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Kassiererin-Prozess: Ein schaler Nachgeschmack

Von PETER KNECHTLI

Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig: Zehn Tage hat die Angeklagte Zeit, um Berufung am Kantonsgericht einzulegen. Das Baselbieter Strafgericht verurteilte sie die heute 49-Jährige wegen Veruntreuung und Urkundenfälschung zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 20 Monaten. Sie hatte die römisch-katholische Kirchgemeinde Grellingen und die CVP Baselland, wo sie Finanzchefin war, um zusammen gut 400'000 Franken erleichtert – um ihren Western-Saloon "Little Nashville" in Liesberg umzubauen.

 

Der Prozess im Strafjustizzentrum Muttenz hinterliess einen schalen Nachgeschmack.

 

Da war die Angeklagte, die in der Hauptverhandlung alles andere als einen vertrauenserweckenden Eindruck vermittelte: Ihre Antworten blieben meist trotzig, knapp, ausweichend – oder sie blieben aus. Auf uns Beobachter wirkte sie, als kämpfe sie um Kopf und Kragen.

 

Im Falle der mit 316'000 Franken betroffenen Kirchgemeinde stellte sie deren Präsidentin als Mitwisserin hin: Sie habe gebilligt und sei damit Teil des Plans gewesen, dass dem "Nashville" ein geheimes "stilles Darlehen" gewährt werde. Anhand gefälschter Protokolle Geldtransfer-Belegen wollte sie ihre Chefin in ihren eigenen Schlamassel hineinziehen, ohne dafür stichhaltige Beweise vorlegen zu können.

"Eine Moral-Predigt zum christlichen
Verhalten hätte nicht geschadet."

Im Falle der CVP Baselland (geplant: "Die Mitte") benutzte sie gefälschte Lieferanten-Rechnungen, um sich persönlich einstweilen unbemerkt an der Parteikasse zu bedienen. Niemand im Gerichtssaal nahm ihr die groteske Behauptung ab, sie sei Opfer von Hackern geworden, die über ihren Computer den unrechtmässigen Zahlungsverkehr und die Überweisung der veruntreuten Gelder ausgerechnet an das "Nashville" inszeniert haben sollen.

 

Da war aber auch Gerichtspräsidentin Irene Laeuchli, die sowohl in der Hauptverhandlung wie in der Urteilsbegründung geringen Elan an den Tag legte. Wie gleichgültig und beinahe lustlos sie sich von der Angeklagten mit billigen – aber rechtlich zulässigen – Ausflüchten abspeisen liess, war schon bemerkenswert. Da gibt es Gerichtsvorsitzende, die nachhaken, Widersprüche aufdecken und der Sache auf die Spur kommen wollen.

 

Auch die Urteilsbegründung vermochte in der Form nicht zu überzeugen. Auch wenn die Angeklagte sich krankschreiben liess und nicht vor den Schranken erschien, hätte die Möglichkeit bestanden, ihr fernmündlich einige markante Sätze christlichen Verhaltens – von mir aus eine Moral-Predigt – ins Stammbuch zu schreiben. Wer denn sonst als ein Gericht kann sich berufen fühlen, einer in zwei christlichen Institutionen tätigen Kaderfrau jene ethischen Verhaltensgrundsätze in Erinnerung zu rufen, die sie sträflich missachtet hat.

 

Richterin Laeuchli liess es bei minimaler Kritik bewenden, wobei die 0815-Feststellung, die Beschuldigte habe das Vertrauen ihrer Vorgesetzten "rücksichtslos ausgenützt", noch zu den schärfsten gehörte.

 

Schwer verständlich ist auch, dass das Gericht den Tatbestand der falschen Anschuldigung – gegenüber der Kirchgemeinde-Präsidentin – fallen liess, obschon die "Nashville"-Financière auch am ersten Prozesstag diese Anschuldigungen mehrfach erhob.

 

Das "sehr milde Urteil" (so der Staatsanwalt) einer bedingten Gefängnisstrafe dürfte von der Angeschuldigten wie die Zielquittung bedeuten, dass sich ihr Verhalten im Gerichtssaal in Form eines markant unter dem Antrag des Staatsanwalts liegenden Strafmasses gelohnt hat. Die nicht vorbestrafte Ex-Kassiererin soll nicht wenigstens einen Teil ihrer Strafe absitzen müssen. Die Rückzahlung der veruntreuten Beträge (sie spricht von "Darlehen") nahm das Gericht zum Anlass, die Strafe sehr deutlich zu entschärfen.

 

Obschon von Reue oder Einsicht keine Spur festzustellen war, sprach die Richterin von einer "guten Prognose". Man hätte gern erfahren, wie sie zu dieser Einschätzung kam. Uneinsicht kann es nicht gewesen sein.

