Kommentare

<< [ 1 | (...) | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | (...) | 247 ] >>

"Tempo 30"-Mobilisierung in Gelterkinden

Von PETER KNECHTLI

Wohl in keinem Dorf von vergleichbarer Grösse wühlt die Forderung nach "Tempo 30" die Bevölkerung so auf wie derzeit in Gelterkinden. Die Oberbaselbieter Zentrumsgemeinde ist derzeit mit Pro- und Kontra-Plakaten regelrecht übersät, als stünde eine Abschaffung der Sozialwerke bevor. Die Medien reissen sich um die Protagonisten beider Lager.

Dabei geht es einzig darum: dass auf Quartierstrassen flächendeckend "Tempo 30" eingeführt wird, während auf Kantonsstrassen innerorts weiterhin eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern gilt. Der Kredit beläuft sich auf bescheidene 336'000 Franken.

 

Dass Verkehrspolitik in Gelterkinden die Emotionen weckt, ist nicht neu. In der Auto-Euphorie der siebziger und Anfang der achtziger Jahre stand ein Projekt einer Umfahrungsstrasse nach Tecknau und Rünenberg ernsthaft zur Debatte. Das Projekt hatte im Landrat keine Chance. Damalige Umweltschützer im Dorf hatten sich zuvor zu einer Initiativkomitee-Bürgerinitiative formiert und heftigen Widerstand angekündigt.

 

Später skizzierte eine "Arbeitsgruppe Wohnqualität in Gelterkinden" (AWG) Vorschläge für mehr Sicherheit und Ruhe im Dorf. Heute besteht eine kurze "Begegnungszone", die ihren Namen nur knapp verdient.

 

Heute sind – finanziell oder ideell unterstützend – im Hintergrund immer noch einige damalige Umfahrungsgegner für die Einführung von "Tempo 30" aktiv. Doch massgeblich aktiv sind eher jüngere Personen, besonders stark vertreten sind Frauen und Mütter. Sie beobachten mit Sorge, was auch alteigesessene Bewohnerinnen und Bewohner immer wieder über die Verhältnisse auf den häufig nicht mit Trottoirs versehenen Strassen in Wohnquartieren beklagen: "Die fahren wie die Wahnsinnigen."

Der Gemeinderat spielte kürzlich
eine sehr fragwürdige Rolle."

Es war ursprünglich die lokale SP-Sektion, die vor drei Jahren die "Tempo 30"-Forderung aufs politische Tapet brachte. Der Gemeinderat nahm das Thema auf, organisierte Bürgerversammlungen, nahm die Stimmung auf und legte, untermauert mit einer Petition, vergangenen Dezember mit dem Antrag auf Zustimmung eine Vorlage zur Einführung von "Tempo 30" vor die Gemeindeversammlung.

 

Seit vielen Monaten – und auch heute noch – hängen die kleinen blau-gelben Ja-Plakate in grosser Zahl an privaten Liegenschaften und Gartenzäunen, die zur Mobilisierung an der Gemeindeversammlung gedacht waren. Das Ergebnis war klar: 102 Ja gegen 46 Nein bei drei Enthaltungen.

 

Doch ob die Stimmung auch in der Bevölkerung so klar ist, wird sich am 13. Juni zeigen: Exponenten wie alt Nationalrat Caspar Baader (SVP), der bürgerliche Fraktionspräsident Christian Tanner (FDP) und Nachwuchspolitiker Pascal Catin als FDP-Präsident ergriffen mit beachtlichen 860 Unterschriften das Referendum.

 

Eines fällt auf: Die Befürwortenden stehen mit Namen zu ihrem Anliegen – sei es beim Verteilen von Flugblättern oder "Tempo 30"- "Tempo-Nastüchern oder mit 430 deklarierten Personen-Namen auf dem Flyer. Die öffentlich sichtbaren Gegner beschränken sich im Wesentlichen auf das Referendums-Komitee. Ihr PS-starkes Wahlkampf-Utensil ist ein Parolen-beklebter grauer "Alfa Romeo"-Oldtimer, der als Hingucker dient und als Werbeträger durch die engen Quartierstrassen kurvt.

