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"Verstehen, was genau passiert": Promovierte Pflegewissenschafterin Cignacco

Aus der Hebamme wurde eine "Frau Doktor"

Eva Cignacco bringt Glanz in das Institut für Pflegewissenschaften der Universität Basel


Von Valerie Zaslawski


Jahrelang war die Hebamme Eva Cignacco handwerklich dabei, wenn Kinder das Licht der Welt erblickten. Seit einem Jahr ist sie als erste Schweizer Hebamme mit Doktortitel am Institut für Pflegewissenschaften der Universität Basel tätig. Dort baut sie den neuen Forschungsschwerpunkt "Schmerz-Management für Neugeborene" auf.


"Institut für Pflegewissenschaften Dr. Eva Cignacco", heisst es auf dem grauen, quadratischen Schild, das vor dem Büro der gelernten Hebamme im ersten Stock des Gebäudes an der Bernoullistrasse 28 angebracht ist. Seit Dezember letzten Jahres besitzt sie - als erste Schweizer Hebamme - den Doktortitel und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Pflegewissenschaften der Universität Basel.

Über ein Jahrzehnt, von 1990 bis 2001, war Eva Cignacco als Hebamme in der Frauenklinik Bern tätig und verhalf in dieser Zeit 800 Kindern, das Licht der Welt zu erblicken. Es war ein klassisch handwerklicher Beruf: "Ich mochte die Praxis sehr gerne", bekräftigt die Neu-Akademikerin gegenüber OnlineReports. Doch heute ist die 46-jährige Baslerin froh, sich "mit wissenschaftlichen Fragen beschäftigen zu können – zu verstehen, was eigentlich genau passiert". Dabei betont sie, dass es ihr wichtig sei, "eine Wissenschaft zu betreiben, die der Praxis zu gute kommt – rein theoretische Fragen interessieren mich nicht."

Wissenschaftliche Erkenntnisse fehlen

Das Spezialgebiet von Eva Cignacco ist ein bisher wenig erforschter Aspekt des Schmerzes: "Schmerz-Management bei Neugeborenen" heisst der Forschungsschwerpunkt, den sie seit Februar letzten Jahres am Institut für Pflegewissenschaften aufbaut.

Derzeit arbeitet die Wissenschafterin an einer Studie über die Wirkung von Zuckerlösung als nicht-medikamentöses Schmerzmittel bei Neugeborenen. Nachgewiesen ist, dass dieses "Zaubermittel" bei akutem Schmerz von Neugeborenen wirkt. "Bis heute", so Cignacco, "gibt es jedoch noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber, ob diese Zuckerlösung auch bei wiederholter Schmerz-Exposition ihren Zweck erfüllt, also ob sie auch nach zwei bis drei Wochen nach der Geburt noch wirksam ist".

Diese Fragestellung wird nun wissenschaftlich untersucht, um die Ergebnisse anschliessend in der Praxis verwenden zu können, da die Dosierung normaler Medikamente bei Neugeborenen schwierig sei. Falls die Studie zeige, dass die Zuckerlösung nicht dauerhaft wirke, müssten andere Therapien gesucht und gefunden werden.

Akademisierung im Hebammen-Beruf

Eva Cignacco ist nicht nur die erste, sondern derzeit auch die einzige Hebamme in der Schweiz, die einen Doktortitel besitzt. Die Zukunft ihres erlernten Berufs sieht jedoch akademisch-rosig aus: Bereits arbeiten mehrere doktorierende Hebammen ihres Instituts an eigenen Studien. Auch sie werden in den kommenden Jahren mit "Frau Doktor" anzusprechen sein. Die Zeiten haben sich geändert und eine neue Ära der Akademisierung im Hebammen-Beruf brach an.

Als Cignacco auf den ersten Stufen ihrer Karriereleiter stand, war die Situation beschwerlicher: "Eine Orientierung im Ausland war nötig", bemängelt sie. Ermöglicht wurde ihr Studium durch das Schweizerische Rote Kreuz: "Die Organisation erkannte das Bedürfnis der Schweizer Hebammen nach wissenschaftlicher Beschäftigung und ging eine Kooperation  mit der holländischen Studentenstadt Maastricht ein", erzählt sie. Die damalige Studentin behielt zwar ihren Wohnsitz in Bern, besuchte aber einmal wöchentlich Vorlesungen in Aarau und reiste einmal jährlich, für einen sechs-wöchigen Blockkurs, in die Niederlande.

"Konstantes Aufbauen von Themen"

Bevor Eva Cignacco ihre akademische Reise antrat, erlangte sie das Bachelor-Diplom als Pflege-Expertin (Stufe zwei) an der Fachhochschule in Zürich. Dieses Diplom galt als Eintrittskarte für ihren Master-Studiengang in Holland. Bereits während des Master-Studiums wurde sie mit "Schmerzfragen" konfrontiert. Als "sehr interessant" beschreibt die Hebamme diese akademischen Jahre: "Die Beschäftigung mit wissenschaftlichen Fragen und das Produzieren von Ergebnissen gefiel mir sehr." Ihre Master-Arbeit schrieb sie über ein Schmerz-Erfassungsinstrument, den so genannten "Berner Schmerz-Score".

