Kommentare

<< [ 1 | (...) | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | (...) | 259 ] >>

Mehr als eine Ohrfeige für die "Basler Zeitung"

Von PETER KNECHTLI

Dem heute Donnerstagabend veröffentlichten Urteil des Baselbieter Kantonsgerichts ging einer der spektakulärsten Medienrechts-Prozesse der Schweiz voraus. Die "Basler Zeitung" und ihr damaliger Lokalredaktor Joël Hoffmann wurden für schuldig erklärt, in zahlreichen Fällen unlauteren Wettbewerb betrieben und die Wirtschaftskammer Baselland herabgesetzt zu haben.

Sie müssen zahlreiche Artikel integral aus Archiven, Datenbanken und Tweets löschen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das ganze neun A4-Seiten umfassende Urteilsdispositiv ist mehr als eine schallende Ohrfeige in erster Linie für die "Basler Zeitung", in zweiter Linie für den Autor der zielgerichteten Angriffe, die teilweise im Wochentakt auf den Dachverband des kantonalen Gewerbes und dessen Direktor Christoph Buser niederprasselten. Es ist ein ernsthafter Weckruf an einige Schreibende und Verantwortliche des Basler Tamedia-Kopfblattes, ihre publizistische Verantwortung wahrzunehmen.

Selbstverständlich bot die übermachtige Wirtschaftskammer Angriffsflächen für Kritik an ihrem Einfluss auf die Regierung und ihrer im öffentlichen Bewusstsein auch heute noch nicht transparenten Organisationsstruktur. So detailliert, wie sie Direktor Buser in der Parteienbefragung letzte Woche geschildert hat, war sie wohl kaum je an die Beobachter herangetragen worden. Die Frage stellt sich aber, ob dies ein Journalist auch einmal ebenso ernsthaft wie hartnäckig versucht hat.

"Die Überheblichkeit der Chefredaktion
zeigte sich damals wie heute."

Sicher ist aber, dass das über längere Strecken immense Trommelfeuer gegen die Interessen-Lobby von 10'000 kantonalen Gewerbebetrieben bisher keinem der angegriffenen Protagonisten irgendwelche strafrechrechtlichen Sanktionen eingetragen hat. Die Gefahr des "Rudel-Journalismus" ist eine der heimtückischsten unseres journalistischen Berufsstandes, wenn wir der Verlockung erliegen, der heissen Schlagzeile der Konkurrenz eine noch heissere nachzulegen glauben müssen.

Über Markus Somm, von 2010 bis 2018 Chefredaktor der "Basler Zeitung", liesse ich pauschale Kritik, wie sie gern geäussert wird, nicht gelten. Aber eine ganz wesentliche Stilprägung, jene der Überheblichkeit, ist ihm anzulasten: Er hielt sein journalistisches Personal an, die "Politik aus den Angeln zu heben" und (so gegenüber OnlineReports) "die Behörden zum Zittern zu bringen". So verwundert nicht, dass derart getriebene Redaktoren jüngeren Alters wie Hoffmann zum Zweihänder griffen und weit stärker zuschlugen als ihrer Verantwortungsfähigkeit entsprach.

Die Überheblichkeit der Chefredaktion in Fragen der journalistischen Berufsethik zeigte sich damals wie heute. Damals weigerte sich die BaZ, Entscheide des Schweizer Presserats, die mit ihr zu tun hatten, zu publizieren, weil dieses Gremium für Chef Somm bürokratisch fremdbestimmt war und deshalb keine Bedeutung hatte.

Noch heute, unter Marcel Rohr, lässt die BaZ Presserats-Meldungen aussen vor. Kein Wunder, könnte als Legitimation angefügt werden: Wohl kein Schweizer Informations-Medium hat so viele gutgeheissene Beschwerden auf ihrem Konto wie das Blatt am Aeschenplatz. Einzelne Journalisten sind sogar Mehrfach-Gerügte.

Ein Indiz für Intransparenz in eigener Sache ist auch die Tatsache, dass die "Basler Zeitung" den Prozess vor Kantonsgericht im eigenen Blatt bisher totgeschwiegen hat – Legitimation dafür, von Andern Transparenz zu fordern?

Ich muss offen zugeben, dass ich ungläubig die Kadenz verfolgte, mit der sich die "Basler Zeitung" auf die Wirtschaftskammer einschoss. Und in der Tat entsprach der Neuigkeitswert jeder neuen "Enthüllung" nicht ihrem raumgreifenden Platzanspruch. Die Interpretationen waren konsequent zugespitzt, machmal tollkühn. Für Berufskollege Joël Hoffmann wird der Streit im besten Fall dazu führen, aus einer missglückten Kampagne die nötigen handwerklichen Lehren zu ziehen: Weniger Artikel, aber unwiderlegbare Beweise wären das bessere Rezept.

