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Lukas Ott: Seine Chancen, seine Risiken

Von PETER KNECHTLI

Der Knall-Effekt war perfekt, als die grüne Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann am Mittwochmorgen mit dem grünen Liestaler Stadtpräsidenten Lukas Ott ihren neuen Leiter der einflussreichen Abteilung Kantons- und Stadtentwicklung präsentierte. Wie bitte – Lukas Ott?, liessen die baffen Gesichter im Presseraum erahnen. Man hätte sich beinahe jeden Namen vorstellen können. Aber Lukas Ott? Seine Wahl durch die Basler Regierung hielt dicht.

Selbst der Liestaler Stadtrat war perplex, nachdem er erst am Abend zuvor durch den Gewählten über seine neuen Berufsperspektiven ins Bild gesetzt worden war.

Die Überraschung war deshalb so gross, weil niemand sich vorstellen konnte, dass der in Liestal sozialisierte Politiker sein berufliches Domizil anderswo aufschlagen wollte als eben in Liestal – oder dann vielleicht noch in Bundes-Bern. Zu lange hatte er dem Kanton erst als Landrat und später während 17 Jahren als Mitglied der Stadtregierung gedient. Seine Wahl zum Stadtpräsidenten war vielen ein mögliches Indiz darauf, dass seine politische Karriere den Weg nach oben nehme.

Dieser Weg scheint sich aber als Sackgasse zu erweisen. Bei der Kandidatur zum Landratspräsidenten 1993 scheiterte Pfarrerssohn Ott fraktionsintern am damaligen Theologiestudenten Daniel Müller. Immerhin gelang ihm um die Jahrtausendwende der Sprung in die Liestaler Stadtregierung und zwölf Jahre später auf den Stuhl des mit gerade mal 90'000 Franken besoldeten Stadtpräsidenten im Teilzeit-Pensum.

Doch dann stockte die politische Karriere. Der Ausbruch aus Liestal misslang schon bei den Nationalratswahlen 1999, als Ruth Gonseth den Sitz holte und der junge Hoffnungsträger Ott sich mit Platz vier begnügen musste. 2015 nahm er nochmals einen Anlauf und verbesserte sich leicht auf Platz drei. Doch dann stand ihm Florence Brenzikofer als Zweitplatzierte vor der Nachrückenden-Sonne für den Fall, dass Nationalrätin Maya Graf vor Ablauf der Legislatur demissionierte. Seither gilt Brenzikofer, die vor wenigen Tagen vom Parteipräsidium zurücktrat, auch als Spitzenkandidatin für die Graf-Nachfolge.


"Lukas Ott wird in Basel unter akribischer
bürgerlicher Beobachtung stehen."



A
uch für einen Platz in der Kantonsregierung sind die Zeichen mittelfristig ungünstig. Erstens ist unklar, ob der formell grüne Sicherheitsdirektor Isaac Reber zu einer dritten Legislatur bereit ist, wodurch eine Thronfolge auf sich warten lässt. Zweitens stünden aber schon andere Kandidaten wie beispielsweise der Prattler Landrat Philipp Schoch, der ein erfolgreiches Jahr als Parlaments-Präsident hinter sich hat, in den Startlöchern.

So wird es Lukas Ott niemand verargen, wenn er sich im Alter von gut fünfzig Jahren für eine Veränderung entscheidet, die ihm einen Jahreslohn von mindestens 180'000 bis 200'000 Franken eintragen wird. Hals über Kopf muss Liestal nun ein neues Stadtpräsidium suchen. Ob es weiterhin in grüner Hand bleiben wird, ist eher fraglich. Hingegen könnte die SP mit ihrer Stadträtin und Staatsarchivarin Regula Nebiker versuchen, den Sitz zu erobern.

Otts neue Aufgabe bietet mehrere Chancen. Obschon in Liestal eng verbunden, war der Soziologe schon immer ein Geist, der über die Grenzen und die Jetztzeit hinaus dachte: seine frühe Thematisierung der Klimapolitiik, regionale Zusammenarbeit in Universität und Fachhochschule, gemeinsame Spitalpolitik, ja sogar für eine Fusion der beiden Basel warb er vor drei Jahren, ohne dass er daraus politischen Schaden nahm. Und auch aktuell sind keine Zeichen von Fahnenflucht-Vorwürfen zu erkennen – im Gegenteil: Als einer, der regional denkt, wird er in Basel-Stadt auch die Interessen des Landkantons und seiner Gemeinden wirkungsvoll einbringen und stärker in die Breite wirken können. Dieses partnerschaftliche Signal hat Elisabeth Ackermann wohl nicht zufällig gesetzt.

Der Realo-Grüne ist auch ein begabter eloquenter Verkäufer in eigener Sache, auch wenn kurze klare Statements nicht seine Sache sind: Es gelingt ihm, Fäden zu spinnen, politische Andersdenkende ins Boot zu holen und den Gemeinnutzen unideologisch zu vertreten. Als Spitzenbeamter mit grosser subregionaler Exekutiv-Erfahrung dürfte er der um Profil ringenden Regierungspräsidentin Ackermann wohl auch mal in Fragen beratend zur Seite stehen, die nicht direkt mit der Raum-Entwicklung in Zusammenhang stehen.

