© Foto by Peter Knechtli, OnlineReports.ch
"Keine Gegenleistung eingefordert": Basler Theater-Angebot Ballett

Binningens kultureller Service public: Kultur-Aktion mit Fragezeichen

Die Gemeinde zwischen Birsig und Dorenbach verschenkt jährlich Theatertickets im Wert von 20'000 Franken


Von Jürg Erni


"Binningen geht ins Theater 2018". So vollmundig verkünden die Gemeindenachrichten im "Binninger Anzeiger" die Gratis-Aktion zum Besuch von vier Ballett- und Opernvorstellungen auf der Grossen Bühne des Theaters Basel. Innerhalb von Minuten waren die Tickets verteilt. Die Frage bleibt offen, ob das Theater damit neue Publikumskreise gewinnt.


In Binningen sollte man wohnen. Nicht nur wegen der guten Anbindung an die Stadt und wegen des Steuerfusses unter 50 Prozent. Die Gemeinde jenseits des Dorenbachs gibt sich auch kulturell aufgeschlossen, unterhält eine mit ausgewiesenen Lehrkräften ausgestattete Musikschule und hat für das Podium des Kronenmatt-Saals einen italienischen Fazioli-Flügel angeschafft, der die Herzen nicht nur der jungen Pianisten höher schlagen lässt.

Ticket-Bündel für 20'000 Franken

Einmal im Jahr haut die Gemeinde den Theater-Lukas, bis die Glocke zum Glück scheppert: Sie verteilt grossherzig Tickets, die sie beim Theater Basel zum Preis von 20'000 Franken, der Hälfte des kommunalen Gemeindebeitrags von 40'000 Franken an Theater, eingekauft hat.

Nach Öffnung der Gemeindeverwaltung letzten Dienstag frühmorgens um acht Uhr wurden innert zehn Minuten die bis maximal zwei Tickets pro Person verschenkt, ohne das sich die glücklichen Gewinner als Ortsansässige ausweisen mussten. Als Vorstellungen im Monat März können sie das Ballett "Schwanensee" und die Opern "La Cenerentola", "Der Spieler" sowie "Die Dreigroschenoper" auf besten Plätzen im Grossen Haus besuchen.

"Theater machte den Vorschlag"

Auf die grosszügige Geste angesprochen legt Gemeinderat Philipp Bollinger (SP) Wert auf die Feststellung, "dass es nicht die Gemeinde Binningen war, die vom Theater eine konkrete Gegenleistung für den kommunalen Beitrag einforderte, sondern dass vielmehr das Theater mit diesem Vorschlag an die Gemeinde herangetreten ist".

Demgegenüber bezeichnet Theater-Direktionsassistent Lukas Bieri die Aktion einzig als "Service der Gemeinde und als Zusammenarbeit mit dem Theater Basel". Die Gemeinde kauft also die Karten ein. Die Wahl der Aufführungen wurde ebenso in "Zusammenarbeit" getroffen.

Nicht verraten will Bieri, ob die Gemeinde für die Tickets den vollen Preis bezahlt hat. Bei einem Tagespreis-Aufdruck bis 137 Franken in der besten Kategorie dürften es sich um die 200 Tickets handeln, die bei der Blitzaktion verschenkt worden sind.

Symbolische Abgeltung

Die Idee eines "Gemeinde-Abonnements" zum Theaterbesuch hatte bereits vor einem Jahrzehnt der damalige SP-Gemeinderat Marc Joset. Damit sollte ein Teil der kommunalen Zuwendung an das Theater "in Form einer Anzahl Karten an die Gemeinde zurückgegeben werden, welche diese an die Bevölkerung verteilen kann" (Bollinger). Also doch eine Art Gegenleistung seitens des Theaters?