 

Doch als grosse Unbekannte bleibt die Frage, ob es in Gelterkinden nicht eine "schweigende Mehrheit" gibt, bei der – ohne Rücksicht auf den grossen öffentliche Nutzen – Schlagworte wie "unnötig und teuer", "keine weiteren Regulierungen" oder "links-grüne Ideologie" noch verfangen.

 

Dabei spielte der mehrheitlich bürgerliche Gemeinderat eine sehr fragwürdige Rolle als Stimmungs-Beeinflusser: Wenige Wochen vor dem Abstimmungstermin veröffentlichte er – ob animiert durch befreundete Gegner, bleibt offen, sicher aber zu ihrer Freude – ein düsteres Finanzplan-Szenario und der Ankündigung, dass Sparprogramme unumgänglich seien.

 

Eine Prognose über den Ausgang der Abstimmung ist schwierig. Zu den namentlich deklarierten Befürwortern von "Tempo 30" zählen nicht nur links-grün engagierte Kreise, sondern auch Ärzte, bürgerliche Gewerbetreibende, um die Sicherheit der Kinder besorgte Schulbehörde-Mitglieder und alteingesessene, nicht parteipolitisch gebundene Persönlichkeiten.

 

Wenn sich unter ihnen und ihrem Umfeld die Einsicht durchsetzt, dass "Tempo 30" flächendeckend als lange pendentes Traktandum fairerweise nicht unter den Sparhammer fallen darf, dann hat das Sicherheits-Anliegen eine echte Chance. Der Kredit mit seinen 336'000 Franken bleibt im Vergleich zum 15 Millionen-Hallenbadkredit so bescheiden und werthaltig, dass eine Beruhigung auf Gelterkinder Quartierstrassen nie mehr günstiger zu haben sein wird.

 

Transparenz: Der Autor engagiert sich in dieser kommunalen Frage und ist Mitglied des Ja-Komitees.


Mehr über den Autor erfahren

1. Juni 2021
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Peter Knechtli, ist Chefredaktor und Gründer von OnlineReports.ch.

peterknechtli@onlinereports.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

Theater Basel

"Milf" im Theater Basel
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Ein gebrauchter Nachmittag"

BZ Basel
Schlagzeile vom
2. Mai 2022 zur FCB-Niederlage
gegen den FC Zürich
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Eine hochinformative Schlag-Zeile.

RückSpiegel


In ihrem Bericht über den Störungs-Aufruf von "Basel nazifrei" zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger bezog sich in seinem Artikel über das "Russengrab" auf dem Friedhof "Hörnli" auf die vorausgegangene OnlineReports-Recherche.

In ihrem Bericht über die Forderung nach einer Neudiskussion über ein Windkrafwerk im Muttenzer Hardacker nimmt die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-News über den Abgang von BLT-Direktor Andreas Büttiker kommendes Jahr auf.

In ihren Bericht über den Streit um öffentliche Wege durch Basler Schrebergärten zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Der SF-Bericht von Schweiz aktuell zitiert OnlineReports mit der Erstmeldung über die defekten Gummieinlagen in Basler Tramschienen.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über den Wegzug der Bank Vontobel aus der Basler Rittergasse nach.

Die BZ Basel, die Basler Zeitung, das Regionaljournal und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-News über beschädigte Gummiprofile auf der Tram-Teststrecke im Gundeldingerquartier auf.

Das Regionaljournal bezog sich in seinem Bericht über die gescheiterte Ausschreibung zum Betrieb des Gärtnerhauses auf OnlineReports.

Die Basler Zeitung thematisiert den Flächenmiete-Vorschlag von OnlineReports zu einer kantonalen Medienförderung.

Im Bericht über den Ausstieg der BKB aus dem FCB-Sponsoring bezieht sich 20 Minuten auf OnlineReports.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Erstmeldung über die Planung von fünf Kraftwerken an Birs und Ergolz auf.

In ihrem Artikel über die hohe "Swisslos"-Vergabung an "Primeo Energie" bezieht sich die BZ Basel auf OnlineReports.

