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"Athletik und Härte": "Basler Zeitung"-CEO Rolf Bollmann

"Es tut mir leid, wenn ich Gefühle verletzt haben sollte"

BaZ-CEO Rolf Bollmann über seine Rolle als Turnaround-Manager, seine Pläne mit der "Basler Zeitung" und sein Ausflippen gegen Journalisten


Von Peter Knechtli


Rolf Bollmann ist als CEO mit dem Rückbau der "Basler Zeitung" beauftragt. Im Exklusiv-Interview mit OnlineReports schildert er die Schwierigkeiten des Unternehmens und seine Pläne, aus der BaZ eine Umsatzrendite von über zehn Prozent zu erzielen. Er äussert sich zum Herzog-Porträt und entschuldigt sich für seine brutale Journalisten-Schimpfe.


OnlineReports: Herr Bollmann, wie viele Mitarbeitende wird das Medienhaus der "Basler Zeitung", das in den Zeiten seiner Zürich-Expansion gegen zweitausend Personen beschäftigte, nach der Druckerei-Schliessung noch haben?

Rolf Bollmann: Oh, da erwischen Sie mich auf dem linken Fuss. Diese Statistik habe ich noch nicht erhalten. Über den aktuellen Stand muss ich mich erst erkundigen.

OnlineReports: Was geschieht mit der riesigen Rotations-Druckmaschine, die vor neun Jahren für 85 Millionen Franken gekauft wurde?

Bollmann: Erst wenn die Schliessung unwiderruflich sein sollte, müssen wir versuchen, die Maschine zu verkaufen – vielleicht nach China, wo ein boomender Markt existiert. Aber der Transport dorthin würde sicherlich auch noch einiges kosten. Ich liess den Verkauf einmal rechnen. Vielleicht können wir noch einen zweistelligen Millionenbetrag lösen.

OnlineReports: Mit welchem Abschreiber rechnen Sie?

Bollmann: Ebenfalls mit einem zweistelligen Millionenbetrag.

OnlineReports: Wir befinden uns hier an der Hochbergerstrasse in einem fast gespenstisch grossen Gebäude, das immer noch Hauptsitz der BaZ ist, aber wohl nur noch zu einer Minderheit von ihr genutzt wird. Verlässt der Verlag bald einmal die Hochbergerstrasse?

Bollmann: Ja, das ist vor allem mein erklärtes Ziel, weil der finanzielle Druck dieses riesengrossen Gebäudes auf die Produkte umgewälzt wird. Das Ergebnis der BaZ-Gruppe wird von allen Quadratmetern belastet – ob es sich um belegte oder Leerflächen handelt. Deshalb möchte ich möglichst rasch hier ausziehen.

OnlineReports: Wohin?

Bollmann: Ideal wäre es, die Redaktion und den reduzierten Verlag räumlich zusammenzuführen. Der Aeschenplatz wäre sicher ein geeigneter Standort.

"Es gibt viele Zeitungen dieser Grösse,
die gute Renditen erwirtschaften."




OnlineReports: Wieviele Leute sollen von der Hochbergerstrasse an den Aeschenplatz gezügelt werden?

Bollmann: Wir gehen von etwa 100 Personen aus. Erst einmal prüfen wir, ob dort genügend Platz vorhanden ist. Dann überlegen wir auch, die Abo-Verwaltung und das Call-Center auszugliedern. Hier gibt es Verhandlungen mit möglichen Partnern. Wir prüfen, ob Qualität und Einsparungen harmonieren.

OnlineReports: Dann käme es in diesen Bereichen auch noch zu Personalabbau?

Bollmann: Es werden am neuen Ort einige Mitarbeiter übernommen, sollte es zu einem Abschluss kommen.

OnlineReports: Sie sagten, die Talsohle bei der "Basler Zeitung" sei jetzt erreicht. Woran dachten Sie konkret?

Bollmann: Ich dachte vor allem an die Zeitung. Ob die Talsohle tatsächlich schon erreicht ist, bin ich mir noch nicht ganz sicher. Die konjunkturelle Situation macht mir Sorgen. Ich hoffe, dass wir die Entwicklung im Anzeigen- und im Lesermarkt einigermassen stabil halten können. Aber wenn die Druckerei geschlossen wird, und wir von den enormen Raumkosten, Nebenkosten an der Hochbergergstrasse finanziell entlastet sind, habe ich die wirkungsvollsten Massnahmen meines Sanierungkonzepts umgesetzt.

