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Nein zur Theater-Subvention: Wo blieb die Regierung?

Von PETER KNECHTLI

Wenn wahr wäre, dass nur drei Prozent der Baselbieter Bevölkerung das Theater Basel besuchen – wie die SVP behauptet –, dann muss festgestellt werden, dass dieser angeblich verschwindende elitäre Zirkel fast die Hälfte der kantonalen Stimmbevölkerung hinter sich weiss. Und darum wäre ein Ja zu zusätzlichen Baselbieter Subventionenen von gut vier Millionen Franken jährlich an das Zentrums-Theater Basel auch richtig gewesen: Es trifft zu, dass nur eine Minderheit der Baselbieter Bevölkerung regelmässig das Theater Basel besucht. Aber ebenso zutreffend ist, dass auch eine bemerkenswerte Zahl Baselbieterinnen und Baselbieter, die das Theater nicht oder nicht regelmässig besucht, ein Spitzentheater in Basel will.

Sagen wir es doch ganz offen: Die meisten Wortführer gegen eine Subventionserhöhung kennen das Theater nur dem Namen nach. In den Aufführungen sind sie selten oder gar nie anzutreffen. Der moderne Kulturbetrieb passt ihnen ebenso wenig wie die künstlerisch umgesetzte Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen, weil sie diesen Diskurs gar nicht wollen.

Dass die SVP eher auf den gemütlichen Turnerabend oder der Theaterschwank im "Ochsen"-Saal steht, geht in Ordnung. Nun offenbart sich aber auch unter den Freisinnigen eine Tendenz der Entsolidarisierung mit einem hochprofessionellen Kultur-Konzern, der so etwas wie ein Gradmesser der staatspolitischen Befindlichkeit ist. Zwar hat die SVP das Referendum ergriffen, doch die FDP ist ihr mit ihrer Nein-Parole mehrheitlich gefolgt. Damit waren die Freisinnigen das Zünglein an der Waage und letztlich wohl sogar ausschlaggebend für das Subventions-Nein: Wäre die Partei engagiert in die Ja-Kampagne eingestiegen, hätte ein ebenso knappes Ja resultieren können.

 

"Die Baselbieter Regierung
liess Urs Wüthrich allein im Regen."


Aber die Partei war gespalten und ihr Präsident exponierte sich persönlich im Abstimmungskampf, obschon es in einigen Sektionen brodelte. Das war sein gutes Recht; ob sein Engagement geschickt war, ist zu bezweifeln, wie erste Parteiaustritte zeigen. Keine Frage: Die dramatisch roten Zahlen des Kantonshaushalts – weshalb musste es unter freisinniger Führung denn so weit kommen? – und die bevorstehenden drastischen Sparübungen dürften eine subventionskritische politische Grosswetterlage erzeugt haben.

Doch damit allein kann das Nein zur Theater-Subvention nicht erklärt werden, solange im Kanton Strassenbau-Projekt in Milliardenhöhe hängig sind. Wer den Abstimmungskampf verfolgt hatte, stellte fest, dass die bürgerliche Regierung, die dem Parlament die Subventions-Erhöhung beantragt hatte, weil der Kulturbereich als strategischer Bereich der Partnerschafts-Verhandlungen definiert wurde, ihren sozialdemokratischen Kulturdirektor Urs Wüthrich allein im Regen stehen liess: Als ginge es hier um ein sekundäres Traktandum der Kulturdirektion und nicht um die Agenda einer Kollegialregierung, wandte sich das BüZa-Quartett vom Abstimmungsgegenstand ab.

Da schien eine Exposition als regierungsrätliche Gegnerin der Waffenschutz-Initiative kurz vor den Wahlen scheinbar bedeutend vielversprechender. An keiner wichtigen Veranstaltung war ausser Wüthrich ein Baselbieter Regierungsmitglied auszumachen. Das ist Verantwortungsflucht und politische Unberechenbarkeit, was in der partnerschaftlichen Debatte der kommenden Monate noch zu reden geben dürfte: Der Entscheid, die Subventionen an die Theater zu erhöhen, war ein Regierungs- und kein blosser Direktionsentscheid.

