© Foto by OnlineReports.ch
"Käsekenner nicht Käsepapst": Basler Gewerbler Wirth

Trotz Pensionierung: Käse-Laden von Alex Wirth bleibt erhalten

Er dachte schon ans Aufgeben – da sprang unerwartet sein Sohn, gelernter Strassenbauer, ein


Von Peter Knechtli


Das Käsespezialitäten-Lädeli von Alex Wirth an der Basler Colmarerstrasse ist klein, aber fein. Eine Zeitlang sah der heute 64-jährige Betreiber für sein Geschäft kaum noch eine Zukunft. Sein Sohn mochte als Kind Käse nicht, lernte Kaufmann und Strassenbauer. Doch dann kam alles anders.


Beim Eintreten in den Laden klingelt es, und dann riecht es einfach nur noch traumhaft: Ein Kondensat von zahlreichen dicht gedrängten Käseabschnitten in der Auslage – vom der "Bergfichte" und dem "Taleggio" über "Greyerzer" in verschiedenen Reifegraden bis "Holzhofer", "Nonnenstolz" und "Weisser Zottel". Darunter mischen sich auch weitere italienische und korsische Spezialitäten.

Geplant war eine Profi-Fussballer-Karriere

Dass er je den Tante Emma-Laden seines Vaters mit seinen Ovo-Büchsen, Vanillestängel, Maggiwürfeln, Landjägern und dem Pflichtangebot Milch und Käse übernehmen würde, daran hätte Alex Wirth in seinen Jugendjahren nicht gedacht. "Ich spielte in der ersten Mannschaft des FC Basel und peilte eine Karriere als Berufsfussballer an", sagt der gelernte Kaufmann. Die Mutter führte den Laden, der Vater, der aus dem Luzernischen zugewandert war und das in den zwanziger Jahren entstandene Milchgeschäft Anfang August 1957 samt Liegenschaft übernehmen konnte, ging mit Ross und Wagen auf Milchtour.

Doch als sich der "junge, hoffnungsvolle Spieler" (Wirth über Wirth) bei einem Fussball-Match ("wir hatten kurz davor Manchester United geschlagen") das Sprunggelenk und gleich noch das Wadenbein brach und der Vater ausserdem einen Herzinfarkt erlitt, "stieg ich aus der Not ins Geschäft ein". Learning by doing sei das Gebot der Stunde gewesen, sagt der Gewerbetreibende, der heute 150 statt wie früher fünf Käsesorten anbietet: "Ich begründete die Spezialitäten-Reputation."

Über die Nordwestschweiz hinaus bekannt

Längst ist "Wirth" in der Nordwestschweiz das geworden, was die "Fromagerie Antony" im Elsass ist: "Wenn Käse das Thema ist, dann fällt der Name Wirth schnell." Vielleicht liegt Alex Wirth die Kultpflege nicht so ganz ("ich bin Käsekenner, nicht Käsepapst"), aber als Konkurrenten sieht er seinen auf Weichkäse spezialisierten frankophilen Branchenkollegen aus Vieux-Ferrette nicht. "Wir respektieren uns gegenseitig. Meine Spezialität sind die wunderbaren, weltweit einmaligen Hart- und Halbhartkäse."

Neben Käse als Hauptumsatzträger sind an der Colmarerstrasse 10 ganz in der Nähe des Burgfelderplatzes auch Milch, Yoghurt, Brot, Senf Trockenwürste, Wein und Spaghetti aus Poschiavo zu haben. Internationale Kundschaft, die an grossen Basler Messen ausstellt, schauen ebenso vorbei wie Gäste der Nobelherberge "Trois Rois". Auch Diplomatenwagen fuhren vor dem Lädeli schon vor.

"Wie ein Sechser im Lotto" statt Burnout

Das sind die Sonnenseiten. Aber der siebenstellige Umsatz hat auch seinen Preis. "Man ist immer im roten Bereich. Man kommt als Erster und geht als Letzter. Das geht an die Substanz", schildert Alex Wirth die Härte seines beruflichen Alltags. Er erinnert sich an die Zeiten, in denen er morgens um vier Uhr "mit drei Kühlwagen Milchlieferungen im grossen Stil an Spitäler, Altersheim und Hotels" betrieb. Dieses Rackern hat er zwar "gesundheitlich gut überstanden", aber allmählich dämmerte so etwas wie die "Angst vor einem Burnout" – vielleicht auch deshalb, weil ihn mit nahendem Erreichen des Pensionsalters die Frage umtrieb: Was nach mir? Die Alternativen waren die Beschränkung auf das Lädeli oder die Aufgabe des ganzen Betriebs.