Der Gemeinderat hatte damals beschlossen, dass "der Beitrag Binningens aufgeteilt werden soll: die Hälfte wird weiterhin als ‚ungebundener’ Beitrag ans Theater geleistet im Sinne einer symbolischen Abgeltung der subventionierten Leistungen, die das Theater auch für die Binninger Bevölkerung erbringt. Mit der andern Hälfte soll im Rahmen des sogenannten Gemeinde-Abonnements die Bevölkerung animiert werden, das Theater Basel vermehrt zu besuchen". Das "Gemeinde-Abonnement" ist mittlerweile in die jährliche Karten-Spendeaktion überführt worden.  

Ist diese Aktion sinnvoll?

So schön Gemeinde-Geschenke sind, so sehr stellt sich doch die Frage, ob mit einer solchen Kollektivbuchung andere Kreise zum Theaterbesuch animiert werden, als diejenigen, die ohnehin hingehen und sich mit der Gratisaktion zu Zweit ein Schnäppchen in der Höhe einer halben Billag-Jahresgebühr ergattert haben. Mit einer Halbpreis-Aktion, wie sie das Theater schon in den Herbstferien durchgeführt hat, wären immerhin doppelt so viele potentielle Theaterfreunde zu gewinnen.

Eine andere Möglichkeit wäre, wenn die Binninger beim gemeinsamen Besuch einer Vorstellung mit vergünstigten Eintrittspreisen ihr Interesse am Theater Basel bekundeten.


P.S.: Der Autor hat sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, ebenfalls zwei Gratistickets für eine spannende Opernaufführung abzuholen und dennoch kritisch über die Aktion zu berichten.

8. März 2018


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/echo.gif

"Deplatzierte Bemerkung"

Die Bemerkung zur Musikschule finde ich deplaziert. Es ist nicht an den Gemeinden zu wählen, wie die Lehrkräfte der Musikschule ausgebildet sind. Das ist eine Vorgabe des Kantons, und gilt für alle Musikschulen kantonsweit. So müssen Lehrpersonen an den Musikschulen einen Master in Pädagogik ausweisen. Sinnvoll oder nicht? Darüber kann man sich streiten. In gewissen Fächern (Tanz) ist das z.B. schwierig dem Anforderungsprofil zu genügen. Eine solche Vorgabe des Kantons verteuert die Musikschule, stellt aber auch sicher, dass nicht jeder, der eine Geige halten kann auch gleichzeitig Geigenunterricht an einer öffentlichen Musikschule erteilen kann. Wir würden nämlich Gefahr laufen, dass gerade dort die Gemeinden sparen würden und damit die Qualität des Unterrichts in Frage gestellt würde. An der Volksschule wollen wir ja auch professionelles Personal. Weshalb denn nicht an der Musikschule?


Regula Messerli, Gemeinderätin Oberwil, Präsidentin Musikschule Leimental, Präsidentin Verband Musikschulen Baselland (VMBL), Oberwil



Was Sie auch noch interessieren könnte

Grosse Fragezeichen zum
Multiplex-Kino im "Stücki"

6. November 2020

Betreiber Edouard Stöckli fatal:
"Vielleicht bin ich dann pleite."


Der Heilige trotzt
dem Corona-Virus

16. Oktober 2020

Mit "Saint François d’Assise": Start in
die neue Basler Corona-Opernsaison.


Piccolos und Guggen treiben
Anwohner zur Verzweiflung

25. September 2020

Kleinhüningen: Die musikalischen Dauer-Übungen im Frühherbst stören.


Video: 18.9.2020 Gugge übt in Kleinhüningen

Laden Sie doch Facebook
zur Medienkonferenz ein!

26. August 2020

Soziale Medien: Peter Knechtli über
die Illusion der grossen Wirkung.


Stadtcasino Rouge: Die
neue Basler Kultur-Perle

17. Juni 2020

Am 22. August ist Eröffnung: Die Medien durften schon reinkucken – und staunen.


"Aktion Abutille" machte
Basler Mediengeschichte

10. Juni 2020

Seine Affäre löste Unruhe vor dem
Sturm
der Zeitungs-Fusion aus.


