Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

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Theater Basel, Nachtcafé/Box
Premiere

"Play Strindberg"
Totentanz nach August Strindberg von Friedrich Dürrenmatt

Inszenierung: Florian Fischer
Bühne: Stefan Britze
Kostüme: Julian Zigerli
Dramaturgie: Katrin Michaels
Videobearbeitung: Jonas Alsleben
Licht: Stefan Erny

Mit Leonie Merlin Young, Elias Ellinghoff, Mario Fuchs


Dürrenmatt mit Fleischkostüm

Friedrich Dürrenmatt fand Strindbergs Schauspiel "Totentanz" (1900) "entsetzlich", der junge Regisseur Florian Fischer findet Friedrich Dürrenmatts Totentanz-Bearbeitung "Play Strindberg" (1969) "furchtbar" (Programmblatt). Von dieser gedoppelten Abweisung erzählt Fischers Neuinszenierung mehr als vom jahrzehntelangen Eheduell des kranken, alten Militärkapitäns Edgar mit seiner Ehefrau Alice in der Isolation eines Festungsturms auf einer Insel.

Dürrenmatt hatte Strindbergs Drama zweier verbitterter, einander zum Feind gewordenen Eheleute zu einer Farce im Boxring, Strindbergs Sätze zu beckett-haften Signalmotiven reduzierend, umgeformt. Fischer presst die Zeitschichten wie eine Quetschkommode aufeinander: Einen hinzugefügten Prolog aus der Jetzt-Zeit, einen Teil Original-Strindberg in den Originalkostümen am Teetisch, freilich als Karikatur verzerrt, einen Teil "Play Strindberg" auf Videoscreen von 1969 in der Inszenierung von Dürrenmatt am Theater Basel.

Der Programmtext nennt diese "legendär", Florian Fischer bezeichnet sie als "Museum". Dürrenmatt selber sah sie als Theaterstudie, die nicht mehr als das sein will, Fischer findet ihre "Ernsthaftigkeit uninteressant", und überschreibt sie mit einer eigenen Theaterstudie, in der er sich über die Theaterauffassung seiner Vorgänger und deren Ehedrama lustig macht. Letzteres will er "kubistisch in verschiedene Perspektiven" aufbrechen, formal, zeitlich, stilistisch, inhaltlich. So deutet er etwa die dramatische Situation "Eheleute plus Jugendfreund" mit Anspielungen nicht nur als konventionelle Hetero-menage à trois, sondern auch als homoerotisches Verhältnis zwischen Edgar und Kurt (Fuchs).

So lässt Fischer die Darsteller im Prolog quasi nackt in Hautkostümen über die Liebe heute räsonieren, quasi entblösst mit ihren persönlichen Originalnamen: Leonie fühlt sich von Elias romantischem Liebesgeständnis "bedroht". Hinter der ewigen Liebe wittert sie bloss Abhängigkeit. Sie reisst sich das Hautkostüm herunter, entblösst ihr Muskelfleischkostüm, um zu fragen, wo denn das "Innen" sei. Man könne sie doch nur von aussen kennen. Wird da auf die Unfähigkeit der Leute heute angespielt, sich auf eine Liebe einzulassen und keinen Innenbezug mehr wahrzunehmen? Oder wird schon die Behauptung einer Figur auf der Bühne, und wie sie Liebesgefühle darstellt, kritisiert? So klar wird das nicht.

Eine längere Sexszene, in der sich Alice und Edgar schlagen und gierig übereinander herfallen, soll wohl als Umsetzung der bei Strindberg seitenlang bis in die Kapillaren ausziselierten Hassliebe gelten. Eine darauf folgende Videoeinspielung zeigt das Paar fürsorglich mit einem Baby; eine Szene, die den Jugendfreund zum Rückzug aus der Dreierbeziehung veranlasst. Auch hier stellt sich die Frage ob sie als blossen Zeitsprung in die Vorgeschichte von Edgars und Alices Drama zu sehen ist oder als Wunschbild aus der Vergangenheit, das die beiden schliesslich aneinanderkettete.

Denn als gebrochen inszeniert Fischer unsere Erinnerungskultur: Das Trio stellt zuvor auf der Bühne heitere Fotosituationen vor dramatischer Berglandschaft (gemalt) nach, während sie sich lächelnd die Gemeinheiten aus dem Text um die Ohren hauen.

