Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

<< [ 1 | (...) | 91 | 92 | 93 | 94 | 95 | 96 | 97 | 98 | 99 | 100 | (...) | 160 ] >>

Theater Basel, Kleine Bühne
Uraufführung

"I hired Tristan und Isolde"
Eine europäische Saga

Regie: Astrid Meyerfeldt
Dramaturgie: Martina Grohmann
Bühne: Philipp Berweger
Video: Vivianne Andereggen
Musik und Sounddesign: Malte Preuss
Kostüme: Kathi Maurer

Mit Martin Butzke, Nicole Coulibaly, Hanna Eichel, Benjamin Kempf, Florian Müller-Morungen, Malte Preuss, Jan Viethen


Ein Panoptikum der Liebes- und Lebensirrungen

Wenigstens darüber besteht kein Zweifel: Dieser "Tristan" hat seinen Sitz im Kopf. In dem von Marke beispielsweise. Der unglückliche König sitzt in schlichtem Schwarz als Erzähler neben der Bühne. Mit freudlosem Mund richtet er sich via Projektion in Übergrösse frontal ans Publikum. Wie sein Ziehsohn Tristan und seine Braut Isolde ihn betrügen, wird er uns erzählen. Nicht nur im Leben betrügen, sondern auch im gemeinsamen Liebestod, was ihn beinahe härter trifft: "Ich weiss kein passendes Ende für mich", schliesst er am Ende tonlos während Richard Wagners Opernfinale verebbt, diese grausame hymnische Sehnsuchts-Ausuferung eines übermenschlichen Liebesbegriffs, von dem er als Betrogener ausgeschlossen blieb.

Im Kopf aber auch der Macherinnen: Der Schauspielerin Astrid Meyerfeldt, die hier als Regisseurin debütierte und der Dramaturgin Martina Grohmann, denen es nicht genügte, Gottfried von Strassburgs ins Neudeutsche übersetzten Versroman (um 1210) nachzuspielen. Der Stoff ist Dramatik pur: Schuld, Rache, Schwüre, Liebesverrat, Mordkomplotte, Zaubertrank, Mondnächte.

Aber Meyerfeldt/Grohmann entschieden sich für einen "Tristan" als komplex ausgestaltetes Panoptikum der Liebes- und Lebensirrungen. Und das soll zunächst mal die Köpfe im Publikum fordern. Harte Schnitte spicken einen unvermittelt vom Mittelalter in die Jetztzeit, vom einen theoretischen Monolog ins nächste Gedicht und wieder retour in die Handlung, die von der Version Wagners und Strassburgs hin- und herzappt. Allzubald sieht man sich gleich in mehrere Diskurse verstrickt über Tod und Selbstaufgabe, mythische Liebe und profane Triebe, göttergleiche Schicksalsmacht und moderne Lebensgestaltung.

Nur Sekunden bleiben uns, um über einen Satz wie "Die Liebe ist eine biopolitische Aktion" nachzudenken. Der Tristan sei ein "moderner Mensch", tönt Martin Butzke als Tristan. Oder monologisiert er gerade als Maler Oskar Kokoschka? Es ist jedenfalls viel - und es wird noch viel mehr.

Der Kopf ist auch das erste Körperteil von Belang am Abend: Henri Boulanger steckt ihn sich durch die Schlinge. Henri Boulanger? Richtig, der Antiheld aus Aki Kaurismäkis Verlierer-Film "I hired a contract killer" (1990). Ja, auch diese Erzählebene kommt noch dazu: Wie als modernes Echo der mythischen Helden treten die modernen Gesellschaftsaussenseiter Henri und Margaret auf. Was hat das alles miteinander zu tun?

Gewiss, Henris wiederholte Aussage "Ich trinke nicht" sei hier wohl Verweis auf den Liebestrunk, der Tristan und Isolde erst in den verhängnisvollen Liebesrausch, in die verbotene Liebe versetzte. Auch klar: Die kargen Aussagen der Modernen sollen den rauschhaften Überschwang der Wagner-Charaktere auf den Realitätsbezug abklopfen. Und wenn Kokoschka eine menschengrosse Frauenpuppe (Alma Mahler?) liebkost, dann soll das wohl heissen: Bei Tristan und Isolde geht es nicht nur um liebende Zuwendung zu einem Du, sondern um Ego-Trip.

Allein, statt einem dramatischen Bühnenakt ist der Abend eine kopfige Assoziations-Orgie ohne erkennbares Zentrum. Die Befragung des Tristan-Stoffs führt nicht in die Tiefe zum Hauptsatz, sondern zu mehr Nebensätzen, mehr Nebenschauplätzen. Die Aufführung bleibt so unklar wie ihr Titel: "Ich heuerte Tristan und Isolde an". Was soll uns das erzählen?

