Peter Achten: "Basilea"

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Das einfühlsame Fräulein Pototzka

Sändele, Liedchen singen, mit Holzklötzchen bauen, spielen – all das machte ich in den letzten beiden Jahren des Zweiten Weltkrieges im Kindergarten beim Erasmusplatz bei Fräulein Tanner. Sogar spielen durften wir nach Lust und Laune. So lieb war unser Fräulein.

Mit Blick auf die Enkelkinder frage ich mich manchmal, wie nur konnten wir mit einer verspielten Kindergartenzeit es jemals so weit bringen, Hochdeutsch, Rechnen und vieles anderes zu lernen. Die Enkel nämlich konnten schon vor Eintritt in die Primarschule lesen und schreiben und richtiges Deutsch.
 

Als ich in die Primarschule Binningen am Holeerain – heute das Orts-Museum – eintrat, war mir Lesen und Schreiben fremd. Ebenso Hochdeutsch. Das brachte mir in zwei Jahren alles meine erste Lehrerin bei. Es waren die glücklichsten meiner insgesamt zwölf Schuljahre.

"Ausser den Schulfächern
lernten wir bei Frau Degen auch fürs Leben."

Primarlehrerin Pototzka sprach mit einem fremdländischen Akzent sowohl Dialekt als auch Hochdeutsch. Sie war zwar konsequent und streng, vor allem sie einfühlsam und lieb. Leider bekamen wir nach Fräulein Pototzka einen Prügellehrer, dessen Namen ich auch nach über siebzig Jahren nicht nennen möchte.

Seine Spezialität waren Prügel, von der Kopfnuss bis hin zur Tatze und Schlägen auf Rücken und Hintern. Alles mit einem langen, hölzernen Lineal mit Kupferkanten. Auch demütigte er Kinder vor der ganzen Klasse und lachte dabei. Meine Eltern nahmen mich schliesslich nach wenigen Monaten aus der Prügelschule und steckten mit in die private Primarschule Degen an der Austrasse.


Frau Degen, altmodisch immer in langem, schwarzem Gewand, unterrichtete sechzehn Kinder von der ersten bis vierten Klasse an acht Pulten in einer einzigen Stube. Dort lernte ich die ersten Gedichte und vor allem das Einmaleins in- und auswendig. An der hölzernen Türeinfassung war das Einmaleins mit Kreide notiert. Noch heute kann ich ohne zu stocken die 8er-, 17er- und die 24er-Reihe auf und runter sagen.


Ausser den Schulfächern lernten wir bei Frau Degen auch fürs Leben. Toleranz zum Beispiel. Die Primarschule Degen lag nämlich nur dreissig Meter neben dem koscheren Metzger, und jeweils nur mehrere hundert Meter nahe der katholischen St.Marien-Kirche, der protestantischen Paulus-Kirche sowie der Synagoge an der Eulerstrasse. Frau Degen thematisierte das mit Hilfe des katholischen Pfarrers, des reformierten Pastors und des Rabbiners. Mehr kann man in einer Primarschule nicht lernen.


Trotzdem: Die vierzehn christlichen Schüler der Primarschule Degen beneideten ihre beiden jüdischen Mitschüler, die am Sabbat – damals ging man am Samstag noch zur Schule – dem Unterricht fernbleiben durften.

19. Oktober 2020
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Peter Achten, geboren 1939 in der St. Josephsklinik beim Basler Schützenmattpark und aufgewachsen beim Erasmusplatz im Kleinbasel und am Dorebächli im Neubadquartier. Studium der Geschichte und Wirtschaft. Lokalredaktor beim "Basler Volksblatt" und der "National-Zeitung", Nachrichtenredaktor bei den "Basler Nachrichten". Auslandkorrespondent in Lateinamerika und Spanien. 1975 bis 1986 Moderator und Produzent der SRF-Tagesschau. Danach Korrespondent für in- und ausländische Medien in Asien (Peking, Hong Kong, Hanoi) und den USA. Lebt seit wenigen Jahren wieder in der Schweiz. Autor verschiedener Bücher, zuletzt "Abschied von China" (Stämpfli Verlag).

pedro.achten@icloud.com

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sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
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"Makelloses Deutsch"

Höchst erfreulich, dass Sie Peter Achten in Ihrer Mannschaft aufgenommen haben, mit dem mich viele Erinnerungen verbinden. Für heute erwähne ich nur gerade seine Tätigkeit als Moderator und Produzent der SRF-Tagesschau von 1975 bis 1986. Bis heute unerreicht sein makelloses Deutsch beim Verlesen der Nachrichten.am Bildschirm.