OnlineReports: Wieviele Millionen können Sie durch die Auslagerung des Zeitungsdrucks an Tamedia einsparen? Man spricht von vier bis sechs Millionen Franken.

Bollmann: Wenn man alles mit einbezieht, kommt man noch auf einen höheren Betrag.

OnlineReports: Wie bewegt sich die BaZ-Auflage aktuell – abwärts oder leicht aufwärts?

Bollmann: Im Jahr 2012 hatten wir eine sehr, sehr hohe Abo-Erodierung im hohen einstelligen Prozentsatz. Die Gründe sind bekannt.

OnlineReports: Könnte die BaZ auch mit einer Auflage von 40'000 noch lebensfähig sein?

Bollmann: Das könnte sie schon. Es gibt viele Zeitungen in dieser Grössenordnung, die gute Renditen erwirtschaften. Dass die führende Tageszeitung im zweitgrössten Wirtschaftsraum der Schweiz auf dieses Niveau zurückfällt, kann ich mir nicht vorstellen.

OnlineReports: Was soll denn aus der "Basler Zeitung" werden?

Bollmann: Eine Qualitäts-Kaufzeitung, die eine vernünftige Rendite erzielt. Ich gehe von 12 bis 15 Prozent EBIT-Marge aus. Das ist der Massstab, den die führenden guten Regionalzeitungen in der Schweiz aufweisen. Eine solche Rendite ist in Basel mit der "Basler Zeitung nackt" mit Sicherheit möglich.

OnlineReports: Wir gehen davon aus, dass auch die Spezialitäten-Druckerei Birkhäuser+CGB in Reinach in absehbarer Zeit verkauft wird.

Bollmann: Diese Annahme ist nicht falsch. Dieses Jahr werden wir entscheiden, wie es mit dieser Firma weiter geht. Wenn wir verkaufen, stellt sich die Frage, ob in Einzelteilen oder als Gesamtunternehmen. Die Akzidenzdruckerei Birkhäuser verdient nicht gross Geld, aber sie ist absolut kein Sanierungsfall. Einige Geschäftsfelder sind stark unter Druck. Dafür hat Birkhäuser den Vorteil, sich über gewisse Spezialitäten wie Verpackungsdruck und Packungsbeilagen für die Pharmaindustrie zu positionieren, wo sie eine starke Marktstellung hat.

OnlineReports: Gibt es schon Interessen?

Bollmann: Birkhäuser ist ein gefragtes Unternehmen. Aber wir haben bisher noch keine Verkaufsverhandlungen geführt.

OnlineReports: Was geschieht mit dem Gratisanzeiger "Baslerstab"?

Bollmann: Wir überlegen, die Erscheinungsweise von zweimal auf einmal wöchentlich zu reduzieren. Da ist aber noch nichts entschieden. Daraus könnte eine deutliche Ergebnisverbesserung resultieren. Von einer Einstellung des "Baslerstabs" war bisher nie die Rede.

OnlineReports: Ist er rentabel?

Bollmann: Ja, auch wenn man mit ihm nicht Millionen verdient ...

OnlineReports: ... wie in seinen besten Zeiten, als er jährlich gegen fünf Millionen Franken Gewinn in die Kasse spülte.

Bollmann: Das kann schon sein. Dieser Gewinn fliesst heute zu "20 Minuten Basel". Als ich in Basel "20 Minuten" lancierte, wurden wir vom "Baslerstab" als unserem grossen Konkurrenten noch ausgelacht. Das Lachen verging ihm dann allerdings bald.

OnlineReports: Mit welchem Gruppen-Umsatz rechnen Sie dieses Jahr?

Bollmann: Das möchte ich nicht sagen. Das Budget ist noch nicht bis ins letzte Detail verabschiedet, da die Frage der Zeitungsdruckerei nicht endgültig geklärt ist.

"Dass sich die Mitarbeiter verarscht vorkommen,
das spürte ich."




OnlineReports: Den Schliessungsentscheid haben Sie den Mitarbeitenden persönlich eröffnet. Wie war Ihnen zumute?

Bollmann: Ich habe als älterer Herr schon einiges durchgemacht in meinem beruflichen Leben. Aber diese Situation war seelisch extrem belastend. Wenn man so vielen Kolleginnen und Kollegen in die Augen schauen muss, die während zwanzig, dreissig oder sogar vierzig Jahren immer korrekt und mit hoher Qualität gearbeitet haben, und ihnen sagen muss, dass sie ihre Arbeitsstelle verlieren, dann kann man das persönlich eigentlich nicht verarbeiten und verantworten.