Nicht nur unterschwellig war am Abstimmungs-Sonntag der Vorwurf zu hören, das Baselbiet habe nicht Wort gehalten. Ganz unschuldig daran ist die Regierung an dieser Einschätzung nicht: Wir hätten ja gewollt, aber das Volk wollte nicht. Souveräner Regierungsstil sieht anders aus.

Das Volk hat nun entschieden – und der Entscheid ist zu respektieren. Doch für das Theater ist das Problem nicht gelöst, ganz im Gegenteil. Denn die baselstädtische Subventionsvorlage ist ein Konzept unter Vorbehalt der Zustimmung des Baselbiets, und diese Zustimmung blieb der Vorlage versagt. Noch bleibt offen, wie die preisgekrönte Institution ("Oper des Jahres") künftig über die Runden kommt: Eintrittspreis-Erhöhungen? Verstärktes Sponsoring? Oder gar Verzicht auf eine der drei Sparten als Radikalvariante?

Die SVP führte im Vorfeld der Abstmmung aus, der "Basel Sinfonietta" gehe es besser denn je, seit Baselland dem Orchester vor mehr als sechs Jahren die Subventionen strich. Der Wahrheitsgehalt dieser Aussage dürfte schon auf dem Prüfstand stehen.

Allerdings trifft zu, dass sich das Theater Basel noch allzu sehr als ein Basler Zentrums-Theater versteht. Soll die Stimmung im Baselbiet in den kommenden vier Jahren kippen, müssen Theater, Orchester, Chöre und Ballett künftig häufiger im Baselbiet auftreten. Es brauchen keine aufwändigen Aufführungen zu sein, wie "Alexander's Feast" in Augusta Raurica. Eine Dimension wie jene des in Baselbieter Beizen aufgeführten hochprozentigen Minidramas "Durst" würde reichen.

Aber die Präsenz des "Theaters Basel" im Baselbiet müsste Konzept werden, nicht nur Abstimmungsanimation.

Abstimmungsbericht und Reaktionen

13. Februar 2011
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"Für einen Kanton Nordwestschweiz"

Verloren hat nicht nur das Theater, sondern die ganze Region. Wer weiss, wäre nicht gleichzeitig über die Waffenschutz-Initiative abgestimmt worden – vielleicht sähe das Resultat umgekehrt aus. Für die SVP/FDP erachte ich das Ergebnis als Pyrrhussieg. In jedem Fall hoffe ich, dass sich die sehr grosse Zahl der Theaterbefürworter in Zukunft mehr für die Schaffung eines Kantons Nordwestschweiz engagiert. Denn nicht nur Spitzenkultur, sondern auch alle anderen grossen Aufgaben wie Gesundheit, Universität und Verkehr müssen von der ganzen Region gemeinsam angepackt und getragen werden. Nur so wird sie stark, erfolgreich und zukunftsfähig.


Peter P. Bauer, Basel



"Mangelnde Unterstützung sauer aufgestossen"

Wie Peter Knechtli ist auch mir die mangelnde Unterstützung der Theatervorlage durch die "BüZa"-Regierungsräte und Sabine Pegoraro sauer aufgestossen. Der Auftritt von Adrian Ballmer im Lokalfernsehen hat mich gar an die Zürcher Jugendunruhen von 1980 mit dem Slogan "Macht aus dem Staat Gurkensalat" erinnert.


Ich weiss, dass der Finanzdirektor regelmässig die FCB-Spiele im "Joggeli" verfolgt und Beiträge an die jeweiligen Polizeieinsätze leistet. Dass er jedoch ein "Ja" für die Theatervorlage vor laufender Kamera verweigert und das Kollegialitätsprinzip unterlaufen hat, können viele altgediente und langjährige FDP-Anhänger nicht mehr akzeptieren. Kann Adrian Ballmer den Wortbruch gegenüber dem Partnerkanton wirklich verantworten?


Werner Strüby, Aesch



"Zweimal habt ihr im Baselbiet eure Steuern gesenkt"

Es ist nicht zu glauben wie ihr Baselbieter engstirnig und kleinkariert argumentiert. Ich bin auch Baselbieter, wohne aber in der Stadt. Herr Schäfli, erinnern Sie sich: Zweimal habt ihr im Baselbiet eure Steuern gesenkt. Anscheinend um vorsätzlich ein Defizit zu erzeugen, damit ihr dann ein Argument habt, kulturelle Institutionen, die ihr mitbenutzt, nicht mitbezahlen zu müssen. Oder besteht euer Bedürfnis nach nährender Kultur darin, im Kleiderkasten ein Gewehr stehen zu haben und ist euer Musentempel der Schiesstand?