Indes sollte nicht übersehen werden, dass der in medienrechtliche Bedrängnis geratene Journalist in Somms Aura sozialisiert wurde und die Attacke gegen den Wirtschaftsverband zeitlich genau in jenem Aufsichts-Vakuum startete, als sich der Chefredaktor aus Basel verabschiedete. Die führenden Köpfe der "Basler Zeitung" stehen somit genauso in der Verantwortung wie der Angeklagte selbst. Sie hätten bei hinreichender Umsicht die Reissleine rechtzeitig ziehen sollen.

BZ-Chefredaktor Patrick Marcolli vertrat die These, der vorliegende Fall sei Beleg für ein vermehrtes Auftreten von "Medien auf der Anklagebank" (Titel). Ich kann dieser These nur teilweise folgen. Zwar trifft zu, dass Anwälte im Wissen um die Finanzschwäche viele Medien schneller mit der Prozess-Rute wedeln als früher. Aber erstens ging es im Fall BaZ/Hoffmann, wie das Kantonsgerichtsurteil zeigt, nicht um leere Drohungen mit der Justiz, und zweitens ist eben auch seit längerem zu beobachten, dass im Journalismus die Qualitätssicherung und harte Nachwuchs-Ausbildung gelitten haben.

Gepaart mit der noch verbreiteten Weigerung, für glaubwürdigen Journalismus einen Preis in Franken zu bezahlen, entsteht im Informationsgeschäft eine gefährliche Mischung: dass künstliche Skandalisierung, unsorgfältiges Geschichtenschreiben und eine Nachwuchsförderung im Laisser-faire-Stil die Tradition des (aufwändigeren) harten Fakten-Journalismus verdrängen.

Urteil: Wirtschaftskammer siegt über die "Basler Zeitung"
Wirtschaftskammer vs. "Basler Zeitung" vor Kantonsgericht
Markus Somm: Zum Abschied die Psycho-Attacke
Markus Somm: "Wir sollten die Behörden zum Zittern bringen

Mehr über den Autor erfahren

28. Oktober 2021
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Peter Knechtli, ist Chefredaktor und Gründer von OnlineReports.ch.

peterknechtli@onlinereports.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

Theater Basel

"Die Aufdrängung"
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"... die Intensivpflegebetten in den Aussenstationen Sitten, Martinach und Siders"

BaZ/Tamedia
vom 24. Dezember 2022
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Auf Germanisierungstour im Wallis: "Martinach" ist eine völlig veraltete deutsche Bezeichnung für Martigny.

RückSpiegel


Die BZ Basel zog die OnlineReports-Erstmeldung über die Verhaftung eines Gewerbetreibenden nach.

Zum aktuellen Thema "Krise des Kulturjournalismus" bezeichnet die Basler Zeitung die Theater- und Opernkritiken in OnlineReports als "löbliche Ausnahme".

In ihrem Text über die Bundesratswahlen zitierte die Luzerner Zeitung aus dem OnlineReports-Leitartikel über die Basler Kandidatin Eva Herzog.

In seiner Bestandesaufnahme über Basler Online-Medien startet das Wirtschafts-Magazin Trend von Radio SRF1 mit OnlineReports.

Die Basler Zeitung ging in ihrem Bericht über den Telebasel-Weggang von Claude Bühler auf dessen Rolle als Theaterkritiker bei OnlineReports ein.

Telebasel zog den OnlineReports-Bericht über Fassaden-Probleme am Markthalle-Hochhaus nach. Die BZ Basel zog auch nach, unterschlug aber eine Quellennennung.

In ihren Presseschauen zu den Bundessratswahlen zitierten bajour.ch und primenews.ch aus dem OnlineReports-Leitartikel über Eva Herzog.

matthiaszehnder.ch nimmt die beiden News-Artikel aus OnlineReports zum Anlass, sich über die schrumpfende Kulturberichterstattung in den Schweizer Medien Gedanken zu machen.

Bajour zitierte OnlineReports in seinem Bericht über die Verwicklung von Bundesratskandidatin Eva Herzog in umstrittene Basler Geschäfte.

In ihrer Recherche über die sterbende Kulturberichterstattung in Basler Medien bezieht sich Bajour auf OnlineReports.

20 Minuten nahm die OnlineReports-Recherche über den Angriff auf den Stiefvater vor dem Muttenzer Gerichtsgebäude auf.

Die Basler Zeitung und die BZ Basel nahmen die OnlineReports-News über die Rückkehr von Christine Keller in den Basler Grossen Rat auf.

In ihrer Analyse über die unklare Gesundheitsversorgung des Laufentals ging die Basler Zeitung auf eine OnlineReports-Recherche ein.

Telebasel konfrontierte die SVP-Regierungsrats-Kandidatin Sandra Sollberger mit einem Kommentar aus OnlineReports (worauf sie die Stellungnahme verweigerte).

Die BZ Basel und die Basler Zeitung nahmen den OnlineReports-Bericht über Pläne zum Abbruch des Spitals Laufen auf.

Die OnlineReports-News über den Wechsel des Telefon-Anbieters durch die Basler Verwaltung wurde von der BZ Basel und Happy Radio aufgenommen.

