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Der langsame Niedergang der "TagesWoche"

An die grosse Glocke wird der Vorgang nicht gehängt. Wenn aber, wie bei der Basler "TagesWoche", die redaktionelle und die kommerzielle Führung geschasst wird, dann brennt es lichterloh: Verlagsleiter Tobias Faust und Redaktionsleiter Dani Winter per sofort freigestellt, Print-Leiter Remo Leupin wechselt zu den Migros-Medien und fungiert bis zu seinem Abgang als vorübergehender Gesamtleiter. Damit sind alle Spitzenleute weg vom Fenster, die vor knapp vier Jahren ein hybrides Medien-Projekt in Print und online starteten, das in der Schweiz seinesgleichen sucht – vor allem, was die superpotente Finanzierung durch die Roche-Erbin und Mäzenin Beatrice Oeri betrifft.

Nach der Entfernung der Führung sagen einige Stimmen schon voraus, das Experiment sei gescheitert. Nur: So weit ist es (noch) nicht. Sicher ist nur eines: Dieses von den Promotoren als Pioniermodell angekündigte duale Medienprojekt wird nie und nimmer selbsttragend werden und sich aus eigener Kraft im Markt behaupten können. Dazu haben die führenden Macher selbst beigetragen: Offenbar erotisiert durch den wundersamen Geldregen verstiegen sie sich zu verblendeten Aussagen, die Branchenkenner vom ersten Tag an verwunderten, und die Marketinger liessen sich zu einer massiven Auflagen-Schönung hinreissen, um das klägliche Mass an Wachstums-Erfolg zu verschleiern.

Dass dazu ausgerechnet Journalisten, deren Grundaufgabe es wäre, Entwicklungen auch in eigener Sache schonungslos zu hinterfragen, Hand boten oder zumindest schwiegen, ist nur ein Grund, weshalb eine breite Leserschaft der "TagesWoche" das Vertrauen entsagte. Der syntaktische Irrtum lag aber schon in der "Tag" und "Woche" verknüpfenden Namensgebung: Die Vorstellung, online die Aktualitäten zu verarbeiten und in der gedruckten Zeitung zu vertiefen, konnte nicht aufgehen – und schon gar keine Alternative zur "Basler Zeitung" aufbauen. Der Branchen-Schnack "SekundenStunde" machte schnell die Runde.


"Die 'TagesWoche' verfolgte von Anfang an
keine marktfähige Strategie."



Wer, wie die "TagesWoche", eine Online-Newsplattform noch heute als "Wochen-Zeitung, die täglich erscheint", anbietet, offenbart dadurch schiere handwerkliche Ahnungslosigkeit: Vom Printgeschäft geprägte Kategorien wie "täglich" oder "wöchentlich" existieren im Onlinegeschäft schlicht und einfach nicht mehr. Vielmehr erfolgt die Aktualisierung permanent und rund um die Uhr – in einer von den vorhandenen Ressourcen abhängigen Kadenz.

Die ständigen sogenannten Strategie-Wechsel, in denen die Leserschaft keinen Mehrwert erkannte, sind nur der Beleg dafür, dass die "TagesWoche" von Anfang an keine marktfähige Strategie verfolgte. Es folgte der sofortige Rausschmiss von Ko-Redaktionsleiter Urs Buess und weiterer Mitarbeiter – darunter solche, die zu den profiliertesten Köpfen der Redaktion zählten. Von der ursprünglichen Führungsriege ist keiner mehr da. Abdankung reihenweise auch im Verwaltungsrat.

Umso unverständlicher war die Personalpolitik des Verwaltungsrates. Man kann sich nur die Augen reiben, wie er dazu kam, Dani Winter zum "Redaktionsleiter" zu ernennen. Dem früher unter dem Pseudonym "Fuzzy" tätigen Blogger ging jegliche Führungserfahrung ab. Vielleicht wären einige vertiefte Abklärungen zu Winters Vertrautheit mit Exponenten des regionalen Lebens und den politischen Geschäften, zu seinen professionellen Eignungen, den Tätigkeiten seiner letztes Jahr pleite gegangenen PR-GmbH und seiner Verantwortungsfähigkeit hilfreich gewesen.

