Aurel Schmidt: "Seitenwechsel"

<< [ 1 | (...) | 61 | 62 | 63 | 64 | 65 | 66 | 67 | 68 | 69 | 70 | (...) | 204 ] >>

Der Euro im Fangnetz der Finanzindustrie

Dass der Euro eine Fehlkonstruktion war, gehört heute zum medialen Einmaleins. Die Folgen sind: Alle drei Monate eine Krise, eine weitere Reparatur, ein neuer Anlauf. Es wird weiter herumgedoktert, aber der nächste Schüttelfrost kommt bestimmt. Dafür haben die Märkte etwas zum Jubeln. Das war ja wahrscheinlich die Absicht. In den vergangenen Tagen sind zwei neue Massnahmen ergriffen worden, um den Euro wieder einmal zu stabilisieren. Mario Draghi von der Europäischen Zentralbank (EZB) hat versprochen, Staats- beziehungsweise Krisenanleihen in unbeschränktem Mass zu kaufen, und das deutsche Bundesverfassungsgericht hat dem Beitrag Deutschlands an den europäischen Rettungsschirm ESM seinen Segen erteilt.
 
Für eine Weile ist wieder Ruhe eingekehrt. Dabei muss jedem halbwegs aufmerksamen Beobachter einleuchten, dass der Euro solange nicht "gerettet" wird, wie die Voraussetzungen für seine Instabilität weiter bestehen. Und diese Umstände liegen im Finanzmarkt, dessen Vertrauen die Politik herzustellen hat.

Sagt man. In Wirklichkeit ist Euro-Rettung Bankenrettung, genauer gesagt: Begleichung der Schulden liederlicher Banken. Damit fangen die Perversionen an. Dass damit jetzt Schluss sein soll, kann ernsthaft niemand annehmen, der an die 700 Finanz-Lobbyisten in Brüssel denkt.

Dass die Finanzindustrie die Politik bestimmt, wird so bleiben. Wir haben es mit "dem grössten Raubzug der Geschichte" zu tun, wie der Titel des Buchs von Matthias Weik und Marc Friedrich lautet, in dem die beiden Autoren aufzeigen, wie er durchgeführt wird. Andere haben von "Geiselhaft" gesprochen, in die der Finanzsektor die Politiker genommen hat, jedenfalls den grösseren Teil von ihnen.

Die Krisenpapiere übernimmt Draghis EZB nur, wenn die betreffenden Länder, die sie loswerden wollen, eine strikte Spar- und Reformpolitik akzeptieren. Das heisst in einfaches Deutsch übersetzt: wenn der Kapitalumbau erfolgreich weiter betrieben wird, zum Nachteil von Lohnempfängern, Steuerzahlern (ohne Pauschalabkommen), Sparern, auch Unternehmern und Kleinanlegern. Griechenland ist schon aufgefordert worden, die Sechstage-Woche einzuführen, während die gouvernementale Sparpolitik vor aller Augen das soziale Leben ruiniert.

Dies alles sollte mit Vorteil in einem erweiterten Rahmen situiert und nicht den Kommentatoren der "Tagesschau" überlassen werden. Es geht um viel mehr als den Euro, der nur eines von vielen Rädern, Riemen und Pumpen in einer grossen Kapitalzirkulationsmaschine ist.

Draghi hat im Verlauf seiner Amtszeit eine halbe Billion frisches und zinsgünstiges Geld in den Markt geflutet – oder die Banken damit subventioniert, die jetzt "Gottes Werk verrichten" können, wie Lloyd Blankfein von der Bank Goldman Sachs einmal in einem Anfall von Verblendung gesagt hat. Hätte er nur von vernichten gesprochen!

Draghi wusste sehr gut, was er seinen ehemaligen Banker-Kollegen schuldig war. Profitiert hat nicht die Realwirtschaft, sondern die Börse. Bekanntlich war Draghi Vize-Präsident für Europa von Goldman Sachs, bevor er zur EZB kam. Der "Goldmann" Robert Rubin hatte unter Bill Clinton den US-Finanzmarkt dereguliert, ein anderer, Henry Paulson, hat unter Bush II als umstrittener Finanzminister während der Krise von 2008 die Fäden gezogen. Goldman Sachs ist ein Lobby-Netzwerk, Christopher Whalen, Direktor von Institutional Risk Analytics, hat das Unternehmen "eine politische Organisation, die sich als Investmentbank tarnt" genannt. Überall hat sie ihre Leute in der Politik untergebracht.

Jawohl, alles greift ineinander. Keine Verschwörung, keine Geheimnisse. Nur innovative Buchhaltung. Business as usual. Der normale Lauf der Welt eben. Darin liegt die ganze Ungeheuerlichkeit. 