Reaktionen

Münsterplatz: Keine Gnade
für Sommer-Kulturpavillon

15. Mai 2020

Basler Allmendverwaltung lehnt einen
dreimonatigen Sommerbetrieb ab.


"Ricola" bleibt Sponsor
der Semperoper Dresden

31. Januar 2020

Distanzierung von Ordensverleihung an
Ägypten-Diktator Abdel Fatah El-Sisi.


Reaktionen

"Journalismus als Geschäftsmodell ist tot"

29. Januar 2020

Basler Medien debattieren Chancen und Risiken des digitalen Umbruchs.


Reaktionen

Der Ungeist der
Politischen Korrektheit

28. November 2019

Ein Essay des Physikers und Öko-
zentrums-Mitbegründers Willy Bierter.


Reaktionen

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

Frisch pubertiert

Knutschen im Thermalbad
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Sie können Ihr Couvert bis am Samstag, 12:00 Uhr, auch in den Briefkasten deiner Gemeinde werfen."

FDP Basel-Stadt
im Newsletter
vom 24. November 2020
https://www.onlinereports.ch/fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Machen Sie/du von dieser Möglichkeit Gebrauch.

Alles mit scharf

Der Bart nach dem Maskenball

RückSpiegel


Die Basler Zeitung nahm die OnlineReports-News über einen geplatzten Baselbieter Strafprozess auf.

Die Wochenzeitung ging in ihrem Bericht über den Abbau in grossen Schweizer Zeitungsredaktion auch auf "kleinere Player" wie OnlineReports ein.

Die BZ zieht den OnlineReports-Report über den Verzicht auf das Muttenzer Multiplex-Kino der "Kitag AG" nach.

Die OnlineReports-News über die Schliessung eines Tanzlokals in der Basler Innenstadt nahm die BZ auf.

In ihrer Besprechung von Roland Starks Kolumne-Buch "Stark!" nimmt die Volksstimme auf OnlineReports Bezug.

Die BZ kritisierte den designierten Basler SP-Regierungsrat Beat Jans für seinen Twitter-Tweet: "Wieso muss man in unserer Region eigentlich 'Onlinereports' lesen, wenn man sich umfassend informieren, statt belehren lassen will?"
 

Bajour.ch zitiert OnlineReports in einem Interview mit der Basler Regierungsrats-Kandidatin Stephanie Eymann.

Das SRF-Regionaljournal, die BZ, fasnacht.ch sowie LDP-Grossrat Michael Hug (Interpellation) nahmen die OnlineReports-Recherche über Lärmprobleme durch Trommler, Pfeifer und Gugge in Kleinhüningen auf.

Bajour schreibt, die Berichte von OnlineReports zur Baselbieter Velobahn-Affäre gefielen ihr "am besten".

In ihrem Kommentar über staatliche Medienförderung geht Prime News auf das über zwanzigjährige Bestehen von OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung und die BZ zitierten in ihren Berichten über das Velobahn-Amigo-Geschäft von Klaus Kirchmayr und Isaac Reber ausführlich aus OnlineReports.

In ihrem Bericht über die Umgestaltung der Basler Meriangärten nimmt die BZ auf eine zuvor erschienene OnlineReports-Recherche Bezug.

Die Badische Zeitung zitierte in ihrer Vorwahl-Analyse der Basler Regierungs-Wahlen aus einem OnlineReports-Kommentar.

In der BZ-Kolumne nahm Daniel Wiener Bezug auf den OnlineReports-Kommentar über den Macht-Poker um die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann.

In ihrem Leitartikel über den Zustand des Kantons Basel-Stadt zitierte die BZ aus dem OnlineReports-Interview mit Michael Hug.

Die BZ nahm die OnlineReports-Geschichte über den Abbruch des Hauses an der Basler Rufacherstrasse 73 auf. Die Basler Zeitung verzichtete auf eine Quellennennung.

