Werbung

Max Kaufmann: Frisch pubertiert

<< [ 1 | (...) | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30 | (...) | 62 ] >>

Bei Sommerwetter: Wem gehört die Stadt?

Der Sommer ist endlich da. Alle schwitzen und jammern über die Hitze, wollen aber trotzdem täglich aperölen, grillieren, baden oder ihre Slackline aufspannen und beanspruchen dafür den öffentlichen Raum. Dabei kommt man sich unweigerlich in die Quere, die Mehrfachbenutzung führt zu Konflikten.

 

Diesen Frühsommer werden diese Konflikte nach meinem Empfinden besonders heftig ausgefochten. Vielleicht, weil wir endlich einen Sommer erleben, der sich fast wie vor der Pandemie anfühlt.

 

Am Rhein ist es am schlimmsten. Dort trifft Wasserfahren auf Baden und Feierabendbier: Vornehmlich mittelalte Männer stochern sich in ihren Weidlingen den Fluss hoch und schreien sich gegenseitig an, wenn einer falsch gestachelt hat und mit einer Boje kollidiert. Das am Ufer sitzende, nicht in diese Sportart eingeweihte Publikum und dessen Körperteile lassen sie völlig ausser Acht.

 

Im letzten Moment heisst es dann "Füess uffe!" und "Tue nit so, ich ha jo Achtung gseit", bevor sie so nah an einem vorbeirauschen, dass dir ihr Schweiss auf das Sommeroutfit spritzt. "Is this a Swiss thing?", fragte kürzlich ein "Art"-Besucher seinen Basler Kollegen hinter mir. Dieser meinte nur: "Yes, maybe. Aber ich verstands au nit."

"Ich könnte mich darüber aufregen, dass die
anti-autoritär erzogenen Kinder rumschreien."

Wir sassen dann alle weiter am Ufer, wichen von Zeit zu Zeit einem Stehruder aus und machten uns gemeinsam Sorgen um die Schultern, Rücken und Knie der Sporttreibenden. Gesund sieht das nicht aus. Ist aber wahrscheinlich gesünder als mit einem Bier in der Sonne zu sitzen.

 

Der Raum in der Stadt war letzte Woche aber nicht nur am Rhein umkämpft: Ähnliches spielte sich zwischen den Menschen, die am 14. Juni zum feministischen Streik auf die Strasse gingen, und der Polizei ab. Diese marschierte in Massen auf. Scheinbar muss sie seit dem 1. Mai den Bürgerlichen und Liberalen dieser Stadt beweisen, dass sie es immer noch kann und übertreibt deshalb vorsorglich mit ihrer Präsenz.

 

Wegen der "Art Basel" kam letzte Woche noch eine weitere "Konfliktpartei" dazu: Sie ist daran zu erkennen, dass sie grölend im grossen Shuttle-Taxi vor dem Club vorfährt. Wir "Einheimischen", die mit dem Velo in den Ausgang fahren, zeigen uns gegen aussen vom protzigen Messepublikum genervt. Insgeheim haben wir aber Freude daran, dass der Glamour für eine Woche ein wenig auf uns und die Stadt abfärbt. Und wenn der Ausgang wegen der Kunstmesse schon am Mittwoch beginnt, hat auch niemand etwas dagegen.

 

Am Feiern freuen sich aber nicht alle. Bei unserem offiziellen Semesterabschluss am Petersplatz zitierte mich eine ältere Frau mit einem Wink ihres Zeigefingers zu sich. Sie fragte freundlich, aber besorgt, wann die aggressive Musik ende. Ihr Mann sei schon ganz nervös.

 

Ich musste in diesem ereignisreichen Frühsommer jedoch feststellen, dass nicht nur die Alten empfindlich geworden sind. In einem "Bajour"-Beitrag beklagt sich der etwa gleichaltrige Praktikant und Münsterplatz-Anwohner über den Lärm von Feiernden. Den Text beendet er mit der – ich hoffe sehr – selbstironischen Aussage "Auch die Bourgeoisie hat Gefühle".

