Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

<< [ 1 | (...) | 61 | 62 | 63 | 64 | 65 | 66 | 67 | 68 | 69 | 70 | (...) | 174 ] >>

Theater Basel, Schauspielhaus
Uraufführung

"LSD – Mein Sorgenkind"

Eine Kette glücklicher Zufälle, organisiert von Thom Luz
 
Inszenierung: Thom Luz
Dramaturgie: Ewald Palmetshofer
Bühne: Wolfgang Menardi, Thom Luz
Musikalische Leitung: Mathias Weibel
Kostüme und Lichtdesign: Tina Bleuler

Mit Carina Braunschmidt, Mario Fuchs, Wolfgang Menardi, Daniele Pintaudi, Mathias Weibel, Leonie Merlin Young


Unverbaubare Aussicht auf die Sternensysteme

Zunächst mal darf man das Theater Basel zu dem Entscheid beglückwünschen, die für diese Stadt so prominente Pharma-Geschichte auf den Spielplan zu setzen. Kaum eine andere Erfindung aus Basel hat die Welt so massenwirksam erobert wie LSD, und wohl keine hat derart einschneidend auf das Kulturempfinden von Generationen eingewirkt, inklusive der grossen Mehrheit, die die Substanz gar nie ausprobierte.
 
Wer aber nun auf Hippie-Folklore im Schauspielhaus hofft, kann zuhause bleiben. Kein Jimi Hendrix, keine psychedelischen Pop-Bilder, keine sich schlangenartig im Rhythmus windenden Blumenkinder. Ein guter Entscheid: TV-Dokus über den Einfluss der "Wunderdroge", die mit dem Abfeiern der erfrischenden Rock-Sounds der Endsechziger auf den Lustkick setzen, gibt es schon genug, und ihr Erkenntnisgewinn geht selten über die Befriedigung nostalgischer Sehnsüchte hinaus.
 
Aber auch ein folgenschwerer Entscheid, denn im Titel zu Thom Luz' Abend steht auch "Sorgenkind", und dahinter steckt eine dramatische Geschichte, von der der neue Hausregisseur gar rein nichts erzählt – die der Basler LSD-Entdecker Albert Hofmann aber in seinem 1979 erschienen Buch gleichen Titels ausführlich beschrieb, etwa, wie er von seinem Vorgesetzten bei Sandoz gerügt wurde: "Ich wünschte mir, Sie hätten LSD nie erfunden".
 
Tatsächlich stellte Sandoz in den sechziger Jahren sämtliche Arbeiten im Zusammenhang mit LSD-25 ein – der Tribut an die Folgen des kaum mehr kontrollierbaren Massenkonsums, den Hofmann missbilligte. Die Schlagzeilen über Suizide unter LSD-Einfluss hatten sich gehäuft. Polizeiorgane aus der ganzen Welt hatten Sandoz mit Anfragen zu Analysen und Nachweismöglichkeiten belastet. Mit dem amerikanischen Psychologen Timothy Leary, der LSD auch jungen Leuten gab, stand der Hofmann jahrelang im Konflikt. Von alledem, wie gesagt, nichts in der 80-minütigen Performance.

Statt von Problemen zu erzählen, will uns Thom Luz zum Staunen bringen, etwa über die hohe, neonbeleuchtete Halle, durch die Leute in weissen Laborkitteln geschäftig ihre Gänge nach Gesetzmässigkeiten gehen, die wir nicht verstehen. In dieser sterilen Laborwelt überrascht uns Vogelgezwitscher. Es erinnert an Hofmanns Kindheitserlebnis in einem Wald, als er eine "Verzauberung", erstmals eine Art Durchbruch durch die Alltagswirklichkeit wahrnahm – wie er ihn später ähnlich unter LSD-Einfluss erlebte. Das Licht, die Farben, die Geräusche sprachen viel direkter als sonst zu ihm. An dieses Sensorium appelliert Luz.

