Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

<< [ 1 | (...) | 111 | 112 | 113 | 114 | 115 | 116 | 117 | 118 | 119 | 120 | (...) | 161 ] >>

Theater Basel, Schauspielhaus
Premiere

"Graf Öderland"

Autor: Max Frisch
Regie: Simon Solberg
Bühne: Maren Greinke, Simon Solberg
Kostüme: Katja Strohschneider
Video: Raphael Zehnder

Mit Inga Eickemeier, Dirk Glodde, Martin Hug, Claudia Jahn, Vincent Leittersdorf, Jan Viethen


Die Bünzlis laufen Amok

Wer möchte nicht auch gelegentlich mit der Axt alles zusammen schlagen: Warum nicht einen kleinen Hauswart runterhacken, der halt blöderweise im Weg steht? Genau so macht es ein junger Bankangestellter: Ohne Motiv – und der Einzige, der ihn versteht, das ist ausgerechnet sein Ankläger, der Staatsanwalt. Auf der Bühne des Schauspielhauses stehen sie plötzlich neben einander: Der Mörder in der Gefängniszelle und nebenan im biederen Arbeitszimmer der sonst so gewissenhafte Beamte, der die Contenance verliert. Heftig gopferdammend türmt Martin Hug als Staatsanwalt nachts um zwei demonstrativ seine Fallordner auf dem Pult auf. Es hat etwas Faustisches.

Denn auch er sieht sich als Hund, der nicht länger so leben möchte. Auch er wird bei seinen bitteren Erörterungen gestört, nicht von Wagner, sondern von seiner Frau Elsa, die ihn demonstrativ nicht versteht. Alles sei nur "Ersatz" statt wirkliches "Leben" bei "uns", ruft er aus: Wir warteten und hofften immer, auf Freizeit, auf den Fussballmatch am Sonntag, auf ein Jenseits. Pflicht und Tugend seien wichtiger als das "Leben", liess Frisch seinen Antihelden sagen. Die Schweiz 1951 mochte die subversive Attacke nicht: Die Uraufführung wurde zu Frischs erstem "Misserfolg als Dramatiker" (Programmheft).

Der Staatsanwalt packt die Axt in den Aktenkoffer, geht weg, wird zum Aussteiger. Die Leute bejubeln ihn als "Graf Öderland mit der Axt in der Hand". Fortan führt er die unpolitischen Unzufriedenen, die Bünzli-Normalverlierer, in denen ein Amokläufer Leibacher schlummert, eine Volkspartei der Axt-Schwinger, die sich ihren Zusammenhalt mit einem kleinen Axt-Emblem am Revers gegenseitig versichert. Das Land gerät aus den Fugen. Am Ende gewinnt nicht die Diktatur "von unten" sondern (wieder) die "von oben".

Eigentlich ein Steilpass, möchte man meinen, diese absurde Story aus jenen vergangenen Tagen, in denen Bundesräte sich mit dem Dichter solcher Zeilen nicht beim Abendessen ertappen lassen wollten, zum Angriff auf heutige politische Protagonisten weiterzuformen.

Aber Regisseur Simon Solberg (Jahrgang 1979) widerstand der Versuchung.  Und das ist gut so. Vielmehr beschleunigte er Frischs Pfeifenraucher-Bedächtigkeit, die allzu sehr auf die Moral hinter der Moritat drückt, zur heutigen atemberaubenden Werbespot-Schnittfrequenz hoch. Es herrscht Hysterie im Lande, die Akteure rennen schreiend auf der Bühne herum. Die Macht hat, wer die anderen rennen lässt.

Der umtriebige Doktor Hahn (Viethen) agiert zunehmend am Rande eines Nervenzusammenbruchs als Nebenbuhler und Gegenspieler des Staatsanwaltes. Mit beschwörenden Formeln tritt er vor die Fernsehkamera. Panisch müssen er und die Frau Staatsanwältin Elsa (Jahn) erkennen, dass sie immer einen Schritt hinter dem wahnsinnigen "Grafen Öderland" herhinken. Am Ende verprügelt er seinen Mandanten, den Mörder, bevor dieser grundlos freigelassen wird.

Inga Eickemeier bewältigt (nach Frischs Vorschrift) in galoppierendem Wechsel gleich drei Rollen – eine schriller als die andere: Eickemeiers Jungmädchen wollen nur Sex, Abenteuer, Tempo, Macht, ob als Dienstmädchen Hilde oder als Polizistentochter Inge.

Über viele der dahinjagenden Gags und Jokes lacht das Publikum – wenn ihm die Zeit dazu bleibt. Brutal laute Gitarrenriffs schneiden kurze harte Zäsuren, drücken Vorwärtsbewegung aus. Die Szenen wechseln im Eiltempo "on the run". Mehrere Dialoge sind bis auf die Kernsätze ausgestrichen. Auf diese Weise alles überdrehend konnte Solberg sogar die Ursprungszeit mit einigen Akzenten im Interieur oder bei den Kostümen "stehen lassen", und doch dem Stück den Staub ausklopfen.

