Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

<< [ 1 | (...) | 91 | 92 | 93 | 94 | 95 | 96 | 97 | 98 | 99 | 100 | (...) | 161 ] >>

Theater Basel, Dreispitzareal Tor 13
Uraufführung

"Utopia – vom besten Zustand"

Szenische Installation mit Texten von Thomas Morus 1516 bis Beatrice Fleischlin 2012

Eine Kooperation mit der Christoph Merian Stiftung und dem Stück Labor Basel

Regie: Florentine Klepper
Bühne und Projektionen: Bastian Trieb
Musik: Olivier Truan
Kostüme: Eva Butzkies
Mit Andrea Bettini, Urs Bihler, Thomas Douglas, Lorenz Nufer, Carolin Schär, Jörg Schröder, Anne Weinknecht
Jugendliche: Julie Burkardt, Birkan Cam, Melinda Karpati, Sophie Lardon, Ronja Römmelt, Ismaël Schmid


Spinnen essen auf dem Dreispitz

Drollige Titel dominieren derzeit den Spielplan. Letzte Woche: "Das Mansion am Südpol. Eine Immobilie." Nun folgte "Utopia – vom besten Zustand". Auf den Titelspitzenreiter müssen wir uns noch gedulden bis Juni: "Triptychon eines seltsamen Gefühls".

Auf das seltsame Gefühl aber muss das Basler Publikum nicht mehr warten. Das hatten wir heute Abend, im kalten Zollfreilager auf dem Dreispitz (Theater auf Aussenstation: siehe weiter unten).

Beginnen wir hinten, beim letzten Teil, die einzige klar durchgeführte Szene des Abends: Schauspieler Andrea Bettini in Kochschürze, das ist ein stimmiges Bild. Vor Töpfen und Tellerhauben performte er eine kleine Kochshow. Wir erfuhren: Bettini kauft aus Prinzip saisongerechtes, regionales Gemüse, und das Fleisch bei Metzger Pippo in der Elsässerstrasse. Er warf ein Hohrückensteak in die Pfanne.

Aber da der Fleischgenuss eine Umweltsünde sei, so fuhr er fort, rate die Welternährungsbehörde (als notwendige Utopie) zum Wechsel auf ... Insekten. Bettinis Zeigefinger: "Hochwertige Proteine." Zwar schaffte er es nicht, einem Skorpion den Panzer zu durchbeissen. Aber er hat eine Lösung gefunden: Den Mörser. "Pulverisierte Maden sind keine Maden mehr", rief er ins Publikum. Damit schickte er junge Damen mit Amuse Gueules ins Publikum: Spinnen-Crostini! Bettinis sympathische Show ist beim privaten Abendessen witzig, als Theaterszene jedoch nicht nahrhaft.

Die zwei Stunden davor aber bleiben kryptisch. Da wurde das Publikum im mittleren Teil angetrieben – wie im Gefängnishof – in einer dunklen Halle Runden zu drehen, an deren Wänden Baumlandschaften projiziert waren. Vogelgezwitscher und Synthesizergewabber erfüllten den Raum. Ging es da um eine Art Bio-Diktatur? Mittendrin vollzogen Schauspieler seltsame Bewegungen: Tanz oder gruppendynamisches Workshop-Rangeln? Dazu trugen sie rotes Wollkostüm, das ihre Körper derart verformte, als wären sie genmanipulierte Wesen aus einem Star Trek-Film.

"Trekkies" hielten auch Vorträge. Anne Weinknecht erzählte draussen vor der Halle, dass sie gerne schwimme. Hier draussen hätte sie am liebsten einen See mit einer Insel und einem Hüttchen drauf. "Dann könnten wir alle zusammen grillen und nackt baden." Sollte dies Invidualisierung thematisieren? Endlich sang sie noch ein bisschen. Es war kalt draussen. Der längere Vortrag liess sich von der Errungenschaft der spannenden Rede nicht beeindrucken.