Die Kaderstelle im Stadtkanton birgt für Ott allerdings auch einige Risiken. Anders als im Schtedtli Liestal, wo er den Einwohnerrat so gut wie "im Sack" hatte, wird er in Basel-Stadt mit seinen praktisch paritätischen Links-Rechts-Lagern unter akribischer Beobachtung der seit Jahren um die Regierungsmehrheit ringenden bürgerlichen Kräfte stehen. Er ist auch nicht der geborene Stadt-Entwickler: Die Dynamik, die Liestal gegenwärtig beflügelt, ist nicht in erster Linie sein Werk als Stadtpräsident, sondern auch jenes früherer Lokalpolitiker, wie diese hinter vorgehaltener Hand betonen.

Klar seine politische Handschrift aber trägt das umstrittene Projekt des 60 Meter-Hochhauses der SBB am Liestaler Bahnhof, über das Ende November abgestimmt wird, und das eine prägnante Referenz im Hinblick auf seine Basler Funktion darstellen könnte. Die Abstimmung hat Schicksals-Charakter, auch wenn die Befürworter Zuversicht versprühen: Würde der Hochhaus-Plan entgegen den Erwartungen verworfen – die Gegner kritisieren eine Verschandelung des Ortsbildes und das Fehlen einer Gesamtplanung – nähme Ott seine Stelle am Marktplatz drei Tage später mit einer schweren Hypothek in Angriff.

Ins Leere laufen Vorwürfe, die Wahl Otts sei "politische Vetterli-Wirtschaft" der Grünen bekritteln. Erstens ist eine inhaltlich übereinstimmende Zielsetzung und Vertrautheit zwischen der Regierungsrätin und ihrem neuen Chef-Entwickler sicherlich kein Nachteil. Zweitens sind Seilschaften in allen Parteien üblich, was nicht grundsätzlich schlecht ist. Auf das Mass kommt es an. Christoph Blocher würde Cédric Wermuth nie als seinen Generalsekretär einstellen.

Die grosse Frage wird auch sein, wie gut Lukas Ott mit seinem Rollenwechsel vom kommunikationsfreudigen Entscheider zum dienstleistenden Entscheidungs-Zudiener zurecht kommt. Die Regierungspräsidentin hat gleich zu Beginn klar gemacht, dass sie die politischen Bewertungen vornimmt, nicht der Stadtentwickler. Doch was, wenn Lukas Ott im Basler Regierungspräsidium zum führenden Repräsentations- und Profilträger heranwächst und seine Chefin überflügelt?

Die Antwort ist noch müssig. Aber spätestens in vier Jahren muss sich zeigen, ob die Fortschritte der Basler Stadt- und Kantonsentwicklung der Eloquenz entsprechen, mit der sie sich politisch verkauft.

Bericht: Lukas Ott neuer Basler Stadt- und Kantonsentwickler

17. August 2017
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"Die Basler Stadtgärtnerei behauptet, dass es mit den Wegwerfgrills besser geworden sei."

BZ Basel
Newsletter vom
15. Mai 2018
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Eine höchst interessante Aussage. Sie braucht nur noch in den Verständlichkeits-Modus transferiert zu werden.

Veranstaltungs-Hinweis

 

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RückSpiegel


Die BZ Basel nahm in ihrer Meldung über Christian Kellers Abgang bei der "Basler Zeitung" Bezug auf eine vorangegangene Nachricht in OnlineReports.

Barfi.ch
und die Gundeldinger Zeitung zogen die OnlineReports-Meldung über den Velofriedhof am Basler Bahnhof SBB weiter.

Die OnlineReports-Erstnachricht vom Tod des ehemaligen Basler Regierungsrates Lukas "Cheese" Burckhardt wurde von Barfi.ch, der BZ Basel, die Basler Zeitung, vom SRF-Regionaljournal und von der Nachrichtenagentur SDA aufgenommen.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Meldung über die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft zum Urteil gegen den Basler Datenschnüffler-Polizisten auf.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über den Einbürgerungs-Streit der drei baselstädtischen Bürgergemeinden mit dem Kanton Basel-Stadt und den Gang ans Bundesgericht nach.

Die Schweiz am Sonntag schrieb eine OnlineReports-Nachricht über die rechtlichen Schritte der Wirtschaftskammer Baselland gegen die "Basler Zeitung" ab.

In ihrem Artikel über Markus Ritters Abgang aus dem Basler Präsidialdepartement bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

20 Minuten, die BZ Basel, theworldnews.net, die Basler Zeitung, die Tageswoche, die Bauernzeitung und Telebasel nahmen die OnlineReports-Story über das gescheiterte Projekt von "Urban Farmers" in Basel auf.