Hauptbotschaft des Abends: Für Frischs Ansatz, wie er die grundlegenden Konflikte damals zur Diskussion vorlegte, fehlt heute die Zeit. Indes überwand Solberg nicht die Hauptschwäche des Stücks: Es ist ein Kopfstück zum Schmunzeln. Das Staunen stellt sich auch in dieser grellen und lauten Version nicht ein. Diese forderte vom Ensemble eine konzentrierte Leistung, die das Publikum lange und vor allem bei Eickemeier und Hug kräftig beklatschte.

11. September 2010
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade. © Foto by OnlineReports.ch

Claude.Buehler@gmx.net

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/echo.gif

"Furgler blieb dem Dichter nichts schuldig"

Immerhin: Wenn er sich auch nicht beim Abendessen ertappen liess, hat Bundesrat Kurt Furgler mit Max Frisch am Fernsehen die Klinge gekreuzt. Dabei hat er intellektuell und sprachlich das "Florett" briliiant geführt. Er ist dem Dichter nichts schuldig geblieben! Ein "Jahrhundert-Fernseh-Abend".


Albert Wirth, Liestal


www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Beat Jans legt Anwaltskosen rund um Fehlmann-Abgang offen"

Basler Zeitung
Schlagzeile
vom 10. Juni 2021
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Eine neue Aprikosen-Sorte?

RückSpiegel


Telebasel, 20 Minuten und Primenews nahmen die OnlineReports-Exklusivmeldung über den Ausnahmezustand im überfüllten Gartenbad St. Jakob auf.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-News über die Berufungen im Fall der Grellinger Kassengriff-Kassiererin auf.

Prime News nahm im Interview mit dem neuen Telebasel-Chefredaktor Philippe Chappuis Bezug auf einen Kommentar von OnlineReports.

Die OnlineReports-News über das Urteil des Aargauer Obergerichts gegen den früheren ASE-Präsidenten wurde von der Aargauer Zeitung aufgenommen.

20 Minuten nahm in der Nachricht über einen Hacker-Angriff auf die Basler Gewerbeschule auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Report über die Basler LDP nimmt die WochenZeitung (WoZ) Bezug auf ein OnlineReports-Interview mit LDP-Grossrat Michael Hug.

20 Minuten nahm die OnlineReports-Recherche über den Psychoterror in einem Arlesheimer Wohnblock auf.

Die BZ greift in ihrem Artikel "Bikini-Gate im Schrebergarten" einen Artikel von OnlineReports auf.

Den OnlineReports-Bericht über Masken-Sicherheit an Spital-Porten nahm die Konsumenten-Sendung "Espresso" von Radio SRF zum Anlass, das Thema vertieft zu untersuchen.

Blick, Telebasel, 20 Minuten und die BZ nahmen die OnlineReports-News über die Strafanzeigen gegen den ausländerfeindlichen Basler Grossrat E. W. auf.

Die BZ, die zu Recht die Intransparenz der Baselbieter Steuer(ab)rechnungen kritisierte, nahm in ihren Nachzug auf einen bestätigenden OnlineReports-Kommentar Bezug.

Prime News ging in der Kritik an "Weltwoche"-Kolumnist Christoph Mörgeli auf einen satirischen OnlineReports-Text über Lukas Engelberger ein.

Der Tages-Anzeiger bezog sich in einem Artikel über Impf-Privilegien auch auf einen OnlineReports-Artikel über UKBB-CEO Marco Fischer.

Die Basler Zeitung nahm in ihrem Abschiedstext über den Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels in Text und Bild auf OnlineReports Bezug.

Die OnlineReports-Todesnachricht über alt-Landrat Peter H. Müller wurde von der BZ aufgenommen.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über die Schliessung des Zeitungsladens "Press&Books" auf der Basler SBB-Passerelle auf.

Telebasel, das Regionaljournal und die Basler Zeitung nahmen in ihren Nachrufen auf Corina Christen auf OnlineReports Bezug.

Der OnlineReports-Primeur über den Rücktritt das Basler Grünen-Präsidenten Harald Friedl nahmen die BZ, Prime News, das Regionaljournal, die Basler Zeitung und Telebasel auf.

Die Medienwoche berichtete bezüglich einer "Weltwoche"-Falschmeldung über den Basler Regierungsrat Lukas Engelberger darüber, dass Mörgeli die humoristische Gedankenspielerei auf Onlinereports.ch für bare Münze nahm.

In ihrer Presseschau über die Basler Regierungsratswahlen zitierete die BZ ausführlich aus OnlineReports.

Die Basler Zeitung nahm die OnlineReports-News über einen geplatzten Baselbieter Strafprozess auf.

Die Wochenzeitung ging in ihrem Bericht über den Abbau in grossen Schweizer Zeitungsredaktion auch auf "kleinere Player" wie OnlineReports ein.

Die BZ zieht den OnlineReports-Report über den Verzicht auf das Muttenzer Multiplex-Kino der "Kitag AG" nach.

Die OnlineReports-News über die Schliessung eines Tanzlokals in der Basler Innenstadt nahm die BZ auf.

In ihrer Besprechung von Roland Starks Kolumne-Buch "Stark!" nimmt die Volksstimme auf OnlineReports Bezug.