Lars Handschin, Bürger von Ormalingen, Basel



"Gespannt auf das Sparpaket"

Leider gibt es bei der Analyse der Abstimmungsresultate im Hinblick auf Baselbieter Weitsicht nicht viel Positives zu berichten. Einzig der Umstand, dass es auch innerhalb der FDP vernünftige und verlässliche Politikerinnen und Politiker gibt, stimmt mich einigermassen zuversichtlich. Dass mit Rosmarie Leuenberger und Hans Plattner zwei bürgerliche Exponenten an vorderster Front für ein starkes und qualitativ hochstehendes Theater Basel gekämpft haben, freut mich.


Gespannt bin ich auf die anstehende Debatte im Landrat, wenn es um das Schnüren des angekündigten Sparpakets geht. Ich gehe davon aus, dass dann die Opfersymmetrie und bei Ausgabenkürzungen die strategische Weitsicht und Weichenstellung zum Tragen kommt. Luxus-Hochbauten und immer teurer werdende Strassenabschnitte werden dann hoffentlich ebenso kritisch hinterfragt werden.


René Gröflin, SP-Landratskandidat, Frenkendorf



"Theater muss die Gemüter gewinnen"

Einmal mehr eine messerscharfe Analyse von Peter Knechtli – gültig auch weit über die Verhältnisse in Basel Stadt und Baselland hinaus. Die hoch subventionierten öffentlichen Theaterbetriebe und ihre Trägerinstitutionen müssen aus ihrem pseudointellektuellen, exklusiv-elitären Elfenbeinturmdenken heraustreten und – auf welchem Weg auch immer – die Geister und Gemüter – der Steuern zahlenden Bevölkerung gewinnen. Das haben sie bisher nicht wirklich geschafft. Das Abstimmungsergebnis in Baselland ist ein klarer Beleg dafür und kein singuläres Ereignis.


Kurt Walser, Zürich



"Die heutigen 250 Millionen Franken sind die Schmerzgrenze"

Beim erfreulichen Ausgang der Theaterabstimmung geht es um weit mehr als das Theater. Es geht darum, ob das Baselbiet einfach ohne Ende Millionen Steuergelder nach Basel-Stadt senden soll. Hier wurde ein klares Signal der Baselbieter Stimmenden gesetzt: Wir wollen keine zusätzlichen Subventionen an städtische Institutionen überweisen. Die heutigen 250 Millionen Franken, die das Baselbiet jährlich nach Basel überweist, sind die Schmerzgrenze. Das Baselbiet will nicht Goldesel für die reiche Stadt spielen. Vielleicht lernt Basel-Stadt hier einmal etwas für die Zukunft.


Patrick Schäfli, Landrat FDP, Mitglied Referendumskomitee, Pratteln


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"Anwätltin"

Schweizer Fernsehen
Text auf einem Standbild
der Verteidigerin
des Fussballers Dani Alves
am 22. Februar 2024
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Drippelfehler.

RückSpiegel


Die bz zitiert den OnlineReports-Artikel über die Wiedereröffnung des Gefängnisses in Sissach.

Baseljetzt erzählt den OnlineReports-Artikel über die Räppli-Krise nach.

Das Regionaljournal Basel, Baseljetzt, BaZ und 20 Minuten vermelden mit Verweis auf OnlineReports den Baufehler bei der Tramhaltestelle Feldbergstrasse.

Die Basler Zeitung bezieht sich in einem Interview zu den Gemeindefusionen auf OnlineReports.

persoenlich.com und Klein Report vermelden mit Verweis auf OnlineReports die Personalrochade bei Prime News.

Die Volksstimme schreibt über die Wahl von Claudio Miozzari zum Grossratspräsidenten von Basel-Stadt und zitiert dabei OnlineReports.

In einem Artikel über die Leerstandsquote bei Büroflächen in Basel nimmt die bz den Bericht von OnlineReports über einen möglichen Umzug der Basler Polizei ins ehemalige Roche-Gebäude an der Viaduktstrasse auf.