In der im Nachtcafé eingerichteten "Box" sitzt man quasi in der Strindberg’schen Turmstube. Flugs mutiert sie zum Stubenkino oder zum Heimtheater mit kleiner Bühne. Alles ist nahe. Aber nur körperlich. Fischer kritisiert an Dürrenmatts Figuren zu Recht, sie hätten zu "wenig Saft". Leider lässt er uns diesbezüglich auch durstig zurück. Immerhin unterhält Ellinghoff als Edgar mit schrägen Einfällen und kraftvollen Auftritten. Ich langweilte mich über eine steril-intellektuelle Theaterformen-Übung, ein paar jüngere Leute lachten über die spielerische Komik.

Dass man in Zeiten von TV-Soaps die dramatische Schilderung einer bürgerlichen Ehehölle genauso lächerlich macht wie die des romantischen Liebesglücks, ist keine neue Erkenntnis, sondern seit Jahren die gängige Öde auf unseren Bühnen. Und überhaupt, wenn man eine Vorlage so wenig liebt, warum spielt man sie dann?


Dieser Besprechung war dank des OnlineReports-Recherchierfonds möglich.

26. Februar 2016
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Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade.

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Claude.Buehler@gmx.net

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"Im abdenbdlichen Feierabendstau nutz manch ein Autofahrer die gesperrte rechte Spur in Fahrtrichtung Basel ...".

BaZ online
vom 2. Februar 2017
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... weil er mit der deutschsprachigen Tastatur nicht zurecht kam.

RückSpiegel


Das Medienportal persoenlich.com zog die OnlineReports-Meldung über die Kündigung des BaZ-Abos durch den ehemaligen BaZ-Verleger Matthias Hagemann nach.

Die Nachricht über den Abbruch der Gelterkinder Rahmtäfeli-Fabrik wurde von der Volksstimme aufgenommen.

Die Sissacher Volksstimme, die Basler Zeitung und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-News über den Bolzenschuss im Gelterkinder Ortskern auf.

Die Basellandschaftliche Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht über den erneuten Parteiwechsel von Grossrat Michel Rusterholtz auf.

Die Basellandschaftliche Zeitung griff die OnlineReports-News über den Sammelerfolg des Referendums gegen Alkohol in Jugendzentren auf.

Die OnlineReports-Story über Andrea Strahm und die Präsidiums-Suche der Basler CVP nahmen das SRF-Regionaljournal, die TagesWoche, die Basler Zeitung und die BZ Basel auf.

Das SRF-Regionaljournal, die Basler Zeitung und die BZ online nahmen die OnlineReports-News über den Austritt Daniel Goepferts aus dem Basler Grossen Rat auf.

In ihrem Kommentar über "Die Arroganz der Basler Regierung" (Schlagzeile) nahm die Basler Zeitung Bezug auf eine Schilderung in OnlineReports.

SRF online bezog sich in ihrem Bericht über den ASE-Prozess auf OnlineReports.

Für ihre Sendungen "10vor10" und "Schweiz aktuell" holte das Schweizer Fernsehen Statements bei OnlineReports ein.

Die BZ Basel und 20 Minuten online bezogen sich in ihren Artikel über die Basler CVP-Präsidentin Adrea Strahm auf ihre Kolumnen in OnlineReports.

Die Basellandschaftliche Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht über Platzprobleme des neuen BVB-"Flexity"-Trams am Basler Aeschenplatz auf.

In seinem Bericht über den Anlage-Skandal der ASE Investment ging die Sendung "10vor10" des Schweizer Fernsehens auf die Rolle von OnlineReports bei der Enthüllung des Schwndels ein.

In seinem Bericht über das von Handwerker-Autos besetzte Trottoir in der Basler Centralbahnstrasse nahm das SRF-Regionaljournal auf einen früheren OnlineReports-Artikel Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, das SRF-Regionaljournal, 20 Minuten online und die SDA nahmen den OnlineReports-Bericht über die Verurteilung des Rappers Ensy auf.

Die Volksstimme beschrieb, wie Peter Knechtli vor 30 Jahren die Brand-Katastrophe von Schweizerhalle erlebte.

Die NZZ zitierte aus dem OnlineReports-Kommentar zu den Basler Regierungsrats-Wahlen.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Der 44-jährige Chemiker Alexander Schocker wird neuer Leiter Forensik bei der Polizei Basel-Landschaft als Nachfolge von Markus Looser an, der letzten Herbst zur Kriminalpolizei Basel-Stadt wechselte.

