Adil Koller: #grenzenlos

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"Adil, wohär bisch du eigentlich?"

"Mein Vater kommt aus Pakistan." Das sage ich dem Döner-Verkäufer, der - ich nehms ihm nicht übel - fälschlicherweise dachte, ich sei Türke. Er lacht und sagt, wir seien ja alles Brüder. Ich lache mit. True that, bro!

Pakistan? Das ist nur die halbe Wahrheit. Oder weniger. Mit meinem leiblichen Vater bin ich nicht aufgewachsen, deshalb habe ich nicht viel von ihm. Den Teint, vielleicht etwas Temperament und immerhin den Vornamen Adil, der ja eindeutig einen Migrationshintergrund verrät. Dafür weder Sprache noch Pass, aber das ist ja heute das wichtigste Merkmal für die Herkunft, scheint mir.

Meinen Nachnamen habe ich aber von meinem Vater, einem Schweizer, gelernten Gärtner. Aufgewachsen als Halbwaise in einem Basler Arbeiterquartier, war er Hilfsarbeiter, lange Zeit Postbote, Büezer durch und durch. Der Koller traf im grossen roten Postgebäude am Basler Bahnhof auf eine hübsche Westschweizerin, auch sie gelernte Gärtnerin, junge und alleinerziehende Mutter, selbst Tochter eines Chemikers. Im Rucksack noch die Matur und eine abgebrochene Lehre als Landwirtin auf dem Hof eines Baselbieter SVP-Nationalrates.

 

"Ein bisschen Migrant zum Vornamen und ein Nachnamen aus dem hintersten Appenzell."


Gegensätze ziehen sich an. Sie stammt aus einem behüteten Akademiker-Haushalt, ist belesen, spricht ein halbes Dutzend Sprachen. Und er hat als kleiner Bub den Vater an den Krebs verloren, kämpft sich durch Kleinklassen und schrammt nur knapp am Drogenmilieu vorbei, fällt und steht auf, schafft dann doch noch die Lehre und findet bei der Post einen Job, der ihm gefällt und die Frau, die er liebt.

Der Koller hat ihren kleinen Jungen mit den rabenschwarzen Haaren und der frechen Klappe adoptiert. Er gibt ihm mit, was er kann, alles was er hat. Liebe, Zuneigung, Unterstützung. Wenn der kleine Junge von der Schule nach Hause kommt, auch mal mit einer guten Note, dann ist er vielleicht ein klein wenig neidisch, aber trotzdem "so stolz uff mi Sohn". Und wenn ihn die grösseren Buben geplagt haben, dann drückt er ihn an seine Brust, ganz fest, so wie es Väter eben tun, wenn sie ihre Kinder lieben. Diese Umarmung fehlt mir jetzt.

Ich kenne Menschen, bei denen der eine Elternteil aus einem fernen Land stammt. Sie erzählen dann von ihren zwei Identitäten, vom hin- und hergerissen sein. Das kenne ich nicht. Auch wenn mein Name etwas anderes sagt: ein bisschen Migrant zum Vornamen und ein Nachnamen aus dem hintersten Appenzell.

Manchmal sind die Dinge eben nicht, wie sie scheinen, wie sie aussehen. Ich habe nur eine Identität, weil ich nicht nur hier aufgewachsen bin, sondern auch nur von Menschen erzogen wurde, die auch hier gross geworden sind. Aber ich musste mich oft damit auseinandersetzen. Wohär bisch du eigentlich?, fragen mich die Menschen. "Aus Münchenstein" sage ich dann und grinse.

Blutsherkunft ist irrelevant. Wichtig sind die Bindungen, die Gefühle und - ganz einfach - die Erziehung. Ein Vater ist nicht der, der ein Kind zeugt. Ein Vater ist der, der ein Kind erzieht. Heimat ist nicht dort, wo das Blut herstammt. Heimat ist dort, wo sich das Herz zuhause fühlt. Nationalitäten sagen oft nichts über die Identität aus.

Wie kann jemand, der ohne Vater aufgewachsen ist, überhaupt wissen, wie man Vater ist? Ich weiss nicht, wie er das geschafft hat. Vor zwei Jahren hat er sein Leben auf einer Basler Strassenkreuzung verloren. Diese Spuren von Liebe, die mein Vater hinterlassen hat, prägen mich. Er war Halbwaise. Ich bin Halbwaise. Er ist wie ich. Ich bin wie er. Vater und Sohn.

Ich will einmal Vater werden.

