Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

<< [ 1 | (...) | 61 | 62 | 63 | 64 | 65 | 66 | 67 | 68 | 69 | 70 | (...) | 174 ] >>

Theater Basel, Schauspielhaus
Uraufführung

"Nirgends in Friede. Antigone."

Autorin: Darja Stocker (nach Sophokles)
Bühne: Viva Schudt
Kostüme: Sara Schwartz
Dramaturgie: Sabrina Hofer
Musik: Patric Catani
Licht: HeidVoegelinLights

Mit Nicola Kirsch, Pia Händler, Steffen Höld, Martin Hug, Lisa Stiegler, Cathrin Störmer, Simon Zagermann


Antigone im arabischen Frühling

Ein meterhohes Stahlgestell füllt den Bühnenhintergrund aus. Es könnte einen der Grenzzäune darstellen, mit denen Europa die Flüchtlinge aus dem afrikanischen Kontinent abwehrt. Es könnte aber auch eine Stadtmauer symbolisieren, mit der sich der thebanische Machthaber Kreon im Bruderkrieg die Aufständischen unter der Führung von Polineikes vom Leib hält. Oder – mit etwas Fantasie – eine Strassensperre auf dem Tahrir-Platz in Kairo.

Das sind die Dramen, die hier drei Antigones umtreiben, zu deren Auftritt erstmal das Licht ausgeht; eine Diesseits-Welt, die schon so etwas wie Unterwelt ist; werden die Leuchtstoffröhren am Gestell angeknipst, erinnert das Szenario an eine düstere Light-Show, wie sie etwa der englische New Wave-Sänger Gary Numan zur Untermalung seines melancholischen Dark-Pops verwendete.

Bald werden die Flüchtlinge vor den Toren Thebens stehen, der Aufruhr in den Strassen der Stadt werden den Diktator bedrängen, und der wird die drei Antigones als Aufrührerinnen hinrichten lassen, wobei er selber blutüberströmt zu Tode kommt. Die Aufführung endet mit einer Revolution, bei der sich die Guten und Einsichtsvollen gegen diejenigen erheben, die sich auf die Seite von Abschottung, Besitzstandssicherung, Machtkalkül, schalen Vernunftslösungen und des bildergeilen Medienzynismus stellen.

Jene Medienbilder sind es jedoch auch, die die drei Antigone-Schauspielerinnen Nicola Kirsch, Cathrin Störmer und Lisa Stiegler (gekonnt) heraufbeschwören, wenn sie ausgiebig von den Flüchtlingsschicksalen auf den Booten, den Unruhen in der Stadt oder den Schandtaten der Sicherheitskräfte berichten. Oder wenn Steffen Höld (furios) als agiler Machtmensch Kreon den verkrampft um Seriosität bemühten Auftritt heutiger Staatschefs nachahmt und dabei die Hände zu Angela Merkels berühmter Raute formt.

Die 32-jährige Schweizer Autorin Darja Stocker hat Sophokles' Stück nicht nur über den Bruderkrieg zwischen Polineikes und Eteokles ausgeweitet, der vor seinem eigentlichen Drama liegt, sondern den antiken Stoff auch mit allerlei politischen Anliegen angefüllt. Man spürt viel Betroffenheit, auch aus persönlichem Augenschein an den erwähnten Tatorten; etwa wenn sie von den Schlägertrupps bei Demonstrationen in Ägypten oder mit beissendem Sarkasmus den Aufprall zwischen den armen Flüchtlingen und den reichen Touristen in Griechenland schildern lässt. Die Autorin will uns etwas mitgeben. Die Frage bleibt: was?

Ist es wirklich das hilflos-naive Credo an die Mobilisierung der Massen? Oder geht es um Antigones Unbedingtheit, die sie in den Tod führen muss? Bei Sophokles begräbt sie ihren Bruder Polineikes gegen das von Kreon mit Todesstrafe belegte Verbot, weil sie die Gebote der Unterwelt für massgeblicher hält. Hier lässt sie den toten Polineikes durch die Massen führen, um diese aufzuwiegeln. Bei Sophokles ist sie im Recht. Und hier? Mehrfach deutbar wäre dazu der Satz, den Stocker der Spielfassung vorangestellt hat: "Die Wahrheit sind nicht die Fakten, sondern wie Antigone die Realität erlebt."

Bei Sophokles ging es um das Drama des Menschen am Beispiel von Antigone, die ihre Ethik aus der Transzendenz bezog, wogegen sich angesichts der andauernd katastrophalen Geschichte die gegenwärtigen Dramen in Stockers Erzählung über den Gang der Menschheit als aktualisierendes Themen-Dropping ausnehmen. Einer Menschheit auch, die der Massenbewegungen und der Betroffenheitsemotionen bedarf, um sich zu mobilisieren. Oder vielleicht sieht Stocker hinter all dem einen neuen Frühling anbrechen?

