am 30. März 5’000 Unterschriften für das Referendum gegen die "Lautsprecher-Beschallung" in Basel der Staatskanzlei übergeben.

• Die Rechnung 2018 des Kantons Basel-Stadt schliesst mit einem Überschuss von 283 Millionen Franken ab und liegt damit um 150 Millionen Franken über dem Budget.

• Die Universität Basel vergibt den Auftrag zur Realisierung des Ersatzneubaus Departement Biomedizin an das Basler Architekturbüro Burckhardt+Partner.

• Der Ständerat hat am 7. März einstimmig die Aufnahme der Projektierungskosten für die Durchmesserstrecke Herzstück in den Bahnausbauschritt 2035 beschlossen.

Michael Wilke wird neuer Leiter der Fachstelle Diversität und Integration in der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt und Nachfolger von Andreas Räss, der neuer Leiter des Baselbieter Amts für Migration und Bürgerrechte wird.

• Die Einführung von Mitarbeitergesprächen und einer leistungsabhängigen Lohnentwicklung bei den Baselbieter Kantonsangestellten führt dazu, dass die "Liga der Baselbieter Steuerzahler" ihre Verfassungsinitiative "Für eine vernünftige staatliche Personalpolitik" zurückzieht.