So hält man sich im Publikum ans Konkrete, an einzelne Szenen. Und diese hat Regisseurin Meyerfeldt, die sich auch in Basel als eine technisch versierte Schauspielerin gezeigt hatte, für hiesige Verhältnisse schauspielerisch aussergewöhnlich genau angeleitet. Beispiele: Wenn Müller-Morungen als Marke betrunken seine Bitterkeit über den Betrug in die Tafelgesellschaft schleudert, so kann man hier eine leidende Kreatur erleben - und einen Schauspieler, der sich im Sturm der Emotion das Heft nie aus der Hand nehmen lässt. Kaum je hat man Hanna Eichel als Isolde mit einer derart zupackenden Sprachgestaltung erlebt.

Es muss dazu allerdings auch gesagt sein, dass zwei weitere Probewochen gut getan hätten. Das Ensemble hier ist dynamische und dramatische Spitzen, die klar zu führen sind, nicht gewohnt. Meyerfeldt hat sie verlangt. Das Publikum hat dankbar applaudiert.

20. April 2012
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade. © Foto by OnlineReports.ch

Claude.Buehler@gmx.net

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

Alles mit scharf

Viren- und Wahlkampf
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Claraplatz als neues Gastromagnet"

BZ
Schlagzeile
vom 24. Juli 2020
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Das Maskulin.

RückSpiegel

 

In ihrem Leitartikel über den Zustand des Kantons Basel-Stadt zitierte die BZ aus dem OnlineReports-Interview mit Michael Hug.

Die BZ nahm die OnlineReports-Geschichte über den Abbruch des Hauses an der Basler Rufacherstrasse 73 auf. Die Basler Zeitung verzichtete auf eine Quellennennung.

Die BZ nahm die OnlineReports-Story über eine umstrittene Eichen-Fällung auf.

In ihrer News über das Debakel um die Wahl des Gemeindepräsidenten in Schönenbuch nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung bezog sich in ihrem Artikel über die Kandidatensuche der Basler SVP auf ein Interview in OnlineReports.

In ihrem Beitrag über den Protest gegen das "General Sutter"-Denkmal in Rünenberg nahm die BZ auf OnlineReports Bezug.

Die BZ zog die OnlineReports-News über den Rücktritt von Beat Jans als IWB-Verwaltungsrat nach.

Auch das Regionaljournal zog die OnlineReports-Geschichte über Probleme in den Familiengärten nach, verzichtete aber vornehm auf eine Quellenangabe.

Die BZ nahm die OnlineReports-Recherche über die erneute Schliessung der Familiengärten an der Landesgrenze auf.

Die BZ nahm die OnlineReports-Nachricht über die Berufung des Staatsanwalts im Fall der FCZ-Schlägerei im Lehenmattquartier auf.

Das Regionaljournal griff die OnlineReports-Geschichte über Kurzarbeit bei BaZ und BZ auf.

Die BZ nahm die OnlineReports-Nachricht über die Stadtpräsidenten-Ambition von Kantonsspital-CEO Jürg Aebi auf.

Die Volksstimme nahm die OnlineReports-Story über den anstehenden Gerichtsfall zum Rothenflüher Blechpolizisten-Sprenger auf.

In ihrem Basler Medien-Epos nahm die Medienwoche auch auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung, Prime News und die BZ berichteten unter Berufung auf OnlineReports über Adrian Plachesis Abgang bei Telebasel.

In ihren Bericht über den Abbruch des einstigen Kutscherhauses an der Rufacherstrasse in Basel bezogen sich 20 Minuten und die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm auf die OnlineReports-Recherche zum Konkurs der "Gallenacher"-Schule Bezog.

Die BZ nahm die OnlineReports-Meldung über die Beton-Elemente auf dem Basler Centralbahnplatz auf.

Die OnlineReports-News über die technische Panne bei Swisslos wurde von der BZ aufgenommen.

In ihrem Bericht über die Bereitschaft zur Regierungskandidatur von Beatriz Greuter zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Die BZ online bezog sich in ihrem Bericht über den Tod des Baselbieter Lehrerverbands-Geschäftsführers Michael Weiss auf OnlineReports.

Die Volksstimme zitierte in ihrem Bericht über den Konkurs von "Die Medienmacher" aus OnlineReports.

Telebasel bezog sich im Bericht über den Widerstand gegen die Basler IBA-Rheinterrassen auf einen Bericht von OnlineReports.

Die Basler Zeitung nimmt in ihrem Bericht über den Neujahrs-Empfang der Handelskammer beider Basel auf OnlineReports Bezug.

Die BZ schrieb in derselben Ausgabe zwei OnlineReports-Meldungen ab, ohne die Quelle zu deklarieren. Wiederholungstat!

In ihrem Bericht über Verkehrsprobleme am Aeschenplatz zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des ersten Baselbieter Kantonsgerichtspräsidenten Peter Meier wurde von der BZ, Telebasel, der Basler Zeitung und vom SRF-Regionaljournal nachgezogen.

Telebasel, die BZ und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die technisch bedingte Umkehr einer "Austrian Airlines"-Maschine nach Wien auf

Die Basler Zeitung und die BZ nahmen die OnlineReports-Nachricht zum Tod des Konjunkturforschers Christoph Koellreuter auf.