Das Regionaljournal Basel und die bz berichten über die Bohrpläne der Schweizer Salinen im Röserental und beziehen sich dabei auf OnlineReports.

Landrat Thomas Noack zitiert in einem Carte-blanche-Beitrag in der Volksstimme aus dem OnlineReports-Artikel über die Finanzkrise in Baselbieter Gemeinden.

Die Nachrichtenagentur SDA nimmt Bezug auf OnlineReports und schreibt, dass SP-Nationalrätin Sarah Wyss für eine Regierungs-Kandidatur nicht zur Verfügung steht.

Baseljetzt und Klein Report vermelden mit Verweis auf OnlineReports, dass Swisscom die Führungen durch den Fernsehturm auf St. Chrischona einstellt.

20 Minuten und ein Podcast der Zeit nehmen den Artikel von OnlineReports über das Hupe-Verbot für das Kinderkarussell auf dem Münsterplatz auf.

Die bz zieht den OnlineReports-Artikel über die frühere Grellinger Kirchen-Kassiererin nach, die ihre Verurteilung vor Bundesgericht anficht.

Die Basler Zeitung und Happy Radio greifen die OnlineReports-Recherche zur Girema Bau AG auf.  

 

Weitere RückSpiegel

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In einem Satz


Cyril Bleisch übernimmt bei den Jungfreisinnigen Baselland das Präsidium von Lucio Sansano.

Die Basler Sozialdemokraten haben die SP queer Basel-Stadt gegründet und als neues Organ in den Statuten der Partei verankert.

Eiskunstläuferin Kimmy Repond und Wasserfahrer Adrian Rudin sind Basler Sportlerin beziehungsweise Basler Sportler des Jahres.

Jean-Luc Nordmann übergibt das Präsidium der Stiftung Tierpark Weihermätteli per 1. Januar 2024 an Martin Thommen.

Iris Graf steigt von der Projektleiterin und akademischen Mitarbeiterin der Baselbieter Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern zur Leiterin auf.  

Sonja Kuhn,
ehemalige Co-Leiterin der Abteilung Kultur Basel-Stadt, ist neu Präsidentin der SRG Region Basel.

Florian Nagar-Hak und Saskia Bolz übernehmen die Leitung des Gesundheitszentrums Laufen, das zum Kantonsspital Baselland gehört.

Mohamed Almusibli übernimmt ab März 2024 die Direktion der Kunsthalle Basel von Elena Filipovic.

Marilena Baiatu ist neue Kommunikationsbeauftragte der Staatsanwaltschaft im Kanton Baselland und ersetzt Thomas Lyssy, der Ende November pensioniert wird.

 

Mitte-Landrat Simon Oberbeck folgt am 1. August 2024 als Geschäftsführer der Schweizerischen Vereinigung für Schifffahrtund Hafenwirtschaft auf André Auderset.

Die Junge SVP Basel-Stadt hat Demi Hablützel (25) einstimmig für zwei weitere Jahre als Präsidentin wiedergewählt.

Dominic Stöcklin wird neuer Leiter Marketing und Mitglied der Geschäftsleitung von Basel Tourismus.

 

Samir Stroh, aktuell Gemeindeverwalter in Brislach, übernimmt Anfang Mai 2024 die Leitung von Human Resources Basel-Stadt.

Das Sperber-Kollegium hat Sterneköchin Tanja Grandits zur "Ehrespalebärglemere 2023" ernannt.

Der mit 50'000 Franken dotierte Walder-Preis geht dieses Jahr an Konrad Knüsel, den Präsidenten des Vernetzungsprojekts Rodersdorf und des Naturschutzvereins Therwil.

Götz Arlt tritt am 1. Januar 2024 die Nachfolge von Christian Griss an und übernimmt die Stufenleitung der Sekundarschulen I im Bereich Volksschulen des Erziehungsdepartements Basel-Stadt.

Michael Gengenbacher tritt am 1. Februar 2024 seine neue Stelle als Chief Medical Officer (CMO) und Mitglied der Spitalleitung beim Bethesda Spital an.

Markus Zuber übernimmt am 1. Oktober die Leitung der St. Clara Forschung AG (St. Claraspital).

Das Präsidium der Juso Baselland besteht neu aus Clara Bonk, Angel Yakoub (Vize) und Toja Brenner (Vize).