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© Fotos by Ingo Höhn
Göttervater Wotan verbannt seine ungehorsame Tochter Brünnhilde.

Oper "Walküre" am Theater Basel: Statt des Felsens brennt die Götterburg

Im zweiten Teil des Wagner-"Rings" will das Regiekonzept von Benedikt von Peter nicht ganz aufgehen.


Von Sigfried Schibli


Wer die Premiere der Oper "Das Rheingold" am Theater Basel vor einer Woche besucht hat, wird sich über nichts mehr wundern. Dort waren auf der Bühne Figuren anzutreffen, die in diesem ersten Teil der "Tetralogie" gar nicht vorgesehen oder die, wie ein Kritiker spitz anmerkte, noch gar nicht auf der Welt sind. Diese Verschränkung der Zeitebenen ging in der "Walküre" munter weiter.

So tritt Held Siegfried eigentlich erst im dritten Teil des "Rings des Nibelungen" in Erscheinung. Anders auf der Basler Bühne, wo schon im ersten und im zweiten Teil dieses monumentalen Opern-Vierteilers ein Jung-Siegfried mit Spielzeugschwert herumfuchtelt.

Regisseur Benedikt von Peter und Co-Regisseurin Caterina Cianfarini erzählen die Geschichte der Rheintöchter, Zwerge, Götter und Helden eben nicht linear, so wie man Kindern eine Geschichte erzählt. Sie erzählen sie aus der Perspektive der Nachgeborenen, vor allem der Brünnhilde, der Tochter von Wotan und Erda und einer der neun Walküren.

Und das führt zu seltsamen Konstellationen, etwa wenn Siegmund und Sieglinde, das Geschwisterpaar, zur schönsten Wagner-Arie ein Kind zeugen ("Winterstürme wichen dem Wonnemond"), das aber – o Wunder – gleichzeitig schon seinen fünften Geburtstag feiert. Am Ende wird es vom Zwerg Mime weggetragen, um im "Siegfried", dem dritten Teil, weiterzuspielen.

"Man muss die Handlung schon ziemlich gut kennen, um da noch mitzuhalten!"

Ebenfalls erklärungsbedürftig ist die Schlussszene. Göttervater Wotan hat seine ungehorsame Tochter Brünnhilde verbannt und auf einem von Flammen umschlossenen Felsen in tiefen Schlaf versenkt. Die Basler Aufführung der "Walküre" spielt aber im selben Bühnenbild wie "Das Rheingold", und da ist nun einmal kein Felsen vorgesehen. Daher wird flugs die Götterburg Walhall umfunktioniert und von harmlosen Gasflämmchen beleuchtet.

Sollten wir damit etwa schon auf die "Götterdämmerung" eingestellt werden? Man muss die Handlung schon ziemlich gut kennen, um da noch mitzuhalten!

"Die Walküre" ist ein langes Stück voller Zwiegespräche von Sieglinde und Siegmund und von Wotan und Brünnhilde. In scharfem Kontrast zu diesen lyrischen, textlastigen Passagen stehen Kampfszenen und die martialischen Schreie der Walküren. Diese Pistolen schwingenden Furien kommen in der Basler Aufführung besonders gut zur Geltung, da das (gegen Ende leicht nachlassende) Orchester unter einem Deckel spielt und daher gedämpft klingt – ein Gewinn für die Textverständlichkeit.

"Die beiden Rotschöpfe sind ein klarer Gewinn für die Basler Besetzung."

Vom hervorragenden Tenor Ric Furman, der den Siegmund darstellt, versteht man buchstäblich jedes Wort. Auch seine Partnerin Theresa Kronthaler (Sieglinde) singt nach anfänglicher Nervosität klangschön und deutlich artikulierend. Die beiden Rotschöpfe sind ein klarer Gewinn für die Basler Besetzung.

Gespannt konnte man auf die titelgebende Brünnhilde von Trine Møller sein. Die Dänin hat eine leicht flatternde, aber sicher und diszipliniert geführte, nicht sehr grosse Stimme, die den Raum mühelos füllt.

 

Siegmund und Sieglinde.

 

Über den Wotan von Nathan Berg werden sich Stimmenkenner wohl nie einig werden. Die strafende Seite dieses herb klingenden Göttervaters ist bei ihm gut aufgehoben, seine liebenden Züge bleiben deutlich unterbelichtet. Weniger eine Frage der künstlerischen Gestaltung als des Stimmcharakters und der Technik.

Das Premierenpublikum liess sich nach gut viereinhalb Wagner-Stunden zu rhythmischem Klatschen hinreissen und spendete dem Regisseur und Theaterdirektor ebenso wie den Sängerinnen und Sängern reichlich Applaus.

Das unsichtbare Sinfonieorchester Basel und der Dirigent Jonathan Nott konnten wenig von diesem Beifall profitieren, auch wenn sie einen wesentlichen Anteil am musikalischen Gelingen des Abends hatten.

17. September 2023

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"Anwätltin"

Schweizer Fernsehen
Text auf einem Standbild
der Verteidigerin
des Fussballers Dani Alves
am 22. Februar 2024
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