 

Ich hätte daraufhin fast eine Kolumne über die Spielstrasse im Gundeli, in der ich wohne, geschrieben. Ich könnte mich darüber aufregen, dass all die sehr bewusst und anti-autoritär erzogenen Kinder rumschreien als gäbe es kein Morgen und ihre Väter mit Hipsterbärten manchmal sogar noch um halb zehn abends direkt unter meinem Balkon Pingpong spielen und Craft Beer trinken. Arbeitstitel: "Auch Studis im Yuppie-Quartier haben Gefühle."

 

Immerhin weiss ich jetzt, dass es nicht, wie in meinen Kolumnen oft dargestellt, zwingend Konflikte zwischen Alt und Jung sind, die den Alltag in der Stadt prägen.

20. Juni 2022
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Max Kaufmann, geboren 2001, wuchs in Allschwil BL auf. Inzwischen wohnt er in einer WG im Basler "Gundeli" und studiert Soziologie und Politikwissenschaft an der Universität Basel. Seit er vierzehn Jahre alt ist, tritt Max Kaufmann regelmässig an Poetry Slams auf. Im März 2018 wurde er in Winterthur Poetry-Slam-Schweizermeister in der Kategorie u20.

max.kaufmann@gmx.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Wegen tiefer Pünktlichkeit der Eurocity-Züge von Mailand nach Bern und Basel werden ihre Fahrzeiten verlängert."

bz und CH-Media-Zeitungen
am 9. April 2024
in einem Untertitel
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Wegen hoher Augenbrauen kommt dieser Satz jetzt im "Gelesen & gedacht".

RückSpiegel


Die bz verweist in einem Bericht über die Kita-Krise im Baselbiet auf OnlineReports.

BaZ, Baseljetzt und Happy Radio nehmen die OnlineReports-News über das geplante Ministertreffen in Basel auf.

Der Sonntagsblick zitiert OnlineReports in einer grossen Recherche über die Baselbieter SVP-Politikerin Sarah Regez.

Baseljetzt verweist im Bericht über Basler Schiffsunfälle auf ein OnlineReports-Video.

Die Volksstimme greift die OnlineReports-Recherche über das Aus des Textildruck-Unternehmens Permatrend auf.

Im Bericht über "Unruhe am Regioport" bezieht sich Bajour auf die OnlineReports-Ursprungsrecherche aus dem Jahr 2018.

Die Basler Zeitung bezieht sich in einem Artikel über die Kantonsfinanzen im Baselbiet auf OnlineReports.

Die bz verweist in einem Bericht über die Neuausrichtung der Vorfasnachts-Veranstaltung Drummeli auf einen Artikel aus dem OnlineReports-Archiv.

Die Basler Zeitung zitiert in einem Leitartikel über die SVP aus OnlineReports.

Baseljetzt bezieht sich in einer Meldung über den Rücktritt von Ralph Lewin als SGI-Präsident auf OnlineReports.

Die Basler Zeitung nimmt die OnlineReports-Recherche über den blockierten Neubau der BVB-Tramstrecke über das Bruderholz auf.

Die Basler Zeitung und Infosperber übernehmen die OnlineReports-Meldung über den Tod von Linda Stibler.

Die bz zitiert den OnlineReports-Artikel über die Wiedereröffnung des Gefängnisses in Sissach.

Baseljetzt erzählt den OnlineReports-Artikel über die Räppli-Krise nach.

Das Regionaljournal Basel, Baseljetzt, BaZ und 20 Minuten vermelden mit Verweis auf OnlineReports den Baufehler bei der Tramhaltestelle Feldbergstrasse.

Die Basler Zeitung bezieht sich in einem Interview zu den Gemeindefusionen auf OnlineReports.

persoenlich.com und Klein Report vermelden mit Verweis auf OnlineReports die Personalrochade bei Prime News.