20. Oktober 2014
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
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Adil Koller, Jahrgang 1993, hat 2013 die Matur am Gymnasium Münchenstein abgeschlossen (Maturarbeit: Der Einfluss von Margaret Thatcher auf Christoph Blocher). Er hat danach seinen Zivildienst absolviert und im Herbst 2014 das Wirtschafts- und Soziologiestudium an der Universität Basel begonnen. Koller engagiert sich in der Juso Baselland und in SP seiner Wohngemeinde Münchenstein. Dort betreibt er auch zusammen mit dem BDP-Politiker Filip Winzap die Jugend-Initiative "The Next Generation".

adil.k@gmx.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
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"Berührender Text"

Ein sehr berührender Text, ich bin beeindruckt.


Sibylle Mauli, Basel



"Hervorragend geschrieben, geistreich und amüsant"

Lieber Herr Knechtli, mit der Wahl von Adil Koller hatten sie ein prima Händchen. Als Münchensteiner bin ich natürlich besonders stolz auf Adil Koller!


Auch diese Kolumne von Adil Koller, hervorragend geschrieben, geistreich und amüsant, eine weitere Grenzüberschreitung, das pure Gegenteil von dem, was man heute immer häufiger zu lesen bekommt, nicht nur in Gratisanzeigern und Leserbriefen, dieses den geistigen Horizont verengende Geschreibsel. Grenzüberschreitungen, nicht nur geografische, sind nun mal das Salz des Lebens. Besonders beeindruckt hat mich Adil Kollers Mut und seine Offenheit, über Privates zu sprechen. Und dass dies auch wieder mal gesagt sei: Wenn es herrlich wird, war es Mühe und Arbeit. Merci und Félicitations!


Pius Helfenberger, Münchenstein



"Beeindruckende Zeilen"

Beeindruckende Zeilen contra alle religiöse und politische Dogmatiker.


Bruder Christoph Wilden, Oekumenische Gemeinschaft Kloster Beinwil



"Glücklich ist ..."

Glücklich ist, wer sich so beschreiben kann. Glücklich ist, wer diesen Text lesen kann und dabei versteht, was er uns zu sagen hat.


Toni Fricker, Zwingen


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"Geboren, getauft, geimpft"

Erich Kästner
in "Das fliegende Klassenzimmer", Roman aus dem Jahr 1933
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3G ist keine neue Erfindung.

RückSpiegel


Der Tages-Anzeiger geht in seinem Bericht über die neue Post-Strategie auf OnlineReports-Nachrichten über die Verteuerung der Vereinspostfächer und die allemeine Kostenpflicht für Postfächer ein.

In ihrem Beitrag über den Prozess der Wirtschaftskammer Baselland gegen einen ehemaligen Journalisten der "Basler Zeitung" nahm die Medienwoche auf OnlineReports Bezug.

20 Minuten nahm die OnlineReports-Geschichte über einen FCB-Hooligan und vor Appellationsgericht erfolglosen DNA-Verweigerer auf.

Die BZ Basel, Telebasel, Bajour und Prime News nahmen zum Rücktritt des Basler Nationalrats Christoph Eymann Bezug auf ein OnlineReports-Interview.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über die Polizei-Kontrolle von Rechtsextremen in Bubendorf nach.

Telebasel nahm den OnlineReports-Primeur über die Sichtung einer Waschbären-Familie in Gelterkinden auf.

20 Minuten nahm die OnlineReports-Meldung über die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen den Basler Grossrat Eric W. auf.

20 Minuten, Telebasel und die BZ Basel nahmen die OnlineReports-News über die Durchführung der Basler Herbstmesse auf. Die Basler Zeitung kam einen Tag später und unterliess die Quellennennung.

Bajour nahm im Artikel über die Basler Nano-Forschung auf eine OnlineReports-Meldung Bezug.

Im Beitrag von Prime News über die "zunehmende Missachtung der Aufgabentrennung zwischen Staat und Medien" wird OnlineReports zitiert.

Telebasel und die BZ Basel nahmen die OnlineReports-News über den Grund des Tramunglücks vom Oktober 2019 auf.

Die OnlineReports-Erstmeldung über die zweite Beschwerde von ex ASE-Präsident Simon Müller vor Bundesgericht wurde von der BZ Basel aufgenommen.

Die Medienwoche nahm den OnlineReports-Leitartikel über die Förderung von Onlinemedien ohne Subventionen in ihr Monitoring auf.

Telebasel, 20 Minuten und Primenews nahmen die OnlineReports-Exklusivmeldung über den Ausnahmezustand im überfüllten Gartenbad St. Jakob auf.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Bettina Buomberger (40) wechselt von der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion in die Finanz- und Kirchendirektion und übernimmt die Leitung des Personalamts an Stelle von Martin Lüthy, der den Kanton per 30. Oktober 2021 verlässt.

1'500 Unterschriften trägt die Petition an die Vertreter der Leimentaler Gemeinden, die mehr Velostrassen im Leimental fordert.

