Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

<< [ 1 | (...) | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30 | (...) | 134 ] >>

Theater Basel, Nachtcafé/Box
Premiere

"Play Strindberg"
Totentanz nach August Strindberg von Friedrich Dürrenmatt

Inszenierung: Florian Fischer
Bühne: Stefan Britze
Kostüme: Julian Zigerli
Dramaturgie: Katrin Michaels
Videobearbeitung: Jonas Alsleben
Licht: Stefan Erny

Mit Leonie Merlin Young, Elias Ellinghoff, Mario Fuchs


Dürrenmatt mit Fleischkostüm

Friedrich Dürrenmatt fand Strindbergs Schauspiel "Totentanz" (1900) "entsetzlich", der junge Regisseur Florian Fischer findet Friedrich Dürrenmatts Totentanz-Bearbeitung "Play Strindberg" (1969) "furchtbar" (Programmblatt). Von dieser gedoppelten Abweisung erzählt Fischers Neuinszenierung mehr als vom jahrzehntelangen Eheduell des kranken, alten Militärkapitäns Edgar mit seiner Ehefrau Alice in der Isolation eines Festungsturms auf einer Insel.

Dürrenmatt hatte Strindbergs Drama zweier verbitterter, einander zum Feind gewordenen Eheleute zu einer Farce im Boxring, Strindbergs Sätze zu beckett-haften Signalmotiven reduzierend, umgeformt. Fischer presst die Zeitschichten wie eine Quetschkommode aufeinander: Einen hinzugefügten Prolog aus der Jetzt-Zeit, einen Teil Original-Strindberg in den Originalkostümen am Teetisch, freilich als Karikatur verzerrt, einen Teil "Play Strindberg" auf Videoscreen von 1969 in der Inszenierung von Dürrenmatt am Theater Basel.

Der Programmtext nennt diese "legendär", Florian Fischer bezeichnet sie als "Museum". Dürrenmatt selber sah sie als Theaterstudie, die nicht mehr als das sein will, Fischer findet ihre "Ernsthaftigkeit uninteressant", und überschreibt sie mit einer eigenen Theaterstudie, in der er sich über die Theaterauffassung seiner Vorgänger und deren Ehedrama lustig macht. Letzteres will er "kubistisch in verschiedene Perspektiven" aufbrechen, formal, zeitlich, stilistisch, inhaltlich. So deutet er etwa die dramatische Situation "Eheleute plus Jugendfreund" mit Anspielungen nicht nur als konventionelle Hetero-menage à trois, sondern auch als homoerotisches Verhältnis zwischen Edgar und Kurt (Fuchs).

So lässt Fischer die Darsteller im Prolog quasi nackt in Hautkostümen über die Liebe heute räsonieren, quasi entblösst mit ihren persönlichen Originalnamen: Leonie fühlt sich von Elias romantischem Liebesgeständnis "bedroht". Hinter der ewigen Liebe wittert sie bloss Abhängigkeit. Sie reisst sich das Hautkostüm herunter, entblösst ihr Muskelfleischkostüm, um zu fragen, wo denn das "Innen" sei. Man könne sie doch nur von aussen kennen. Wird da auf die Unfähigkeit der Leute heute angespielt, sich auf eine Liebe einzulassen und keinen Innenbezug mehr wahrzunehmen? Oder wird schon die Behauptung einer Figur auf der Bühne, und wie sie Liebesgefühle darstellt, kritisiert? So klar wird das nicht.

Eine längere Sexszene, in der sich Alice und Edgar schlagen und gierig übereinander herfallen, soll wohl als Umsetzung der bei Strindberg seitenlang bis in die Kapillaren ausziselierten Hassliebe gelten. Eine darauf folgende Videoeinspielung zeigt das Paar fürsorglich mit einem Baby; eine Szene, die den Jugendfreund zum Rückzug aus der Dreierbeziehung veranlasst. Auch hier stellt sich die Frage ob sie als blossen Zeitsprung in die Vorgeschichte von Edgars und Alices Drama zu sehen ist oder als Wunschbild aus der Vergangenheit, das die beiden schliesslich aneinanderkettete.

Denn als gebrochen inszeniert Fischer unsere Erinnerungskultur: Das Trio stellt zuvor auf der Bühne heitere Fotosituationen vor dramatischer Berglandschaft (gemalt) nach, während sie sich lächelnd die Gemeinheiten aus dem Text um die Ohren hauen.

In der im Nachtcafé eingerichteten "Box" sitzt man quasi in der Strindberg’schen Turmstube. Flugs mutiert sie zum Stubenkino oder zum Heimtheater mit kleiner Bühne. Alles ist nahe. Aber nur körperlich. Fischer kritisiert an Dürrenmatts Figuren zu Recht, sie hätten zu "wenig Saft". Leider lässt er uns diesbezüglich auch durstig zurück. Immerhin unterhält Ellinghoff als Edgar mit schrägen Einfällen und kraftvollen Auftritten. Ich langweilte mich über eine steril-intellektuelle Theaterformen-Übung, ein paar jüngere Leute lachten über die spielerische Komik.