OnlineReports: Wie haben die Betroffenen auf die Hiobsbotschaft reagiert?

Bollmann: Dass sich die Mitarbeiter verarscht vorkommen, das spürte ich, und dafür hatte ich mehr als Verständnis. Ich kann mir vorstellen, wie viele Mitarbeitende jetzt in Schwierigkeiten kommen, nicht nur finanziell, sondern auch bezüglich fehlender Wertschätzung.

OnlineReports: Welches sind in der BaZ-Gruppe derzeit noch die grössten Baustellen?

Bollmann: Es gibt schon noch einige Baustellen, aber nicht in der Art, dass in grosser Zahl Mitarbeitende entlassen werden müssten. Allerdings werden sich einzelne Entlassungen nicht ganz vermeiden lassen.

OnlineReports: Sie könnten den Zeitungsmantel vom "Tages-Anzeiger" beziehen und damit Kosten sparen.

Bollmann: Sie meinen das Modell "Tages-Anzeiger"/"Bund". Das könnte man schon. Das Redaktionsbudget liesse sich dadurch um 50 Prozent reduzieren, was viele Millionen Einsparungen bedeuten würde. Und die Rendite wäre dann nicht 12 oder 15 Prozent, sondern 20 Prozent. Aber die Eigentümer wollen eine unabhängige, bürgerliche Zeitung bewahren.

OnlineReports: Wo läge das Problem?

Bollmann: Die Integration der BaZ in ein Mantelkonzept, ob mit dem "Tages-Anzeiger" oder einer anderen Zeitung, steht im Widerspruch zur Positionierung der BaZ, wie sie von den Inhabern gewünscht wird. Also sind wir in der Synergienutzung eingeschränkt, sicher in den Kernressorts wie Inland, Ausland, Region und Wirtschaft. Deshalb kommt ein Mantelkonzept nicht in Frage. Vielleicht wäre ein Austausch von unpolitischen Seiten – wie etwa "Wissen" oder "Kultur" – oder von Serviceseiten denkbar.

"In diesem Hause wurden in den letzten Jahren
gravierende Fehler gemacht."




OnlineReports: Orten Sie grosse Fehler früherer BaZ-Unternehmensleitungen?

Bollmann: Ich lasse die Vergangenheit lieber ruhen. Ich mache ja selbst auch Fehler. Aber in diesem Hause wurden in den letzten zehn oder fünfzehn Jahren gravierende Fehler gemacht. So hat man etwa den unglaublichen Verlust an Druck-Kunden nicht durch langjährige Bindungen verhindert. So riesige Investitionen in eine Druckmaschine hätten abgesichert werden müssen. Vor allem, wenn die Druckerei nicht mit Eigenprodukten eine vernünftige Auslastung erreicht und fast ausschliesslich von Fremdaufträgen abhängig ist.

OnlineReports: Stehen Sie noch immer auf der Lohnliste des "Tages-Anzeigers" – als ein als Troubleshooter getarnter Agent?

Bollmann: Schön wär's! Ich vertrete Tochterfirmen der Tamedia noch in zwei, drei Verwaltungsräten. Dort verdiene ich aber nichts.

OnlineReports: Wie bitte?

Bollmann: Ich habe kein Verwaltungsratsmandat, bei dem ich auch nur einen Franken verdiene. Ich muss diese Honorare an Tamedia abgeben. Dazu musste ich mich verpflichten, damit ich aus dem Vertrag mit Tamedia herauskam und die Arbeit bei der "Basler Zeitung" aufnehmen konnte.

OnlineReports: Wie kamen Sie mit 64 Jahren zum Job als CEO der BaZ – hat Christoph Blocher Sie bei Tamedia abgeworben?

Bollmann: Ich kenne Filippo Leutenegger schon viele Jahre, allerdings nicht direkt beruflich, sondern aus dem privaten "Buebe-Club". Filippo stellte also den Kontakt zu mir her. Geholt hat mich schliesslich Christoph Blocher als Vertreter der Mehrheitsaktionäre der "Medienvielfalt Holding AG". Zu meinem Erstaunen hat er über mich sehr viel gewusst.

