Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

<< [ 1 | (...) | 51 | 52 | 53 | 54 | 55 | 56 | 57 | 58 | 59 | 60 | (...) | 160 ] >>

Theater Basel, Schauspielhaus
Schweizer Erstaufführung

"Die Ereignisse"

Autor: David Greig
Inszenierung/Ausstattung: Daniela Kranz
Dramaturgie: Sabrina Hofer
Musik: John Brown

Mit Inga Eickemeier, Elias Eilinghoff, Stephen Delaney (Pianist)

An der Premiere mit dem Motettenchor Region Basel (die Chöre wechseln zu jeder Aufführung)


Von der Hilflosigkeit nach dem Massenmord

Der Lärm der Todesschüsse im Pariser Club "Bataclan" ist medial noch kaum verklungen, da richtet ein Mann mit Sturmgewehr auf der Kleinen Bühne in einem multikulturellen Chor ein Blutbad an. Theaterdirektor Andreas Beck konnte nicht ahnen, dass das Stück "Die Ereignisse", das er bereits vor zwei Jahren in Wien im Schauspielhaus aufführen liess, nun kurz vor der Schweizer Erstaufführung durch entsetzliche Aktualität aufgeladen würde.

Dass es Beck mit dem Anliegen des Stoffs ernst ist, zeigt sich nicht nur daran, dass die Aufführung sich sämtlicher Effekthascherei enthält (der Mordakt etwa wird gar nicht gezeigt) oder gar auf die Pariser "Ereignisse" mit Billig-Aktualisierung Bezug nimmt. Er hat das Stück, das der schottische Dramatiker unter dem Eindruck von Breiviks Massenmord auf der norwegischen Insel Utoya schrieb, auch gänzlich neu besetzt und neu inszenieren lassen; die neue Regisseurin Daniela Kranz hat das Stück im Vergleich zur Wiener Aufführung anders fokussiert.

Nämlich etwas weg vom Gegensatz "Hier die multikulturelle Gesellschaft, da der rechtsextreme Täter", dafür mehr auf die Opferperspektive. Mit der das Massaker überlebenden Chorleiterin Claire leiden wir mit, die sich als Pfarrerin mit ihrem Drang zu Überverantwortung quält, die den Täter "verstehen" und den Chor mit esoterischen Ritual-Übungen "heilen" will, bevor sie sich selbst und ihre Gefühlsabgründe anzunehmen versucht.

Mit der leicht anderen Proportionierung wird auf einmal klar, warum sie, wenn sie mit dem Täter, dem Vater des Täters, ihrer Lebenspartnerin Katrina, ihrem Psychologen, einem Rechtspolitiker (und weiteren fünf Personen) spricht, immer nur den einen Spielpartner, Elias Eilinghoff, vor sich hat: Sie kann nur mehr dieses eine Gesicht sehen, das des Täters.

Inga Eickemeier ist nicht die warmherzige Dulderin wie Franziska Hackl in Wien, sondern eine dünnhäutige, seelisch geschürfte Intellektuelle. Ihr übermotiviertes Getue nervt, ihre ironischen Anflüge aber machen betroffen. Eickemeier zeigt glaubhaft ein Wesen, das wohl nicht erst seit den "Ereignissen" ohne tiefere Verankerung lebt. Verwundet wie ein Tier rast Claire übergangslos vom einen zum Nächsten: Sie fantasiert von einem Sex-Akt mit dem Täter, um ihn vom letzten Schuss abzuhalten, dann von Folter, mit der sie ihn tödlich schwächen will. Gleich darauf steigt sie auf ein Brückengeländer, um runter zu springen, besucht schliesslich den Täter im Gefängnis, um ihn zu vergiften.

