Kommentare

[ 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | (...) | 236 ] >>

"Tempo 30"-Mobilisierung in Gelterkinden

Von PETER KNECHTLI

Wohl in keinem Dorf von vergleichbarer Grösse wühlt die Forderung nach "Tempo 30" die Bevölkerung so auf wie derzeit in Gelterkinden. Die Oberbaselbieter Zentrumsgemeinde ist derzeit mit Pro- und Kontra-Plakaten regelrecht übersät, als stünde eine Abschaffung der Sozialwerke bevor. Die Medien reissen sich um die Protagonisten beider Lager.

Dabei geht es einzig darum: dass auf Quartierstrassen flächendeckend "Tempo 30" eingeführt wird, während auf Kantonsstrassen innerorts weiterhin eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern gilt. Der Kredit beläuft sich auf bescheidene 336'000 Franken.

 

Dass Verkehrspolitik in Gelterkinden die Emotionen weckt, ist nicht neu. In der Auto-Euphorie der siebziger und Anfang der achtziger Jahre stand ein Projekt einer Umfahrungsstrasse nach Tecknau und Rünenberg ernsthaft zur Debatte. Das Projekt hatte im Landrat keine Chance. Damalige Umweltschützer im Dorf hatten sich zuvor zu einer Initiativkomitee-Bürgerinitiative formiert und heftigen Widerstand angekündigt.

 

Später skizzierte eine "Arbeitsgruppe Wohnqualität in Gelterkinden" (AWG) Vorschläge für mehr Sicherheit und Ruhe im Dorf. Heute besteht eine kurze "Begegnungszone", die ihren Namen nur knapp verdient.

 

Heute sind – finanziell oder ideell unterstützend – im Hintergrund immer noch einige damalige Umfahrungsgegner für die Einführung von "Tempo 30" aktiv. Doch massgeblich aktiv sind eher jüngere Personen, besonders stark vertreten sind Frauen und Mütter. Sie beobachten mit Sorge, was auch alteigesessene Bewohnerinnen und Bewohner immer wieder über die Verhältnisse auf den häufig nicht mit Trottoirs versehenen Strassen in Wohnquartieren beklagen: "Die fahren wie die Wahnsinnigen."

Der Gemeinderat spielte kürzlich
eine sehr fragwürdige Rolle."

Es war ursprünglich die lokale SP-Sektion, die vor drei Jahren die "Tempo 30"-Forderung aufs politische Tapet brachte. Der Gemeinderat nahm das Thema auf, organisierte Bürgerversammlungen, nahm die Stimmung auf und legte, untermauert mit einer Petition, vergangenen Dezember mit dem Antrag auf Zustimmung eine Vorlage zur Einführung von "Tempo 30" vor die Gemeindeversammlung.

 

Seit vielen Monaten – und auch heute noch – hängen die kleinen blau-gelben Ja-Plakate in grosser Zahl an privaten Liegenschaften und Gartenzäunen, die zur Mobilisierung an der Gemeindeversammlung gedacht waren. Das Ergebnis war klar: 102 Ja gegen 46 Nein bei drei Enthaltungen.

 

Doch ob die Stimmung auch in der Bevölkerung so klar ist, wird sich am 13. Juni zeigen: Exponenten wie alt Nationalrat Caspar Baader (SVP), der bürgerliche Fraktionspräsident Christian Tanner (FDP) und Nachwuchspolitiker Pascal Catin als FDP-Präsident ergriffen mit beachtlichen 860 Unterschriften das Referendum.

 

Eines fällt auf: Die Befürwortenden stehen mit Namen zu ihrem Anliegen – sei es beim Verteilen von Flugblättern oder "Tempo 30"- "Tempo-Nastüchern oder mit 430 deklarierten Personen-Namen auf dem Flyer. Die öffentlich sichtbaren Gegner beschränken sich im Wesentlichen auf das Referendums-Komitee. Ihr PS-starkes Wahlkampf-Utensil ist ein Parolen-beklebter grauer "Alfa Romeo"-Oldtimer, der als Hingucker dient und als Werbeträger durch die engen Quartierstrassen kurvt.

 

Doch als grosse Unbekannte bleibt die Frage, ob es in Gelterkinden nicht eine "schweigende Mehrheit" gibt, bei der – ohne Rücksicht auf den grossen öffentliche Nutzen – Schlagworte wie "unnötig und teuer", "keine weiteren Regulierungen" oder "links-grüne Ideologie" noch verfangen.

 

Dabei spielte der mehrheitlich bürgerliche Gemeinderat eine sehr fragwürdige Rolle als Stimmungs-Beeinflusser: Wenige Wochen vor dem Abstimmungstermin veröffentlichte er – ob animiert durch befreundete Gegner, bleibt offen, sicher aber zu ihrer Freude – ein düsteres Finanzplan-Szenario und der Ankündigung, dass Sparprogramme unumgänglich seien.

 

Eine Prognose über den Ausgang der Abstimmung ist schwierig. Zu den namentlich deklarierten Befürwortern von "Tempo 30" zählen nicht nur links-grün engagierte Kreise, sondern auch Ärzte, bürgerliche Gewerbetreibende, um die Sicherheit der Kinder besorgte Schulbehörde-Mitglieder und alteingesessene, nicht parteipolitisch gebundene Persönlichkeiten.

