Aurel Schmidt: "Seitenwechsel"

<< [ 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | (...) | 206 ] >>

Kein Geist, kein Willen, kein Ich

Wir wissen, dass wir auf Schritt und Tritt Datenspuren hinterlassen, sind uns aber nur selten bewusst, welche Konsequenzen damit verbunden sind. Zwei Milliarden Menschen überlassen Facebook ihre Likes und ermöglichen dem Unternehmen einen florierenden Datenhandel, mit dem Wahlen (Trump) und Abstimmungen (Brexit) gewonnen werden können. Manchmal erfolgt ein Aufschrei der Empörung, aber meistens läuft alles nach Businessplan ab. Willkommen in der Digital-Demokratie!

Daten sind Leben. Wer Daten sammelt und auswertet, kann sich einen Überblicksvorteil über das Leben von Millionen Menschen und deren Vorlieben und Geschmackspräferenzen verschaffen. Facebook prahlt ja gern, dass es mehr über dich weiss als du selbst. Macht nichts. Dein Puls wird gemessen und du bekommst eine SMS: Zeit für einen Check! Facebook sorgt oder wacht über dich. Und kassiert. Die Vorteile, die die grossen Datenunternehmen anbieten, sind auf fragwürdige Weise beträchtlich, weil sie mit unpassender Visibilität bezahlt werden.

Privatheit war gestern, heute ist Transparenz. Dave Eggers hat sie in seinem Roman "Der Circle" als totalitäre Vernunft vorgeführt. Niemand entkommt der Öffentlichkeit. Wir sind gewissermassen Opfer oder Geiseln unserer erworbenen Freiheit.

Die aufgrund von hinterlassenen Daten erfolgte lückenlose persönliche Erfassung und Indoktrination des Menschen ist eines der zentralen Themen im Buch "Homo Deus" von Yuval Noah Hariri.

"Müssen wir uns den Algorithmen
bedingungslos unterwerfen?"



Der Autor beschreibt darin, eingebettet in eine breit angelegte Menschheitsgeschichte, wie die Jäger und Sammler der Vorzeit ihren alten Götterglauben nach und nach verloren und sich statt mit dem Hantieren mit Faustkeilen neuerdings mit Algorithmen und biotechnologischen Erkenntnissen zum Homo Deus, zum gottähnlichen Beherrscher der Welt, aufschwangen. Das radikal säkulare Denken ist der erfrischendste Teil des Buchs, auch wenn der moderne Mensch statt Göttern heute Geld und Google Glauben schenkt. Es gebe Gene, Hormone, Nervenzellen, sagt Hariri, aber weder "Geist", freien Willen noch ein sogenanntes "ich". Das ist wenigstens radikal zu Ende gedacht.

Vom Garten Eden zum Garten in Woolsthorpe, wo Isaac Newton das Gesetz der Gravitation erkannte, hat sich alles mit kontinuierlicher natürlicher Konsequenz entwickelt, bis... Ja, bis KI, Algorithmen, Biologie, Nanotechnologie einen Punkt erreicht und sich die Verhältnisse in ihr Gegenteil verkehrt haben – bis die Zaubermaschinen, die der Mensch zu seinem Komfort erfand, sich gegen ihn selbst wandten.

Werden die Maschinen den Menschen eines Tages beherrschen? Das ist noch nicht entschieden. Never say never. Die Macht der Daten und Algorithmen ist erdrückend. Sie ist total. "Sie wissen alles", sagte die Informationstechnologin Yvonne Hofstetter in ihrem Buch mit dem gleichen Titel, in dem sie beschreibt, wie die intelligenten Maschinen oder, wie Hariri sich ausdrückt, die "nicht-organische Intelligenz" (statt KI) in unser Leben eingedrungen sind und es auf den Kopf gestellt haben.

Ein wiederholt gehörtes Argument besagt, dass jede medizinische Datenanalyse sich heute auf Millionen Unterlagen abstützen kann und sicherer und kompetenter ausfällt als jede Untersuchung eines Arztes in seiner Praxis es könnte. Müssen wir uns also den Algorithmen bedingungslos unterwerfen?

Das scheint, worauf Hariri hinauswill. Je mehr Daten wir freiwillig abliefern, desto genauer die Prognosen – zum Wohl der gesamten Menschheit. Also her damit! Subito! So ein Quatsch.
 
V
ielleicht wollte Hariri seine Aussage nur als Warnung verstanden wissen, damit uns erspart bleibe, dass wir, wie er sagt, eines Tages aufwachen und feststellen müssen, von nordkoreanischen Hackern gesteuert zu werden.

Es gibt aber auch Einwände, die Hariris Darstellung in einem anderen Licht erscheinen lassen. 400 Seiten lang hat er das historische liberale Subjekt verteidigt, das ja, nach der Ansicht von John Locke, dem Verkünder der bürgerlichen Revolution, auch nur ein leeres Blatt Papier ("white paper") sei, das mit fremden Ideen (Werbung, Fake News, Parolen, populistischen Verlautbarungen und so weiter) vollgeschrieben wird.