Die BZ nahm die OnlineReports-Story über eine umstrittene Eichen-Fällung auf.

In ihrer News über das Debakel um die Wahl des Gemeindepräsidenten in Schönenbuch nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung bezog sich in ihrem Artikel über die Kandidatensuche der Basler SVP auf ein Interview in OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz


Das Budgetdefizit 2021 in Höhe von 2,2 Millionen Franken sei "mehrheitlich coronabedingt", schreibt der Birsfelder Gemeinderat.

Sarah Thönen wird am 1. April 2021 die Leitung des Bereichs "Jugend, Familie und Sport" des Kantons Basel-Stadt übernehmen.

Die Birsfelder Gemeinderätin Regula Meschberger wird ab 1. Januar 2021 als Nachfolgerin von Bianca Maag-Streit den "Verband Basellandschaftlicher Gemeinden" (VBLG) präsidieren.

Gregor Leonhardt (52) übernimmt im Frühjahr 2021 die Leitung des Geschäftsbereichs Infrastruktur im Basler Tiefbauamt.

Der Basler Anwalt und Notar Andreas Waldmann zieht sich per 1. Januar 2021 aus der Kanzlei Waldmann Petitpierre als Partner zurück.

Der Baselbieter Landrat nahm das Gesetz über die Bekämpfung der Schwarzarbeit und das Arbeitsmarktaufsichts-Gesetz mit 71:18 Stimmen an, doch kommt es zur obligatorischen Volksabstimmung, weil die Vierfüntel-Mehrheit nicht erreicht wurde.

Der Baselbieter Polizeikommandant Mark Burkhard ist zum Präsidenten der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten der Schweiz (KKPKS) gewählt worden.

Die Central Real Estate Basel AG, Eigentümerin im Klybeck-Areal, tritt ab sofort unter dem neuen Namen Rhystadt AG auf.

Das Basler Marionetten Theater unterbricht per sofort seine Saison bis mindestens Ende 2020.

Die Basler FDP nominierte für den zweiten Wahlgang der Regierungsrats-Wahlen erwartungsgemäss ihr Mitglied Baschi Dürr sowie die LDP-Liberale Stephanie Eymann.

Auf der Autobahn A3 bei Eiken, wo 120 km/h erlaubt sind, wurde am frühen Morgen des 24. Oktober eine Autofahrerin mit Tempo 214 km/h als Raserin geblitzt.

Die Basler Juso bitten die Regierung in einer Petition, sich aktiv dafür einzusetzen, 100 Menschen aus dem Camp Moria in den Kanton Basel-Stadt aufzunehmen.

Der Stiftungsrat der Stiftung Brasilea hat die 37-jährige brasilianisch-schweizerische Doppelbürgerin Tatiana Andrade Vieira als neue Geschäftsführerin und Nachfolgerin von Daniel Faust gewählt.

Die Basler SP hat am 16. Oktober ihre Initiative "Kinderbetreuung für alle" mit über 3'000 Unterschriften eingereicht.

Dominik Beeler wird neuer Präsident der Grünen Liestal und damit Nachfolger von Erika Eichenberger.

Die Volksinitiative "für ein klimagerechtes Basel", die die Treibhausgas-Emissionen in Basel-Stadt bis 2030 auf Null senken will, ist am 8. Oktober mit über 3'700 Unterschriften bei der Staatskanzlei eingereicht worden.

Die Stadt Liestal hat die Einführung eines Ortsbusses namentlich in den Quartieren Sichtern und Langhag/Hanro mit 2'246 Ja-Stimmen gegen 2'717 Nein-Stimmen deutlich abgelehnt.

Binningen hat die SP-Initaitive gegen den Verkauf von gemeindeeigenem Boden mit  2'823 Ja gegen 2'809 Nein hauchdünn angenommen.

Münchenstein hat der Quartierplanung "Spenglerpark" mit dem 100 Meter hohen Hochhaus mit einem Ja- Anteil von 58 Prozent zugestimmt.