Ins Vogelgezwitscher wird ein wimmernd quietschendes Wägelchen geschoben. Jemand dreht an einem alten Moog-Synthesizer die Knöpfe als wäre es ein Analysegerät aus der Chemie: Sägezahntöne dröhnen, Stimmfetzen brechen durch wie aus einer anderen Wirklichkeit. Die Leute bewegen sich langsam, ein Gefühl gedehnter Zeit entsteht. Mit lautem "Hoi" platzt ein Fahrradfahrer hinein; seinen ersten Trip hatte der Chemiker auf dem Velo erlebt: Durch seine Fingerkuppen hatte er die Substanz unwissentlich aufgenommen.

Der Trip setzt die Forschungsmaschinerie in Gang. Die Laborleute zerschneiden das Velo, studieren die mit Kopfkamera aufgezeichnete Velofahrt auf Bildschirmen. Über die Bilder erzählt der Fahrradfahrer Hofmanns Walderlebnis, legt so die beiden bestimmenden Ereignisse von Hofmanns LSD-Karriere übereinander. Wenn Carina Braunschmidt mit aufgerissenen Augen und hohler Stimme das (fiktive) Protokoll der Velofahrt wiedergibt, prallen das Sakrale wissenschaftlicher Befunde und das Profane unserer Strassen mit komischem Reiz aufeinander: "Erweiterung der Pupillen beim Eintritt in den St. Johannsring, angsterfüllt auf dem Bundesplatz, Aufhebung der Du- und Ich-Schranke beim Rütimeyerplatz."

Bald werden Klaviere aufgefahren, Papierbahnen eingezogen, auf denen sich das Klavierspiel Mathias Weibels (Bach, Mozart, Chopin) mit verschiedenen Farben aufzeichnet. Die Papierbahnen – man kann sie als Protokolle von in die Musik sublimierter Formeln, als Banner unseres hilflosen Wissenschaftsbewusstseins, als DNA-Reihen sehen – werden an den Zügen hochgezogen. Bald hängt der Raum voller meterlanger Bahnen, Licht fällt von oben darauf wie bei der Dämmerung. Man schaut den Vorgängen, der Entstehung der Bilder, gebannt wie dem Flug einer Fliege zu – oder folgt ihnen ohne Zuneigung. Beim Schlussapplaus jubelten die einen, bei den anderen blieben die Hände auf dem Schoss.

Gewisse Einwände sind angebracht: Die Inszenierung scheint sich im Spiel mit Bilderschöpfungen selbst zu genügen. Luz zelebriert eigene Vorstellungen aus Wohlbekanntem, ohne weitere Entdeckungen zum Thema oder zu Hofmann zu ermöglichen. Die Beziehung etwa zwischen den Kernpunkten, Hofmanns Walderlebnis und seinem Velo-Trip, bleibt diffus.

Aber Luz kann einem das Erlebnis stiller Heiterkeit vermitteln. Wenn die Musik auf Bahnen in den Himmel fährt, wenn die Laborleute plötzlich auf Fahrradspeichen Violine spielen, wenn eine Verkehrsampel sich auf einmal nach Tönen richtet, oder wenn Bottmingen (wo Hofmann damals wohnte) als Wohnort angepriesen wird "mit unverbaubarer Aussicht auf die Sternensysteme". Und das ist doch schon viel.

1. November 2015
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade. © Foto by OnlineReports.ch

Claude.Buehler@gmx.net

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

Veranstaltungs-Hinweis


Buchvernissage
29. November 2022, 19.30 Uhr

Christiane Widmer und Christian Lienhard: "Eine Prise Leidenschaft. Gespräche mit 81 Köchinnen und Köchen in der Schweiz"
Vernissage mit Urs Hofmeier, Direktor Schweizer Salinen; Lukas Ott, Stadtentwickler; Daniel Jenzer, Restaurant Wanderruh; Christiane Widmer, Autorin.