OnlineReports: In der Branche heisst es, Sie seien nach Basel berufen worden, um die BaZ schrittweise in die Zürcher Tamedia-Gruppe einzuverleiben. Ist da etwas dran?

Bollmann: Ich muss immer wieder schmunzeln. Es ist nicht so. Das war nie ein Thema.

OnlineReports: Aber die BaZ ist doch durch die zunehmenden Kooperationen wie Anzeigen-Pool, SonntagsZeitung, Newsnet, oder "Magazin" zunehmend von Tamedia abhängig?

Bollmann: Diese Frage ist berechtigt. Aber ebenso stellt sich die Frage, ob es sich tatsächlich um eine Abhängigkeit handelt und ob diese Kooperationen nicht eher zum Nutzen der "Basler Zeitung" sind. Diese Kooperations-Verträge können problemlos jederzeit aufgelöst werden.

OnlineReports: Wie lange bleibt die BaZ als Zeitung unabhängig von einem Fremdverlag?

Bollmann: So lange die BaZ den bisherigen Eigentümern gehört, wird die Unabhängigkeit mit Sicherheit gewährleistet sein. Sie wird weder eine Beute der NZZ noch der Tamedia oder der AZ Medien werden. Es gibt keine Vorkaufsrechte. Aber man muss die Synergien nutzen, sonst kann man die "Basler Zeitung" nicht mehr rentabel machen. Die mehrfache Bindung an Tamedia hat vor allem damit zu tun, dass dieses knallhart rechnende Unternehmen als professionellster Verlag der Schweiz immer das beste Angebot machte. Schauen Sie als Beispiel nur die SonntagsZeitung anstelle der Sonntagsausgabe der BaZ an.

"Ohne Herrn Blocher wäre
die BaZ keine unabhängige Zeitung mehr."




OnlineReports: Sind Sie aber mit der Feststellung einverstanden, dass die BaZ von Geldgeber Christoph Blocher abhängig ist?

Bollmann: Man kann sagen, dass die "Basler Zeitung" ohne Herrn Blocher keine unabhängige Zeitung mehr wäre, sondern Teil eines grossen Mediensystems. Trotzdem ist er offenbar unerwünscht in Basel, obwohl er so viel in die Zeitung investierte.

OnlineReports: ... aber diese Investition war offensichtlich der Preis für einen politischen Richtungswechsel in der Reaktion.

Bollmann: Ich bin kein politischer Mensch, aber ich lese diese Zeitung intensiv und vergleiche sie mit andern Schweizer Tageszeitungen dieser Art und Grösse. Ich vergleiche die BZ Basel mit der BaZ und ich stellte in der Qualität einen eklatanten Unterschied zugunsten der "Basler Zeitung" fest. Ich verstehe nicht, dass die Basler die BaZ als eine rechte Postille oder ein SVP-Parteiblatt betrachten. Sie ist eine Forumszeitung.

OnlineReports: Christoph Blocher schwebt eine "nackte BaZ" als Unternehmensstruktur vor. Es wird also alles verkauft oder geschlossen, was nicht direkt mit dem Zeitungsgeschäft zu tun hat?

Bollmann: Das ist korrekt. Ich finde es aber auch legitim, dass Herr Blocher eine unabhängige bürgerliche Zeitung will und auf alles verzichten möchte, was zu einer Belastung dieser Zeitung führt.

OnlineReports: Sie beklagen, dass die Leserschaft in Basel im Zusammenhang mit der BaZ "immer alles auf Christoh Blocher reduziert". Rechnen Sie damit, dass sich das Publikum eines Tages doch mit diesem Faktum abfindet?

Bollmann: Meine Hoffnung ist immer noch, dass die Basler die Leistung der "Basler Zeitung" akzeptieren. Sie gehört zu den besten drei Regionalzeitungen der Schweiz.

OnlineReports: Wird die BaZ im Anzeigenbereich wieder mit der Publicitas zusammenarbeiten?

Bollmann: Ich habe das geprüft, weil der BaZ-Zeitungsverlag doppelt so viele Mitarbeiter hatte wie der Verlag des viel grösseren "Tages-Anzeigers". Wir behalten die Inserate-Akquisition bei uns, aber mit dem Vermittlungsgeschäft wollen wir nichts mehr zu tun haben. Ich war auch nahe daran, im Bereich der Druckvorstufe eine Partnerschaft einzugehen – dummerweise wäre es dann wieder Tamedia gewesen, weil sie das beste Angebot machte. Aber wir verzichteten darauf, weil unsere eigenen Mitarbeitern mit dem Druck im Nacken der drohenden Verlagerung ihre Produktivität gesteigert haben und im Kostenvergleich ebenbürtig waren.