Thomas Douglas, immerhin, gab einen Bericht aus einer glücklicheren Zukunft. Nicht im Mutterbauch sei er herangereift sondern im Container. Er stellte sich mit Bart und Lippenstift als "Inbetween" vor: Mann und Frau in einem, was aber in seinem Zeitalter zu keinerlei Diskriminierung mehr führe. Denn in der Schule lerne man "Anti-Unterwerfung": Jeder lerne seine Rolle abwerfen, um das kreative Potential zum "Glühen" zu bringen. Soweit so gut, warum aber sah Douglas so traurig und wütend aus?

Der Beginn des Abends führte uns zurück in die Bildwelt der achtziger Jahre. Gleissendes weisses Licht erfüllte die unwirtliche Halle. Schwarzhemden wie aus dem Film "The Wall" wiesen dem Publikum die Stühle zu. Lautes Stimmengewirr aus dem Lautsprecher plättete die Stimmung. Irgendwann bestiegen die Schwarzhemden eine meterhohe Bühne, um von weit oben herab weltanschauliche oder gesellschaftsutopische Theoriesätze von Platon oder Charles Fourier zu deklamieren. Es wird aber nicht klar, warum wer wann was sagt. Und was jeweils damit ausgedrückt werden soll. Eine junge Frau sprach dann auch noch von ihren 85D-Brüsten, ihrer Angelina Jolie-Nase und ihren Plattfüssen. Die Kurzvorträge enthüllten vor allem die unterschiedlichen darstellerischen Fähigkeiten. Zwei, drei der jugendlichen Darsteller hatte man hier zu schutzlos gelassen.

Ratlos liess einen auch der Auftritt eines Sessellifts zurück: Drei um ein Käsebrot zankende Leute vor einer Bergprojektion. Lorenz Nufer spielt einen krankhaft aggressiven Macho, der mit einer Vergewaltigung prahlt, und wie er dem Ehemann der Geschundenen in den Bürotisch pinkelt. Oder will er das alles nur tun? Wozu? Ich habe es nicht verstanden.

Der Utopie-Abend an diesem Ort war von der Christoph Merian Stiftung unterstützt. Wir zitieren von der CMS-Homepage: "Der Nicht-Ort: Als Industriezone hat der Dreispitz ausgedient. Hier soll als eines der grössten Entwicklungsprojekte der Schweiz ein neues Stadtquartier entstehen. Bevor die Hallen des alten Zollfreilagers abgerissen werden, unterstützt die Christoph Merian Stiftung Zwischennutzungen und lädt das Projekt 'Utopia' ein. Diese Phase zwischen Abbruch und Aufbruch, an der Schnittstelle von Altem und Neuem, in dem Moment, wo noch alles möglich ist, scheint uns der ideale Ort und Zeitpunkt für dieses Utopie-Projekt."

Der Abend zeigte nebst den erwähnten Schwierigkeiten, dass der Begriff Utopie in unseren Tagen düstere Bilder weckt und der positive Mut gelitten hat.

24. März 2012
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade. © Foto by OnlineReports.ch

Claude.Buehler@gmx.net

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Deutscher Milliardär muss 150'0000 Fr. Busse nicht zahlen"

Blick online
Schlagzeile
über eine Verkehrsbusse
vom 2. Juni 2021
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Vielleicht zahlt sie der 150'000'0 Franken-Schlagzeilendrechsler.

RückSpiegel


Prime News nahm im Interview mit dem neuen Telebasel-Chefredaktor Philippe Chappuis Bezug auf einen Kommentar von OnlineReports.

Die OnlineReports-News über das Urteil des Aargauer Obergerichts gegen den früheren ASE-Präsidenten wurde von der Aargauer Zeitung aufgenommen.

20 Minuten nahm in der Nachricht über einen Hacker-Angriff auf die Basler Gewerbeschule auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Report über die Basler LDP nimmt die WochenZeitung (WoZ) Bezug auf ein OnlineReports-Interview mit LDP-Grossrat Michael Hug.

