Kommentare

<< [ 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | (...) | 239 ] >>

Kassiererin-Prozess: Ein schaler Nachgeschmack

Von PETER KNECHTLI

Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig: Zehn Tage hat die Angeklagte Zeit, um Berufung am Kantonsgericht einzulegen. Das Baselbieter Strafgericht verurteilte sie die heute 49-Jährige wegen Veruntreuung und Urkundenfälschung zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 20 Monaten. Sie hatte die römisch-katholische Kirchgemeinde Grellingen und die CVP Baselland, wo sie Finanzchefin war, um zusammen gut 400'000 Franken erleichtert – um ihren Western-Saloon "Little Nashville" in Liesberg umzubauen.

 

Der Prozess im Strafjustizzentrum Muttenz hinterliess einen schalen Nachgeschmack.

 

Da war die Angeklagte, die in der Hauptverhandlung alles andere als einen vertrauenserweckenden Eindruck vermittelte: Ihre Antworten blieben meist trotzig, knapp, ausweichend – oder sie blieben aus. Auf uns Beobachter wirkte sie, als kämpfe sie um Kopf und Kragen.

 

Im Falle der mit 316'000 Franken betroffenen Kirchgemeinde stellte sie deren Präsidentin als Mitwisserin hin: Sie habe gebilligt und sei damit Teil des Plans gewesen, dass dem "Nashville" ein geheimes "stilles Darlehen" gewährt werde. Anhand gefälschter Protokolle Geldtransfer-Belegen wollte sie ihre Chefin in ihren eigenen Schlamassel hineinziehen, ohne dafür stichhaltige Beweise vorlegen zu können.

"Eine Moral-Predigt zum christlichen
Verhalten hätte nicht geschadet."

Im Falle der CVP Baselland (geplant: "Die Mitte") benutzte sie gefälschte Lieferanten-Rechnungen, um sich persönlich einstweilen unbemerkt an der Parteikasse zu bedienen. Niemand im Gerichtssaal nahm ihr die groteske Behauptung ab, sie sei Opfer von Hackern geworden, die über ihren Computer den unrechtmässigen Zahlungsverkehr und die Überweisung der veruntreuten Gelder ausgerechnet an das "Nashville" inszeniert haben sollen.

 

Da war aber auch Gerichtspräsidentin Irene Laeuchli, die sowohl in der Hauptverhandlung wie in der Urteilsbegründung geringen Elan an den Tag legte. Wie gleichgültig und beinahe lustlos sie sich von der Angeklagten mit billigen – aber rechtlich zulässigen – Ausflüchten abspeisen liess, war schon bemerkenswert. Da gibt es Gerichtsvorsitzende, die nachhaken, Widersprüche aufdecken und der Sache auf die Spur kommen wollen.

 

Auch die Urteilsbegründung vermochte in der Form nicht zu überzeugen. Auch wenn die Angeklagte sich krankschreiben liess und nicht vor den Schranken erschien, hätte die Möglichkeit bestanden, ihr fernmündlich einige markante Sätze christlichen Verhaltens – von mir aus eine Moral-Predigt – ins Stammbuch zu schreiben. Wer denn sonst als ein Gericht kann sich berufen fühlen, einer in zwei christlichen Institutionen tätigen Kaderfrau jene ethischen Verhaltensgrundsätze in Erinnerung zu rufen, die sie sträflich missachtet hat.

 

Richterin Laeuchli liess es bei minimaler Kritik bewenden, wobei die 0815-Feststellung, die Beschuldigte habe das Vertrauen ihrer Vorgesetzten "rücksichtslos ausgenützt", noch zu den schärfsten gehörte.

 

Schwer verständlich ist auch, dass das Gericht den Tatbestand der falschen Anschuldigung – gegenüber der Kirchgemeinde-Präsidentin – fallen liess, obschon die "Nashville"-Financière auch am ersten Prozesstag diese Anschuldigungen mehrfach erhob.