Auf "Facebook" kam es inzwischen zu wüsten Abrechnungen mit der ehemaligen Führungsriege durch ehemalige Mitarbeitende. Daran zutreffend ist zweifellos, dass die Führungs-Crew der "TagesWoche" eine einmalige Chance ungenutzt liess, indem sie publizistische Erwartungen schürte, die sie niemals wird erfüllen können.

An der Mäzenin Beatrice Oeri, die sich das Medien-Abenteuer mindestens zwischen 20 und 30 Millionen Franken kosten liess, kann es nicht gelegen haben, dass die "TagesWoche" weit unter ihren Auflage- und Ertragszielen geblieben ist. Sie hat grosszügige Mittel als Starthilfe zur Verfügung gestellt – Konzept und Umsetzung lagen in andern Händen. Ihr kann man bestenfalls vorhalten, sich nicht stärker persönlich und frühzeitig um die Erfolgs-Chancen ihres geförderten Projekts gekümmert zu haben.

Die Aussichten sind düster. Der neu gesuchte "Gesamtleiter" – also redaktioneller wie kommerzieller Chef – muss ein Wunder vollbringen können, um das schlingernde Hybrid-Medium aus den roten Zahlen zu steuern. In nicht mehr ferner Zeit dürfte sonst die Geduld der Mäzenin ein Ende haben.

Zu bedauern sind jetzt schon jene soliden Redaktorinnen und Redaktoren – unter ihnen auch begabte Kräfte –, die Tag für Tag und Woche für Woche ihren Job machen, und unter den ständigen Negativ-Schlagzeilen über ihr eigenes Medium zu leiden haben.

"TagesWoche": Winter und Faust per sofort freigestellt
Analyse vom 11. Februar 2014: "TagesWoche": Das Whiskas-Syndrom an der Grünpfahlgassse

9. Juli 2015
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Peter Knechtli, ist Chefredaktor und Gründer von OnlineReports.ch.

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sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
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"Schwach angefangen ..."

War das wirklich ein "langsamer Niedergang"? Oder nicht eher "schwach angefangen, stark nachgelassen".


Werner Furrer, Basel



"Manchmal sehr extrem links"

Meine grösste Enttäuschung bei der "TagesWoche" ist, dass sie keine Alternative zur BaZ darstellt. So sehr hätte ich es mir gewünscht, dass Basel wieder eine gute Basler Tageszeitung erhielte. Und hier zeigt sich schon die zweite Enttäuschung: Die "TagesWoche" ist in gedruckter Form eine Wochenzeitung – und sowas benötige ich nicht. Die Alternative zur BaZ ist für mich nun die BZBasel geworden – auch wenn man bisweilen bei ihr einen etwas kindlichen Einfluss der Aargauer Zeitung merkt und sie selbst, nämlich als Teilzeitung der BZ oder AZ, keine echte Basler Zeitung ist. Auch ist die BZBasel eine kleinregionale und keine überregionale Zeitung.

Ich finde, man sollte der Basler Zeitung den von ihr geschützten Begriff "Basel" im Namen wegnehmen, da sie keine Zeitung für Basel, sondern eher eine parteipolitische Zeitung der SVP ist und deshalb auch eher zum Baselbiet oder allenfalls zu Bern oder Zürich als zur Stadt Basel passt. Dadurch wird sie leider auch überregional nicht bedeutsam werden können. Dritter enttäuschender Punkt ist: Manchmal ist die "TagesWoche" doch sehr extrem links und zu wenig ausgewogen im Denken.


Florian Tauber, Basel



"'TagesWoche' hat mich nie überzeugt"

Ausgezeichnete Bilanz von Peter Knechtli. Die "TagesWoche" hat mich nie überzeugt, journalistisch schon gar nicht. Und wenn redaktionell, wie es vorgekommen ist, gegen BaZ-Aktionär Christoph Blocher "geschossen" wurde, so war dies einfach nur peinlich. Immerhin konnte dank Unterstützung von Blocher die "Basler Zeitung" gerettet werden und damit auch viele Arbeitsplätze. Dazu kommt, dass der politische Kurs der BaZ mit der neuen Eigentümerschaft endlich rechts der Mitte aufgegleist wurde.


