Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

<< [ 1 | (...) | 51 | 52 | 53 | 54 | 55 | 56 | 57 | 58 | 59 | 60 | (...) | 161 ] >>

Theater Basel, Schauspielhaus
Uraufführung

"Nirgends in Friede. Antigone."

Autorin: Darja Stocker (nach Sophokles)
Bühne: Viva Schudt
Kostüme: Sara Schwartz
Dramaturgie: Sabrina Hofer
Musik: Patric Catani
Licht: HeidVoegelinLights

Mit Nicola Kirsch, Pia Händler, Steffen Höld, Martin Hug, Lisa Stiegler, Cathrin Störmer, Simon Zagermann


Antigone im arabischen Frühling

Ein meterhohes Stahlgestell füllt den Bühnenhintergrund aus. Es könnte einen der Grenzzäune darstellen, mit denen Europa die Flüchtlinge aus dem afrikanischen Kontinent abwehrt. Es könnte aber auch eine Stadtmauer symbolisieren, mit der sich der thebanische Machthaber Kreon im Bruderkrieg die Aufständischen unter der Führung von Polineikes vom Leib hält. Oder – mit etwas Fantasie – eine Strassensperre auf dem Tahrir-Platz in Kairo.

Das sind die Dramen, die hier drei Antigones umtreiben, zu deren Auftritt erstmal das Licht ausgeht; eine Diesseits-Welt, die schon so etwas wie Unterwelt ist; werden die Leuchtstoffröhren am Gestell angeknipst, erinnert das Szenario an eine düstere Light-Show, wie sie etwa der englische New Wave-Sänger Gary Numan zur Untermalung seines melancholischen Dark-Pops verwendete.

Bald werden die Flüchtlinge vor den Toren Thebens stehen, der Aufruhr in den Strassen der Stadt werden den Diktator bedrängen, und der wird die drei Antigones als Aufrührerinnen hinrichten lassen, wobei er selber blutüberströmt zu Tode kommt. Die Aufführung endet mit einer Revolution, bei der sich die Guten und Einsichtsvollen gegen diejenigen erheben, die sich auf die Seite von Abschottung, Besitzstandssicherung, Machtkalkül, schalen Vernunftslösungen und des bildergeilen Medienzynismus stellen.

Jene Medienbilder sind es jedoch auch, die die drei Antigone-Schauspielerinnen Nicola Kirsch, Cathrin Störmer und Lisa Stiegler (gekonnt) heraufbeschwören, wenn sie ausgiebig von den Flüchtlingsschicksalen auf den Booten, den Unruhen in der Stadt oder den Schandtaten der Sicherheitskräfte berichten. Oder wenn Steffen Höld (furios) als agiler Machtmensch Kreon den verkrampft um Seriosität bemühten Auftritt heutiger Staatschefs nachahmt und dabei die Hände zu Angela Merkels berühmter Raute formt.

Die 32-jährige Schweizer Autorin Darja Stocker hat Sophokles' Stück nicht nur über den Bruderkrieg zwischen Polineikes und Eteokles ausgeweitet, der vor seinem eigentlichen Drama liegt, sondern den antiken Stoff auch mit allerlei politischen Anliegen angefüllt. Man spürt viel Betroffenheit, auch aus persönlichem Augenschein an den erwähnten Tatorten; etwa wenn sie von den Schlägertrupps bei Demonstrationen in Ägypten oder mit beissendem Sarkasmus den Aufprall zwischen den armen Flüchtlingen und den reichen Touristen in Griechenland schildern lässt. Die Autorin will uns etwas mitgeben. Die Frage bleibt: was?

