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"Grosse Herausforderung": Überfall-Kampf Balicha (oben), Beqiri

Brutalo-Prozess stellt auch Strafgericht vor grosse Herausforderung

Der Überfall von Kampfsportler Balicha auf seinen Rivalen Beqiri kommt frühestens in einem halben Jahr vor Gericht


Von Peter Knechtli


Am Baselbieter Strafgericht bereiten sich die Richter auf eine spektakuläre Verhandlung vor: Der sogenannte "Fall Dojo" bietet einen erschreckenden Einblick in Aspekte des Kampfsport-Milieus. Beim Überfall von Paulo Balicha und seinem Mob auf die Schule des Kickbox-Profis Shemsi Beqiri in Reinach hätte es Tote geben können.


Es gibt Anklageschriften, die auch den hartgesottensten Leser nicht unberührt lassen. Jene im Fall "Dojo" (ausgesprochen: "Doscho") ist so eine. Es sind Horror-Szenen, die sich wie ein Fiebertraum-Crescendo aufbauen. Es ist aber kein Traum, sondern brutale Realität, was die Baselbieter Staatsanwaltschaft dem Strafgericht zur Beurteilung überwiesen hat.

Diese Woche Logistik-Testlauf

Die öffentliche Gerichtsverhandlung wird allerdings erst im zweiten Quartal des kommenden Jahres stattfinden. Sie stellt das Strafgericht in Muttenz vor nicht unerhebliche Raumprobleme: Die Gerichtssäle sind nicht für einen derart grossen Prozess mit mehreren Dutzend Anwesenden – Angeklagte, Anwälte, Medienvertreter und Publikum – ausgelegt. Wie OnlineReports von Gerichtspräsidentin Irène Laeuchli erfuhr, soll die "grosse logistische Herausforderung" dennoch durch eine interne Lösung im neuen Strafjustizzentrum gemeistert werden.

Im grossen Gerichtssaal sollen nach derzeitigen Plänen die Angeklagen, ihre Anwälte und allenfalls die Zivilkläger untergebracht werden. Sodann soll die Verhandung für Medienvertreter und Zuschauer in ein benachbartes Sitzungszimmer mit Grossleinwand übertragen werden. Diese Woche soll ein Testlauf "eins zu eins durchgespielt" werden.

Urteil erst nächsten Sommer

Irène Laeuchli ("einen so grossen Fall gibt es alle zehn Jahre") rechnet für Parteienverhandlung und Plädoyers mit einem Zeitbedarf von zwei Wochen. Davon sollen alle Beschuldigten während rund zwei Tagen anwesend sein. Die Urteile sollen rund zwei Monate später eröffnet werden – nächsten Sommer.

Der Fall spielte sich am Abend des 24. Februar 2014 im "Dojo" – so heisst ein Trainingshalle der Kampfsportler – des Basler Kickboxers Shemsi Bequiri ab. Es war eine Abrechnung, wie sie im Zentrum eines Gangsterfilms stehen könnte.

Maskiert und bewaffnet zum Überfall

Nichts Böses ahnend übten Beqiri und einige Trainer mit 20 unbeteiligten Kindern im Alter von 11 bis 17 Jahren in der Kampfsportschule "Superpro Sportcenter" im ersten Stock des Gebäudes am Christoph Merian-Ring 23 in Reinach, als sich die Szenerie schlagartig wechselte: Um 19.40 Uhr gab der heute 40-jährige Kampfsportler Paulo José Mendes Balicha, wie Beqiri ebenfalls mehrfacher Thaibox-Weltweltmeister, seinen zahlreichen maskierten und bewaffneten Begleitern den Befehl zum Überfall der Kampfsport-Schule.

Die beiden Profis waren früher Gefährten, Balicha war Beqiris Trainer – dann wurden sie Gegner. Ob es eine Rache für Beleidigung war oder einfach ein Macho-Auftritt, um zu beweisen, wer der Bessere ist: Was genau zum Angriffsplan geführt hat, ist nicht gesichert. Sicherlich war eine mit hoher Gewaltbereitschaft geladene Rivalität im Spiel.