In seiner Aufstellung über "Politiker, die Wasser predigen und Wein trinken", nahm der Nebelspalter auch auf einen Artikel in OnlineReports Bezug.

20 Minuten griff die OnlineReports-Meldung über einen Autolenker, der bei der verbotenen Fahrt durch eine Einbahnstrasse in Birsfelden eine Radfahrerin schwer verletzte, auf.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des früheren Baselbieter Regierungsrats Urs Wüthrich nahmen Telebasel, die BZ Basel, die Basler Zeitung, das SRF-Regionaljournal, Prime News, die Nachrichtenagentur SDA, 20 Minuten und Happy Radio auf.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Melanie Thönen übernimmt am 1. Mai die Leitung des Pädagogischen Zentrums PZ.BS. Sie folgt auf Susanne Rüegg, die Ende August 2022 pensioniert worden ist.

Sarah Baschung leitet ab 1. April den Swisslosfonds Basel-Landschaft in der Sicherheitsdirektion und folgt auf Heidi Scholer, die in Pension geht.

Basel-Stadt und Baselland wollen zusammen die psychiatrische Versorgung in der Gemeinsamen Gesundheitsregion weiterentwickeln.

Nicola Goepfert, seit Juni Mitglied des Basler Grossen Ratse, wurde als neuer Co-Präsident der Links-Partei "Basta" gewählt.

Heiko Vogel (47), der frühere Cheftrainer, kehrt am 1. Januar 2023 als Sportdirektor zum FC Basel zurück, um den "gesamten operativen Fussball-Alltag des FCB" zu verantworten.

Die Baselbieter Regierung hat die Mietung von Räumlichkeiten für das Amt für Migration und Bürgerrecht im Helvetia Tower in Pratteln beschlossen.

Auf die im Februar zurücktretende "Basta"-Grossrätin Beatrice Messerli (70) wird die Präsidentin des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest, die Klimaaktivistin Fina Girard (Jahrgang 2001) folgen.

Lorenz Amiet, bisher Vizepräsident, wird neuer Präsident der SVP-Grossratsfraktion als Nachfolger von Pascal Messerli, der neu Parteipräsident wurde.

In Lörrach bewarf dieser Tage ein Unbekannter die Fassade der Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde mit Eiern.

Am Riehenring entsiegelt das Basler Bau- und Verkehrsdepartement als Versuch ab 31. Oktober insgesamt 14 Parkfelder, so dass dort zukünftig Regenwasser in den Untergrund geleitet wird.

Witterungsbedingt muss die Eröffnung der Kunsteisbahn Eglisee in diesem Jahr um zwei Wochen nach hinten verschoben werden, nämlich auf den 12. November.

Ab 1. November müssen sämtliche Personen, die den Kanton in strategischen Führungsorganen der Beteiligungen des Kantons Basel-Landschaft vertreten, ihre Vergütungen offenlegen.

Der Kanton Baselland beteiligt sich mit 900'000 Franken an der von der Wirtschaftskammer organisierten grössten Berufswahlmesse der Schweiz.

Am 29. Oktober, ab 10.15 Uhr, findet an der Oristalstrasse 100 A in Liestal die öffentliche Fahrzeug-Versteigerung von rund 140 Velos diverser Marken, 4 Autos (BMW X6 xDrive30d, Honda Civic 2.0i Typ R, VW T5 Kombi D 4M BMT, VW Polo Blue GT) und ein Arbeitsanhänger (BZS MA MA MA) statt.

Die Kunsteisbahn Margarethen eröffnet am 22. Oktober, die Eislaufsaison und eine Woche später; ab dem 29. Oktober, ist auch die Kunsteisbahn Eglisee geöffnet.

Die Evangelische Volkspartei Baselland (EVP) feierte am vergangenen 9. Oktober mit Partei- und ihren 100. Geburtstag.

Das Bau- und Verkehrsdepartement erteilt der Wyniger Gruppe den Zuschlag für den Betrieb der Flora-Buvette ab 2023; es soll sich um die "erste klimaneutrale Buvette" handeln.

Per 1. Januar 2023 übernimmt Christopher Henry Tütsch (49) die Geschäftsleitung des Ausländerdienstes Baselland als Nachfolger von Oliver Bolliger, der zum selben Zeitpunkt die Geschäftsleitung der Stiftung Wohnhilfe in Basel übernimmt.

Die Delegierten des Gewerbeverbandes Basel-Stadt haben am 20. September Hansjörg Wilde zum neuen Präsidenten gewählt.

Nach einjährigem Studium am Basler Gymnasium Kirschgarten konnten dieses Jahr 65 junge Erwachsene ihre Passerelle-Ausweise entgegennehmen, die ihnen nach der Berufs- oder Fachmatur den Zugang zu sämtlichen Studiengängen an den Schweizer Hochschulen ermöglichen.

In Muttenz beim Hallenbad beginnen im September /Oktober die Bohrarbeiten zur Erkundung des Untergrundes, da es dort zu Dolineneinstürzen und grossflächigen Absenkungen gekommen ist.