Ausserdem ist das liberale beziehungsweise liberalistische Subjekt von der technischen und wissenschaftlichen Entwicklung restlos überrollt worden. Es hat vor der erdrückenden Übermacht gar keine andere Wahl als abzudanken. Übrigens auch vor der unsichtbaren Hand des freien Markts, denn auch dort haben die Algorithmen die endgültige Herrschaft angetreten und das mit Vernunft ausgestattete liberale Subjekt längst abgelöst, worauf der Philosoph Slavoj Zizek vor einiger Zeit mit subversivem Witz hingewiesen hat.

Wenn wir dem Dataismus, dem absoluten freien Datenfluss, nicht anheimfallen wollen, denn müssen wir, meint Hariri, einem künftigen "Techno-Humanismus" den Weg freischaufeln, also einer technischen Verbesserung des natürlichen Menschen, der am Ende seiner Karriere angelangt ist. Selbst wenn das wiederum auch nur der direkte Weg in den Transhumanismus ist, in die technische Datenausrüstung des Menschen.

9. April 2018
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Aurel Schmidt, Jahrgang 1935, war bis Mai 2002 Redaktor der "Basler Zeitung" (vorher "National-Zeitung"). Er war mitverantwortlich für das jeden Samstag erscheinende "Basler Magazin" und verfasste zahlreiche philosophische Essays, Reise-Reportagen, Kommentare und Kolumnen. Schmidt, der heute als Schriftsteller und freier Publizist in Basel lebt, machte sich auch als Autor mehrerer Bücher einen Namen: "Der Fremde bin ich selber" (1982), "Wildnis mit Notausgang. Eine Expedition" (1994), "Von Raum zu Raum. Versuch über das Reisen" (1998). Ausserdem liegen vor: "Lederstrumpf in der Schweiz. James Fenimore Cooper und die Idee der Demokratie in Europa und Amerika" (2002), "Gehen. Der glücklichste Mensch auf Erden" (2006), "Auch richtig ist falsch. Ein Wörterbuch des Zeitgeists" (2009). Zuletzt erschienen: "Die Alpen. Eine Schweizer Mentalitätsgeschichte" (2011).

© Foto by OnlineReports.ch

aurel.schmidt@bluewin.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

Frisch pubertiert

Küssen, nicht spucken!
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Nun will auch dieses den Exitus schaffen."

BZ Basel
vom 1. Juni 2018
über den Wegzug des
Naturhistorischen Museums
in Basel
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Hoffen wir, dass beim Exodus die letale Dosis ausbleibt.

RückSpiegel


Die Basler Zeitung nahm in ihrem Bericht über den Rückzug des potenziellen Baselbieter FDP-Regierungs-Kandidaten Daniel Recher Bezug auf OnlineReports.

20 minuten online
bezog sich im Bericht über die Email-Affäre um Joël Thüring auf OnlineReports.

Die BZ Basel nahm in ihrer Meldung über Christian Kellers Abgang bei der "Basler Zeitung" Bezug auf eine vorangegangene Nachricht in OnlineReports.

Barfi.ch
und die Gundeldinger Zeitung zogen die OnlineReports-Meldung über den Velofriedhof am Basler Bahnhof SBB weiter.

Die OnlineReports-Erstnachricht vom Tod des ehemaligen Basler Regierungsrates Lukas "Cheese" Burckhardt wurde von Barfi.ch, der BZ Basel, die Basler Zeitung, vom SRF-Regionaljournal und von der Nachrichtenagentur SDA aufgenommen.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Meldung über die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft zum Urteil gegen den Basler Datenschnüffler-Polizisten auf.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über den Einbürgerungs-Streit der drei baselstädtischen Bürgergemeinden mit dem Kanton Basel-Stadt und den Gang ans Bundesgericht nach.

Die Schweiz am Sonntag schrieb eine OnlineReports-Nachricht über die rechtlichen Schritte der Wirtschaftskammer Baselland gegen die "Basler Zeitung" ab.

In ihrem Artikel über Markus Ritters Abgang aus dem Basler Präsidialdepartement bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

20 Minuten, die BZ Basel, theworldnews.net, die Basler Zeitung, die Tageswoche, die Bauernzeitung und Telebasel nahmen die OnlineReports-Story über das gescheiterte Projekt von "Urban Farmers" in Basel auf.

Die BZ Basel, die Basler Zeitung und das Regionaljournal zogen die OnlineReports-Meldung über die Schliessung der Basler Buchhandlung "Narrenschiff" nach.

Die Basler Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht vom Tode des früheren BLKB-Bankrats-Präsidenten Werner Degen auf.