Ist es wirklich das hilflos-naive Credo an die Mobilisierung der Massen? Oder geht es um Antigones Unbedingtheit, die sie in den Tod führen muss? Bei Sophokles begräbt sie ihren Bruder Polineikes gegen das von Kreon mit Todesstrafe belegte Verbot, weil sie die Gebote der Unterwelt für massgeblicher hält. Hier lässt sie den toten Polineikes durch die Massen führen, um diese aufzuwiegeln. Bei Sophokles ist sie im Recht. Und hier? Mehrfach deutbar wäre dazu der Satz, den Stocker der Spielfassung vorangestellt hat: "Die Wahrheit sind nicht die Fakten, sondern wie Antigone die Realität erlebt."

Bei Sophokles ging es um das Drama des Menschen am Beispiel von Antigone, die ihre Ethik aus der Transzendenz bezog, wogegen sich angesichts der andauernd katastrophalen Geschichte die gegenwärtigen Dramen in Stockers Erzählung über den Gang der Menschheit als aktualisierendes Themen-Dropping ausnehmen. Einer Menschheit auch, die der Massenbewegungen und der Betroffenheitsemotionen bedarf, um sich zu mobilisieren. Oder vielleicht sieht Stocker hinter all dem einen neuen Frühling anbrechen?

Der vielschichtige Text, reich an Bezügen, voller Wechsel in Stil und Abstraktionsgrad, mit längeren Monolog-Passagen, der während der Probezeit von der Autorin auch noch nachbearbeitet wurde, stellte das Ensemble vor eine anspruchsvolle Aufgabe. Es hat sie als ganzes mit einer intensiven und konzentrierten Leistung über weite Strecken glänzend gemeistert. Pia Händler als Ismene, Cathrin Störmer als Antigone 3, Martin Hug als Wächter und der bereits erwähnte Steffen Höld überzeugten mit besonders prägnanten Auftritten.

Über die fast zwei Stunden folgte das Premierenpublikum dem nicht leicht verständlichen Stück mit voller Aufmerksamkeit und applaudierte anschliessend lange und heftig.

12. Dezember 2015
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade. © Foto by OnlineReports.ch

Claude.Buehler@gmx.net

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Karli Odermatt ist (...) heute Verwaltunsgrat der FC Basel Holding"

BZ Basel
wiederholt, diesmal
in einer Bildlegende
am 22. April 2021
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Die BZ liebt offenbar Fischgräte in den Verwaltungsräten.

Alles mit scharf

Immer wieder Neulinge

RückSpiegel


20 Minuten nahm in der Nachricht über einen Hacker-Angriff auf die Basler Gewerbeschule auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Report über die Basler LDP nimmt die WochenZeitung (WoZ) Bezug auf ein OnlineReports-Interview mit LDP-Grossrat Michael Hug.

20 Minuten nahm die OnlineReports-Recherche über den Psychoterror in einem Arlesheimer Wohnblock auf.

Die BZ greift in ihrem Artikel "Bikini-Gate im Schrebergarten" einen Artikel von OnlineReports auf.

Den OnlineReports-Bericht über Masken-Sicherheit an Spital-Porten nahm die Konsumenten-Sendung "Espresso" von Radio SRF zum Anlass, das Thema vertieft zu untersuchen.

Blick, Telebasel, 20 Minuten und die BZ nahmen die OnlineReports-News über die Strafanzeigen gegen den ausländerfeindlichen Basler Grossrat E. W. auf.

Die BZ, die zu Recht die Intransparenz der Baselbieter Steuer(ab)rechnungen kritisierte, nahm in ihren Nachzug auf einen bestätigenden OnlineReports-Kommentar Bezug.

Prime News ging in der Kritik an "Weltwoche"-Kolumnist Christoph Mörgeli auf einen satirischen OnlineReports-Text über Lukas Engelberger ein.

Der Tages-Anzeiger bezog sich in einem Artikel über Impf-Privilegien auch auf einen OnlineReports-Artikel über UKBB-CEO Marco Fsicher.

Die Basler Zeitung nahm in ihrem Abschiedstext über den Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels in Text und Bild auf OnlineReports Bezug.