20 Minuten nahm die OnlineReports-Recherche über den Psychoterror in einem Arlesheimer Wohnblock auf.

Die BZ greift in ihrem Artikel "Bikini-Gate im Schrebergarten" einen Artikel von OnlineReports auf.

Den OnlineReports-Bericht über Masken-Sicherheit an Spital-Porten nahm die Konsumenten-Sendung "Espresso" von Radio SRF zum Anlass, das Thema vertieft zu untersuchen.

Blick, Telebasel, 20 Minuten und die BZ nahmen die OnlineReports-News über die Strafanzeigen gegen den ausländerfeindlichen Basler Grossrat E. W. auf.

Die BZ, die zu Recht die Intransparenz der Baselbieter Steuer(ab)rechnungen kritisierte, nahm in ihren Nachzug auf einen bestätigenden OnlineReports-Kommentar Bezug.

Prime News ging in der Kritik an "Weltwoche"-Kolumnist Christoph Mörgeli auf einen satirischen OnlineReports-Text über Lukas Engelberger ein.

Der Tages-Anzeiger bezog sich in einem Artikel über Impf-Privilegien auch auf einen OnlineReports-Artikel über UKBB-CEO Marco Fischer.

Die Basler Zeitung nahm in ihrem Abschiedstext über den Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels in Text und Bild auf OnlineReports Bezug.

Die OnlineReports-Todesnachricht über alt-Landrat Peter H. Müller wurde von der BZ aufgenommen.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über die Schliessung des Zeitungsladens "Press&Books" auf der Basler SBB-Passerelle auf.

Telebasel, das Regionaljournal und die Basler Zeitung nahmen in ihren Nachrufen auf Corina Christen auf OnlineReports Bezug.

Der OnlineReports-Primeur über den Rücktritt das Basler Grünen-Präsidenten Harald Friedl nahmen die BZ, Prime News, das Regionaljournal, die Basler Zeitung und Telebasel auf.

Die Medienwoche berichtete bezüglich einer "Weltwoche"-Falschmeldung über den Basler Regierungsrat Lukas Engelberger darüber, dass Mörgeli die humoristische Gedankenspielerei auf Onlinereports.ch für bare Münze nahm.

In ihrer Presseschau über die Basler Regierungsratswahlen zitierete die BZ ausführlich aus OnlineReports.

Die Basler Zeitung nahm die OnlineReports-News über einen geplatzten Baselbieter Strafprozess auf.

Die Wochenzeitung ging in ihrem Bericht über den Abbau in grossen Schweizer Zeitungsredaktion auch auf "kleinere Player" wie OnlineReports ein.

Die BZ zieht den OnlineReports-Report über den Verzicht auf das Muttenzer Multiplex-Kino der "Kitag AG" nach.

Die OnlineReports-News über die Schliessung eines Tanzlokals in der Basler Innenstadt nahm die BZ auf.

In ihrer Besprechung von Roland Starks Kolumne-Buch "Stark!" nimmt die Volksstimme auf OnlineReports Bezug.

Die BZ kritisierte den designierten Basler SP-Regierungsrat Beat Jans für seinen Twitter-Tweet: "Wieso muss man in unserer Region eigentlich 'Onlinereports' lesen, wenn man sich umfassend informieren, statt belehren lassen will?"

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Als Nachfolger von Felix Keller übernimmt am 1. Juli Simon Oberbeck das Präsidium der Baselbieter CVP/GLP-Fraktion.

Der diplomierte Ingenieur Florian Kaufmann wird per 1. September im Baselbieter Amt für Raumplanung die Leitung der Abteilung Öffentlicher Verkehr übernehmen (Nachfolge von Eva Juhasz).

Laurent Métraux wird per 1. August neuer Leiter der Baselbieter Finanzverwaltung und Nachfolger von Tobias Beljean, der nach drei Jahren eine neue Herausforderung in der Privatwirtschaft angenommen hat.