Finanzindustrie, Politik, Regulierungsbehörden und akademische Welt sind heute zu einem Klumpen miteinander verflochten. Wir schleppen einen Klotz am Bein mit. Der Film "Inside Job" von Charles Ferguson (bei Amazon für 10 Euro zu haben) gibt erschöpfend Auskunft. Weik und Friedrich ebenfalls.
  
Nur werden leider vor lauter medial verbreiteter Unterinformation die einfachsten Ursachen, Hintergründe und Zusammenhänge übersehen oder vergessen. Der Fehler ist nicht der Euro, sondern die unkontrollierbare Freiheit und Unverschämtheit der Finanzindustrie. Den Preis dafür müssen andere bezahlen. Wundern sollte sich niemand.

17. September 2012
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Aurel Schmidt, Jahrgang 1935, war bis Mai 2002 Redaktor der "Basler Zeitung" (vorher "National-Zeitung"). Er war mitverantwortlich für das jeden Samstag erscheinende "Basler Magazin" und verfasste zahlreiche philosophische Essays, Reise-Reportagen, Kommentare und Kolumnen. Schmidt, der heute als Schriftsteller und freier Publizist in Basel lebt, machte sich auch als Autor mehrerer Bücher einen Namen: "Der Fremde bin ich selber" (1982), "Wildnis mit Notausgang. Eine Expedition" (1994), "Von Raum zu Raum. Versuch über das Reisen" (1998). Ausserdem liegen vor: "Lederstrumpf in der Schweiz. James Fenimore Cooper und die Idee der Demokratie in Europa und Amerika" (2002), "Gehen. Der glücklichste Mensch auf Erden" (2006), "Auch richtig ist falsch. Ein Wörterbuch des Zeitgeists" (2009). Zuletzt erschienen: "Die Alpen. Eine Schweizer Mentalitätsgeschichte" (2011).

© Foto by OnlineReports.ch

aurel.schmidt@bluewin.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
fileadmin/templates/pics/echo.gif

Es braucht Mut, den Mut nicht zu verlieren"

Vielen Dank Herr Schmidt für den Klartext. Wenn wir neben Ihren präzisen Schilderungen auch gleich noch die weltumspannenden Verbrechen von Jean Ziegler, ehemaliger Sonderberichterstatter der UNO für Recht auf Nahrung, aufgezeigt erhalten, so brauchts ein rechtes Stück Mut, den Mut nicht zu verlieren.

 

Eines Tages würde ich mich freuen zu lesen, was denn Sie persönlich mit soviel Einblick unternehmen. Wie richten Sie Ihr Leben ein, um an diesem Anblick nicht zu verzweifeln. Was können wir an all den Situationen verändern, so standfest wie sie in der Welt etabliert sind und wir ihnen so machtlosen gegenüber stehen oder besser knien oder liegen!


Viktor Krummenacher, Bottmingen


www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"... die Visana verschlammt die Kostengutsprache ..."

Basler Zeitung
vom 30. Dezember 2017
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Wenn Kostengutsprachen in Feuchtgebieten dümpeln.

Veranstaltungs-Hinweis


Galakonzert der Stadtmusik Basel

Nach 29 Jahren leitet der Dirigent Philipp Wagner zum letzten Mal die Stadtmusik Basel (SMB). Zum Abschied des langjährigen Dirigenten tritt die SMB mit der Ballett- und Bewegungsschule Liestal auf. Es erwartet Sie ein vielseitiges Programm mit Werken von Leonhard Bernstein, Duke Ellington, Johann Strauss, Andrew Lloyd Webber und anderen.

20. Januar 2018, 19.30 Uhr, Musical Theater Basel
www.stadtmusikbasel.ch

RückSpiegel


Die Basellandschaftliche Zeitung und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-Nachricht über die geplante Massenentlassung bei der "Küschall AG" in Witterswil auf.

In ihrer Übersicht über die Schweizer Online-Newsmedien ging die NZZ auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung zog die OnlineReports-News über den Entscheid des Basler Appellationsgerichts gegen die Nichtanhandnahme der Strafanzeigen von Staatsanwältin Eva Eichenberger und Strafgerichtspräsident Lucius Hagemann durch die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin im Fall "Lehrer H." nach.

In ihrem Artikel über die "Berlusconisierung von links" zitiert die Weltwoche aus dem "dem gutinformierten Basler Internetdienst OnlineReports".

In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Primeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Im Jahr 2017 verhängte die Basler Kantonspolizei im Zusammenhang mit dem FC Basel 17 Rayonverbote – davon sieben an Fans von Gastmannschaften –, während der FC Basel acht Stadionverbote anordnete, von denen fünf Fans von Gastmannschaften betrafen.