Die OnlineReports-Todesnachricht über alt-Landrat Peter H. Müller wurde von der BZ aufgenommen.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über die Schliessung des Zeitungsladens "Press&Books" auf der Basler SBB-Passerelle auf.

Telebasel, das Regionaljournal und die Basler Zeitung nahmen in ihren Nachrufen auf Corina Christen auf OnlineReports Bezug.

Der OnlineReports-Primeur über den Rücktritt das Basler Grünen-Präsidenten Harald Friedl nahmen die BZ, Prime News, das Regionaljournal, die Basler Zeitung und Telebasel auf.

Die Medienwoche berichtete bezüglich einer "Weltwoche"-Falschmeldung über den Basler Regierungsrat Lukas Engelberger darüber, dass Mörgeli die humoristische Gedankenspielerei auf Onlinereports.ch für bare Münze nahm.

In ihrer Presseschau über die Basler Regierungsratswahlen zitierete die BZ ausführlich aus OnlineReports.

Die Basler Zeitung nahm die OnlineReports-News über einen geplatzten Baselbieter Strafprozess auf.

Die Wochenzeitung ging in ihrem Bericht über den Abbau in grossen Schweizer Zeitungsredaktion auch auf "kleinere Player" wie OnlineReports ein.

Die BZ zieht den OnlineReports-Report über den Verzicht auf das Muttenzer Multiplex-Kino der "Kitag AG" nach.

Die OnlineReports-News über die Schliessung eines Tanzlokals in der Basler Innenstadt nahm die BZ auf.

In ihrer Besprechung von Roland Starks Kolumne-Buch "Stark!" nimmt die Volksstimme auf OnlineReports Bezug.

Die BZ kritisierte den designierten Basler SP-Regierungsrat Beat Jans für seinen Twitter-Tweet: "Wieso muss man in unserer Region eigentlich 'Onlinereports' lesen, wenn man sich umfassend informieren, statt belehren lassen will?"

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Josiane Tinguely Casserini wird per 1. August neue Baselbieter Kantonsapothekerin und Leiterin der Abteilung Heilmittel im Amt für Gesundheit.

Das Hafenfest Basel 2021, das vom 3. bis 5. September hätte stattfinden sollen, wurde vom Organisationskomitee aus epidemiologischen Gründen abgesagt.

Die Basler Regierung hat die kantonalen Einschränkungen für "Einrichtungen im Sportbereich" aufgehoben, so dass der Sportunterricht und die Nutzung der Garderoben auf Sekundarstufe I und II ab 3. Mai wieder möglich sind.

Marc-André Giger und Guy Lachappelle werden neue Mitglieder des Verwaltungsrats des Universitäts-Kinderspitals beider Basel (UKBB).

Das Landratspräsidentinnen-Fest zu Ehren der Grünliberalen Regula Steinemann muss aus Pandemie-Gründen vom 24. Juni auf den 26. August verschoben werden.

Rolf Borner, Geschäftsleiter Immobilien Basel-Stadt, verlässt das Finanzdepartement nach 16 Jahren per 1. August und wird Direktor "Infrastruktur und Betrieb" und Mitglied der Universitätsleitung der Universität Basel.

Ab 19. April sind die Sportanlagen im Kanton Basel-Stadt gemäss den Vorgaben des Bundes und unter Einhaltung der Schutzmassnahmen wieder zugänglich.

Salome Bessenich wird Nachfolgerin des zurücktretenden Basler SP-Grossrats Sebastian Kölliker, der Co-Generalsekretär des Basler Präsidialdepartements wird.

Der 615. Liestaler Banntag vom 10. Mai ist durch einen Beschluss der vier Rottenchefs aus pandemischen Gründen abgesagt worden.

Innerhalb von zwei Wochen sind über 3’000 Unterschriften gegen die vom Grossen Rat beschlossene Abschaffung der Parkplätze beim Friedhof Hörnli zusammengekommen.