Albert Augustin, Gelterkinden


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"Sechs Monate zuvor war die Tochter von Whitney Houston leblos in einer Badewanne gefunden worden, seitdem hatte sie das Bewusstsein nie richtig wiedererlangt."

Basler Zeitung
vom 28. Juli 2015
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Tote leben eben länger.

RückSpiegel


Blick online und die Basler Zeitung nahmen die OnlineReports-Story über den ohrfeigenden Basler Drämmli-Chauffeur auf.

Die Basler Zeitung zitiert in ihrer Recherche zum Zustand der "TagesWoche" aus dem Kommentar von OnlineReports.

Die Zeit zitierte in ihrer Schweiz-Ausgabe OnlineReports-Chefredaktor Peter Knechtli mit Aussagen zur Mediensituation, insbesondere die Wirkung der "Basler Zeitung" auf das politische Leben, in der Region Basel.

Die OnlineReports-Nachricht vom Unfall-Tod des Baselbieter alt Landrats Gerhard Hasler wurde von BZ online, der BZ Basel und der Basler Zeitung aufgenommen.

Die Schweiz am Sonntag zitierte die "Keine Ahnung"-Aussage von FDP-Präsident und Nationalrats-Kandidat Daniel Stolz in OnlineReports.

Den OnlineReports-Primeur über Christoph Eymanns Verzicht auf eine Ständerats-Kandidatur griffen das SRF-Regionaljournal, die Nachrichtenagentur SDA, srf.ch, die BZ online, die BZ Basel, die Badische Zeitung und Telebasel auf.

Das SRF-Regionaljournal, Telebasel, die BZ online, die BZ Basel und 20 Minuten übernahmen den OnlineReports-Primeur über den Veruntreuungsfall im Basler Papiermuseum.

Die Basellandschaftliche Zeitung nahm den OnlineReports-Bericht über das Baselbieter Kantonsgerichts-Urteil wegen Rechtsverweigerung gegenüber dem VCS auf. 

Die OnlineReports-Recherche über den Sichtschutz-Streit um die FCB-Trainingsplätze wurde von 20 Minuten und der BZ Basel aufgenommen.

In seinem Bericht über eine geplante Überbauung eines Hinterhofs im Basler Gundeldinger-Quartier nahm das SRF-Regionaljournal auf einen früheren Bericht in OnlineReports Bezug.

Die Basellandschaftliche Zeitung und die TagesWoche online nahmen in ihren Berichten über die Baselbieter Finanzpolitik auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung berichtete über den Konflikt um die entlassene Basler Organistin Babette Mondry und ging dabei auf OnlineReports ein.

20 Minuten verwies in ihrer Nachricht über Carlo Contis Zukunft als Präsident der regionalen Alzheimer-Vereinigung auf OnlineReports.

Die Basellandschaftliche Zeitung bezog sich in ihrem Bericht über eine mögliche Ständerats-Kandidatur von Esther Maag auf OnlineReports.

Die Basler Zeitung verwies in ihrem Porträt des designierten Baselbieter SP-Co-Präsidenten Adil Koller auf OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz

• Mit Unterstützung des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) entwickelte die Basler Stadtgärtnerei eine Vorgehensweise zur biologischen Pflege von Rasen, die bereits in 13 Parkanlagen zur Anwendung kommt.

• Die Gemeinde Reinach lässt ihre Strassen dreidimensional filmen, damit der Verwaltung und den beauftragen Planungsbüros detaillierte Informationen über die Strassenmarkierungen, die Signalisationen und den Zustand zur Verfügung stehen.

• Vom 3. bis 14. August ist in Basel zwischen dem Barfüsserplatz und der Schifflände kein Trambetrieb möglich, weil am Marktplatz die Tramgleise ersetzt werden.

• Wegen der anhaltenden Hitze mussten bereits mehrere Baselbieter Bäche abgefischt werden – so der Homburgerbach in Thürnen, der Eibach in Gelterkinden und der Chrientelbach oberhalb von Sommerau.