Die baselstädtische EVP nominiert Gemeinderätin Christine Kaufmann für das Riehener Gemeindepräsidium und gleichzeitig für den Gemeinderat, und Bürgerrat Daniele Agnolazza als Gemeinderat.

Flavio Casanova und Thomas Schneider werden neue Verwaltungsräte der Basler Verkehrs-Betriebe anstelle von Sibylle Oser und Kurt Altermatt, die nicht mehr zur Wiederwahl antreten.

Die SP Riehen nominierte den bereits amtierenden Gemeinderat Guido Vogel zusammen mit Grossrätin Edibe Gölgeli für den Gemeinderat.

Die grünliberale Fraktion wählt Grossrat Bülent Pekerman ins Büro des Basler Grossen Rates und nominiert ihn damit im kommenden Jahr für das Amt des Statthalters und im 2023 zum ersten Grossratspräsidenten der GLP.

Das Basler Silvester-Feuerwerk kann auch dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden.

Die frühere Baselbieter SP-Landrätin und Landrats-Präsidentin Heidy Strub ist am 21. September im Alter von 83 Jahren gestorben.

Die Birsfelder EVP-Landrätin Sara Fritz tritt nach zwölf Jahren zurück, um ihren Muttenzer Parteikollegen Thomas Buser nachrücken zu lassen.

Der Kanton Basel-Stadt budgetiert für das Jahr 2022 einen Überschuss von 78 Millionen Franken.

Ab dem 1. Oktober übernimmt Jonathan Koellreuter die Leitung des Portfolio-Managements bei Immobilien Basel-Stadt (IBS).

Raffael Kubalek wird per 1. Oktober neuer stellvertretender Generalsekretär in der Baselbieter Sicherheitsdirektion und Nachfolger von Katrin Bartels, die Gemeindeverwalterin von Arlesheim wird.

Laut Beschluss der Mitgliederversammlung stehen Patricia von Falkenstein als Präsidentin und Michael Hug als Vize "für (mindestens) vier weitere Jahre" (so die offizielle Medienmitteilung) der Basler LDP vor.

Der 52-jährige Museumsfachmann Werner Hanak übernimmt auf 15. Oktober 2021 die stellvertretende Leitung der Abteilung Kultur Basel-Stadt.

Die Basler Regierung beantragt für die Weiterführung der kantonalen Entwicklungs-Zusammenarbeit für die Jahre 2022 bis 2025 Ausgaben in der Höhe von acht Millionen Franken.

Im Baselbiet sinkt der Leerwohnungsbestand auf 1 Prozent, was einem noch tieferen Wert entspricht, der derzeit in Basel-Stadt gilt.

Die Baselbieter Juso haben am 16. August über 2’100 Unterschriften für ihre Initiative "ÖV für alle" eingereicht, die das U-Abo für alle im Kanton wohnhaften Personen gebührenfrei machen will.

Die imposante Kanada-Pappel auf dem Basler Wiesendamm steht nicht mehr stabil und ihr Stammfuss ist teilweise faul, weshalb sie am 16. August gefällt und durch einen Jungbaum ersetzt wird.

Der 30-jährige Rechtsverteidiger Michael Lang wechselt per sofort von Borussia Mönchengladbach zurück zum FC Basel.

Barbara Rentsch wird neue Geschäftsleiterin der staatlichen Liegenschafts-Verwaltung Immobilien Basel-Stadt (IBS) und Nachfolgerin von Rolf Borner, der das Finanzdepartement per Ende Juli verlassen wird.

Christoph Gloor wird per 1. Juli neuer Präsident der Stiftung des Kunstmuseums Basel als Nachfolger von Markus Altwegg.

Sämtliche Nacht-S-Bahnen, Nachttrams und Nachtbusse des TNW-Nachtnetzes verkehren ab dem ersten Wochenende im Juli wieder gemäss Fahrplan.

Hptm Pascal Geiger wird per 1. Juli 2021 die Leitung der Sicherheitspolizei Ost von Hptm Armin Reichenstein übernehmen, der intern in die Verkehrspolizei wechselt.

Das Basler Gesundheitsdepartement hebt die befristete Verfügung "Allgemeine Maskentragpflicht und Konsumationsverbot von Speisen und Getränken auf Allmend in der Steinenvorstadt" per Samstag, 26. Juni, auf.

Corinne Hügli wird per 1. Oktober neue Leiterin des Statistischen Amts Baselland und Nachfolgerin von Johann Christoffel, der Ende September in den Ruhestand tritt.

Als Nachfolger von Felix Keller übernimmt am 1. Juli Simon Oberbeck das Präsidium der Baselbieter CVP/GLP-Fraktion.

Der diplomierte Ingenieur Florian Kaufmann wird per 1. September im Baselbieter Amt für Raumplanung die Leitung der Abteilung Öffentlicher Verkehr übernehmen (Nachfolge von Eva Juhasz).