OnlineReports: Chefredaktor Markus Somm sagte OnlineReports in einem Interview, "wir sollten die Behörden zum Zittern bringen". Finden sie diesen journalistischen Ansatz richtig?

Bollmann: Wenn die Berichterstattung fair ist, spricht nichts dagegen.

"Nein, ich stehe nicht hinter dem Porträt
über Eva Herzog."




OnlineReports: Vor kurzem erregte ein geschriebenes Porträt der Basler SP-Finanzdirektorin Eva Herzog einen immensen Wirbel. Stehen Sie hinter diesem Porträt?

Bollmann: Nein. Ich stehe nicht dahinter. Es war wahrscheinlich auch ein Fehler.

OnlineReports: Welche Reaktionen erlebten Sie auf nach der Veröffentlichung.

Bollmann: Böse Reaktionen kamen per Mail und in Briefen. "Verdammte Schweinerei" und ähnlich tönte es. Allerdings hatte ich auch beim "Tages-Anzeiger" gelegentlich ähnliche Reaktionen. Fehler passieren auf jeder Zeitung.

OnlineReports: Nun äussern sich auch viele abgesprungene oder entlassene BaZ-Journalisten äusserst kritisch über ihren früheren Arbeitgeber.

Bollmann: Es ist nicht korrekt, über ehemalige Arbeitgeber herabzuhacken.

OnlineReports: Im Dezember bezeichneten Sie diese Journalisten in einem Interview mit dem Branchenmagazin "Persönlich" als "Kollegenschweine", "Charakterlumpen" oder "Journalisten der vierten Klasse". Man hatte den Eindruck: Jetzt ist Bollmann ausgeflippt. Was war es konkret, was Sie in einen derart heiligen Zorn versetzte?

Bollmann: Ich würde heute einiges differenzierter und nicht in diesem harten Ton ausdrücken. Ich war wirklich verärgert, weil vor allem ehemalige BaZ-Journalisten während Wochen mit Unwahrheiten und Gehässigkeiten über diese BaZ herab schimpften. Zu mir kamen Mitarbeitende, die in Gesellschaften ihren Arbeitgeber nicht mehr nennen konnten, ohne mit Reaktionen wie "Was, du arbeitest bei diesem Dreckblatt?" konfrontiert zu werden. Es wird über keine Zeitung so viel berichtet wie über die BaZ, und immer nur negativ, negativ, negativ ...

OnlineReports: ... und dann?

Bollmann: Da nahm ich meine alten Eigenschaften als Fussballer hervor und schlug brutal zurück. Es tut mir heute leid, wenn ich Gefühle von guten Journalisten verletzt habe.

OnlineReports: Wie scharf soll sich eine Zeitung über Personen äussern dürfen?

Bollmann: Wenn Personen im persönlichen Bereich stark angegriffen werden, müssen die Informationen zumindest stimmen. Dann ist auch fraglich, ob intime Details in eine Qualitätszeitung gehören. Als Journalist einer Qualitätszeitung wäre ich hier sehr zurückhaltend.

OnlineReports: Sie wurden umgekehrt – in Anspielung an Ihre frühere Tätigkeit als Verteidiger beim FC Winterthur und FC St. Gallen – als "Eisenfuss" oder gar "Blutgrätsche" bezeichnet. Stört Sie diese Etikette oder sind sie stolz darauf?

Bollmann: Stolz bin ich nicht, aber sie stören mich auch nicht. Es waren eben meine Eigenschaften als Fussballspieler. Ich war nicht ein begnadeter Sportler wie ein Karli Odermatt. In Basel bekamen wir immer furchtbar auf die Nase. Ich hätte auch gern beim FCB gespielt, aber ich hatte nicht die Begabung, in der Mannschaft dieser Stars mitzuhalten. Meine Stärke waren Athletik und Härte. Ich komme aus einem kleinen Bauerndorf im Zürcher Oberland und bin mich Härte gewöhnt. Beim FC Winterthur musste ich mir als Buurechnüttler mit einer harten Spielweise Achtung verschaffen. Es brauchte auch in der obersten Liga solche, die auf dem Spielfeld abräumen.