Da tat sich für Alex Wirth ein unerwartetes Türchen auf – "etwas, das mir gar nie in den Sinn kam": Sein heute 31-jähriger Sohn Lucas, der als Kind den Käse verschmähte, eine Bürolehre machte und schliesslich Strassenbauer und Polier wurde, zeigte vor einigen Jahren plötzlich Interesse, das Geschäft seines Vaters in dritter Generation weiterzuführen. "Das war für mich wie ein Sechser im Lotto. Besser geht's nicht", freut sich der Patron, der mit Sohn Lucas das Geschäft inzwischen "fifty-fifty" führt und wöchentlich gar einen Grossvater-Tag einziehen kann. Ab kommenden Herbst wird Alex Wirth nur noch zwei Tage die Woche arbeiten.

Ein Gewerbebetrieb im Wandel

Wie sich der Charakter von Angebot und Geschäftsmodell immer wandelte, veränderte es sich auch unter Alex Wirths Führung. Wurden die Milchlieferungen 2010 eingestellt und die Filialen aufgegeben, sind neue Angebote hinzugekommen: Ab 2001 der Stand auf dem Marktplatz, das Catering, der Stand vor Fussballspielen im St. Jakob-Park, wo vor Anpfiff noch rasch ein Fondue oder eine "Wirth-Schnitte" verzehrt wird, der stets ausgebuchte Fondue-Pavillon an der Herbstmesse auf dem Petersplatz, oder der Stand in der Degustationshalle an der Mustermesse.

Alex Wirth ist darüber besonders glücklich, dass Sohn Lucas – bei unserem Besuch war er gerade bei einem Käsereibesuch im Bündnerland – nicht nur mit dem Metier schon gut vertraut ist, sondern auch die Fähigkeit hat, neue Geschäftsfelder zu identifizieren. Am 12. August feiert das Familienunternehmen Wirth nicht nur mit einem Fest das 60 Jahr-Jubiläum (siehe Kasten unten); dann ist auch offizielle Stabsübergabe vom Vater an den Sohn. Alex Wirth: "Das wird ein freudiges Ereignis."

16. Mai 2017


12. August: 60 Jahre Wirth


Am 12. August ab 16 Uhr steigt im Käseladen Wirth das Fest zum 60-jährigen Bestehen des Familienbetriebs und gleichzeitig zur Übergabe der Verantwortung von Alex Wirth auf Sohn Lucas. Dabei wird er einen 30-jährigen Sbrinz anschneiden, den er seit der Geburt seines Sohnes hegt und pflegt. Überdies werden eine Käse-Degustation und musiklische Unterhaltung geboten. Alex Wirth wird einen Überblick über die Firmengeschichte geben. Zwischendurch wird der Kleibasler Kabarettist Roland Suter "noch etwas Käse erzählen", wie es in der Einladung heisst.


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Dank Stichentscheid des CVP Ratspräsident, Remo Gallacchi, empfehlt nun auch das Parlament, ..."

CVP Basel-Stadt
Medienmitteilung
vom 14. November 2018
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

... die Rechtschreibung vor Veröffentlichung zu überprüfen.

RückSpiegel


Telebasel zitierte zur Einleitung des "Sonntalks" über Prämienverbilligungen aus dem OnlineReports-Kommentar "Anton Lauber muss sozialer werden".

Die NZZ nimmt in ihren Hintergrund-Artikel über "Basel in der Abseitsfalle" auf einen OnlineReports-Leitartikel Bezug.

Eine Kolumne in der Basler Zeitung erinnert daran, dass OnlineReports über die Verlegung der Tram-Haltestelle vom Spalentor in die Spalenvorstadt berichtet hat.

Die Basler Zeitung publiziert aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Porträt zur Entwicklungsgeschichte.

Prime News führte aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Interview mit Chefredaktor Peter Knechtli.

In ihrem Bericht über einen hartnäckigen Streit um das Basler Restaurant "Löwenzorn" nimmt die Basler Zeitung auf einen früheren OnlineReports-Bericht Bezug.

Die Nachrichtenagentur SDA erwähnt OnlineReports und seine schwarzen Zahlen seit zwanzig Jahren im Zusammenhang mit der Einstellung der "Tageswoche".

Der Basler Zeitung fiel in einem Leserbrief in OnlineReports auf, dass der frühere Baselbieter Polizeisprecher auf der SVP-Liste für den Landrat kandidiert.

Telebasel, nau.ch und 20 Minuten bezogen sich in ihren Beiträgen über Sachbeschädigungen gegen die Jüdische Genossenschafts-Metzgerei auf OnlineReports.

Im Interview mit Claudia Sigel geht die Basler Zeitung auf eine Aussage der Baselbieter CVP-Präsidentin Brigitte Müller in einem OnlineReports-Interview ein.

In ihrem Bericht über das Ja der Wettbewerbs-Kommission zur Übernahme der "Basler Zeitung" durch Tamedia erwähnt die NZZ auch OnlineReports.

Die BZ Basel, Telebasel und die Basler Zeitung nahmen die OnlineReports-Nachricht vom Tod der FCB-Legende Peter Ramseier auf.