• Ein "besseres Taxigesetz" mit besseren Rahmenbedingungen für Branche und Taxifahrer in Basel verlangt die Gewerkschaft Unia mit ihrem Referendum.

• Wegen eines Wasserleitungsbruches verzögern sich die Bauarbeiten zur Instandsetzung der Schlossgasse in Bottmingen um drei Wochen.

• Ab 1. November 2015 wird die Ethnologin Fleur Jaccard neu die Abteilung "Soziales" der Christoph Merian Stiftung leiten und Nachfolgerin von Walter Brack werden.

• Die baselstädtische LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein ist einstimmig zur neuen Präsidentin des Stiftungsrats der Pro Senectute beider Basel gewählt worden.

• Der Polizeiposten Riehen wird in der Nacht nicht geschlossen, worauf sich der Gemeinderat und das Justiz- und Sicherheitsdepartement geeinigt haben.

• Die deutliche Zunahme der Nachtflugbewegungen mit immer lauteren Flugzeugen ist für den Gemeindeverbund Flugverkehr (GVF) eine "Besorgnis erregende und inakzeptable Entwicklung".

• Die im März offiziell gegründete Frauen-Sektion der Basler SVP tritt bei den bevorstehenden Nationalratswahlen mit einer eigenen Fünfer-Liste an: Alexandra Faass, 1993, Verkäuferin / Vorstand Junge SVP Basel-Stadt; Susanne Hess, 1966, Kaufmännische Angestellte / Vorstand SVP Frauen Basel-Stadt; Jeaninne Heutschi, 1988, dipl. Pflegefachfrau HF / Vizepräsidentin SVP Frauen Basel-Stadt; Tanja Steiner, 1980, Kaufmännische Angestellte / Präsidentin SVP Frauen Basel-Stadt; Elena Wüthrich, 1947, Rentnerin.

• Zur Erweiterung und Sanierung des Stadt-Casinos Basel mit dem denkmalgeschützten Musiksaal beantragt die Basler Regierung dem Grossen Rat einen Beitrag von rund 38 Millionen Franken, was 49 Prozent der gesamten Investition von 77,5 Millionen Franken entspricht.

• In der Nacht vom 1. auf den 2. Juli wird das dritte "Flexity"-Tram der BVB mit der Nummer 5003 als Start der Serienauslieferung von Bautzen (Deutschland) im BVB-Tramdepot Wiesenplatz eintreffen.

• Die Energiestadt Reinach offeriert gemeinsam mit kmu Reinach ein attraktives Beratungsangebot: Unternehmen können die Energieeffizienz mit einfachen Massnahmen steigern.

• Die BDP Baselland geht mit folgenden Persönlichkeiten in die Nationalratswahlen: Marie‐Therese Müller, Reinach; Felix Weber, Reigoldswil; Doris Vögeli, Reinach; Beat Schmid, Oberwil; Franziska Were‐Imhof, Hersberg; Esther Meisinger, Bubendorf; Kevin Beining, Pratteln.

• Die EVP Baselland tritt mit folgender Liste zu den Nationalratswahlen an: Sara Fritz, Birsfelden, Landrätin und Studentin der Rechtswissenschaften: Daniel Kaderli, Biel-Benken, Gemeinderat und Stiftungssekretär; Andrea Heger, Hölstein, Landrätin und Primarlehrerin; Martin  Geiser, Gelterkinden, Chemiker und alt Landrat; Sonja Niederhauser, Liestal, Einwohnerrätin und ÖV-Managerin; Christian Muhmenthaler, Muttenz, Dienstleiter und IT-Spezialist; und Lukas Keller, Bottmingen, Mitglied Gemeindekommission und Bauführer.

• Die neue Buvette am St. Johanns-Rheinweg / Rheinschanze in Basel wird in den nächsten fünf Jahren von der Kaffeebar Saint Louis an der Elsässerstrasse 29 betrieben.

• In den vergangenen vier Jahren hat der Autoverkehr in Basel um 1,8 Prozent abgenommen, während der öffentliche Verkehr um knapp 6 Prozent und der Veloverkehr um rund 14 Prozent zugenommen haben.