Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

<< [ 1 | (...) | 111 | 112 | 113 | 114 | 115 | 116 | 117 | 118 | 119 | 120 | (...) | 160 ] >>

Theater Basel, Kleine Bühne
Premiere

"Die Legende vom heiligen Trinker"
Szenische Lesung

Autor: Josef Roth
Regie: Elias Perrig
Konzeption: Peter Schröder
Photographie/Projektionen: Torsten Warmuth

Mit Peter Schröder


Peter Schröders virtuose Solo-Gala

Kritiker mögen dem ursprünglich aus Berlin stammenden Schauspieler Peter Schröder vorwerfen, er fülle die Rollen jeweils mit der eigenen Verletztheit. Und das sei die des unbequemen Einsamen. Der Menschenfeind Molières sei ihm mehr als nur eine Rolle gewesen, schrieben wir etwa an dieser Stelle.

Aber er ist auch fast der einzige Schauspieler des jetzigen Ensembles, der einen im besten Sinne peinlich berühren kann. Der einem Schauer über den Rücken jagt: derzeit in "Orpheus Descending", wo er einen todkranken Despoten so glaubhaft verkörpert, dass wir um die Gesundheit des Schauspielers fürchten. Bei Schröder gehört auch eine gepflegte Technik des Sprechens und der Stimmführung selbstverständlich zur Berufsauffassung des Akkuraten, mit der er in Basel (mindestens unter den Männern) ziemlich alleine dasteht.

So gewappnet stellte er seine eigene Idee auf der Kleinen Bühne vor: die Novelle "Die Legende des heiligen Trinkers" in einer szenischen Lesung, eine virtuose Solovorstellung, 90 Minuten ganz allein auf der schwarzen, leeren Bühne, in der er seine Register ziehen, und einen leidenden Einsamen vorstellen kann.

Dieser Einsame heisst Andreas, und Josef Roths grandiosem Text gelingt ein sublimes Kunststück: Dieser hoffnungslose Clochard vom Seine-Ufer erlebt nämlich ein Märchen, so wundervoll hoffnungsvoll leuchtend wie eine Weihnachtsgeschichte, aber nie deckt Roth den realen Abgrund zu, über dem unser Held hangelt und tänzelt. Und so umspielt ein feines Lächeln Schröders Mund, dessen Winkel sich dauernd nach unten zu ziehen drohen. Es ist Schröders Parade-Rolle: Die gute Botschaft verkündet er gern, allein ihm fehlt der Glaube.

Dem heiligen Trinker schickt die Vorsehung einen unbekannten Gönner, der ihm unverhofft 200 Francs gibt – dieses Geld könne er zurückgeben, falls es das Gewissen ihm gebiete, indem er sie der heiligen Therese in der Kapelle Ste Marie des Batignolles spende. Dieses heilige Ziel verfolgt der schwankende Andreas nun mit ganzem Ehrgefühl, aber auf die 200 Francs wartet die heilige Therese natürlich noch heute vergebens. Denn das Schicksal steckt Andreas nun immer wieder im entscheidenden Moment weitere 200 Francs zu, und so wähnt er sich endgültig auf der Fährte zur Besserung. Aber wenn sich die Vorsehung gnädig erwies, belohnt er sich tüchtig mit Pernods und tagelangen Gelagen in Hurenhäusern.

Es ist die grosse Kunst Roths, das zarte Aufblühen des Helden zu Herzen gehen zu lassen, der an Demut und Einsicht zulegt, auch wenn er den Versuchungen nicht widerstehen kann. Eine zarte Schwebe, die Roth mit naivem Duktus und aber völlig realistischen und unsentimentalen Schilderungen erzielt: das ist der Blick von Andreas. Es ist auch der Blick von Roth, der sich mit diesem Stück ein Requiem schrieb – aus dem Fundus des eigenen schwierigen Trinkerlebens.

Diese vielschichtige Musik auf die Bühne zu bringen, zumal mit Roths dichten Erzähl-Sätzen, verlangt der Schauspielkunst alles ab. Denn jedes Abreissen von Spannung zerstört das feinmaschige Gewebe, das sich im Kopf des Zuschauers bildet. Wie aus dem Romanstoff eine Bühnengeschichte machen?

Regisseur Elias Perrig suchte Hilfestellungen. Schröder musste im Verlaufe der Erzählung mehrere schwarze Stühle von einem Stapel herunterholen, den Staub abwischen und sie in eine Reihe stellen. Was das sagen sollte? Ich fand keine Antwort. Dann hatte Perrig den Fotokünstler Torsten Warmuth um die Projektion einer Diashow seiner Kunstfotos auf die Bühnen-Hinterwand gebeten. Diese verfremdeten, verschwommenen Stadtbilder und Porträts in bräunlichen Tönen wecken Assoziationen zur Stummfilmzeit, setzen aber einen mächtigen Gegenpol zur Erzählung. Beim Fernsehen nennt man so was eine Text-Bild-Schere, wenn das Gezeigte nicht zum Text passt. Dann werden von Chick Corea Children Songs angespielt: ein Verweis auf die Naivität der Erzählung – nur dass Corea neben Roth intellektuell und sentimental klingt.