Die OnlineReports-Forderung nach kantonaler Medienhilfe nahmen Bajour, das Regionaljournal und die BZ Basel auf.

Die Basler Zeitung beruft sich in ihrem Bericht über den Zubringer Bachgraben auf eine Erstmeldung in OnlineReports.

Die BZ Basel bezieht sich in ihrem Bericht über Gemeindewahlen in Riehen auf OnlineReports.

Im Einspieler zum "Sonntagstalk" nahm Telebasel Bezug auf eine OnlineReports-Kolumne von Andrea Strahm.

Die OnlineReports-News über die Beschwerde gegen "Tempo 30" auf Teilen der Kantonsstrassen wird von der BZ Basel aufgenommen.

Die Badische Zeitung bezieht sich in ihrem Bericht über den Kauf das Kleinbasler Clara-Areals durch den Staat auf OnlineReports.

Im Interview mit dem Medienökonomen Matthias Künzler stellt Bajour die Frage, ob es fair sei, dass OnlineReports, da kostenlos zugänglich, von der Medienförderung nicht profitieren könnte.

Prime News nimmt im Kommentar gegen das "Medienförderungsgesetz" auf die Position von OnlineReports Bezug.

Die BZ Basel und Happy Radio bezogen sich in ihrer Meldung über die Kündgung der Gelterkinder Schulleitung auf eine OnlineReports-News.

Die Badische Zeitung bezog sich in ihrem Bericht über die Absage des internationalen Reitsport-Turniers "CHI Classics" in der St. Jakobshalle auf OnlineReports.

In ihrer Meldung über den Widerstand gegen ein Kirchenglocken-Läutverbot geht die BZ Basel auf OnlineReports ein.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Meldung über die Traiferhöhung auf den Basler Fähren auf.

Bajour interviewt OnlineReports-Gründer Peter Knechtli zu seiner Ablehnung des vor der Volksabstimmung stehenden "Medienförderungsgesetzes". Die Medienwoche nimmt das Interview auf.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Die künftige Direktorin des Basler Waisenhauses ist Anita Conrad, die auf den Ende November 2023 persionierten Uli Hammler folgt.

In der Gemeinderats-Ersatzwahl in Füllinsdorf wurde Christoph Keigel als Kandidat der Ortspartei "Pro Füllinsdorf" und Nachfolger des verstorbenen Beat Keller gewählt.

Die Initiative zum Bau einer neuen Stadthalle für Liestal ist bei einer Stimmbeteiligung von 44 Prozent mit einer Mehrheit von fast 69 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt worden.

Einen Unterstützungsbeitrag in Höhe von 25'000 Franken aus dem Swisslos-Fonds hat die Basler Regierung dem türkisch-islamischen Sozial- und Kulturverein an die Infrastruktur von Küche und Aufenthaltsraum am Leimgrubenweg bewilligt.

Lukas Fischler wird neuer Chefarzt Anästhesie, Chief Medical Officer und Mitglied der Geschäftsleitung der Merian Iselin Klinik.

Der bei der Basler Zeitung in Ungnade gefallene Lokalredaktor Daniel Wahl ist in Markus Somms Nebelspalter untergekommen.

Die Gemeinde Reinach budgetierte war ein Defizit von 9,2 Millionen Franken, herausgekommen ist ein Verlust von 440'000 Franken.

Samuel Meyer, Leiter des Geschäftsbereichs Vertrieb der Bank Cler, wird per 1. Mai neuer CEO und Nachfolger von Mariateresa Vacalli.

Bei einem budgetierten Defizit von 5,7 Millionen Franken schliesst die Liestaler Rechnung 2021 nun ausgeglichen ab "dank höherer Steuereinnahmen und tieferen Sozialhilfekosten als erwartet".


Susanne Fisch und Noé Pollheimer sind die Nachfolgenden von Martin Leschhorn Strebel im Präsidium der SP Riehen.


Marc-Oliver Möller wird am 1. August neuer der Zentralen Dienste im Basler Erziehungsdepartement und Nachfolger von Thomas Riedtmann, der im Sommer pensioniert wird.