 

Wenn sich unter ihnen und ihrem Umfeld die Einsicht durchsetzt, dass "Tempo 30" flächendeckend als lange pendentes Traktandum fairerweise nicht unter den Sparhammer fallen darf, dann hat das Sicherheits-Anliegen eine echte Chance. Der Kredit mit seinen 336'000 Franken bleibt im Vergleich zum 15 Millionen-Hallenbadkredit so bescheiden und werthaltig, dass eine Beruhigung auf Gelterkinder Quartierstrassen nie mehr günstiger zu haben sein wird.

 

Transparenz: Der Autor engagiert sich in dieser kommunalen Frage und ist Mitglied des Ja-Komitees.


Mehr über den Autor erfahren

1. Juni 2021
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Peter Knechtli, ist Chefredaktor und Gründer von OnlineReports.ch.

peterknechtli@onlinereports.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Beat Jans legt Anwaltskosen rund um Fehlmann-Abgang offen"

Basler Zeitung
Schlagzeile
vom 10. Juni 2021
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Eine neue Aprikosen-Sorte?

RückSpiegel


Telebasel, 20 Minuten und Primenews nahmen die OnlineReports-Exklusivmeldung über den Ausnahmezustand im überfüllten Gartenbad St. Jakob auf.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-News über die Berufungen im Fall der Grellinger Kassengriff-Kassiererin auf.

Prime News nahm im Interview mit dem neuen Telebasel-Chefredaktor Philippe Chappuis Bezug auf einen Kommentar von OnlineReports.

Die OnlineReports-News über das Urteil des Aargauer Obergerichts gegen den früheren ASE-Präsidenten wurde von der Aargauer Zeitung aufgenommen.

20 Minuten nahm in der Nachricht über einen Hacker-Angriff auf die Basler Gewerbeschule auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Report über die Basler LDP nimmt die WochenZeitung (WoZ) Bezug auf ein OnlineReports-Interview mit LDP-Grossrat Michael Hug.

20 Minuten nahm die OnlineReports-Recherche über den Psychoterror in einem Arlesheimer Wohnblock auf.

Die BZ greift in ihrem Artikel "Bikini-Gate im Schrebergarten" einen Artikel von OnlineReports auf.

Den OnlineReports-Bericht über Masken-Sicherheit an Spital-Porten nahm die Konsumenten-Sendung "Espresso" von Radio SRF zum Anlass, das Thema vertieft zu untersuchen.

Blick, Telebasel, 20 Minuten und die BZ nahmen die OnlineReports-News über die Strafanzeigen gegen den ausländerfeindlichen Basler Grossrat E. W. auf.

Die BZ, die zu Recht die Intransparenz der Baselbieter Steuer(ab)rechnungen kritisierte, nahm in ihren Nachzug auf einen bestätigenden OnlineReports-Kommentar Bezug.

Prime News ging in der Kritik an "Weltwoche"-Kolumnist Christoph Mörgeli auf einen satirischen OnlineReports-Text über Lukas Engelberger ein.

Der Tages-Anzeiger bezog sich in einem Artikel über Impf-Privilegien auch auf einen OnlineReports-Artikel über UKBB-CEO Marco Fischer.

Die Basler Zeitung nahm in ihrem Abschiedstext über den Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels in Text und Bild auf OnlineReports Bezug.

Die OnlineReports-Todesnachricht über alt-Landrat Peter H. Müller wurde von der BZ aufgenommen.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über die Schliessung des Zeitungsladens "Press&Books" auf der Basler SBB-Passerelle auf.

Telebasel, das Regionaljournal und die Basler Zeitung nahmen in ihren Nachrufen auf Corina Christen auf OnlineReports Bezug.

Der OnlineReports-Primeur über den Rücktritt das Basler Grünen-Präsidenten Harald Friedl nahmen die BZ, Prime News, das Regionaljournal, die Basler Zeitung und Telebasel auf.

Die Medienwoche berichtete bezüglich einer "Weltwoche"-Falschmeldung über den Basler Regierungsrat Lukas Engelberger darüber, dass Mörgeli die humoristische Gedankenspielerei auf Onlinereports.ch für bare Münze nahm.

In ihrer Presseschau über die Basler Regierungsratswahlen zitierete die BZ ausführlich aus OnlineReports.

Die Basler Zeitung nahm die OnlineReports-News über einen geplatzten Baselbieter Strafprozess auf.

Die Wochenzeitung ging in ihrem Bericht über den Abbau in grossen Schweizer Zeitungsredaktion auch auf "kleinere Player" wie OnlineReports ein.

Die BZ zieht den OnlineReports-Report über den Verzicht auf das Muttenzer Multiplex-Kino der "Kitag AG" nach.

Die OnlineReports-News über die Schliessung eines Tanzlokals in der Basler Innenstadt nahm die BZ auf.

In ihrer Besprechung von Roland Starks Kolumne-Buch "Stark!" nimmt die Volksstimme auf OnlineReports Bezug.