Versuch der Demütigung

Laut Anklage wollte Balicha nach mehreren erfolglosen Herausforderungen Widersacher Beqiri einen Kampf "aufzwingen" und den erwarteten Sieg filmen, um ihn damit zu "demütigen". Ziel des Angreifers sei es gewesen, dem erfolgreichen Beqiri "grösstmöglich wirtschaftlich, sportlich und in dessen Ruf zu schaden". Und dies nicht zeitlich zufällig, sondern unmittelbar vor einem für Beqiri "bedeutsamen Auftritt" Anfang März jenes Jahres in Kroatien. Andere Quellen sprechen von einer bevorstehendene Japan-Tour, die die Krönung seiner Karriere hätte werden sollen.

Dazu kam es nicht. Balicha organisierte einen rund 20-köpfigen Mob – darunter auch Mitglieder der gewaltbereiten FCB Hooligan-Szene – und Baseballschläger, Schlagstöcke und Vermummungs-Material. Nach der Erstürmung des Trainingslokals wurden vier Trainer durch die Balicha-Truppe mit Schlagstöcken verprügelt und verletzt.

Beqiri war der Stärkere

Shemsis Bruder Ilir, ebenfalls ein erfolgreicher Kampfsportler, hielt einer der Angreifer eine Pistole oder eine Imitation davon an den Bauch und zwang ihn, sich zu setzen. Die maskierten Begleiter mussten sodann Balicha "den Rücken freihalten". Shemsi Beqiri wurde erst im Ring verprügelt, bevor Balicha seine Attacke in Fond der Halle begann – umringt von vermummten, bewaffneten Getreuen, die den Angreifer anfeuerten.

Quelle und wichtigstes Dokument der Staatsanwaltschaft ist ein beklemmendes Video, das die Angreifer am Tatort zurückliessen oder bei der Flucht verloren. Rund sieben Minuten dauerte der von Würgtechniken begleitete brutale Kampf, der für Angreifer Balicha als Schmach endete: Beqiri war offensichtlich der Stärkere, obschon Balicha an beiden Händen "eine die Schlagkraft erheblich verstärkende Kampfbandage" trug. Nur dank seinen Helfern, die Beqiri von hinten würgten, konnte sich Balicha von seinem Gegner befreien und das Weite suchen. Beide Kontrahenten mussten ihre Verletzungen in der Notfallstation behandeln lassen.

Psychische Folgen für Kampfsport-Schüler

Während des rund eine Viertelstunde dauernden Überfalls wurde der Tatort laut Anklage verschlossen und durch Türsteher bewacht. Zerbrochene Holzstäbe und verbogene Teleskopstäbe zeugten von der Aggression, mit der die Überzahl der Angreifer unter dem Beqiri-Lager "Todesangst" ausgelöst hatte. Bei den Beqiri-Schülern entstandene dadurch psychische Probleme, die "teils bis heute noch nicht ausgeheilt" sind.

Indem Balicha gegen Beqiri illegale Kampfsporttechniken anwendete – Fingergriff gegen die Augen, Zudrücken des Kehlkopfs mit Unterarm, versuchte Kopfstösse und Würgen –, habe er eine "potenzielle Lebensgefahr" und eine Hirnblutung in Kauf genommen. Das Video zeigt, dass auch Beqiri seinen Unterarm an den Hals des am Boden liegenden Gegners legte, was vermutlich als Notwehr eingestuft werden könnte. Beqiri-Anwalt Jascha Schneider sagte zu OnlineReports.ch, in diesem Fall zeige sich "ein Mass an Organisation, das Mafia-Methoden gleicht".