Nicht aber in ihrer psychologischen Figur – und das ist der Clou der Aufführung – besteht das Drama, es handelt von unserer gesamtgesellschaftlichen Hilflosigkeit nach der Tat, von unseren mentalen, aufgesetzten Lebenskonzepten vor der Tat. Da gibt es noch den alten Gott, zu dem man (Claire) betet, wenn es schlecht geht, oder andererseits das Ausrasten Katrinas, wenn sie ihrer Lebensgefährtin entgegenbellt, dass "Scheisse" (der an sich absehbare Massenmord) halt "einfach passiert".

Da ist der Täter, im Stück bloss "Der Junge" genannt, der mit sich nichts anderes anzufangen weiss, als geltungssüchtig "eine Spur" in der Geschichte hinterlassen zu wollen, der sich dazu in mittelalterliche Krieger- und Männlichkeitsfantasien hineinsteigert, die er mit Fremdenhass unterfüttert. Gewiss, man kann in ihm bloss den typischen, gesellschaftlich isolierten Nazi mit Alkoholikervater und Hang zu Ego-Shooter-Spielen sehen, oder aber hier sehen, dass auch diese Festlegungen letztlich viel zu wenig aussagen. Schliesslich der Chor, der – auch von Claires Übereifer angewidert – nur mehr "vergessen" und "Spass" haben will.

Als (negative) Bestandesaufnahme führt einen das Stück nur an diese Schwelle unserer mangelhaften Empfindungskultur. Insofern kann man die Basler Aufführung durchaus als gültigen Kommentar zur gesellschaftlichen Nachbearbeitung der Pariser "Ereignisse" lesen, wenn auch junge Intellektuelle vor den ausgestreuten Blumen hilflos das "Aux armes, Citoyen!" (Zu den Waffen, Bürger) aus der "Marseillaise" anstimmen. In der Aufführung ist es der warmgetönte Refrain des Schlussstückes "Wir sind hier", und er wirkt sentimental. Also: entweder Kampfruf oder sentimental, aber was sonst?

Dem redlichen Bemühen um einen ehrlichen Blick auf die Dinge und dem engagierten Ensemble-Spiel wurde langer warmer Applaus gespendet. Da und dort hätte ein eher innerliches Spiel mit weniger äusserlichem Agieren für stärkere Prägnanz gesorgt. Die Intensität hat genügt, dass das Publikum konzentriert folgte, und man den kargen Chor-Probesaal mit den nackten Wänden und den Leuchtstoffröhren vergass.

Der Intention des Autors folgend führt das Theater Basel das Stück jeden Abend mit einem anderen Chor aus der Region vor, und auch an verschiedenen Spielstätten, ab nächstem Jahr auch im Baselbiet.

20. November 2015
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade. © Foto by OnlineReports.ch

Claude.Buehler@gmx.net

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

Alles mit scharf

Viren- und Wahlkampf
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Claraplatz als neues Gastromagnet"

BZ
Schlagzeile
vom 24. Juli 2020
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Das Maskulin.

RückSpiegel

 

Die BZ nahm die OnlineReports-Geschichte über den Abbruch des Hauses an der Basler Rufacherstrasse 73 auf. Die Basler Zeitung verzichtete auf eine Quellennennung.

Die BZ nahm die OnlineReports-Story über eine umstrittene Eichen-Fällung auf.

In ihrer News über das Debakel um die Wahl des Gemeindepräsidenten in Schönenbuch nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung bezog sich in ihrem Artikel über die Kandidatensuche der Basler SVP auf ein Interview in OnlineReports.

In ihrem Beitrag über den Protest gegen das "General Sutter"-Denkmal in Rünenberg nahm die BZ auf OnlineReports Bezug.

Die BZ zog die OnlineReports-News über den Rücktritt von Beat Jans als IWB-Verwaltungsrat nach.

Auch das Regionaljournal zog die OnlineReports-Geschichte über Probleme in den Familiengärten nach, verzichtete aber vornehm auf eine Quellenangabe.

Die BZ nahm die OnlineReports-Recherche über die erneute Schliessung der Familiengärten an der Landesgrenze auf.