Bericht zum Urteil: 20 Monate für Grellinger Kirchen-Kassiererin

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26. Mai 2021
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"Mehr Engagement und Empathie"

Es ist zu begrüssen, dass der Chefredaktor auch die dritte Gewalt in unserem Staat unter die Lupe nimmt. Wie schon öfters kann ich die Urteile der Strafrichterin Irene Laeuchli – und ihres Kollegiums – nicht nachvollziehen. Der Staatsanwalt spricht zurückhaltend von einem sehr milden Urteil; der Chef von OnlineReports erwähnt die Lustlosigkeit der Verhandlungsführung. Die Geschädigten respektive die Opfer erwarten zu Recht von einem Strafgericht mehr Engagement und Empathie.


Werner Strüby, Reinach


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Frisch pubertiert

Als Studi in der Zwangspause

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"Die Segel des Ordnungsrahmens im Strommarkt neu setzen"

Avenir Suisse
Wochenbulletin
vom 22. April 2022
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Avenir-Speech: Der Strommarkt hat einen Rahmen, und der hat sogar Segel.

RückSpiegel


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Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über den Wegzug der Bank Vontobel aus der Basler Rittergasse nach.

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Im Bericht über den Ausstieg der BKB aus dem FCB-Sponsoring bezieht sich 20 Minuten auf OnlineReports.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Erstmeldung über die Planung von fünf Kraftwerken an Birs und Ergolz auf.

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Die OnlineReports-Forderung nach kantonaler Medienhilfe nahmen Bajour, das Regionaljournal und die BZ Basel auf.

Die Basler Zeitung beruft sich in ihrem Bericht über den Zubringer Bachgraben auf eine Erstmeldung in OnlineReports.

Die BZ Basel bezieht sich in ihrem Bericht über Gemeindewahlen in Riehen auf OnlineReports.

Im Einspieler zum "Sonntagstalk" nahm Telebasel Bezug auf eine OnlineReports-Kolumne von Andrea Strahm.

Die OnlineReports-News über die Beschwerde gegen "Tempo 30" auf Teilen der Kantonsstrassen wird von der BZ Basel aufgenommen.

Die Badische Zeitung bezieht sich in ihrem Bericht über den Kauf das Kleinbasler Clara-Areals durch den Staat auf OnlineReports.

Im Interview mit dem Medienökonomen Matthias Künzler stellt Bajour die Frage, ob es fair sei, dass OnlineReports, da kostenlos zugänglich, von der Medienförderung nicht profitieren könnte.

Prime News nimmt im Kommentar gegen das "Medienförderungsgesetz" auf die Position von OnlineReports Bezug.

Die BZ Basel und Happy Radio bezogen sich in ihrer Meldung über die Kündgung der Gelterkinder Schulleitung auf eine OnlineReports-News.

Die Badische Zeitung bezog sich in ihrem Bericht über die Absage des internationalen Reitsport-Turniers "CHI Classics" in der St. Jakobshalle auf OnlineReports.

In ihrer Meldung über den Widerstand gegen ein Kirchenglocken-Läutverbot geht die BZ Basel auf OnlineReports ein.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Meldung über die Traiferhöhung auf den Basler Fähren auf.

Bajour interviewt OnlineReports-Gründer Peter Knechtli zu seiner Ablehnung des vor der Volksabstimmung stehenden "Medienförderungsgesetzes". Die Medienwoche nimmt das Interview auf.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Die künftige Direktorin des Basler Waisenhauses ist Anita Conrad, die auf den Ende November 2023 persionierten Uli Hammler folgt.

In der Gemeinderats-Ersatzwahl in Füllinsdorf wurde Christoph Keigel als Kandidat der Ortspartei "Pro Füllinsdorf" und Nachfolger des verstorbenen Beat Keller gewählt.

Die Initiative zum Bau einer neuen Stadthalle für Liestal ist bei einer Stimmbeteiligung von 44 Prozent mit einer Mehrheit von fast 69 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt worden.

Einen Unterstützungsbeitrag in Höhe von 25'000 Franken aus dem Swisslos-Fonds hat die Basler Regierung dem türkisch-islamischen Sozial- und Kulturverein an die Infrastruktur von Küche und Aufenthaltsraum am Leimgrubenweg bewilligt.

Lukas Fischler wird neuer Chefarzt Anästhesie, Chief Medical Officer und Mitglied der Geschäftsleitung der Merian Iselin Klinik.

Der bei der Basler Zeitung in Ungnade gefallene Lokalredaktor Daniel Wahl ist in Markus Somms Nebelspalter untergekommen.

Die Gemeinde Reinach budgetierte war ein Defizit von 9,2 Millionen Franken, herausgekommen ist ein Verlust von 440'000 Franken.