OnlineReports: Hast die Fussball-Erfahrung des entschlossenen "Abräumens" Sie auch im Berufsleben geprägt oder gar zum "Mann fürs Grobe" gemacht?

Bollmann: Meine Frau sagt sich auch, ich sei, seit ich Verantwortung über Mitarbeiter und Ergebnisse habe, viel härter geworden als ich eigentlich sei. Aber wer Verantwortung über den wirtschaftlichen Erfolg hat, muss sehr harte Entscheidungen fällen können. Aber ich hoffe, Sie haben festgestellt, dass ich auch ein netter Mensch sein kann.

OnlineReports: Herr Bollmann, Sie stehen eigentlich kurz vor der Pensionierung. Wie lange wollen Sie CEO der BaZ bleiben?

Bollmann: Ich will der "Basler Zeitung" helfen und sie auf gesunde Beine stellen. Ich hoffe, dass ich dieses Ziel erreichen werde ...

OnlineReports: ... wann?

Bollmann: Ende dieses Jahres ziehe ich Bilanz. Und wenn diese Bilanz dann nicht so super aussieht, werde ich Ende 2014 nochmals Bilanz ziehen. Dann wird der Tag gekommen sein, an dem ich die Verantwortung einem Jung-Manager übergeben möchte. Für die Arbeit, die ich jetzt bei der "Basler Zeitung" leiste, ist vielleicht ein älterer Manager unabdingbar. Ich glaube, das hält ein jüngerer nicht aus. Im zwischenmenschlichen Bereich ist dies mit Sicherheit die schwierigste Herausforderung meines bisherigen Berufslebens.

11. Januar 2013

Weiterführende Links:


Der Gesprächspartner

Rolf Bollmann (64) ist seit drei Monaten CEO der "Basler Zeitung Medien AG" und Nachfolger von Roland Steffen. Bollmann war ursprünglich gelernter Feinmechaniker. Nach seinem Wechsel in den Marketingbereich in verschiedenen Unternehmen erlebte er als verantwortlicher Geschäftsführer der heute äusserst rentablen Pendlerzeitung "20 Minuten" in der Schweiz seinen grössten beruflichen und kommerziellen Erfolg. Später wurde er Mitglieder Tamedia-Konzernleitung. Bollmann ist in der Zürcher Oberländer Gemeinde Weisslingen aufgewachsen und Vater zweier erwachsener Töchter sowie eines erwachsenen Sohnes aus erster Ehe.


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"Versteckspielen und Transparenz vertragen sich schlecht"

Das Interview ist sehr interessant. Erschreckend ist der Umstand, dass sich Herr Bollmann offenbar nicht zu schade ist, kurz vor seiner Pensionierung noch die Drecksarbeit für "die Eigentümer" der BaZ zu machen. Soll das der Höhepunkt seiner beruflichen Laufbahn sein?

 

"Die Eigentümer" (also Blocher, Tettamanti und - wer eigentlich noch?) sind zudem selbst schuld, wenn eine BaZ unter ihrer Führung in Basel je länger je weniger akzeptiert wird: Versteckspielen und journalistische Transparenz vertragen sich schlecht. Das Vertrauen in die Zeitung und ihre Hintermänner ist unwiderbringlich erschüttert. Auch bei Herrn Bollmann scheint die Blochersche Gehirnwäsche Spuren hinterlassen zu haben, sonst würde er nicht immer von "der/die Eigentümer" sprechen, sondern sie beim Namen nennen.

 

"Bürgerlich" à la Blocher ist nicht das, was die meisten Leute darunter verstehen. Mit einer wirklich bürgerlichen Zeitung könnten wir uns in Basel wohl arrangieren. Aber nicht mit einer "bürgerlichen". Mir wäre es jedenfalls lieber, die BaZ würde eine Kooperation mit der NZZ eingehen, als dauernd davon zu reden, sie sei unabhängig, während sie in Tat und Wahrheit immer enger mit der Tamedia kooperiert.

 

Das Bekenntnis zur journalistischen Unabhängigkeit und zu bürgerlichem Journalismus wäre wesentlich glaubwürdiger, wenn "die Eigentümer" nicht so eisern an ihrem Chefredaktor festhalten würden, der den Leserinnen und Lesern mit seinen Leitartikeln und Kommentaren täglich vor Augen führt, wes Geistes Kind er ist.