Die BZ nahm die OnlineReports-Nachricht über die Berufung des Staatsanwalts im Fall der FCZ-Schlägerei im Lehenmattquartier auf.

Das Regionaljournal griff die OnlineReports-Geschichte über Kurzarbeit bei BaZ und BZ auf.

Die BZ nahm die OnlineReports-Nachricht über die Stadtpräsidenten-Ambition von Kantonsspital-CEO Jürg Aebi auf.

Die Volksstimme nahm die OnlineReports-Story über den anstehenden Gerichtsfall zum Rothenflüher Blechpolizisten-Sprenger auf.

In ihrem Basler Medien-Epos nahm die Medienwoche auch auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung, Prime News und die BZ berichteten unter Berufung auf OnlineReports über Adrian Plachesis Abgang bei Telebasel.

In ihren Bericht über den Abbruch des einstigen Kutscherhauses an der Rufacherstrasse in Basel bezogen sich 20 Minuten und die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm auf die OnlineReports-Recherche zum Konkurs der "Gallenacher"-Schule Bezog.

Die BZ nahm die OnlineReports-Meldung über die Beton-Elemente auf dem Basler Centralbahnplatz auf.

Die OnlineReports-News über die technische Panne bei Swisslos wurde von der BZ aufgenommen.

In ihrem Bericht über die Bereitschaft zur Regierungskandidatur von Beatriz Greuter zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Die BZ online bezog sich in ihrem Bericht über den Tod des Baselbieter Lehrerverbands-Geschäftsführers Michael Weiss auf OnlineReports.

Die Volksstimme zitierte in ihrem Bericht über den Konkurs von "Die Medienmacher" aus OnlineReports.

Telebasel bezog sich im Bericht über den Widerstand gegen die Basler IBA-Rheinterrassen auf einen Bericht von OnlineReports.

Die Basler Zeitung nimmt in ihrem Bericht über den Neujahrs-Empfang der Handelskammer beider Basel auf OnlineReports Bezug.

Die BZ schrieb in derselben Ausgabe zwei OnlineReports-Meldungen ab, ohne die Quelle zu deklarieren. Wiederholungstat!

In ihrem Bericht über Verkehrsprobleme am Aeschenplatz zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des ersten Baselbieter Kantonsgerichtspräsidenten Peter Meier wurde von der BZ, Telebasel, der Basler Zeitung und vom SRF-Regionaljournal nachgezogen.

Telebasel, die BZ und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die technisch bedingte Umkehr einer "Austrian Airlines"-Maschine nach Wien auf

Die Basler Zeitung und die BZ nahmen die OnlineReports-Nachricht zum Tod des Konjunkturforschers Christoph Koellreuter auf.

20 minuten online, Blick, nau.ch, das SRF-Regionaljournal und Telebasel nahmen den OnlineReports-Primeur über den Unfalltod des Basler Umweltschützers Martin Vosseler auf.

nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz

 

Wegen der Corona-Situation haben der Gewerbeverband und das Erziehungsdepartement entschieden, die 8. Basler Berufs- und Weiterbildungsmesse  vom 15. bis 17. Oktober nicht durchzuführen.

Auf der A2 bei Birsfelden wurde in der Nacht des 3. August ein in der Region wohnhafter Italiener als Raser erwischt, der bei erlaubten 80 mit 140 Stundenkilometern in Richtung Bern/Luzern unterwegs war.

Der Kanton Basel-Stadt, die IWB und Pro Innerstadt Basel gaben heute den offiziellen Startschuss für die Erneuerung der Freien Strasse und der angrenzenden Gassen.

Weil bei Bauarbeiten am Hochbergerplatz ein Stromkabel durchtrennt wurde, kam es am 30. Juli kurz vor 7.30 Uhr in Teilen von Kleinhüningen zu einem Stromunterbruch.