Der vielschichtige Text, reich an Bezügen, voller Wechsel in Stil und Abstraktionsgrad, mit längeren Monolog-Passagen, der während der Probezeit von der Autorin auch noch nachbearbeitet wurde, stellte das Ensemble vor eine anspruchsvolle Aufgabe. Es hat sie als ganzes mit einer intensiven und konzentrierten Leistung über weite Strecken glänzend gemeistert. Pia Händler als Ismene, Cathrin Störmer als Antigone 3, Martin Hug als Wächter und der bereits erwähnte Steffen Höld überzeugten mit besonders prägnanten Auftritten.

Über die fast zwei Stunden folgte das Premierenpublikum dem nicht leicht verständlichen Stück mit voller Aufmerksamkeit und applaudierte anschliessend lange und heftig.

12. Dezember 2015
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade. © Foto by OnlineReports.ch

Claude.Buehler@gmx.net

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gesehen.gif
Telebasel
Wahlberichterstattung
über Kilchberg BL
vom 27. November 2022
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gesehen.gif

Der Basler Lokalsender glänzt jetzt auch mit Hintergrundbild von Kilchberg am Zürichsee.

RückSpiegel


20 Minuten nahm die OnlineReports-Recherche über den Angriff auf den Stiefvater vor dem Muttenzer Gerichtsgebäude auf.

Die Basler Zeitung und die BZ Basel nahmen die OnlineReports-News über die Rückkehr von Christine Keller in den Basler Grossen Rat auf.

In ihrer Analyse über die unklare Gesundheitsversorgung des Laufentals ging die Basler Zeitung auf eine OnlineReports-Recherche ein.

Telebasel konfrontierte die SVP-Regierungsrats-Kandidatin Sandra Sollberger mit einem Kommentar aus OnlineReports (worauf sie die Stellungnahme verweigerte).

Die BZ Basel und die Basler Zeitung nahmen den OnlineReports-Bericht über Pläne zum Abbruch des Spitals Laufen auf.

Die OnlineReports-News über den Wechsel des Telefon-Anbieters durch die Basler Verwaltung wurde von der BZ Basel und Happy Radio aufgenommen.

In seiner Aufstellung über "Politiker, die Wasser predigen und Wein trinken", nahm der Nebelspalter auch auf einen Artikel in OnlineReports Bezug.

20 Minuten griff die OnlineReports-Meldung über einen Autolenker, der bei der verbotenen Fahrt durch eine Einbahnstrasse in Birsfelden eine Radfahrerin schwer verletzte, auf.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des früheren Baselbieter Regierungsrats Urs Wüthrich nahmen Telebasel, die BZ Basel, die Basler Zeitung, das SRF-Regionaljournal, Prime News, die Nachrichtenagentur SDA, 20 Minuten und Happy Radio auf.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Recherche über Lärm-Überschreitungen im Osten des Gundeldinger-Quartiers auf.

Auf die OnlineReports-News über den Rücktritt der Laufener Finanzkommission reagierte die BZ Basel mit einem Nachzug.

Die Basler Zeitung nahm in ihrer Analyse der Basler FDP auf einen OnlineReports-Artikel aus dem Jahr 2005 Bezug.

Die BZ Basel nahm in ihrem Bericht über den Protest gegen entwässerte Basler Brunnen auf OnlineReports Bezug.

Die OnlineReports-News über stehengelassene BVB-Buspassagiere wurde von der BZ Basel aufgenommen.

Die BZ Basel und die Basler Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die Aufnahme von Frauen in die drei Kleinbasler Ehrengesellschaften auf.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über Login-Probleme bei der Basler Kantonalbank (BKB) nach. Ebenso das Regionaljournal, das aber keine Quelle nannte.

Die BZ Basel und das SRF-Regionaljournal nahmen die OnlineReports-Meldung vom Tod des ehemaligen Baselbieter LdU-Nationalrats Claudius Alder auf.

In ihrem Bericht über den Störungs-Aufruf von "Basel nazifrei" zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Heiko Vogel (47), der frühere Cheftrainer, kehrt am 1. Januar 2023 als Sportdirektor zum FC Basel zurück, um den "gesamten operativen Fussball-Alltag des FCB" zu verantworten.

Die Baselbieter Regierung hat die Mietung von Räumlichkeiten für das Amt für Migration und Bürgerrecht im Helvetia Tower in Pratteln beschlossen.

