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![]() Ökologisch handeln ist vernünftiges HandelnNachhaltigkeit ist ein Begriff, dessen Bedeutung sich im Lauf der Zeit oft gewandelt hat. Der deutsche Publizist Ulrich Grober hat in seinem Buch "Die Entdeckung der Nachhaltigkeit" (Kunstmann Verlag) diese Geschichte aufgearbeitet und gezeigt, dass bei allen Bedeutungsverschiebungen ein zentraler Gedanke immer gleich geblieben ist: Nachhaltig handeln ist vernünftiges und als solches auch ökonomisches Handeln. "Im Umgang mit der Natur haben Auch in Deutschland kam dem Wald lange vor der Romantik eine grosse Bedeutung zu. 1713 meinte der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz, wir würden uns nicht mehr im Garten Eden aufhalten und müssten der "vegetation der Erde zu Hülffe kommen". Das hiess für ihn: "haushälterischer Waldbau" und "nachhaltende Nutzung". Bei Carlowitz taucht das Wort Nachhaltigkeit zum ersten Mal in seiner heutigen Bedeutung auf. Weitere sprachliche Exkurse führen Grober durch die Sprach- und Begriffsgeschichte, zum Beispiel, wie Goethe den Ausdruck "Umgebung" vom dänischen Schriftsteller Jens Baggesen übernahm. In der englischen Übersetzung von Goethes Werk durch Thomas Carlisle ging er als "environment" in den allgemeinen Sprachgebrauch ein. Wenn man die vielen Nebengeschichten dieser Art im Buch verfolgt, entdeckt man bald, dass dem Nachhaltigkeitsbegriff eine eigenständige Kulturgeschichte zu Grunde liegt. Sie macht den anregendsten Teil von Grobers Abhandlung aus. Auch auf spätere Neuinterpretationen des Begriffs geht der Autor ein. 1865 verteidigte der deutsche Forstwissenschafter und Ökonom Max Robert Pressler in seiner "Bodenertragslehre" die höchstmögliche Verzinsung des im Wald investierten Kapitals. Auch beim Berner Kantonsforstmeister Karl Kasthofer kommt ein wirtschaftsliberaler Übergang von der nachhaltigen Nutzung zum monetären Ertrag des Waldes vor. Die Überlegung dabei ist, dass durch Wachstum und Rendite Nachhaltigkeit finanziert werden könne – eine in hohem Mass fragwürdige Behauptung. An diesem Punkt setzt eine Inflation der Nachhaltigkeits-Interpretation ein. Berichte zum Thema werden verfasst (Brandt, Brundtland), Konferenzen (Rio) abgehalten. Der unangenehme Eindruck entsteht, dass dabei nicht viel herauskommt. Bücher und Artikel, die moralisch ein Umdenken fordern, sind selten erfolgreich. Wenn Grober gelegentlich vom "Allerhöchsten" spricht und in einem krypto-religiösen Ton verfällt, verlässt er seine sonst klar eingehaltene Argumentationslinie. Zu oft wird die Welt idealisiert. Die Natur erst recht. In ihr und im Umgang mit ihr haben Religion oder Moral aber nichts zu suchen, stellte der britische Philosoph Bertrand Russell fest. Die Natur kann ebenso selbstzerstörerisch vorgehen (Tsunamis, Vulkane, Dürren) wie dem Raubbau durch den Menschen ausgesetzt sein – zuletzt jedoch gelangt sie immer an ihr Ziel (Lothar Schäfer, "Das Bacon-Projekt"). Sie ist ein opportunistischer Organismus. Ein Gleichgewicht kennt sie nicht. Erst wenn wir eingesehen haben, dass wir keine Erklärung für das Universum, in dem wir leben, zur Verfügung haben; erst wenn wir begriffen haben, dass die Natur nicht auf den Menschen angewiesen ist; erst wenn wir sie als unbegreifliche Gegebenheit akzeptiert haben – erst dann ist der Moment gekommen, wo wir in Freiheit entscheiden können, was wir tun wollen, zum Beispiel einen klugen Gebrauch von den Mitteln zu machen, die wir antreffen, also in einem erweiterten Sinn uns für eine überlegte Lebensführung zu entscheiden. Wir können destruktiv sein, aber wir können auch eine andere Wahl treffen und versuchen, dem fragilen und prekären Leben einen Sinn zu geben, der per definitionem unmöglich in Zerstörung bestehen kann. Diese Voraussetzung machen es möglich, Grobers Buch mit einem ganz anderen Verständnis zu lesen. Seine nirgends direkt ausgesprochene, aber tiefe Botschaft ist es, dass der Mensch bewusst und gut leben und haushälterisch klug handeln kann. Was, wie gesagt, das Gleiche ist. 22. April 2013
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