Daniel Urech, Gemeinderat der Freien Wähler Dornach und Kantonsrat der Grünen Solothurn, tritt für das Gemeindepräsidium Dornach an.

Mit einer Geschwindigkeit von 124 km/h statt der erlaubten 60 km/h erwischte die Polizei am 29. März auf der Oristalstrasse in Liestal einen 33-jährigen italienischen PW-Lenker, der in Richtung Büren raste und es jetzt mit der Justiz zu tun bekommt.

Die neugewählten Basler Regierungsmitglieder Esther Keller (GLP) und Kaspar Sutter (SP) wurden zu neuen Verwaltungsratsmitgliedern des EuroAirport ernannt.

Das Referendum gegen eine flächendeckende Parkraum-Bewirtschaftung in Allschwil ist mit über 800 Unterschriften zustande gekommen; das Quorum beträgt 500 Unterschriften.

Waltraud Parisot wird neue Verwaltungs-Chefin an der Musik-Akademie Basel und damit Nachfolgerin von Marc de Haller, der nach 18 Dienstjahren regulär pensioniert wird.

Lina Arti hat heute als 10'000. Baslerin im Impfzentrum die Corona-Zweitimpfung und von Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger einen grossen Blumenstrauss erhalten.

Der Kanton Basel-Stadt hat bis 2. März gesamthaft 25,2 Millionen Franken A-fonds-perdu-Beiträge aus dem Härtefall-Programm an Unternehmen ausbezahlt und 4,9 Millionen Franken Bürgschaften für KMU-Kredite bewilligt.

Dominik Scherrer wird als Nachfolger von Titus Hell neuer Präsident der Jungfreisinnigen Basel-Stadt.

Die Fluxdock AG wird den Kasernen-Hauptbau betreiben, in dem Anfang 2022 das Kultur- und Kreativzentrum seine Tore öffnet.

Marcus Vetter ist neuer Chefarzt für Onkologie und Hämatologie des Kantonsspitals Baselland.

Alexa Ipen-Providoli wird ab 1. April neue Leiterin des Amtes für Beistandschaften und Erwachsenenschutz und damit Nachfolgerin von Sarah Thönen, die ins Erziehungsdepartement wechselt.

Bis 1. Februar erhielten in Basel-Stadt über 9'800 Personen eine erste Impfdosis gegen das Coronavirus, über 3'700 weitere Personen haben bereits zwei Dosen erhalten.

Das Kantonale Laboratorium Basel-Stadt hat bei 36 Haarfärbemittel-Proben neun Produkte mit einem Verkaufsverbot belegt.

Die Wahlvorbereitungs-Kommission beantragt dem Grossen Rat, am 10. März Staatsanwalt Urs Jürg Müller-Egli zum Leitenden Staatsanwalt und Leiter der Allgemeinen Abteilung zu wählen.

Elisabeth Simon wird am 1. August neue Rektorin des Gymnasiums Bäumlihof und somit Nachfolgerin von Anna-Katharina Schmid, die auf diesen Zeitpunkt in Pension geht.

Mit einer Mehrheit von 89,4 Prozent beschlossen die Mitglieder der CVP Basel-Stadt am 25. Januar den Namenswechsel in "Die Mitte Basel-Stadt".

Gegen die Kreditbewilligung des Landrates in Höhe von 17,15 Millionen Franken für die Verlängerung der Tramlinie 14 von Pratteln nach Augst reichte am 25. Januar die Aktionsgruppe "aapacke" Pratteln das Referendum ein.

Mark Eichner (Präsident), Carol Baltermia, Liselotte Henz, Isabelle Mati und Karin Sartorius bilden die Findungskommission zur Evaluation eines neuen Basler FDP-Präsidiums.

Medbase und das Kantonsspital Baselland (KSBL) werden das "Regionale Gesundheitszentrum Laufen" im "Birs Center" betreiben und damit ein breites ambulantes Angebot mit Notfallversorgung anbieten.