Die BZ kritisierte den designierten Basler SP-Regierungsrat Beat Jans für seinen Twitter-Tweet: "Wieso muss man in unserer Region eigentlich 'Onlinereports' lesen, wenn man sich umfassend informieren, statt belehren lassen will?"

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Corinne Hügli wird per 1. Oktober neue Leiterin des Statistischen Amts Baselland und Nachfolgerin von Johann Christoffel, der Ende September in den Ruhestand tritt.

Als Nachfolger von Felix Keller übernimmt am 1. Juli Simon Oberbeck das Präsidium der Baselbieter CVP/GLP-Fraktion.

Der diplomierte Ingenieur Florian Kaufmann wird per 1. September im Baselbieter Amt für Raumplanung die Leitung der Abteilung Öffentlicher Verkehr übernehmen (Nachfolge von Eva Juhasz).

Laurent Métraux wird per 1. August neuer Leiter der Baselbieter Finanzverwaltung und Nachfolger von Tobias Beljean, der nach drei Jahren eine neue Herausforderung in der Privatwirtschaft angenommen hat.

CEO Roland Heri hat sich entschieden, den FC Basel zu verlassen und sich "umzuorientieren" und sich "neuen Aufgaben zu widmen".

Josiane Tinguely Casserini wird per 1. August neue Baselbieter Kantonsapothekerin und Leiterin der Abteilung Heilmittel im Amt für Gesundheit.

Das Hafenfest Basel 2021, das vom 3. bis 5. September hätte stattfinden sollen, wurde vom Organisationskomitee aus epidemiologischen Gründen abgesagt.

Die Basler Regierung hat die kantonalen Einschränkungen für "Einrichtungen im Sportbereich" aufgehoben, so dass der Sportunterricht und die Nutzung der Garderoben auf Sekundarstufe I und II ab 3. Mai wieder möglich sind.

Marc-André Giger und Guy Lachappelle werden neue Mitglieder des Verwaltungsrats des Universitäts-Kinderspitals beider Basel (UKBB).

Das Landratspräsidentinnen-Fest zu Ehren der Grünliberalen Regula Steinemann muss aus Pandemie-Gründen vom 24. Juni auf den 26. August verschoben werden.

Rolf Borner, Geschäftsleiter Immobilien Basel-Stadt, verlässt das Finanzdepartement nach 16 Jahren per 1. August und wird Direktor "Infrastruktur und Betrieb" und Mitglied der Universitätsleitung der Universität Basel.

Ab 19. April sind die Sportanlagen im Kanton Basel-Stadt gemäss den Vorgaben des Bundes und unter Einhaltung der Schutzmassnahmen wieder zugänglich.

Salome Bessenich wird Nachfolgerin des zurücktretenden Basler SP-Grossrats Sebastian Kölliker, der Co-Generalsekretär des Basler Präsidialdepartements wird.

Der 615. Liestaler Banntag vom 10. Mai ist durch einen Beschluss der vier Rottenchefs aus pandemischen Gründen abgesagt worden.

Innerhalb von zwei Wochen sind über 3’000 Unterschriften gegen die vom Grossen Rat beschlossene Abschaffung der Parkplätze beim Friedhof Hörnli zusammengekommen.

Daniel Urech, Gemeinderat der Freien Wähler Dornach und Kantonsrat der Grünen Solothurn, tritt für das Gemeindepräsidium Dornach an.

Mit einer Geschwindigkeit von 124 km/h statt der erlaubten 60 km/h erwischte die Polizei am 29. März auf der Oristalstrasse in Liestal einen 33-jährigen italienischen PW-Lenker, der in Richtung Büren raste und es jetzt mit der Justiz zu tun bekommt.

Die neugewählten Basler Regierungsmitglieder Esther Keller (GLP) und Kaspar Sutter (SP) wurden zu neuen Verwaltungsratsmitgliedern des EuroAirport ernannt.

Das Referendum gegen eine flächendeckende Parkraum-Bewirtschaftung in Allschwil ist mit über 800 Unterschriften zustande gekommen; das Quorum beträgt 500 Unterschriften.

Waltraud Parisot wird neue Verwaltungs-Chefin an der Musik-Akademie Basel und damit Nachfolgerin von Marc de Haller, der nach 18 Dienstjahren regulär pensioniert wird.

Lina Arti hat heute als 10'000. Baslerin im Impfzentrum die Corona-Zweitimpfung und von Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger einen grossen Blumenstrauss erhalten.

Der Kanton Basel-Stadt hat bis 2. März gesamthaft 25,2 Millionen Franken A-fonds-perdu-Beiträge aus dem Härtefall-Programm an Unternehmen ausbezahlt und 4,9 Millionen Franken Bürgschaften für KMU-Kredite bewilligt.

Dominik Scherrer wird als Nachfolger von Titus Hell neuer Präsident der Jungfreisinnigen Basel-Stadt.

Die Fluxdock AG wird den Kasernen-Hauptbau betreiben, in dem Anfang 2022 das Kultur- und Kreativzentrum seine Tore öffnet.