Der frühere Basler Regierungsrat Baschi Dürr (45) wird Verwaltungsrat bei der Sicherheitsfirma Pantex.

Die Findungskommission für die Direktion des Historischen Museums Basel ab 1. Mai 2024 ist konstituiert und nimmt ihre Arbeit auf, während der Vertrag mit dem interimistischen Direktor Marc Zehntner bis Ende April 2024 verlängert wurde.

Anstelle des zurücktretenden André Auderset soll Anita Treml Nidecker (64) das Präsidium der "Interessen-Gemeinschaft Kleinbasel" (IGK) übernehmen.

Die 35-jährige Zahnärztin Anja von Büren wird per 25. April 2022 neue Baselbieter Kantonszahnärztin und Leiterin des Kantonszahnärztlichen Dienstes im Amt für Gesundheit – als Nachfogerin von Ludmilla Strickler, die in Pension geht.

Für die zurücktretende Grossrätin Grüne Marianne Hazenkamp-von Arx (Riehen) rückt Béla Bartha nach.

In Riehen steigen EVP, Grüne und SP im dritten Wahlgang der Gemeinderatswahlen vom 24. April mit Daniele Agnolazza (EVP) ins Rennen.

Wegen massiven Preissteigerungen der letzten Monate an den internationalen Energiemärkten bei Gas sowie laufenden Investitionen in die CO2-Neutralität erhöhen die IWB die Fernwärmetarife ab 1. April um 12,25 Prozent.

Stephan Erni wird Chefarzt der neuen "Rehaklinik Basel", die in den Neubau Hirzbrunnen des Claraspitals integriert wird.

Die Justiz-, Sicherheits- und Sportkommission (JSSK) des Basler Grossen Rates beantragt dem Plenum einstimmig, der Stimmbevölkerung die Volksinitiative "Abschaffung des Präsidialdepartements und Reduktion der Anzahl der Mitglieder des Regierungsrats von 7 auf 5 Mitglieder" ohne Gegenvorschlag zur Ablehnung zu empfehlen.

Der Betrieb des neuen Tagesrestaurants mit Cateringbetrieb, das derzeit im ehemaligen Ökonomiegebäude der Merian Gärten entsteht, wird von der Christoph Merian Stiftung an das Basler Gastronomieunternehmen "Berest" übertragen.

Das Basler Staatsarchiv sichert die Geschichte der Anti-AKW-Bewegung, die sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Zusammenhang mit Plänen eines Atomkraftwerks in Kaiseraugst formierte.

Elena Kasper und Clara Bonk, beide 21-jährig, heissen die neuen Co-Präsidentinnen der Baselbieter Juso.

Die Frenkendörfer SP-Landrätin Mirjam Würth tritt per Ende Februar aus dem Landrat zurück, der Birsfelder FDP-Landrat Christof Hiltmann demissioniert per 1. Juni.

Der emeritierte Basler Soziologieprofessor Ueli Mäder wird am 21. März in Stuttgart für sein gesellschaftspolitisches Engagement mit dem Erich Fromm-Preis geehrt.

Aus 573 steuerbezogenen Selbstanzeigen im Jahr 2021 resultierten im Baselbiet zusätzliche Steuererträge in Höhe von 5,6 Millionen Franken.

Im Baselbiet funktionierten 149 von 150 Sirenen beim Test einwandfrei, in Basel-Stadt heulten alle 39 Sirenen ordnungsgemäss auf.

Aufgrund der stark gesunkenen Nachfrage nach Impfungen stellt das Impfzentrum West in Laufen seinen Betrieb Ende Februar 2022 ein.

Die Basler Kantonalbank (BKB) erweitert jetzt ihr Produktangebot für Firmenkunden, weil dort "ein wachsender Beratungs- und Finanzierungsbedarf mit Blick auf den Klimaschutz, aber auch in anderen Bereichen der Nachhaltigkeit" bestehe.

Die Juso-Initiative für ein Gratis-U-Abo für alle Baselbieter und -innen ist mit über 1'900 Unterschriften zustandegekommen.