François Fricker, Basel



"Geschrieben allerdings Potocka"

Pototzka ist genauso richtig ausgesprochen, geschrieben allerdings Potocka (c=tz). Das "a" gehört zu weiblichen Namensträgern. Ihr Vater hiess somit Potocki. In deutschen Landen ist das andere Extrema nicht auszurotten: Lisicki, Kubicki wird zu Lisikki, Kubikki. Hauptsache man weiss wer gemeint ist.
 


Michael Przewrocki, Basel


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Frisch pubertiert

Knutschen im Thermalbad
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"Ein Blick über die Grenzen zeigt, wie sich die Menschen im Elsass und Sübdaben auf die neue Situation einstellen."

Regionaljournal Basel online
vom 30. Oktober 2020
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Das ist dort, wo die Dabenser belen.

Alles mit scharf

Der Bart nach dem Maskenball

RückSpiegel


Die Basler Zeitung nahm die OnlineReports-News über einen geplatzten Baselbieter Strafprozess auf.

Die Wochenzeitung ging in ihrem Bericht über den Abbau in grossen Schweizer Zeitungsredaktion auch auf "kleinere Player" wie OnlineReports ein.

Die BZ zieht den OnlineReports-Report über den Verzicht auf das Muttenzer Multiplex-Kino der "Kitag AG" nach.

Die OnlineReports-News über die Schliessung eines Tanzlokals in der Basler Innenstadt nahm die BZ auf.

In ihrer Besprechung von Roland Starks Kolumne-Buch "Stark!" nimmt die Volksstimme auf OnlineReports Bezug.

Die BZ kritisierte den designierten Basler SP-Regierungsrat Beat Jans für seinen Twitter-Tweet: "Wieso muss man in unserer Region eigentlich 'Onlinereports' lesen, wenn man sich umfassend informieren, statt belehren lassen will?"
 

Bajour.ch zitiert OnlineReports in einem Interview mit der Basler Regierungsrats-Kandidatin Stephanie Eymann.

Das SRF-Regionaljournal, die BZ, fasnacht.ch sowie LDP-Grossrat Michael Hug (Interpellation) nahmen die OnlineReports-Recherche über Lärmprobleme durch Trommler, Pfeifer und Gugge in Kleinhüningen auf.

Bajour schreibt, die Berichte von OnlineReports zur Baselbieter Velobahn-Affäre gefielen ihr "am besten".

In ihrem Kommentar über staatliche Medienförderung geht Prime News auf das über zwanzigjährige Bestehen von OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung und die BZ zitierten in ihren Berichten über das Velobahn-Amigo-Geschäft von Klaus Kirchmayr und Isaac Reber ausführlich aus OnlineReports.

In ihrem Bericht über die Umgestaltung der Basler Meriangärten nimmt die BZ auf eine zuvor erschienene OnlineReports-Recherche Bezug.

Die Badische Zeitung zitierte in ihrer Vorwahl-Analyse der Basler Regierungs-Wahlen aus einem OnlineReports-Kommentar.

In der BZ-Kolumne nahm Daniel Wiener Bezug auf den OnlineReports-Kommentar über den Macht-Poker um die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann.

In ihrem Leitartikel über den Zustand des Kantons Basel-Stadt zitierte die BZ aus dem OnlineReports-Interview mit Michael Hug.

Die BZ nahm die OnlineReports-Geschichte über den Abbruch des Hauses an der Basler Rufacherstrasse 73 auf. Die Basler Zeitung verzichtete auf eine Quellennennung.

Die BZ nahm die OnlineReports-Story über eine umstrittene Eichen-Fällung auf.