20 minuten online, Blick, nau.ch, das SRF-Regionaljournal und Telebasel nahmen den OnlineReports-Primeur über den Unfalltod des Basler Umweltschützers Martin Vosseler auf.

nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz

 

Der Kanton Basel-Stadt unterstützt über den Pendlerfonds das Veloverleihsystem Basel mit 2,15 Millionen Franken.

Wegen der Corona-Situation haben der Gewerbeverband und das Erziehungsdepartement entschieden, die 8. Basler Berufs- und Weiterbildungsmesse  vom 15. bis 17. Oktober nicht durchzuführen.

Auf der A2 bei Birsfelden wurde in der Nacht des 3. August ein in der Region wohnhafter Italiener als Raser erwischt, der bei erlaubten 80 mit 140 Stundenkilometern in Richtung Bern/Luzern unterwegs war.

Der Kanton Basel-Stadt, die IWB und Pro Innerstadt Basel gaben heute den offiziellen Startschuss für die Erneuerung der Freien Strasse und der angrenzenden Gassen.

Weil bei Bauarbeiten am Hochbergerplatz ein Stromkabel durchtrennt wurde, kam es am 30. Juli kurz vor 7.30 Uhr in Teilen von Kleinhüningen zu einem Stromunterbruch.

Die Friedhöfe Basel schreiben die Dienstleistungen für die Einsargung und die Überführung von Verstorbenen im Rahmen der unentgeltlichen Bestattung neu aus.

Die Universität Basel hat entschieden, ihren Dies academicus auf Grund der Corona-Pandemie nicht durchzuführen.

Die Baselbieter Corona-Abklärungs- und Teststation befindet sich neuerdings im Spenglerpark in Münchenstein.

Daniela Martin wird neue Geschäftsführerin der Basel Sinfonietta.

Am 8. Juli wurde im Basler Rathaus die Initiative für echten Wohnschutz und das Referendum gegen das "mieterfeindliche Nichtwohnschutzgesetz" eingereicht.

Mit über 4'000 Unterschriften ist in Basel-Stadt das Referendum gegen den umstrittenen Bau des Hafenbeckens 3 zustande gekommen, so dass es am 29. November zur Volksabstimmung kommt.

2. Juli: Einreichung der Initiative "Basel baut Zukunft", die 50 Prozent gemeinnützigen Wohn- und Gewerberaum auf Transformations-Arealen verlangt.

Niggi Rechsteiner übernimmt die Geschäftsführung der Basler "Stiftung Sucht" und folgt damit auf Francesco Castelli, der die Stiftung während neun Jahren geführt hat.

Jeanne Locher, seit 2016 Vizepräsidentin des Gemeinderates, ist mit 1'276 Stimmen neue Gemeindepräsidentin von Münchenstein, während Herausforderer Daniel Altermatt (GLP) auf 906 Stimmen kam.

Eveline Sprecher (SP) wurde in Aesch mit 1'087 Stimmen zur Gemeindepräsidentin gewählt, wobei FDP-Gemeinderat Stephan Hohl 726 Stimmen und Andreas Spindler (SVP) 305 stimmen erzielte.

In Allschwil setzte sich FDP-Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli mit 2'989 Stimmen klar gegen Gemeinderat Christoph Morat (SP) durch, der 1'696 Stimmen erzielte.

Mike Keller (FDP) bleibt mit 2'162 Stimmen Binninger Gemeindepräsident; seine grüne Herausforderin, Landrätin Rahel Bänziger Keel, kam auf 1'140 Stimmen.

"Teufelhof"-Chef Raphael Wyniger wird neuer Präsident des Basler Hotelier-Vereins und Nachfolger von Felix W. Hauser, der dieses Amt seit 2014 ausübte.

Der Baselbieter FDP-Landrat Heinz Lerf wurde heute Donnerstag, 25. Juni, mit 76 von 81 gültigen Stimmen zum Landratspräsidenten für das Amtsjahr 2020/2021 gewählt.

Die BLT und die AAGL nehmen ab Montag, 29. Juni, den Ticketverkauf durch das Fahrpersonal auf ihrem Liniennetz wieder auf.

Mit Carmen Kolp übernimmt zum 1. Juli erstmals eine Frau die Geschäftsführung der IG Kleinbasel (IGK), als Nachfolger von Benny Zeuggin.

An seiner Sitzung vom 22. Juni wählte der Vorstand der CVP Basel-Stadt Marco Natoli zum neuen Vizepräsidenten.

Nachdem die Baselbieter Polizei ihren Postenbetrieb aufgrund der Corona-Pandemie vorübergehend an einigen zentralen Standorten konzentriert hat, wird sie per 29. Juni alle Polizeiposten wieder öffnen.

OnlineReports-Kolumnistin Andrea Strahm wurde per brieflicher Wahl einstimmig als neue Präsidentin der CVP-Sektion Grossbasel-West gewählt.

Ein Baselbieter Automobilist fuhr mit seinem Mercedes auf einer 80 km/h-Strecke bei Schöftland AG mit 131 km/h in eine Tempokontrolle der Aargauer Kantonspolizei.

Die Gemeinde Gelterkinden ist mit 3'824 Franken pro Kopf (6'300 Einwohnende) verschuldet.