Schröder selber kämpfte um jede Betonung, formte jeden Satzeinschub überdeutlich aus, sprang von der Hauptrolle zur Erzählerrolle und retour, und warf sich als Stand up-Comedien in Pose, der seinen Nummern die Pointen abringt. Und er schildert den Andreas als selbstmitleidigen Vereinsamten, der seinen Entbehrungen nachweint. Zu dieser Auffassung gibt die Novelle aber keinen Anlass, denn der heilige Trinker ist ja ganz ohne Ressentiments geschildert.

Wie sehr Schröder Sinn und Geist der Novelle übertragen wollte, erwies sich beim Satz "innerhalb des Wunders gibt es nichts Verwunderliches". Er liess danach den Blick ins Publikum stehen als wollte er jeden einzelnen von der Evidenz der Botschaft überzeugen. Das Publikum applaudierte dem Bühnenkünstler kräftig zu, der mit Engagement eine starke Leistung geboten hatte.

22. September 2010
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade.

© Foto by OnlineReports.ch

Claude.Buehler@gmx.net

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Sehr geehrte Damen und Herrenteil"

Pro Velo beider Basel
Anschrift in einer Medienmitteilung
vom 9. Februar 2020
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Welches Teil da wohl genau gemeint war?

RückSpiegel


Die BZ nahm die OnlineReports-Meldung über die Beton-Elemente auf dem Basler Centralbahnplatz auf.

Die OnlineReports-News über die technische Panne bei Swisslos wurde von der BZ aufgenommen.

In ihrem Bericht über die Bereitschaft zur Regierungskandidatur von Beatriz Greuter zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Die BZ online bezog sich in ihrem Bericht über den Tod des Baselbieter Lehrerverbands-Geschäftsführers Michael Weiss auf OnlineReports.

Die Volksstimme zitierte in ihrem Bericht über den Konkurs von "Die Medienmacher" aus OnlineReports.

Telebasel bezog sich im Bericht über den Widerstand gegen die Basler IBA-Rheinterrassen auf einen Bericht von OnlineReports.

Die Basler Zeitung nimmt in ihrem Bericht über den Neujahrs-Empfang der Handelskammer beider Basel auf OnlineReports Bezug.

Die BZ schrieb in derselben Ausgabe zwei OnlineReports-Meldungen ab, ohne die Quelle zu deklarieren. Wiederholungstat!

In ihrem Bericht über Verkehrsprobleme am Aeschenplatz zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des ersten Baselbieter Kantonsgerichtspräsidenten Peter Meier wurde von der BZ, Telebasel, der Basler Zeitung und vom SRF-Regionaljournal nachgezogen.

Telebasel, die BZ und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die technisch bedingte Umkehr einer "Austrian Airlines"-Maschine nach Wien auf

Die Basler Zeitung und die BZ nahmen die OnlineReports-Nachricht zum Tod des Konjunkturforschers Christoph Koellreuter auf.

20 minuten online, Blick, nau.ch, das SRF-Regionaljournal und Telebasel nahmen den OnlineReports-Primeur über den Unfalltod des Basler Umweltschützers Martin Vosseler auf.

nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

In der Besprechung des Films "Bruno Manser – Stimme des Regenwalds" nahm die BZ auf eine OnlineReports-Recherche Bezug.

Die BZ nahm den OnlineReports-Primeur über eine Rückzahlung der wegen Veruntreuung angeklagten ex-Kassierin der katholischen Kirchgemeinde Grellingen auf.

Die Basler Zeitung greift in ihrem Bericht über die E-Trottinett-Anarchie auf ein OnlineReports-Interview zurück.

In ihrem Bericht über die Hühnerhaltung auf einem Basler Mehrfamiienhaus nimmt die BZ Bezug auf eine frühere Recherche von OnlineReports.

Die BZ bezog sich in ihrer Recherche über die Abgänge von Kaderärzten am Kantonsspital Baselland auf einen Bericht in OnlineReports.

Die BZ berief sich in einem Bericht über die Massenkündigungen am Schorenweg auf eine OnlineReports-News.

Die Schweiz am Wochenende und die Basler Zeitung haben die OnlineReports-News über den Bombenalarm am EuroAirport aufgenommen.

Das SRF-Regionaljournal, Telebasel, die Schweiz am Wochenende und Prime News haben den OnlineReports-Primeur über die Schliessung des Basler Kinos "Rex" nachgezogen.