• Die Oberwiler Bevölkerung hat in einer Referendums-Abstimmung den Beschluss über den Kredit für die Planung Eisweiherplus mit 1'072 Ja zu 2'820 Nein aufgehoben und damit die Planung beendet.

• Der Baselbieter Landrat hat einen Kredit von 14 Millionen Franken zum Bau der Tramlinie Margarethenstich bewilligt.

• Das Referendum gegen die unbegrenzte Alkohol-Abgabemöglichkeit in baselstädtischen Jugendzentren wurde mit 4’600 Unterschriften eingereicht.

• Der 53-jährige Patrick Dill wird ab 1. April neuer Leiter der Gemeindeverwaltung Allschwil.

• Der Kanton Baselland beteiligt sich an der "Berufsschau 2017" in Pratteln mit einem finanziellen Beitrag aus den Mitteln des Wirtschaftsförderungs-Fonds in der Höhe von 900'000 Franken (bisher 950'000 Franken).

• Der Basler "Mittelstand" hat seit Anfang dieses Jahres mit Remo Ley, der Paul Rüst ablöst, einen neuen Präsidenten.

• Mit 7,3 Millionen Passagieren verzeichnete der EuroAirport im Jahr 2016 mit einer Zunahme von knapp vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr einen neuen Rekord.

• Nach dem Rücktritt von Elisabeth Ackermann als Co-Präsidentin der Basler Grünen als Folge ihrer Wahl in die Kantonsregierung führen interimistisch Harald Friedl und Barbara Wegmann die Partei.

Tobias Brenk ist als Nachfolger der abtretenden "Kaserne"-Chefin Carena Schlewitt neuer künstlerischer Leiter des Theaterfestival Basel.

Gerhard Schafroth, Gründungsmitglied und Gründungspräsident der Baselbieter Grünliberalen, tritt nach fast zehn Jahren aus dem Parteivorstand zurück und überlässt seinen Posten dem 26-jährigen Frenkendörfer Wirtschaftsstudenten Patrick Wolfgang.

• Die Augenkliniken des Kantonsspitals Baselland und des Universitätsspitals Basel arbeiten künftig so eng zusammen, dass sie ihre Angebote miteinander abstimmen und medizinisches Personal austauschen.

• In Liestal werden die Gasstrasse (Abschnitt Rheinstrasse bis Weierweg), der Weierweg und die Rosenstrasse vom Gemeinde- ins Kantonsstrassennetz integriert und umgebaut werden.

Beat Lüthy (54), dreifacher Vater aus Sissach, wird neuer Leiter des Baselbieter Amts für Volksschulen.

• Der ACS beider Basel will gegen die Einführung von "Tempo 30" auf Basler Hauptverkehrsachsen weiter zu kämpfen und den Fall am Beispiel der Sevogelstrasse vor Bundesgericht bringen.

• Mit dem Ziel, dass Basler Jugendzentren alkoholfrei bleiben, hat ein Komitee aus gesundheits- und jugendschutzorientierten Kreisen das Referendum gegen das revidierte Gastgewerbegesetz ergriffen.

• Im Rahmen ihrer Aktion "Noël" hat die Basler Kantonspolizei 36 Langfinger verhaftet.

• Zur Unternehmenssteuer-Reform III haben die Basler SP-Delegierten mit 84 zu 47 Stimmen bei 3 Enthaltungen die Nein-Parole beschlossen.

• In zwei von 27 Enkelbetrugs-Fällen konnten Gangster im Baselbiet gesamthaft 16'000 Franken ergaunern.

• Entgegen der ursprünglichen Absicht bleibt der Polizeiposten Waldenburg aus "regionalpolitischen Gründen" bis auf Weiteres bestehen, wie die Baselbieter Regierung schreibt.

• Die beiden Basler Parteien CVP und EVP führen ihre seit vier Jahren bestehende Fraktionsgemeinschaft im Grossen Rat weiter.

Leila Straumann, die Leiterin der baselstädtischen Abteilung Gleichstellung von Frauen und Männern, übernimmt ab 1. Dezember 2017 das Präsidium der Schweizerischen Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten (SKG).

• Die Stimmberechtigten von Sissach haben sich mit 1‘583 Ja- gegen 985 Nein-Stimmen für den Ausbau der Kunsteisbahn zur geschlossenen Eishalle ausgesprochen.