Anmeldung erforderlich, Teilnahme gratis: ticket@biderundtanner.ch
061 206 99 96
Mehr Infos
 

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Wie wollen Sie die Landwirtschaft dazu bringen, weniger tierische und dafür mehr menschliche Nahrungsmittel zu produzieren?"

Basler Zeitung
Interviewfrage
am 2. November 2022
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Die visionäre BaZ stellt sich frühzeitig auf Menschenfleisch ein.

RückSpiegel


20 Minuten nahm die OnlineReports-Recherche über den Angriff auf den Stiefvater vor dem Muttenzer Gerichtsgebäude auf.

Die Basler Zeitung und die BZ Basel nahmen die OnlineReports-News über die Rückkehr von Christine Keller in den Basler Grossen Rat auf.

In ihrer Analyse über die unklare Gesundheitsversorgung des Laufentals ging die Basler Zeitung auf eine OnlineReports-Recherche ein.

Telebasel konfrontierte die SVP-Regierungsrats-Kandidatin Sandra Sollberger mit einem Kommentar aus OnlineReports (worauf sie die Stellungnahme verweigerte).

Die BZ Basel und die Basler Zeitung nahmen den OnlineReports-Bericht über Pläne zum Abbruch des Spitals Laufen auf.

Die OnlineReports-News über den Wechsel des Telefon-Anbieters durch die Basler Verwaltung wurde von der BZ Basel und Happy Radio aufgenommen.

In seiner Aufstellung über "Politiker, die Wasser predigen und Wein trinken", nahm der Nebelspalter auch auf einen Artikel in OnlineReports Bezug.

20 Minuten griff die OnlineReports-Meldung über einen Autolenker, der bei der verbotenen Fahrt durch eine Einbahnstrasse in Birsfelden eine Radfahrerin schwer verletzte, auf.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des früheren Baselbieter Regierungsrats Urs Wüthrich nahmen Telebasel, die BZ Basel, die Basler Zeitung, das SRF-Regionaljournal, Prime News, die Nachrichtenagentur SDA, 20 Minuten und Happy Radio auf.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Recherche über Lärm-Überschreitungen im Osten des Gundeldinger-Quartiers auf.

Auf die OnlineReports-News über den Rücktritt der Laufener Finanzkommission reagierte die BZ Basel mit einem Nachzug.

Die Basler Zeitung nahm in ihrer Analyse der Basler FDP auf einen OnlineReports-Artikel aus dem Jahr 2005 Bezug.

Die BZ Basel nahm in ihrem Bericht über den Protest gegen entwässerte Basler Brunnen auf OnlineReports Bezug.

Die OnlineReports-News über stehengelassene BVB-Buspassagiere wurde von der BZ Basel aufgenommen.

Die BZ Basel und die Basler Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die Aufnahme von Frauen in die drei Kleinbasler Ehrengesellschaften auf.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über Login-Probleme bei der Basler Kantonalbank (BKB) nach. Ebenso das Regionaljournal, das aber keine Quelle nannte.

Die BZ Basel und das SRF-Regionaljournal nahmen die OnlineReports-Meldung vom Tod des ehemaligen Baselbieter LdU-Nationalrats Claudius Alder auf.

In ihrem Bericht über den Störungs-Aufruf von "Basel nazifrei" zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Die Baselbieter Regierung hat die Mietung von Räumlichkeiten für das Amt für Migration und Bürgerrecht im Helvetia Tower in Pratteln beschlossen.

Auf die im Februar zurücktretende "Basta"-Grossrätin Beatrice Messerli (70) wird die Präsidentin des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest, die Klimaaktivistin Fina Girard (Jahrgang 2001) folgen.

Lorenz Amiet, bisher Vizepräsident, wird neuer Präsident der SVP-Grossratsfraktion als Nachfolger von Pascal Messerli, der neu Parteipräsident wurde.

In Lörrach bewarf dieser Tage ein Unbekannter die Fassade der Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde mit Eiern.

Am Riehenring entsiegelt das Basler Bau- und Verkehrsdepartement als Versuch ab 31. Oktober insgesamt 14 Parkfelder, so dass dort zukünftig Regenwasser in den Untergrund geleitet wird.