Die BZ Basel, die Basler Zeitung und das Regionaljournal zogen die OnlineReports-Meldung über die Schliessung der Basler Buchhandlung "Narrenschiff" nach.

Die Basler Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht vom Tode des früheren BLKB-Bankrats-Präsidenten Werner Degen auf.

In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

Die Kommentar-Plattform Infosperber geht auf die Berichterstattung von OnlineReports zum Mord an Martin Wagner ein.

In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Der Baselbieter FDP-Landrat Andreas Dürr wurde als Nachfolger von Urs Schweizer zum neuen Präsidenten des ACS beider Basel gewählt.

• Die Basler Energieversorgerin IWB steigerte 2017 den Umsatz auf 739 Millionen Franken, doch fiel der Jahresgewinn mit 74 Millionen Franken wegen Wertberichtigungen und Rückstellungen um 33 Millionen Franken niedriger aus als im Vorjahr.

• Die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger wurde zur Vizepräsidentin des Schweizerischen Gewerbeverbands gewählt.

• Nach Konditionstrainer Marco Walker verlässt nun auch Fitness-Chef Werner Leuthard (56) per Ende Saison den FC Basel.

Barbara Gafner soll zur neuen Vorsteherin der unabhängigen staatlichen Finanzkontrolle des Kantons Baselland gewählt werden.

• Die Baselbieter FDP-Sektionen Binningen und Bottmingen haben in getrennten Abstimmungen die Fusion zur FDP Binningen-Bottmingen beschlossen.

• Die BKB-Filiale am Basler Neuweilerplatz 1, während der letzten Monate umfassend modernisiert, wurde am Samstag, 5. Mai mit einem Eröffnungsfest für das Quartier (10 bis 16 Uhr) neu eröffnet.

• Die Baselbieter Grünen werden in der Oberwiler Dorfpolitik aktiv, indem sie die Themen und das personelle
Engagement der sich auflösenden Neuen Liste Oberwil (NLO) übernehmen.

• Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer übernimmt per 1. Mai das Präsidium der Stiftung "éducation21", einer Fachagentur der Schweizerischen Erziehungsdirektoren-Konferenz (EDK), die sich der Bildung für nachhaltige Entwicklung widmet.

10'454 Patienten weist die Psychiatrie Baselland für das Geschäftsjahr 2017 aus.

Peter Brodmann wird neuer Baselbieter Kantonschemiker und Leiter des Amts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen als Nachfolger von Peter Wenk, der Ende August in Pension geht.

• Die Grünen Baselland nominieren im Hinblick auf die Delegiertenversammlung vom 5. Mai in Olten Landrätin Florence Brenzikofer als Vizepräsidentin der Grünen Schweiz.

• Der Gemeinderat von Birsfelden hat auf einen Vorstoss von Désirée Jaun (SP)beschlossen, als erste Gemeinde in der Nordwestschweiz die Auszeichnung als "Fair Trade Town" anzustreben.

• In der Amtsperiode 2018-2022 bilden die Grünliberalen (GLP) im Einwohnerrat Riehen gemeinsam mit dem parteilosen David Moor eine Fraktion.

• Die Basler Badesaison beginnt im beheizten Sportbad St. Jakob (28. April), in den unbeheizten Becken des Gartenbads St. Jakob (12. Mai), im Gartenbad Eglisee (19. Mai) und im Gartenbad Bachgraben infolge Sanierungsarbeiten (2. Juni 2018).

• Die SP Muttenz hat an ihrer Generalversammlung Kathrin Schweizer einstimmig als Regierungsrats-Kandidatin der SP Baselland nominiert.

• Nach fast zwanzig Jahren Tätigkeit verlässt Moderatorin Tamara Wernli Telebasel, weil sie sich künftig aufs Schreiben konzentrieren will.

• Die Gemeinde Riehen ist laut der Einschätzung des Gemeinderates "weiterhin kein Hotspot für kriminelle Aktivitäten".

Heidi Mück und Tonja Zürcher bleiben laut Wahl durch die Mitglieder für weitere zwei Jahre Co-Präsidentinnen von "Basta".

• Der frühere Basler Grossrat und FDP-Nationalrat Urs Schweizer tritt per 15. Mai 2018 nach 15 Jahren als Präsident des ACS beider Basel zurück.

• Nach den Kontrollen an der vergangenen Basler Fasnacht bleiben Pferde von Chaisen und Vorreitern weiterhin erlaubt.

• Die 43-jährige Elisabeth Heer Dietrich wurde mit 82 von 84 Stimmen glanzvoll zur neuen Baselbieter Landschreiberin gewählt.

• Die Revitalisierung der unteren Wiese hat sich aufgrund der vielen Hochwasser um den Jahreswechsel so stark verzögert, dass das Basler Tiefbaumt sie nicht rechtzeitig vor der Fischschonzeit abschliessen konnte und bis Ende Mai pausieren muss.

• Die Rechnung 2017 des Kantons Basel-Stadt schliesst mit einem Überschuss von 251 Millionen Franken ab und liegt damit 108 Millionen Franken über dem Budget.