24 weitere Delikte

65 Seiten stark ist die Anklageschrift, die den 16 Angeklagten – sie stammen vor allem aus dem Balkan, Brasilien und der Schweiz – versuchte schwere Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Hausfriedensbruch und Verstoss gegen das Waffengesetz vorwirft. Die Anklage wird vertreten durch Staatsanwalt Stephan Fraefel.

Gegen mehrere Beschuldigte kommen noch 24 weitere hängige Delikte, die mit dem Überfall nichts zu tun haben, im gleichen Verfahren zur Anklage. Dabei geht es unter anderem um die versuchte Einführung von anabolen Steroiden zu Dopingzwecken, Todesdrohungen, Pornografie mit Tieren, Drogendelikte.

2. Oktober 2017

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"... oder man sucht Nebenflüsse, auf denen man noch fahren kann, wie die Donau oder auf der Mosel"

Regionaljournal Basel
Basler Schifffahrts-Sprecher
André Auderset
am 22. Oktober 2018
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Aus Urkleinbasler Optik ist die Donau als Nebenfluss des Rheins durchaus denkbar.

RückSpiegel


Die Basler Zeitung publiziert aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Porträt zur Entwicklungsgeschichte.

Prime News führte aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Interview mit Chefredaktor Peter Knechtli.

In ihrem Bericht über einen hartnäckigen Streit um das Basler Restaurant "Löwenzorn" nimmt die Basler Zeitung auf einen früheren OnlineReports-Bericht Bezug.

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Der Basler Zeitung fiel in einem Leserbrief in OnlineReports auf, dass der frühere Baselbieter Polizeisprecher auf der SVP-Liste für den Landrat kandidiert.

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Im Interview mit Claudia Sigel geht die Basler Zeitung auf eine Aussage der Baselbieter CVP-Präsidentin Brigitte Müller in einem OnlineReports-Interview ein.

In ihrem Bericht über das Ja der Wettbewerbs-Kommission zur Übernahme der "Basler Zeitung" durch Tamedia erwähnt die NZZ auch OnlineReports.

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persoenlich.com erwähnte OnlineReports und seine frühere Praktikantin Valerie Zaslawsky im Zusammenhang mit ihrem Weggang bei der NZZ und ihrem Umzug nach Berlin, wo sie als Freie Journalistin arbeitet.

In seinem Artikel über medienpolitische Entscheide der Wettbewerbskommission erwähnt Rainer Stadler in der NZZ auch OnlineReports.

Roland Stark, Kolumnist der Basler Zeitung, nahm in seinem Text über Meinungsvielfalt auf OnlineReports Bezug.

In der Meldung über das neue Basler Nachrichten-Portal "Prime News" bezogen sich die BZ Basel, Nachrichtenagentur SDA und das Branchenmagazin Persönlich auf OnlineReports.

Das SRF-Regionaljournal bezog sich in seiner Meldung über die Selbst-Vergiftung des Basler Museumsdirektors Michael Kessler auf OnlineReports.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-News über den Streit der Basler SVP mit ihrem Grossrat Patrick Hafner über Ausstände bei den Mandatabgaben auf.

Das SRF-Regionaljournal und die Schweiz am Wochenende nahmen auf die OnlineReports-Recherche über den durch die Suva verfügten Baustopp am neuen Werkhof in Sissach Bezug.

Die WochenZeitung verweist darauf, dass textfokussierte Nachrichtenportale wie OnlineReports gemäss dem Entwurf des neuen Bundesgesetzes über elektronische Medien nicht in den Genuss einer Bundesförderung kämen.

20 Minuten
entlarvte die von OnlineReports vermeldete Besetzung des Gewächshauses auf dem Dreispitz-Lok-Depot als Scheinbesetzung.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Der frühere Baselbieter SP-Regierungsrat Urs Wüthrich-Pelloli übernahm an der ordentlichen Mitgliederversammlung des Fördervereins Universität Basel von Jean-Luc Nordmann das Präsidium.