Die BZ kritisierte den designierten Basler SP-Regierungsrat Beat Jans für seinen Twitter-Tweet: "Wieso muss man in unserer Region eigentlich 'Onlinereports' lesen, wenn man sich umfassend informieren, statt belehren lassen will?"

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Corinne Hügli wird per 1. Oktober neue Leiterin des Statistischen Amts Baselland und Nachfolgerin von Johann Christoffel, der Ende September in den Ruhestand tritt.

Als Nachfolger von Felix Keller übernimmt am 1. Juli Simon Oberbeck das Präsidium der Baselbieter CVP/GLP-Fraktion.

Der diplomierte Ingenieur Florian Kaufmann wird per 1. September im Baselbieter Amt für Raumplanung die Leitung der Abteilung Öffentlicher Verkehr übernehmen (Nachfolge von Eva Juhasz).

Laurent Métraux wird per 1. August neuer Leiter der Baselbieter Finanzverwaltung und Nachfolger von Tobias Beljean, der nach drei Jahren eine neue Herausforderung in der Privatwirtschaft angenommen hat.

CEO Roland Heri hat sich entschieden, den FC Basel zu verlassen und sich "umzuorientieren" und sich "neuen Aufgaben zu widmen".

Josiane Tinguely Casserini wird per 1. August neue Baselbieter Kantonsapothekerin und Leiterin der Abteilung Heilmittel im Amt für Gesundheit.

Das Hafenfest Basel 2021, das vom 3. bis 5. September hätte stattfinden sollen, wurde vom Organisationskomitee aus epidemiologischen Gründen abgesagt.

Die Basler Regierung hat die kantonalen Einschränkungen für "Einrichtungen im Sportbereich" aufgehoben, so dass der Sportunterricht und die Nutzung der Garderoben auf Sekundarstufe I und II ab 3. Mai wieder möglich sind.

Marc-André Giger und Guy Lachappelle werden neue Mitglieder des Verwaltungsrats des Universitäts-Kinderspitals beider Basel (UKBB).

Das Landratspräsidentinnen-Fest zu Ehren der Grünliberalen Regula Steinemann muss aus Pandemie-Gründen vom 24. Juni auf den 26. August verschoben werden.

Rolf Borner, Geschäftsleiter Immobilien Basel-Stadt, verlässt das Finanzdepartement nach 16 Jahren per 1. August und wird Direktor "Infrastruktur und Betrieb" und Mitglied der Universitätsleitung der Universität Basel.

Ab 19. April sind die Sportanlagen im Kanton Basel-Stadt gemäss den Vorgaben des Bundes und unter Einhaltung der Schutzmassnahmen wieder zugänglich.

Salome Bessenich wird Nachfolgerin des zurücktretenden Basler SP-Grossrats Sebastian Kölliker, der Co-Generalsekretär des Basler Präsidialdepartements wird.

Der 615. Liestaler Banntag vom 10. Mai ist durch einen Beschluss der vier Rottenchefs aus pandemischen Gründen abgesagt worden.

Innerhalb von zwei Wochen sind über 3’000 Unterschriften gegen die vom Grossen Rat beschlossene Abschaffung der Parkplätze beim Friedhof Hörnli zusammengekommen.

Daniel Urech, Gemeinderat der Freien Wähler Dornach und Kantonsrat der Grünen Solothurn, tritt für das Gemeindepräsidium Dornach an.

Mit einer Geschwindigkeit von 124 km/h statt der erlaubten 60 km/h erwischte die Polizei am 29. März auf der Oristalstrasse in Liestal einen 33-jährigen italienischen PW-Lenker, der in Richtung Büren raste und es jetzt mit der Justiz zu tun bekommt.

Die neugewählten Basler Regierungsmitglieder Esther Keller (GLP) und Kaspar Sutter (SP) wurden zu neuen Verwaltungsratsmitgliedern des EuroAirport ernannt.

Das Referendum gegen eine flächendeckende Parkraum-Bewirtschaftung in Allschwil ist mit über 800 Unterschriften zustande gekommen; das Quorum beträgt 500 Unterschriften.

Waltraud Parisot wird neue Verwaltungs-Chefin an der Musik-Akademie Basel und damit Nachfolgerin von Marc de Haller, der nach 18 Dienstjahren regulär pensioniert wird.

Lina Arti hat heute als 10'000. Baslerin im Impfzentrum die Corona-Zweitimpfung und von Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger einen grossen Blumenstrauss erhalten.

Der Kanton Basel-Stadt hat bis 2. März gesamthaft 25,2 Millionen Franken A-fonds-perdu-Beiträge aus dem Härtefall-Programm an Unternehmen ausbezahlt und 4,9 Millionen Franken Bürgschaften für KMU-Kredite bewilligt.

Dominik Scherrer wird als Nachfolger von Titus Hell neuer Präsident der Jungfreisinnigen Basel-Stadt.

Die Fluxdock AG wird den Kasernen-Hauptbau betreiben, in dem Anfang 2022 das Kultur- und Kreativzentrum seine Tore öffnet.