Samuel Meyer, Leiter des Geschäftsbereichs Vertrieb der Bank Cler, wird per 1. Mai neuer CEO und Nachfolger von Mariateresa Vacalli.

Bei einem budgetierten Defizit von 5,7 Millionen Franken schliesst die Liestaler Rechnung 2021 nun ausgeglichen ab "dank höherer Steuereinnahmen und tieferen Sozialhilfekosten als erwartet".


Susanne Fisch und Noé Pollheimer sind die Nachfolgenden von Martin Leschhorn Strebel im Präsidium der SP Riehen.


Marc-Oliver Möller wird am 1. August neuer der Zentralen Dienste im Basler Erziehungsdepartement und Nachfolger von Thomas Riedtmann, der im Sommer pensioniert wird.

Der frühere Basler Regierungsrat Baschi Dürr (45) wird Verwaltungsrat bei der Sicherheitsfirma Pantex.

Die Findungskommission für die Direktion des Historischen Museums Basel ab 1. Mai 2024 ist konstituiert und nimmt ihre Arbeit auf, während der Vertrag mit dem interimistischen Direktor Marc Zehntner bis Ende April 2024 verlängert wurde.

Anstelle des zurücktretenden André Auderset soll Anita Treml Nidecker (64) das Präsidium der "Interessen-Gemeinschaft Kleinbasel" (IGK) übernehmen.

Die 35-jährige Zahnärztin Anja von Büren wird per 25. April 2022 neue Baselbieter Kantonszahnärztin und Leiterin des Kantonszahnärztlichen Dienstes im Amt für Gesundheit – als Nachfogerin von Ludmilla Strickler, die in Pension geht.

Für die zurücktretende Grossrätin Grüne Marianne Hazenkamp-von Arx (Riehen) rückt Béla Bartha nach.

In Riehen steigen EVP, Grüne und SP im dritten Wahlgang der Gemeinderatswahlen vom 24. April mit Daniele Agnolazza (EVP) ins Rennen.

Wegen massiven Preissteigerungen der letzten Monate an den internationalen Energiemärkten bei Gas sowie laufenden Investitionen in die CO2-Neutralität erhöhen die IWB die Fernwärmetarife ab 1. April um 12,25 Prozent.

Stephan Erni wird Chefarzt der neuen "Rehaklinik Basel", die in den Neubau Hirzbrunnen des Claraspitals integriert wird.

Die Justiz-, Sicherheits- und Sportkommission (JSSK) des Basler Grossen Rates beantragt dem Plenum einstimmig, der Stimmbevölkerung die Volksinitiative "Abschaffung des Präsidialdepartements und Reduktion der Anzahl der Mitglieder des Regierungsrats von 7 auf 5 Mitglieder" ohne Gegenvorschlag zur Ablehnung zu empfehlen.

Der Betrieb des neuen Tagesrestaurants mit Cateringbetrieb, das derzeit im ehemaligen Ökonomiegebäude der Merian Gärten entsteht, wird von der Christoph Merian Stiftung an das Basler Gastronomieunternehmen "Berest" übertragen.

Das Basler Staatsarchiv sichert die Geschichte der Anti-AKW-Bewegung, die sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Zusammenhang mit Plänen eines Atomkraftwerks in Kaiseraugst formierte.

Elena Kasper und Clara Bonk, beide 21-jährig, heissen die neuen Co-Präsidentinnen der Baselbieter Juso.

Die Frenkendörfer SP-Landrätin Mirjam Würth tritt per Ende Februar aus dem Landrat zurück, der Birsfelder FDP-Landrat Christof Hiltmann demissioniert per 1. Juni.

Der emeritierte Basler Soziologieprofessor Ueli Mäder wird am 21. März in Stuttgart für sein gesellschaftspolitisches Engagement mit dem Erich Fromm-Preis geehrt.

Aus 573 steuerbezogenen Selbstanzeigen im Jahr 2021 resultierten im Baselbiet zusätzliche Steuererträge in Höhe von 5,6 Millionen Franken.

Im Baselbiet funktionierten 149 von 150 Sirenen beim Test einwandfrei, in Basel-Stadt heulten alle 39 Sirenen ordnungsgemäss auf.

Aufgrund der stark gesunkenen Nachfrage nach Impfungen stellt das Impfzentrum West in Laufen seinen Betrieb Ende Februar 2022 ein.

Die Basler Kantonalbank (BKB) erweitert jetzt ihr Produktangebot für Firmenkunden, weil dort "ein wachsender Beratungs- und Finanzierungsbedarf mit Blick auf den Klimaschutz, aber auch in anderen Bereichen der Nachhaltigkeit" bestehe.

Die Juso-Initiative für ein Gratis-U-Abo für alle Baselbieter und -innen ist mit über 1'900 Unterschriften zustandegekommen.