• In weniger als sieben Wochen sammelte das parteiunabhängige Komitee "Kein Parkhaus unter dem Tschudi-Park" mehr als 3500 Unterschrift'en für seine Petition.

• Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, dem Staatspersonal für das Jahr 2019 einen Teuerungsausgleich von 1,4 Prozent auszurichten.

Elena Hermann wird neue Leiterin der Staatlichen Schlichtungsstelle für Mietstreitigkeiten Basel-Stadt und löst Ernst Jost ab, der per Ende Jahr in Pension gehen wird.

• Das Basler Komitee gegen die kantonale Vorlage zur "Steuervorlage 17", das sich aus linken Parteien und Gewerkschaften rekrutiert, hat 3'300 Unterschriften für das Referendum gesammelt.

Andreas Häner, von 2009 bis 2015 schon Vorstandsmitglied, wird neuer Geschäftsführer des Basler Heimatschutzes und damit Nachfolger von Paul Dilitz, der nach elfjähriger Tätigkeit in den Ruhestand tritt.

Daniel Roth (61) wird im Baselbiet neuer Leiter des Rechtsdienstes von Regierung und Landrat, als Nachfolger von Hans Jakob Speich, der sich vorzeitig pensionieren lässt.

Irene Heinimann wird neue Baselbieter Kantonsapothekerin und folgt als bisherige Stellvertreterin auf Hans-Martin Grünig, der Ende Dezember in Pension geht.

• Vertiefte Kostenkontrollen zum Umbau der Kunsteisbahn Sissach zur geschlossenen Halle zeigen, dass der Bau bis zu zehn Prozent teurer wird als vorgesehen.

• Der Baselbieter alt Landratspräsident Jürg Degen und der Läufelfinger Gemeindepräsident Dieter Forter sind von "Pro Bahn Schweiz" für ihr Engagement zur Erhaltung des "Läufelfingerlis" mit dem Preis "Premio Pro Spez 2018" ausgezeichnet worden.

Steigende Bildungs- und Sozialkosten belasten das Ergebnis der Gemeinde Reinach, so dass für 2019 ein Defizit von 1,67 Millionen Franken budgetiert werden muss.

Olivier Aebi wird per 1. Februar 2019 neuer CEO des Basler Ingenieur- und Planungsunternehmens Gruner AG und Nachfolger von Kurt Rau ab, der die Gruner-Gruppe interimistisch leitet.

• Aufgrund einer umfassenden Kontrolle der Stadtgärtnerei müssen im Kanton Basel-Stadt 229 Bäume zum grössten Teil aus Sicherheitsgründen gefällt und ersetzt werden; die Liste der betroffenen Bäume wird im Kantonsblatt vom 10. Oktober publiziert.

Andrea Schenker-Wicki, die Rektorin der Universität Basel, ist durch den Universitätsrat für weitere vier Jahre bestätigt worden.

• Am 1. Oktober beginnen in Basel die Vorarbeiten für den Bau des unterirdischen Kunstmuseum-Parkings mit der Umlegung unterirdischer Leitungen.

Liestal hat den Bruttokredit in der Höhe von 4,96 Millionen Franken für den Bau der städtischen Velostation und den Bau der erhöhten Velospur in der Unterführung der Oristalstrasse mit 2'386 Ja-Stimmen gegen 732 Nein-Stimmen sehr deutlich angenommen.

• Der 33-jährige FCB-Mittelfeldspieler Geoffroy Serey Die hat den bis zum 30. Juni 2019 laufenden Vertrag vorzeitig um ein weiteres Jahr verlängert.

• Der 41-jährige Betriebsökonom Daniel Arni, derzeit noch Leiter der Fachstelle Messen und Märkte im Präsidialdepartement, wird ab Dezember neuer Leiter der Basler Allmendverwaltung und Nachfolger von Niklaus Hofmann.

• Die Elektra Baselland (EBL) senkt auch im Jahr 2019 wieder ihre Strompreise, diesmal um 3,1 Prozent.