Die Friedhöfe Basel schreiben die Dienstleistungen für die Einsargung und die Überführung von Verstorbenen im Rahmen der unentgeltlichen Bestattung neu aus.

Die Universität Basel hat entschieden, ihren Dies academicus auf Grund der Corona-Pandemie nicht durchzuführen.

Die Baselbieter Corona-Abklärungs- und Teststation befindet sich neuerdings im Spenglerpark in Münchenstein.

Daniela Martin wird neue Geschäftsführerin der Basel Sinfonietta.

Am 8. Juli wurde im Basler Rathaus die Initiative für echten Wohnschutz und das Referendum gegen das "mieterfeindliche Nichtwohnschutzgesetz" eingereicht.

Mit über 4'000 Unterschriften ist in Basel-Stadt das Referendum gegen den umstrittenen Bau des Hafenbeckens 3 zustande gekommen, so dass es am 29. November zur Volksabstimmung kommt.

2. Juli: Einreichung der Initiative "Basel baut Zukunft", die 50 Prozent gemeinnützigen Wohn- und Gewerberaum auf Transformations-Arealen verlangt.

Niggi Rechsteiner übernimmt die Geschäftsführung der Basler "Stiftung Sucht" und folgt damit auf Francesco Castelli, der die Stiftung während neun Jahren geführt hat.

Jeanne Locher, seit 2016 Vizepräsidentin des Gemeinderates, ist mit 1'276 Stimmen neue Gemeindepräsidentin von Münchenstein, während Herausforderer Daniel Altermatt (GLP) auf 906 Stimmen kam.

Eveline Sprecher (SP) wurde in Aesch mit 1'087 Stimmen zur Gemeindepräsidentin gewählt, wobei FDP-Gemeinderat Stephan Hohl 726 Stimmen und Andreas Spindler (SVP) 305 stimmen erzielte.

In Allschwil setzte sich FDP-Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli mit 2'989 Stimmen klar gegen Gemeinderat Christoph Morat (SP) durch, der 1'696 Stimmen erzielte.

Mike Keller (FDP) bleibt mit 2'162 Stimmen Binninger Gemeindepräsident; seine grüne Herausforderin, Landrätin Rahel Bänziger Keel, kam auf 1'140 Stimmen.

"Teufelhof"-Chef Raphael Wyniger wird neuer Präsident des Basler Hotelier-Vereins und Nachfolger von Felix W. Hauser, der dieses Amt seit 2014 ausübte.

Der Baselbieter FDP-Landrat Heinz Lerf wurde heute Donnerstag, 25. Juni, mit 76 von 81 gültigen Stimmen zum Landratspräsidenten für das Amtsjahr 2020/2021 gewählt.

Die BLT und die AAGL nehmen ab Montag, 29. Juni, den Ticketverkauf durch das Fahrpersonal auf ihrem Liniennetz wieder auf.

Mit Carmen Kolp übernimmt zum 1. Juli erstmals eine Frau die Geschäftsführung der IG Kleinbasel (IGK), als Nachfolger von Benny Zeuggin.

An seiner Sitzung vom 22. Juni wählte der Vorstand der CVP Basel-Stadt Marco Natoli zum neuen Vizepräsidenten.

Nachdem die Baselbieter Polizei ihren Postenbetrieb aufgrund der Corona-Pandemie vorübergehend an einigen zentralen Standorten konzentriert hat, wird sie per 29. Juni alle Polizeiposten wieder öffnen.

OnlineReports-Kolumnistin Andrea Strahm wurde per brieflicher Wahl einstimmig als neue Präsidentin der CVP-Sektion Grossbasel-West gewählt.

Ein Baselbieter Automobilist fuhr mit seinem Mercedes auf einer 80 km/h-Strecke bei Schöftland AG mit 131 km/h in eine Tempokontrolle der Aargauer Kantonspolizei.

Die Gemeinde Gelterkinden ist mit 3'824 Franken pro Kopf (6'300 Einwohnende) verschuldet.