 

Das "sehr milde Urteil" (so der Staatsanwalt) einer bedingten Gefängnisstrafe dürfte von der Angeschuldigten wie die Zielquittung bedeuten, dass sich ihr Verhalten im Gerichtssaal in Form eines markant unter dem Antrag des Staatsanwalts liegenden Strafmasses gelohnt hat. Die nicht vorbestrafte Ex-Kassiererin soll nicht wenigstens einen Teil ihrer Strafe absitzen müssen. Die Rückzahlung der veruntreuten Beträge (sie spricht von "Darlehen") nahm das Gericht zum Anlass, die Strafe sehr deutlich zu entschärfen.

 

Obschon von Reue oder Einsicht keine Spur festzustellen war, sprach die Richterin von einer "guten Prognose". Man hätte gern erfahren, wie sie zu dieser Einschätzung kam. Uneinsicht kann es nicht gewesen sein.

Bericht zum Urteil: 20 Monate für Grellinger Kirchen-Kassiererin

Mehr über den Autor erfahren

26. Mai 2021
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Peter Knechtli, ist Chefredaktor und Gründer von OnlineReports.ch.

peterknechtli@onlinereports.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/echo.gif

"Mehr Engagement und Empathie"

Es ist zu begrüssen, dass der Chefredaktor auch die dritte Gewalt in unserem Staat unter die Lupe nimmt. Wie schon öfters kann ich die Urteile der Strafrichterin Irene Laeuchli – und ihres Kollegiums – nicht nachvollziehen. Der Staatsanwalt spricht zurückhaltend von einem sehr milden Urteil; der Chef von OnlineReports erwähnt die Lustlosigkeit der Verhandlungsführung. Die Geschädigten respektive die Opfer erwarten zu Recht von einem Strafgericht mehr Engagement und Empathie.


Werner Strüby, Reinach


www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

Theater Basel

"Un sentiment de vie"
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gehort.gif
"Häxegässli"

Regionaljournal
von Radio SRF
am 5. Oktober 2021
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gehort.gif

Klingt nacht Altstadt. Wir wussten offen gestanden auch nicht, dass es ein "Hexenweglein" gibt.

RückSpiegel


20 Minuten nahm die OnlineReports-Geschichte über einen FCB-Hooligan und vor Appellationsgericht erfolglosen DNA-Verweigerer auf.

Die BZ Basel, Telebasel, Bajour und Prime News nahmen zum Rücktritt des Basler Nationalrats Christoph Eymann Bezug auf ein OnlineReports-Interview.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über die Polizei-Kontrolle von Rechtsextremen in Bubendorf nach.

Telebasel nahm den OnlineReports-Primeur über die Sichtung einer Waschbären-Familie in Gelterkinden auf.

20 Minuten nahm die OnlineReports-Meldung über die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen den Basler Grossrat Eric W. auf.

20 Minuten, Telebasel und die BZ Basel nahmen die OnlineReports-News über die Durchführung der Basler Herbstmesse auf. Die Basler Zeitung kam einen Tag später und unterliess die Quellennennung.

Bajour nahm im Artikel über die Basler Nano-Forschung auf eine OnlineReports-Meldung Bezug.

Im Beitrag von Prime News über die "zunehmende Missachtung der Aufgabentrennung zwischen Staat und Medien" wird OnlineReports zitiert.

Telebasel und die BZ Basel nahmen die OnlineReports-News über den Grund des Tramunglücks vom Oktober 2019 auf.

Die OnlineReports-Erstmeldung über die zweite Beschwerde von ex ASE-Präsident Simon Müller vor Bundesgericht wurde von der BZ Basel aufgenommen.

Die Medienwoche nahm den OnlineReports-Leitartikel über die Förderung von Onlinemedien ohne Subventionen in ihr Monitoring auf.

Telebasel, 20 Minuten und Primenews nahmen die OnlineReports-Exklusivmeldung über den Ausnahmezustand im überfüllten Gartenbad St. Jakob auf.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Die grünliberale Fraktion wählt Grossrat Bülent Pekerman ins Büro des Basler Grossen Rates und nominiert ihn damit im kommenden Jahr für das Amt des Statthalters und im 2023 zum ersten Grossratspräsidenten der GLP.