Witterungsbedingt muss die Eröffnung der Kunsteisbahn Eglisee in diesem Jahr um zwei Wochen nach hinten verschoben werden, nämlich auf den 12. November.

Ab 1. November müssen sämtliche Personen, die den Kanton in strategischen Führungsorganen der Beteiligungen des Kantons Basel-Landschaft vertreten, ihre Vergütungen offenlegen.

Der Kanton Baselland beteiligt sich mit 900'000 Franken an der von der Wirtschaftskammer organisierten grössten Berufswahlmesse der Schweiz.

Am 29. Oktober, ab 10.15 Uhr, findet an der Oristalstrasse 100 A in Liestal die öffentliche Fahrzeug-Versteigerung von rund 140 Velos diverser Marken, 4 Autos (BMW X6 xDrive30d, Honda Civic 2.0i Typ R, VW T5 Kombi D 4M BMT, VW Polo Blue GT) und ein Arbeitsanhänger (BZS MA MA MA) statt.

Die Kunsteisbahn Margarethen eröffnet am 22. Oktober, die Eislaufsaison und eine Woche später; ab dem 29. Oktober, ist auch die Kunsteisbahn Eglisee geöffnet.

Die Evangelische Volkspartei Baselland (EVP) feierte am vergangenen 9. Oktober mit Partei- und ihren 100. Geburtstag.

Das Bau- und Verkehrsdepartement erteilt der Wyniger Gruppe den Zuschlag für den Betrieb der Flora-Buvette ab 2023; es soll sich um die "erste klimaneutrale Buvette" handeln.

Per 1. Januar 2023 übernimmt Christopher Henry Tütsch (49) die Geschäftsleitung des Ausländerdienstes Baselland als Nachfolger von Oliver Bolliger, der zum selben Zeitpunkt die Geschäftsleitung der Stiftung Wohnhilfe in Basel übernimmt.

Die Delegierten des Gewerbeverbandes Basel-Stadt haben am 20. September Hansjörg Wilde zum neuen Präsidenten gewählt.

Nach einjährigem Studium am Basler Gymnasium Kirschgarten konnten dieses Jahr 65 junge Erwachsene ihre Passerelle-Ausweise entgegennehmen, die ihnen nach der Berufs- oder Fachmatur den Zugang zu sämtlichen Studiengängen an den Schweizer Hochschulen ermöglichen.

In Muttenz beim Hallenbad beginnen im September /Oktober die Bohrarbeiten zur Erkundung des Untergrundes, da es dort zu Dolineneinstürzen und grossflächigen Absenkungen gekommen ist.

Der Verein "Treffpunkt Arlesheim" (ehemals "Verkehrsverein Arlesheim") beschloss bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung, sich aufzulösen.

Gleichzeitig mit dem Start der Bundeskampagne zum Energiesparen senkt die Basler Regierung die Heiztemperatur in seinen Verwaltungsgebäuden auf 19 Grad Celsius.

Der Liestaler Stadtrat hat beschlossen, den "Engel-Saal" unter dem Namen "Stadtsaal" in eigener Regie zu betreiben, womit er den Liestaler Vereinen zukünftig zu vergünstigten Konditionen angeboten werden kann.

Die Baumann & Cie übernimmt rückwirkend per 30. Juni 100 Prozent der Aktien der Vögeli Vermögensverwaltung AG.

In Basel-Stadt ist am 19. August die aus Lehrerkreisen angeregte Initiative zur Erweiterung der Integrativen Schule durch heilpädagogisch geführte Förderklassen eingereicht worden.

Die beiden Ludotheken Bläsi und St. Johann der Robi-Spiel-Aktionen werden nach 2022 nicht weiter betrieben.

Anouk Feurer, die Co-Präsidentin des "Jungen grünen Bündnisses Nordwest", ist Nachrückende für die zurücktretende grüne Basler Grossrätin Michelle Lachenmeier.