Dass man in Zeiten von TV-Soaps die dramatische Schilderung einer bürgerlichen Ehehölle genauso lächerlich macht wie die des romantischen Liebesglücks, ist keine neue Erkenntnis, sondern seit Jahren die gängige Öde auf unseren Bühnen. Und überhaupt, wenn man eine Vorlage so wenig liebt, warum spielt man sie dann?


Dieser Besprechung war dank des OnlineReports-Recherchierfonds möglich.

26. Februar 2016
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade.

© Foto by OnlineReports.ch

Claude.Buehler@gmx.net

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Zeichen deuten auf grosse Kualition"

BZ Basel online
Titel vom
25. November 2017
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Kühe aller Fraktionen vereinigt euch!

"Und übrigens ..."

Weihnachts-Geschichte aus Israel
RückSpiegel


In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Promeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung nahm in ihrer Berichterstattung über den "Fall Wessels" auf einen OnlineReports-Kommentar Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, die SDA und die Badische Zeitung gingen auf den OnlineReports-Primeur über die Berufung des türkischen Basler Polizei-Assistenten gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft ein.

20 Minuten online nahm die OnlineReports-News über die Basler verkehrs-Betriebe (BVB) an der Grenze ihrer Belastung auf.

Die BZ Basel und das Regionaljournal gingen aktuell auf die OnlineReports-Recherche über einen Manipulations-Versuch der BVB-Direktion im Vorfeld der Wahlen in die Personalkommission ein.

Barfi zog die OnlineReports-Story über die umstrittene Umnutzung des "FKK-Clubs" in ein Bordell an der Amerbachstrasse in Basel nach.

Der Landbote nahm die OnlineReports-Story über den Stromeinkauf der Gemeinde Muttenz beim Stadtwerk Winterthur auf.

Die OnlineReports-News über den Personalabbau auf der Basler Hauptpost wurde durch Telebasel aufgenommen.

Telebasel online ging in seinem Bericht über die SP-Prämieninitiative auf einen Kommentar von OnlineReports ein. 

Die Weltwoche zitierte in ihrem Bericht über den Basler Scharia-Befürworter Aziz Osmanoglu aus einem Gerichts-Bericht von OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Elisabeth Pestalozzi, seit August 2016 stellvertretende Chefredaktorin von Radio SRF, wird im zweiten Quartal 2018 neue Kommunikationsleiterin der Christoph Merian Stiftung.

• Über tausend Personen verlangen in einer Petition der SP Gelterkinden die Einführung von Tempo 30.

• Im zweiten Wahlgang der Liestaler Stadtrats-Ersatzwahl vom 14. Januar 2018 treten Marie-Theres Beeler (geboren 1959, Grüne) und Karin Jeitziner (geboren 1961, FDP) an.

Marco Greiner, Regierungssprecher und Vizestaatsschreiber von Basel-Stadt, ist neuer Präsident der Schweizerischen Informations-Konferenz öffentlicher Verwaltungen.

• Die Basler CVP hat ihre mit 3'910 Unterschriften versehene Krankenkassen-Initiative eingereicht, die verlangt, dass selbstbezahlte Prämien für die obligatorische Krankenpflege-Versicherung vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können

• Mit der Jus-Studentin Laetitia Block als Nachfolgerin von Pascal Messerli steht erstmals eine Frau an der Spitze der Jungen SVP Basel-Stadt.

• Das Basler Ristorante Cibo Mediterraneo ist der künftige Betreiber der neuen Buvette am St. Alban-Rheinweg.

Reto Meyer, Inhaber und Geschäftsführer der WS Kommunikation in Basel, kauft per Jahreswechsel sämliche Anteile der BSSM Werbeagentur von Urs Schneider und Hannes Müller.

Jana Wachtl (38) wird als Nachfolgerin von Sabine Kubli auf Jahresbeginn neue Leiterin der Baselbieter Fachstelle "Gleichstellung für Frauen und Männer".

• Das Basler Energieunternehmen IWB plant, im Februar 2018 elf neue Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Quartierstrassen auf Allmend zu installieren.

• Entgegen der Parole der kantonalen CVP sagte der CVP-Wahlreis Liestal Nein zum "8. Generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr" und damit Ja zum "Läufelfingerli".

Raymond Cron wird als Nachfolger von Andreas Büttiker ab 1. Januar 2018 neues Verwaltungsratsmitglied des EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg.

• Der Basler Grosse Rat hat die Standesinitiative der SP gegen der Schliessung von Quartier-Poststellen überwiesen.

• Die bürgerlichen Jungparteien von Basel-Stadt ziehen ihre Zweirad-Initiative zurück, da sie mit dem vom Grossen Rat beschlossenen Gegenvorschlag ihre Hauptforderungen als erfüllt betrachten.

• Die Baselbieter Wahlen des Landrats und des Regierungsrats für die Amtsperiode vom 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2023 finden am 31. März 2019 statt.

• Weil mit dem als Gegenvorschlag verabschiedeten neuen Bürgerrechtsgesetz und den Anpassungen auf Bundesebene die Anliegen der Initianten erfüllt sind, zieht die SVP Basel-Stadt ihre Volksinitiative "Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern" zurück.

• Mit der Gründung der Sektion Waldenburg wollen die Grünen Baselland im Wahlkreis Waldenburg den verlorenen Landratssitz zurück erobern.