Auf die im Februar zurücktretende "Basta"-Grossrätin Beatrice Messerli (70) wird die Präsidentin des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest, die Klimaaktivistin Fina Girard (Jahrgang 2001) folgen.

Lorenz Amiet, bisher Vizepräsident, wird neuer Präsident der SVP-Grossratsfraktion als Nachfolger von Pascal Messerli, der neu Parteipräsident wurde.

In Lörrach bewarf dieser Tage ein Unbekannter die Fassade der Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde mit Eiern.

Am Riehenring entsiegelt das Basler Bau- und Verkehrsdepartement als Versuch ab 31. Oktober insgesamt 14 Parkfelder, so dass dort zukünftig Regenwasser in den Untergrund geleitet wird.

Witterungsbedingt muss die Eröffnung der Kunsteisbahn Eglisee in diesem Jahr um zwei Wochen nach hinten verschoben werden, nämlich auf den 12. November.

Ab 1. November müssen sämtliche Personen, die den Kanton in strategischen Führungsorganen der Beteiligungen des Kantons Basel-Landschaft vertreten, ihre Vergütungen offenlegen.

Der Kanton Baselland beteiligt sich mit 900'000 Franken an der von der Wirtschaftskammer organisierten grössten Berufswahlmesse der Schweiz.

Am 29. Oktober, ab 10.15 Uhr, findet an der Oristalstrasse 100 A in Liestal die öffentliche Fahrzeug-Versteigerung von rund 140 Velos diverser Marken, 4 Autos (BMW X6 xDrive30d, Honda Civic 2.0i Typ R, VW T5 Kombi D 4M BMT, VW Polo Blue GT) und ein Arbeitsanhänger (BZS MA MA MA) statt.

Die Kunsteisbahn Margarethen eröffnet am 22. Oktober, die Eislaufsaison und eine Woche später; ab dem 29. Oktober, ist auch die Kunsteisbahn Eglisee geöffnet.

Die Evangelische Volkspartei Baselland (EVP) feierte am vergangenen 9. Oktober mit Partei- und ihren 100. Geburtstag.

Das Bau- und Verkehrsdepartement erteilt der Wyniger Gruppe den Zuschlag für den Betrieb der Flora-Buvette ab 2023; es soll sich um die "erste klimaneutrale Buvette" handeln.

Per 1. Januar 2023 übernimmt Christopher Henry Tütsch (49) die Geschäftsleitung des Ausländerdienstes Baselland als Nachfolger von Oliver Bolliger, der zum selben Zeitpunkt die Geschäftsleitung der Stiftung Wohnhilfe in Basel übernimmt.

Die Delegierten des Gewerbeverbandes Basel-Stadt haben am 20. September Hansjörg Wilde zum neuen Präsidenten gewählt.

Nach einjährigem Studium am Basler Gymnasium Kirschgarten konnten dieses Jahr 65 junge Erwachsene ihre Passerelle-Ausweise entgegennehmen, die ihnen nach der Berufs- oder Fachmatur den Zugang zu sämtlichen Studiengängen an den Schweizer Hochschulen ermöglichen.

In Muttenz beim Hallenbad beginnen im September /Oktober die Bohrarbeiten zur Erkundung des Untergrundes, da es dort zu Dolineneinstürzen und grossflächigen Absenkungen gekommen ist.

Der Verein "Treffpunkt Arlesheim" (ehemals "Verkehrsverein Arlesheim") beschloss bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung, sich aufzulösen.

Gleichzeitig mit dem Start der Bundeskampagne zum Energiesparen senkt die Basler Regierung die Heiztemperatur in seinen Verwaltungsgebäuden auf 19 Grad Celsius.

Der Liestaler Stadtrat hat beschlossen, den "Engel-Saal" unter dem Namen "Stadtsaal" in eigener Regie zu betreiben, womit er den Liestaler Vereinen zukünftig zu vergünstigten Konditionen angeboten werden kann.

Die Baumann & Cie übernimmt rückwirkend per 30. Juni 100 Prozent der Aktien der Vögeli Vermögensverwaltung AG.

In Basel-Stadt ist am 19. August die aus Lehrerkreisen angeregte Initiative zur Erweiterung der Integrativen Schule durch heilpädagogisch geführte Förderklassen eingereicht worden.

Die beiden Ludotheken Bläsi und St. Johann der Robi-Spiel-Aktionen werden nach 2022 nicht weiter betrieben.

Anouk Feurer, die Co-Präsidentin des "Jungen grünen Bündnisses Nordwest", ist Nachrückende für die zurücktretende grüne Basler Grossrätin Michelle Lachenmeier.