In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

Die Kommentar-Plattform Infosperber geht auf die Berichterstattung von OnlineReports zum Mord an Martin Wagner ein.

In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Die Grünen Baselland folgten dem Vorstand und nominierten Isaac Reber für die Regierungsratswahlen 2019 (dritte Amtsperiode).

• Die Basler Grünliberalen lancieren in Riehen eine Petition zum Thema Kunststoff-Recycling, die sowohl in Riehen wie in Basel eingereicht wird.

• Seit 1. Juni ist Bettina Bühler als Nachfolgerin von Birgit Sachweh Geschäftsführerin des Frauenhauses beider Basel.

• Laut einer Studie des Versicherungskonzerns "Baloise" ist Fussball die "gefährlichste Sportart der Welt", da sich jeder vierte Sportunfall in dieser Gattung ereignet.

Anja Bandi übernimmt Anfang Juni von Marc Lüthi die Gesamtleitung der Abteilung Bestattungswesen der Stadtgärtnerei Basel.

• Noch eine neue Aufgabe für die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger: Sie wird anstelle der zurücktretenden Christine Gorrengourt Verwaltungsrätin der BLT.

Erfolgreich verlief der ausserordentliche Sirenentest am 23. Mai in beiden Basel.

• Der Baselbieter FDP-Landrat Andreas Dürr wurde als Nachfolger von Urs Schweizer zum neuen Präsidenten des ACS beider Basel gewählt.

• Die Basler Energieversorgerin IWB steigerte 2017 den Umsatz auf 739 Millionen Franken, doch fiel der Jahresgewinn mit 74 Millionen Franken wegen Wertberichtigungen und Rückstellungen um 33 Millionen Franken niedriger aus als im Vorjahr.

• Die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger wurde zur Vizepräsidentin des Schweizerischen Gewerbeverbands gewählt.

• Nach Konditionstrainer Marco Walker verlässt nun auch Fitness-Chef Werner Leuthard (56) per Ende Saison den FC Basel.

Barbara Gafner soll zur neuen Vorsteherin der unabhängigen staatlichen Finanzkontrolle des Kantons Baselland gewählt werden.

• Die Baselbieter FDP-Sektionen Binningen und Bottmingen haben in getrennten Abstimmungen die Fusion zur FDP Binningen-Bottmingen beschlossen.

• Die BKB-Filiale am Basler Neuweilerplatz 1, während der letzten Monate umfassend modernisiert, wurde am 5. Mai mit einem Eröffnungsfest für das Quartier neu eröffnet.

• Die Baselbieter Grünen werden in der Oberwiler Dorfpolitik aktiv, indem sie die Themen und das personelle
Engagement der sich auflösenden Neuen Liste Oberwil (NLO) übernehmen.

• Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer übernimmt per 1. Mai das Präsidium der Stiftung "éducation21", einer Fachagentur der Schweizerischen Erziehungsdirektoren-Konferenz (EDK), die sich der Bildung für nachhaltige Entwicklung widmet.

10'454 Patienten weist die Psychiatrie Baselland für das Geschäftsjahr 2017 aus.

Peter Brodmann wird neuer Baselbieter Kantonschemiker und Leiter des Amts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen als Nachfolger von Peter Wenk, der Ende August in Pension geht.

• Die Grünen Baselland nominieren im Hinblick auf die Delegiertenversammlung vom 5. Mai in Olten Landrätin Florence Brenzikofer als Vizepräsidentin der Grünen Schweiz.

• Der Gemeinderat von Birsfelden hat auf einen Vorstoss von Désirée Jaun (SP)beschlossen, als erste Gemeinde in der Nordwestschweiz die Auszeichnung als "Fair Trade Town" anzustreben.

• In der Amtsperiode 2018-2022 bilden die Grünliberalen (GLP) im Einwohnerrat Riehen gemeinsam mit dem parteilosen David Moor eine Fraktion.

• Die Basler Badesaison beginnt im beheizten Sportbad St. Jakob (28. April), in den unbeheizten Becken des Gartenbads St. Jakob (12. Mai), im Gartenbad Eglisee (19. Mai) und im Gartenbad Bachgraben infolge Sanierungsarbeiten (2. Juni 2018).

• Die SP Muttenz hat an ihrer Generalversammlung Kathrin Schweizer einstimmig als Regierungsrats-Kandidatin der SP Baselland nominiert.

• Nach fast zwanzig Jahren Tätigkeit verlässt Moderatorin Tamara Wernli Telebasel, weil sie sich künftig aufs Schreiben konzentrieren will.

• Die Gemeinde Riehen ist laut der Einschätzung des Gemeinderates "weiterhin kein Hotspot für kriminelle Aktivitäten".

Heidi Mück und Tonja Zürcher bleiben laut Wahl durch die Mitglieder für weitere zwei Jahre Co-Präsidentinnen von "Basta".