In ihrer News über das Debakel um die Wahl des Gemeindepräsidenten in Schönenbuch nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung bezog sich in ihrem Artikel über die Kandidatensuche der Basler SVP auf ein Interview in OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Die Baselbieter Regierung senkt den Verzugszins 2021 bei der Staatssteuer von 6 auf 5 Prozent, während der Vergütungszins unverändert bei 0,2 Prozent bleibt.

Das Budgetdefizit 2021 in Höhe von 2,2 Millionen Franken sei "mehrheitlich coronabedingt", schreibt der Birsfelder Gemeinderat.

Sarah Thönen wird am 1. April 2021 die Leitung des Bereichs "Jugend, Familie und Sport" des Kantons Basel-Stadt übernehmen.

Die Birsfelder Gemeinderätin Regula Meschberger wird ab 1. Januar 2021 als Nachfolgerin von Bianca Maag-Streit den "Verband Basellandschaftlicher Gemeinden" (VBLG) präsidieren.

Gregor Leonhardt (52) übernimmt im Frühjahr 2021 die Leitung des Geschäftsbereichs Infrastruktur im Basler Tiefbauamt.

Der Basler Anwalt und Notar Andreas Waldmann zieht sich per 1. Januar 2021 aus der Kanzlei Waldmann Petitpierre als Partner zurück.

Der Baselbieter Landrat nahm das Gesetz über die Bekämpfung der Schwarzarbeit und das Arbeitsmarktaufsichts-Gesetz mit 71:18 Stimmen an, doch kommt es zur obligatorischen Volksabstimmung, weil die Vierfüntel-Mehrheit nicht erreicht wurde.

Der Baselbieter Polizeikommandant Mark Burkhard ist zum Präsidenten der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten der Schweiz (KKPKS) gewählt worden.

Die Central Real Estate Basel AG, Eigentümerin im Klybeck-Areal, tritt ab sofort unter dem neuen Namen Rhystadt AG auf.

Das Basler Marionetten Theater unterbricht per sofort seine Saison bis mindestens Ende 2020.

Die Basler FDP nominierte für den zweiten Wahlgang der Regierungsrats-Wahlen erwartungsgemäss ihr Mitglied Baschi Dürr sowie die LDP-Liberale Stephanie Eymann.

Auf der Autobahn A3 bei Eiken, wo 120 km/h erlaubt sind, wurde am frühen Morgen des 24. Oktober eine Autofahrerin mit Tempo 214 km/h als Raserin geblitzt.

Die Basler Juso bitten die Regierung in einer Petition, sich aktiv dafür einzusetzen, 100 Menschen aus dem Camp Moria in den Kanton Basel-Stadt aufzunehmen.

Der Stiftungsrat der Stiftung Brasilea hat die 37-jährige brasilianisch-schweizerische Doppelbürgerin Tatiana Andrade Vieira als neue Geschäftsführerin und Nachfolgerin von Daniel Faust gewählt.

Die Basler SP hat am 16. Oktober ihre Initiative "Kinderbetreuung für alle" mit über 3'000 Unterschriften eingereicht.

Dominik Beeler wird neuer Präsident der Grünen Liestal und damit Nachfolger von Erika Eichenberger.

Die Volksinitiative "für ein klimagerechtes Basel", die die Treibhausgas-Emissionen in Basel-Stadt bis 2030 auf Null senken will, ist am 8. Oktober mit über 3'700 Unterschriften bei der Staatskanzlei eingereicht worden.

Die Stadt Liestal hat die Einführung eines Ortsbusses namentlich in den Quartieren Sichtern und Langhag/Hanro mit 2'246 Ja-Stimmen gegen 2'717 Nein-Stimmen deutlich abgelehnt.

Binningen hat die SP-Initaitive gegen den Verkauf von gemeindeeigenem Boden mit  2'823 Ja gegen 2'809 Nein hauchdünn angenommen.

Münchenstein hat der Quartierplanung "Spenglerpark" mit dem 100 Meter hohen Hochhaus mit einem Ja- Anteil von 58 Prozent zugestimmt.