Das Basler Silvester-Feuerwerk kann auch dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden.

Die frühere Baselbieter SP-Landrätin und Landrats-Präsidentin Heidy Strub ist am 21. September im Alter von 83 Jahren gestorben.

Die Birsfelder EVP-Landrätin Sara Fritz tritt nach zwölf Jahren zurück, um ihren Muttenzer Parteikollegen Thomas Buser nachrücken zu lassen.

Der Kanton Basel-Stadt budgetiert für das Jahr 2022 einen Überschuss von 78 Millionen Franken.

Ab dem 1. Oktober übernimmt Jonathan Koellreuter die Leitung des Portfolio-Managements bei Immobilien Basel-Stadt (IBS).

Raffael Kubalek wird per 1. Oktober neuer stellvertretender Generalsekretär in der Baselbieter Sicherheitsdirektion und Nachfolger von Katrin Bartels, die Gemeindeverwalterin von Arlesheim wird.

Laut Beschluss der Mitgliederversammlung stehen Patricia von Falkenstein als Präsidentin und Michael Hug als Vize "für (mindestens) vier weitere Jahre" (so die offizielle Medienmitteilung) der Basler LDP vor.

Der 52-jährige Museumsfachmann Werner Hanak übernimmt auf 15. Oktober 2021 die stellvertretende Leitung der Abteilung Kultur Basel-Stadt.

Die Basler Regierung beantragt für die Weiterführung der kantonalen Entwicklungs-Zusammenarbeit für die Jahre 2022 bis 2025 Ausgaben in der Höhe von acht Millionen Franken.

Im Baselbiet sinkt der Leerwohnungsbestand auf 1 Prozent, was einem noch tieferen Wert entspricht, der derzeit in Basel-Stadt gilt.

Die Baselbieter Juso haben am 16. August über 2’100 Unterschriften für ihre Initiative "ÖV für alle" eingereicht, die das U-Abo für alle im Kanton wohnhaften Personen gebührenfrei machen will.

Die imposante Kanada-Pappel auf dem Basler Wiesendamm steht nicht mehr stabil und ihr Stammfuss ist teilweise faul, weshalb sie am 16. August gefällt und durch einen Jungbaum ersetzt wird.

Der 30-jährige Rechtsverteidiger Michael Lang wechselt per sofort von Borussia Mönchengladbach zurück zum FC Basel.

Barbara Rentsch wird neue Geschäftsleiterin der staatlichen Liegenschafts-Verwaltung Immobilien Basel-Stadt (IBS) und Nachfolgerin von Rolf Borner, der das Finanzdepartement per Ende Juli verlassen wird.

Christoph Gloor wird per 1. Juli neuer Präsident der Stiftung des Kunstmuseums Basel als Nachfolger von Markus Altwegg.

Sämtliche Nacht-S-Bahnen, Nachttrams und Nachtbusse des TNW-Nachtnetzes verkehren ab dem ersten Wochenende im Juli wieder gemäss Fahrplan.

Hptm Pascal Geiger wird per 1. Juli 2021 die Leitung der Sicherheitspolizei Ost von Hptm Armin Reichenstein übernehmen, der intern in die Verkehrspolizei wechselt.

Das Basler Gesundheitsdepartement hebt die befristete Verfügung "Allgemeine Maskentragpflicht und Konsumationsverbot von Speisen und Getränken auf Allmend in der Steinenvorstadt" per Samstag, 26. Juni, auf.

Corinne Hügli wird per 1. Oktober neue Leiterin des Statistischen Amts Baselland und Nachfolgerin von Johann Christoffel, der Ende September in den Ruhestand tritt.

Als Nachfolger von Felix Keller übernimmt am 1. Juli Simon Oberbeck das Präsidium der Baselbieter CVP/GLP-Fraktion.

Der diplomierte Ingenieur Florian Kaufmann wird per 1. September im Baselbieter Amt für Raumplanung die Leitung der Abteilung Öffentlicher Verkehr übernehmen (Nachfolge von Eva Juhasz).