CEO Roland Heri hat sich entschieden, den FC Basel zu verlassen und sich "umzuorientieren" und sich "neuen Aufgaben zu widmen".

Josiane Tinguely Casserini wird per 1. August neue Baselbieter Kantonsapothekerin und Leiterin der Abteilung Heilmittel im Amt für Gesundheit.

Das Hafenfest Basel 2021, das vom 3. bis 5. September hätte stattfinden sollen, wurde vom Organisationskomitee aus epidemiologischen Gründen abgesagt.

Die Basler Regierung hat die kantonalen Einschränkungen für "Einrichtungen im Sportbereich" aufgehoben, so dass der Sportunterricht und die Nutzung der Garderoben auf Sekundarstufe I und II ab 3. Mai wieder möglich sind.

Marc-André Giger und Guy Lachappelle werden neue Mitglieder des Verwaltungsrats des Universitäts-Kinderspitals beider Basel (UKBB).

Das Landratspräsidentinnen-Fest zu Ehren der Grünliberalen Regula Steinemann muss aus Pandemie-Gründen vom 24. Juni auf den 26. August verschoben werden.

Rolf Borner, Geschäftsleiter Immobilien Basel-Stadt, verlässt das Finanzdepartement nach 16 Jahren per 1. August und wird Direktor "Infrastruktur und Betrieb" und Mitglied der Universitätsleitung der Universität Basel.

Ab 19. April sind die Sportanlagen im Kanton Basel-Stadt gemäss den Vorgaben des Bundes und unter Einhaltung der Schutzmassnahmen wieder zugänglich.

Salome Bessenich wird Nachfolgerin des zurücktretenden Basler SP-Grossrats Sebastian Kölliker, der Co-Generalsekretär des Basler Präsidialdepartements wird.

Der 615. Liestaler Banntag vom 10. Mai ist durch einen Beschluss der vier Rottenchefs aus pandemischen Gründen abgesagt worden.

Innerhalb von zwei Wochen sind über 3’000 Unterschriften gegen die vom Grossen Rat beschlossene Abschaffung der Parkplätze beim Friedhof Hörnli zusammengekommen.

Daniel Urech, Gemeinderat der Freien Wähler Dornach und Kantonsrat der Grünen Solothurn, tritt für das Gemeindepräsidium Dornach an.

Mit einer Geschwindigkeit von 124 km/h statt der erlaubten 60 km/h erwischte die Polizei am 29. März auf der Oristalstrasse in Liestal einen 33-jährigen italienischen PW-Lenker, der in Richtung Büren raste und es jetzt mit der Justiz zu tun bekommt.

Die neugewählten Basler Regierungsmitglieder Esther Keller (GLP) und Kaspar Sutter (SP) wurden zu neuen Verwaltungsratsmitgliedern des EuroAirport ernannt.

Das Referendum gegen eine flächendeckende Parkraum-Bewirtschaftung in Allschwil ist mit über 800 Unterschriften zustande gekommen; das Quorum beträgt 500 Unterschriften.

Waltraud Parisot wird neue Verwaltungs-Chefin an der Musik-Akademie Basel und damit Nachfolgerin von Marc de Haller, der nach 18 Dienstjahren regulär pensioniert wird.

Lina Arti hat heute als 10'000. Baslerin im Impfzentrum die Corona-Zweitimpfung und von Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger einen grossen Blumenstrauss erhalten.

Der Kanton Basel-Stadt hat bis 2. März gesamthaft 25,2 Millionen Franken A-fonds-perdu-Beiträge aus dem Härtefall-Programm an Unternehmen ausbezahlt und 4,9 Millionen Franken Bürgschaften für KMU-Kredite bewilligt.

Dominik Scherrer wird als Nachfolger von Titus Hell neuer Präsident der Jungfreisinnigen Basel-Stadt.

Die Fluxdock AG wird den Kasernen-Hauptbau betreiben, in dem Anfang 2022 das Kultur- und Kreativzentrum seine Tore öffnet.