Gaby Burgermeister, Basel



"Schon der erste Widerspruch"

Herr Bollmann spricht einerseits von Forumszeitung und Unabhängigkeit, andererseits vom Wunsch der Eigentümer nach einer bürgerlichen Ausrichtung. Hier liegt doch schon der erste Widerspruch begraben. Die Bedeutung von "bürgerlich" nach Auslegung von Christoph Blocher hat wohl wenig mit einer echten Forumsidee gepaart mit anständigem Journalismus zu tun.


Stefan Egli, Basel



"C'est le ton qui fait la musique"

Chapeau an Peter Knechtli und Rolf Bollmann für das offene Gespräch. Zur Thematik Qualitäts- und Forumszeitung nur dies: C'est le ton qui fait la musique. Und solange dieser Ton "Somm" heisst, ist die Musik nicht sehr erbaulich.


Henri Leuzinger, Rheinfelden



"Zeitung ist nicht mehr unabhängig"

Dank Herrn Blocher soll die BaZ unabhängig sein? Das Gegenteil ist doch der Fall. Die BaZ war vorher eine bürgerliche Zeitung, welche ihre journalistische Unabhängigkeit hochgehalten hat und somit manchmal auch über die SP und Gewerkschaften korrekt berichtete. Ihre Haltung war aber immer klar bürgerlich, was jeweils vor den Wahlen sehr offensichtlich zum Ausdruck kam.

 

Jetzt ist es eine rechtsbürgerliche Zeitung geworden mit dem einzigen Auftrag, die Haltung der SVP zu unterstützen. Ich denke, sie wird in der Region nochmals massiv an Abonnenten einbüssen, weil sich diese immer mehr an der einseitigen Berichterstattung dieser Zeitung stören. Am Schluss wird halt nur noch die BZ übrigbleiben, ausser Herr Blocher ist aus ideologischen Gründen bereit, die BaZ finanziell zu unterstützen oder die Besitzverhältnisse ändern sich total. Dies wird allerdings kaum der Fall sein, und die jetzigen Besitzer lassen die BaZ lieber sterben als wieder eine unabhängige Zeitung entstehen zu lassen.


Hans Preisig, Basel



"Ein treuer Libero"

Da lässt sich einer bewusst missbrauchen und verheizen, ohne auf die journalistische Arbeit Einfluss nehmen zu dürfen. Ein treuer Libero. Anzunehmen ist, dass Bollmann genau wusste, was er in Basel "erfüllen" muss. Der Zeitungsbesitzer wird sich dementsprechend grosszügig erkenntlich zeigen. Sonst würde man so einen "Verlierer-Job" nicht machen.


Bruno Heuberger, Oberwil


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"... der Neben löst sich im Laufe des Tages auf".

BZ Basel
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vom 2. Februar 2017
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Der Nebenbuhler?

RückSpiegel


Die Basler Zeitung griff die OnlineReports-Recherche über markante bauliche Veränderungen im Nord-Teil des Basler "Dreispitz"-Areals auf.

Das Medienportal persoenlich.com zog die OnlineReports-Meldung über die Kündigung des BaZ-Abos durch den ehemaligen BaZ-Verleger Matthias Hagemann nach.

Die Nachricht über den Abbruch der Gelterkinder Rahmtäfeli-Fabrik wurde von der Volksstimme aufgenommen.

Die Sissacher Volksstimme, die Basler Zeitung und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-News über den Bolzenschuss im Gelterkinder Ortskern auf.

Die Basellandschaftliche Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht über den erneuten Parteiwechsel von Grossrat Michel Rusterholtz auf.

Die Basellandschaftliche Zeitung griff die OnlineReports-News über den Sammelerfolg des Referendums gegen Alkohol in Jugendzentren auf.

Die OnlineReports-Story über Andrea Strahm und die Präsidiums-Suche der Basler CVP nahmen das SRF-Regionaljournal, die TagesWoche, die Basler Zeitung und die BZ Basel auf.

Das SRF-Regionaljournal, die Basler Zeitung und die BZ online nahmen die OnlineReports-News über den Austritt Daniel Goepferts aus dem Basler Grossen Rat auf.

In ihrem Kommentar über "Die Arroganz der Basler Regierung" (Schlagzeile) nahm die Basler Zeitung Bezug auf eine Schilderung in OnlineReports.

SRF online bezog sich in ihrem Bericht über den ASE-Prozess auf OnlineReports.

Für ihre Sendungen "10vor10" und "Schweiz aktuell" holte das Schweizer Fernsehen Statements bei OnlineReports ein.