Dabei handelt es sich um eine Punkte-Tabelle, mit der Schmerz von Neugeborenen eingeschätzt werden kann: Bewertet werden anhand von Punkten verschiedene Kriterien, wie beispielsweise Weinen, Schlafen, Gesichtsausdruck, Hautfarbe, Körperhaltung oder Ruhephase. Ab einer bestimmten Punktzahl kann ein Schmerzempfinden festgestellt werden. Eva Cignacco testete dieses Instrument auf seine Gültigkeit: "Ja, es funktioniert", erklärt sie gegenüber OnlineReports freudig. Seither arbeiten viele Spitäler mit diesem Instrument.

Im anschliessenden sechsjährigen Doktoranden-Programm beschäftigte sie sich mit dem Thema Schmerzbehandlung bei Neugeborenen. Als ein "konstantes Aufbauen von Themen" bezeichnet sie den Prozess bis hin zum Doktortitel.

Mehr als Geburtshilfe

Auf die Frage von OnlineReports, welche Reaktionen der kürzlich verliehene Doktortitel ausgelöst habe, antwortete Cignacco lachend: "Seither beschäftige ich mich viel mit der Presse." Die Reaktionen seien sehr positiv gewesen. Auch erlangte sie viel Anerkennung von Laien: "Die Öffentlichkeit ist erstaunt über den grossen Arbeitsbereich einer Hebamme", erzählt die promovierte Handwerkerin ("PhD"). Unter "Hebamme" stellen sich die Laien oft ausschliesslich Geburtshilfe vor. Doch hinter dem Berufsbild versteckt sich ein viel breiteres Arbeitsfeld: Eine Hebamme betreut eine Frau von der Schwangerschaft, über die Geburt, bis hin zum sogenannten Wochenbett.

Das heisst konkret, dass sich die Betreuerin in der Schwangerschaftsphase um das Wachstumsverhalten des Kindes, um das Wohlbefinden der Mutter und um die Vorbereitung auf die Geburt kümmert. Während der Geburt kontrolliert die Hebamme die "Kinds-Entwicklung", ist demnach für eine möglichst sichere Geburt verantwortlich, lehrt die Gebärende richtig mit den Wehen umzugehen und versucht, den Mann in das Geburtsgeschehen einzubeziehen. Auch in der Zeit nach der Geburt, in den Tagen der Rückbildung, wird die junge Mutter von einer Hebamme betreut. Das Waschen von Mutter und Kind, die Wundversorgung und die Anleitung zum Stillen gehören zu den Aufgaben, welche die zuständige Hebamme erledigt.

In ferner Zukunft kann sich Eva Cignacco vorstellen, wieder praktisch tätig zu sein. Doch in ihrer jetzigen Lebensphase ist sie mit ganzem Herzen wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Basel. Nach ihrer Annahme wird es künftig in der klinischen Praxis, also an Spitälern, vermehrt leitende Positionen als "Dr. Hebamme" geben.

4. Februar 2008


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"Während die Gastronomen und Hoteliers in Basel nach wie vor um jeden Gast froh sind, ätzen ihre Berufskollegen im Tessin über zu viele Touristen."

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Die OnlineReports-News über die technische Panne bei Swisslos wurde von der BZ aufgenommen.

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In ihrem Bericht über Verkehrsprobleme am Aeschenplatz zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des ersten Baselbieter Kantonsgerichtspräsidenten Peter Meier wurde von der BZ, Telebasel, der Basler Zeitung und vom SRF-Regionaljournal nachgezogen.

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Weitere RückSpiegel

 

In einem Satz

 

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Weil bei Bauarbeiten am Hochbergerplatz ein Stromkabel durchtrennt wurde, kam es am 30. Juli kurz vor 7.30 Uhr in Teilen von Kleinhüningen zu einem Stromunterbruch.

Die Friedhöfe Basel schreiben die Dienstleistungen für die Einsargung und die Überführung von Verstorbenen im Rahmen der unentgeltlichen Bestattung neu aus.

Die Universität Basel hat entschieden, ihren Dies academicus auf Grund der Corona-Pandemie nicht durchzuführen.

Die Baselbieter Corona-Abklärungs- und Teststation befindet sich neuerdings im Spenglerpark in Münchenstein.

Daniela Martin wird neue Geschäftsführerin der Basel Sinfonietta.

Am 8. Juli wurde im Basler Rathaus die Initiative für echten Wohnschutz und das Referendum gegen das "mieterfeindliche Nichtwohnschutzgesetz" eingereicht.

Mit über 4'000 Unterschriften ist in Basel-Stadt das Referendum gegen den umstrittenen Bau des Hafenbeckens 3 zustande gekommen, so dass es am 29. November zur Volksabstimmung kommt.

2. Juli: Einreichung der Initiative "Basel baut Zukunft", die 50 Prozent gemeinnützigen Wohn- und Gewerberaum auf Transformations-Arealen verlangt.

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