• Die Gemeinde Allschwil plant eine Erneuerung und Erweiterung der Parkanlage sowie rund 140 Wohnungen auf dem Areal Wegmatten zwischen Baselmattweg und Bachgraben.

Thomas Bretscher wird ab 1. Februar neuer Geschäftsführer des "Business Park Laufental & Thierstein" und damit Nachfolger von Daniel Fiechter.

• Die Riehener CVP verlangt eine generelle Aufgabenprüfung (GAP), um die Diskussion um Aufgaben und Leistungen der Gemeinde und die dafür benötigten Ausgaben und Einnahmen zu versachlichen.

• Die Basler Regierung hat die Standesinitiative von FDP-Grossrat Christophe Haller betreffend "Abschaffung der Besteuerung des Eigenmietwerts" beim Generalsekretariat der Bundesversammlung eingereicht.

• Das Basler Hochbauamt rechnet beim Erweiterungsbau für das Kunstmuseum Basel mit einer Kostenüberschreitung von 3,5 Prozent.

Stagnierende Gesamtzahl der Studierenden an der Universität Basel: 12'873 Studierende und Doktorierende haben sich im Herbstsemester 2017 für ein Studium eingeschrieben.

• Die volle Freizügigkeit, die auf 1. Januar 2014 in beiden Basel eingeführt wurde, bleibt auch mit der ab 2018 geltenden Spitalliste weiterhin bestehen.

• An der Sitzung vom 18. Dezember hat das französische Parlament dem schweizerisch-französischen Abkommen zum Steuerregime am EuroAirport zugestimmt.

Elisabeth Pestalozzi, seit August 2016 stellvertretende Chefredaktorin von Radio SRF, wird im zweiten Quartal 2018 neue Kommunikationsleiterin der Christoph Merian Stiftung.

• Über tausend Personen verlangen in einer Petition der SP Gelterkinden die Einführung von Tempo 30.

• Im zweiten Wahlgang der Liestaler Stadtrats-Ersatzwahl vom 14. Januar 2018 treten Marie-Theres Beeler (geboren 1959, Grüne) und Karin Jeitziner (geboren 1961, FDP) an.

Marco Greiner, Regierungssprecher und Vizestaatsschreiber von Basel-Stadt, ist neuer Präsident der Schweizerischen Informations-Konferenz öffentlicher Verwaltungen.

• Die Basler CVP hat ihre mit 3'910 Unterschriften versehene Krankenkassen-Initiative eingereicht, die verlangt, dass selbstbezahlte Prämien für die obligatorische Krankenpflege-Versicherung vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können

• Mit der Jus-Studentin Laetitia Block als Nachfolgerin von Pascal Messerli steht erstmals eine Frau an der Spitze der Jungen SVP Basel-Stadt.

• Das Basler Ristorante Cibo Mediterraneo ist der künftige Betreiber der neuen Buvette am St. Alban-Rheinweg.

Reto Meyer, Inhaber und Geschäftsführer der WS Kommunikation in Basel, kauft per Jahreswechsel sämliche Anteile der BSSM Werbeagentur von Urs Schneider und Hannes Müller.

Jana Wachtl (38) wird als Nachfolgerin von Sabine Kubli auf Jahresbeginn neue Leiterin der Baselbieter Fachstelle "Gleichstellung für Frauen und Männer".

• Das Basler Energieunternehmen IWB plant, im Februar 2018 elf neue Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Quartierstrassen auf Allmend zu installieren.

• Entgegen der Parole der kantonalen CVP sagte der CVP-Wahlreis Liestal Nein zum "8. Generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr" und damit Ja zum "Läufelfingerli".

Raymond Cron wird als Nachfolger von Andreas Büttiker ab 1. Januar 2018 neues Verwaltungsratsmitglied des EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg.

• Der Basler Grosse Rat hat die Standesinitiative der SP gegen der Schliessung von Quartier-Poststellen überwiesen.

• Die bürgerlichen Jungparteien von Basel-Stadt ziehen ihre Zweirad-Initiative zurück, da sie mit dem vom Grossen Rat beschlossenen Gegenvorschlag ihre Hauptforderungen als erfüllt betrachten.

• Die Baselbieter Wahlen des Landrats und des Regierungsrats für die Amtsperiode vom 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2023 finden am 31. März 2019 statt.

• Weil mit dem als Gegenvorschlag verabschiedeten neuen Bürgerrechtsgesetz und den Anpassungen auf Bundesebene die Anliegen der Initianten erfüllt sind, zieht die SVP Basel-Stadt ihre Volksinitiative "Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern" zurück.

• Mit der Gründung der Sektion Waldenburg wollen die Grünen Baselland im Wahlkreis Waldenburg den verlorenen Landratssitz zurück erobern.