Die BZ Basel und 20 Minuten online bezogen sich in ihren Artikel über die Basler CVP-Präsidentin Adrea Strahm auf ihre Kolumnen in OnlineReports.

Die Basellandschaftliche Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht über Platzprobleme des neuen BVB-"Flexity"-Trams am Basler Aeschenplatz auf.

In seinem Bericht über den Anlage-Skandal der ASE Investment ging die Sendung "10vor10" des Schweizer Fernsehens auf die Rolle von OnlineReports bei der Enthüllung des Schwndels ein.

In seinem Bericht über das von Handwerker-Autos besetzte Trottoir in der Basler Centralbahnstrasse nahm das SRF-Regionaljournal auf einen früheren OnlineReports-Artikel Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, das SRF-Regionaljournal, 20 Minuten online und die SDA nahmen den OnlineReports-Bericht über die Verurteilung des Rappers Ensy auf.

Die Volksstimme beschrieb, wie Peter Knechtli vor 30 Jahren die Brand-Katastrophe von Schweizerhalle erlebte.

Die NZZ zitierte aus dem OnlineReports-Kommentar zu den Basler Regierungsrats-Wahlen.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Der FC Basel hat mit seinem 32-jährigen Mittelfeldspieler Davide Callà den ursprünglich bis zum 30. Juni 2017 laufenden Vertrag vorzeitig um ein weiteres Jahr verlängert.

•  Die Baselbieter Jungsozialisten (Juso) haben Ronja Jansen (21) und Nils Jocher (20), beide aus Frenkendorf, einstimmig als ihr Co-Präsidium gewählt.

• Der Leiter der Basler Stadtreinigung, Peter Schär (47), hat seine Stelle beim Tiefbauamt auf 1. März gekündigt, um eine neue berufliche Herausforderung anzunehmen.

• Weil im Gelterkinder Kindergarten "Staffelen" die defekte Ölheizung nicht durch eine "einigermassen kostenattraktive und baulich auch realisierbare Alternative zu Öl ersetzt werden kann", beschloss der Gemeinderat "den Ersatz der alten Anlage durch einen neuen Öl-Brennwertkessel".

• Der 44-jährige Chemiker Alexander Schocker wird neuer Leiter Forensik bei der Polizei Basel-Landschaft als Nachfolge von Markus Looser, der letzten Herbst zur Kriminalpolizei Basel-Stadt wechselte.

• Die Oberwiler Bevölkerung hat in einer Referendums-Abstimmung den Beschluss über den Kredit für die Planung Eisweiherplus mit 1'072 Ja zu 2'820 Nein aufgehoben und damit die Planung beendet.

• Der Baselbieter Landrat hat einen Kredit von 14 Millionen Franken zum Bau der Tramlinie Margarethenstich bewilligt.

• Das Referendum gegen die unbegrenzte Alkohol-Abgabemöglichkeit in baselstädtischen Jugendzentren wurde mit 4’600 Unterschriften eingereicht.

• Der 53-jährige Patrick Dill wird ab 1. April neuer Leiter der Gemeindeverwaltung Allschwil.

• Der Kanton Baselland beteiligt sich an der "Berufsschau 2017" in Pratteln mit einem finanziellen Beitrag aus den Mitteln des Wirtschaftsförderungs-Fonds in der Höhe von 900'000 Franken (bisher 950'000 Franken).

• Der Basler "Mittelstand" hat seit Anfang dieses Jahres mit Remo Ley, der Paul Rüst ablöst, einen neuen Präsidenten.

• Mit 7,3 Millionen Passagieren verzeichnete der EuroAirport im Jahr 2016 mit einer Zunahme von knapp vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr einen neuen Rekord.

• Nach dem Rücktritt von Elisabeth Ackermann als Co-Präsidentin der Basler Grünen als Folge ihrer Wahl in die Kantonsregierung führen interimistisch Harald Friedl und Barbara Wegmann die Partei.

Tobias Brenk ist als Nachfolger der abtretenden "Kaserne"-Chefin Carena Schlewitt neuer künstlerischer Leiter des Theaterfestival Basel.

Gerhard Schafroth, Gründungsmitglied und Gründungspräsident der Baselbieter Grünliberalen, tritt nach fast zehn Jahren aus dem Parteivorstand zurück und überlässt seinen Posten dem 26-jährigen Frenkendörfer Wirtschaftsstudenten Patrick Wolfgang.