Prime News geht in ihrem Überblick über die Perspektiven des Medienplatzes Basel auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung geht in ihrem Bericht über den "Spagat der CVP-Präsidentin" Brigitte Müller auf ihre Aussagen im OnlineReports-Interview ein.

Die Basler Zeitung, die Basellandschaftliche Zeitung, Prime News und Telebasel zitierten in ihren Berichten zur Baselbieter CVP aus dem OnlineReports-Interview mit Parteipräsidentin Brigitte Müller.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Die Baselbieter Regierung will bei der Staatssteuer den Vergütungszins für das Jahr 2019 bei 0,2 Prozent belassen, ebenso bleibt der Verzugszins bei 6 Prozent.

• Die Bau- und Raumplanungs-Kommission des Basler Grossen Rates spricht sich für den Neubau von Staatsarchiv und Naturhistorischem Museum im St. Johann-Quartier aus.

Matthias Gysin, heute Verwaltungsleiter in der Gemeinde Aesch, wird ab 1. April 2019 neuer Geschäftsführer des "Verbandes Basellandschaftlicher Gemeinden" (VBLG) und Nachfolger von Ueli O. Kräuchi.

• Das Projekt eines Ozeaniums des Basler Zoos hat mit starkem Wellengang zu kämpfen: Das gegnerische Komitee reichte fast 5'000 Referendums-Unterschriften ein, wodurch es zu einer Volksabstimmung kommen wird.

Yvette Harder wird per 18. März 2019 neue Generalsekretärin des Basler Finanzdepartements und damit Nachfolgerin von Alexandra Schilling, die in die Kommandoabteilung der Kantonspolizei wechselte.

• Der frühere Baselbieter SP-Regierungsrat Urs Wüthrich-Pelloli übernahm an der ordentlichen Mitgliederversammlung des Fördervereins Universität Basel von Jean-Luc Nordmann das Präsidium.

• In weniger als sieben Wochen sammelte das parteiunabhängige Komitee "Kein Parkhaus unter dem Tschudi-Park" mehr als 3500 Unterschrift'en für seine Petition.

• Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, dem Staatspersonal für das Jahr 2019 einen Teuerungsausgleich von 1,4 Prozent auszurichten.

Elena Hermann wird neue Leiterin der Staatlichen Schlichtungsstelle für Mietstreitigkeiten Basel-Stadt und löst Ernst Jost ab, der per Ende Jahr in Pension gehen wird.

• Das Basler Komitee gegen die kantonale Vorlage zur "Steuervorlage 17", das sich aus linken Parteien und Gewerkschaften rekrutiert, hat 3'300 Unterschriften für das Referendum gesammelt.

Andreas Häner, von 2009 bis 2015 schon Vorstandsmitglied, wird neuer Geschäftsführer des Basler Heimatschutzes und damit Nachfolger von Paul Dilitz, der nach elfjähriger Tätigkeit in den Ruhestand tritt.

Daniel Roth (61) wird im Baselbiet neuer Leiter des Rechtsdienstes von Regierung und Landrat, als Nachfolger von Hans Jakob Speich, der sich vorzeitig pensionieren lässt.

Irene Heinimann wird neue Baselbieter Kantonsapothekerin und folgt als bisherige Stellvertreterin auf Hans-Martin Grünig, der Ende Dezember in Pension geht.

• Vertiefte Kostenkontrollen zum Umbau der Kunsteisbahn Sissach zur geschlossenen Halle zeigen, dass der Bau bis zu zehn Prozent teurer wird als vorgesehen.

• Der Baselbieter alt Landratspräsident Jürg Degen und der Läufelfinger Gemeindepräsident Dieter Forter sind von "Pro Bahn Schweiz" für ihr Engagement zur Erhaltung des "Läufelfingerlis" mit dem Preis "Premio Pro Spez 2018" ausgezeichnet worden.

Steigende Bildungs- und Sozialkosten belasten das Ergebnis der Gemeinde Reinach, so dass für 2019 ein Defizit von 1,67 Millionen Franken budgetiert werden muss.

Olivier Aebi wird per 1. Februar 2019 neuer CEO des Basler Ingenieur- und Planungsunternehmens Gruner AG und Nachfolger von Kurt Rau ab, der die Gruner-Gruppe interimistisch leitet.

• Aufgrund einer umfassenden Kontrolle der Stadtgärtnerei müssen im Kanton Basel-Stadt 229 Bäume zum grössten Teil aus Sicherheitsgründen gefällt und ersetzt werden; die Liste der betroffenen Bäume wird im Kantonsblatt vom 10. Oktober publiziert.

Andrea Schenker-Wicki, die Rektorin der Universität Basel, ist durch den Universitätsrat für weitere vier Jahre bestätigt worden.

• Am 1. Oktober beginnen in Basel die Vorarbeiten für den Bau des unterirdischen Kunstmuseum-Parkings mit der Umlegung unterirdischer Leitungen.