Die Volksstimme schreibt über die Wahl von Claudio Miozzari zum Grossratspräsidenten von Basel-Stadt und zitiert dabei OnlineReports.

In einem Artikel über die Leerstandsquote bei Büroflächen in Basel nimmt die bz den Bericht von OnlineReports über einen möglichen Umzug der Basler Polizei ins ehemalige Roche-Gebäude an der Viaduktstrasse auf.

Das Regionaljournal Basel und die bz berichten über die Bohrpläne der Schweizer Salinen im Röserental und beziehen sich dabei auf OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

Werbung







In einem Satz


Der Baselbieter Regierungsrat hat Raphael Giossi zum Nachfolger des langjährigen kantonalen Bieneninspektors Marcel Strub gewählt.

Cyril Bleisch übernimmt bei den Jungfreisinnigen Baselland das Präsidium von Lucio Sansano.

Die Basler Sozialdemokraten haben die SP queer Basel-Stadt gegründet und als neues Organ in den Statuten der Partei verankert.

Eiskunstläuferin Kimmy Repond und Wasserfahrer Adrian Rudin sind Basler Sportlerin beziehungsweise Basler Sportler des Jahres.

Jean-Luc Nordmann übergibt das Präsidium der Stiftung Tierpark Weihermätteli per 1. Januar 2024 an Martin Thommen.

Iris Graf steigt von der Projektleiterin und akademischen Mitarbeiterin der Baselbieter Fachstelle für die Gleichstellung von Frauen und Männern zur Leiterin auf.  

Sonja Kuhn,
ehemalige Co-Leiterin der Abteilung Kultur Basel-Stadt, ist neu Präsidentin der SRG Region Basel.

Florian Nagar-Hak und Saskia Bolz übernehmen die Leitung des Gesundheitszentrums Laufen, das zum Kantonsspital Baselland gehört.

Mohamed Almusibli übernimmt ab März 2024 die Direktion der Kunsthalle Basel von Elena Filipovic.

Marilena Baiatu ist neue Kommunikationsbeauftragte der Staatsanwaltschaft im Kanton Baselland und ersetzt Thomas Lyssy, der Ende November pensioniert wird.

 

Mitte-Landrat Simon Oberbeck folgt am 1. August 2024 als Geschäftsführer der Schweizerischen Vereinigung für Schifffahrtund Hafenwirtschaft auf André Auderset.

Die Junge SVP Basel-Stadt hat Demi Hablützel (25) einstimmig für zwei weitere Jahre als Präsidentin wiedergewählt.

Dominic Stöcklin wird neuer Leiter Marketing und Mitglied der Geschäftsleitung von Basel Tourismus.

 

Samir Stroh, aktuell Gemeindeverwalter in Brislach, übernimmt Anfang Mai 2024 die Leitung von Human Resources Basel-Stadt.

Das Sperber-Kollegium hat Sterneköchin Tanja Grandits zur "Ehrespalebärglemere 2023" ernannt.

Der mit 50'000 Franken dotierte Walder-Preis geht dieses Jahr an Konrad Knüsel, den Präsidenten des Vernetzungsprojekts Rodersdorf und des Naturschutzvereins Therwil.

Götz Arlt tritt am 1. Januar 2024 die Nachfolge von Christian Griss an und übernimmt die Stufenleitung der Sekundarschulen I im Bereich Volksschulen des Erziehungsdepartements Basel-Stadt.

Michael Gengenbacher tritt am 1. Februar 2024 seine neue Stelle als Chief Medical Officer (CMO) und Mitglied der Spitalleitung beim Bethesda Spital an.

Markus Zuber übernimmt am 1. Oktober die Leitung der St. Clara Forschung AG (St. Claraspital).

Das Präsidium der Juso Baselland besteht neu aus Clara Bonk, Angel Yakoub (Vize) und Toja Brenner (Vize).