In ihrem Bericht über den Gelterkinder Antennenposter-Streit bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über den Rücktritt der Basler Unispital-Verwaltungsrätin Irmtraut Gürkan aus dem Vorstand des Universitäts-Klinikums Heidelberg auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Die Basler Regierung lehnt ein mit Steuergeldern finanziertes flächendeckendes WLAN ab.

Die Baselbieter Regierung und die Verbände des Lehrpersonals haben sich auf die wesentlichen Eckwerte zum zukünftigen Mitarbeitenden-Gespräch geeinigt.

Baselland Tourismus hat ab Mai 2020 einen neuen Geschäftsführer: Michael Kumli übernimmt dann als Nachfolger von Tobias Eggimann die Leitung der touristischen Dachorganisation.

Die über Funk gesteuerten Sirenen in Basel-Stadt und Baselland haben die Bewährungsprobe bestanden: Das System funktionierte während des Probealarms vom 5. Februar ordnungsgemäss.

Der BVB-Verwaltungsrat hat am 3. Februar den 48-jährigen Bauingenieur und Leiter "Infrastruktur" Ramon Oppikofer zum Vize-Direktor gewählt.

Der 19-jährige FCB-Spieler Noah Okafor wechselt per sofort vom FC Basel 1893 zum FC Red Bull Salzburg in die österreichische Fussball-Bundesliga.

Melanie Nussbaumer, Tochter des Baselbieter SP-Nationalrats Eric Nussbaumer, wird als Nachfolgerin von Kerstin Wenk neue Vizepräsidentin der SP Basel-Stadt.

Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, das Gesetz "über den unverzüglichen Bau der H2 zwischen Pratteln und Liestal" formell aufzuheben, da es "seinen Zweck erfüllt" habe.

Kilian Winkler wird als Nachfolger von Marco Natoli neuer Präsident der JCVP Basel-Stadt.

Wegen des Baus eines neuen Kreisverkehrs im Schweizer Sektor der Basler Flughafenstrasse wurde eine temporäre Verkehrsumleitung auf der rechten Strassenseite auf der Höhe von dem Parkplatz S4 eingerichtet worden.

Die Gemeinde Riehen spendet 10'000 Franken zugunsten eines Nothilfe-Projekts des Roten Kreuzes für Geflüchtete in Bosnien-Herzegowina.

Ein überparteiliches Komitee hat am 15. Januar bei der Basler Staatskanzlei die Unterschriften für die Initiative "für erschwingliche Parkgebühren" eingereicht.

Urs Bucher wird am 1. August 2020 die Leitung der Volksschulen Basel-Stadt übernehmen und damit die Nachfolge von Dieter Baur antreten, der zum Ende des Schuljahres in Pension geht.

Die 53-jährige Juristin Blanche Gilli ist seit Anfang 2020 neue Präsidentin des Vereins gemeinsame Opferhilfe beider Basel.

Der FC Basel leiht seinen 21-jährigen Innenverteidiger Yves Kaiser bis zum Ende der Saison 2019/2020 an den FC Schaffhausen aus der Challenge League aus.

Knut Schmidtke, Marc Schärer und Lucius Tamm werden per 1. April 2020 die Leitung des in Frick domizilierten Forschungsinstituts für biologischen Landbau FiBL von Urs Niggli übernehmen.

Die Baselbieter Grünen reichten am 12. Dezember ihre mit rund 1700 Unterschriften versehene Klimaschutz-Initiative ein, die das Ziel des Pariser Abkommens gesetzlich verankern will.

Die Basler SP-Bürgergemeinderätin Canan Özden tritt auf Anfang 2020 die Nachfolge der zurücktretenden Gabriella Matefi (SP) als Basler Bürgerrätin (Exekutive der Bürgergemeinde) an.

Das Theater Basel konnte im Jahr 2018/2019 die Anzahl der Besuchenden zum vierten Mal in Folge auf 183'705 Personen (+1,6 Prozent) erhöhen, während jedoch die Besucher-Einnahmen um 1,7 Prozent sanken.

Die neue grüne Baselbieter Landrätin Laura Grazioli übernimmt von der frisch gewählten Nationalrätin Florence Brenzikofer das freiwerdende Präsidium der Finanzkommission.

Paola Gallo, die ehemalige Geschäftsleiterin von "Surprise", übernimmt per 1. Oktober 2019 die Geschäftsführung der Job Factory Basel AG und der Stiftung Job Training.

Der 19-jährige Geografie- und Geschichtsstudent Nino Russano wird als Nachfolger von Nicolas Eichenberger neuer Präsident der Juso Basel-Stadt.

Der Basler Bürgerrat hat eine spürbare Senkung der Einbürgerungsgebühren beschlossen, von der sowohl ausländische als auch Schweizer Bewerbende profitieren.