© Foto by OnlineReports.ch
"Stärkere Auseinandersetzung": Gerichtssitz in Liestal

Parteien-Gerangel um Baselbieter Richterwahlen hält an

Zwei wichtige Wahlgänge um Gerichtspräsidien stehen vor einem ungewissen Ausgang


Von Peter Knechtli


Die Anpassung der Gerichtsstruktur an die Schweizerische Strafprozessordnung erfordert im Baselbiet nochmals Richterwahlen. Die Ausgangslage ist spannend, weil auf alte Seilschaften nicht mehr Verlass ist. Es geht um die neue Abteilung Strafrecht am Kantonsgericht und um die Besetzung des zusätzlichen sechsten Präsidiums am Strafgericht.


"Wir haben es noch nicht zu Boden diskutiert", sagt Daniele Ceccarelli, FDP-Fraktionschef im Baselbieter Landrat, über ein heikles Geschäft, das nach bisherigen Plänen bereits am 14. Januar im Landrat zur Behandlung ansteht: Es geht nochmals um Richterwahlen – allerdings nicht um ordentliche Erneuerungswahlen, die erst am 26. November stattfanden.

Auf der Traktandenliste steht – Folge des Inkrafttretens der Schweizerischen Strafprozessordnung – die Aufteilung der bisherigen Abteilung Zivil- und Strafrecht in eine Abteilung Zivilrecht, die von Christine Baltzer (FDP) in einem Vollpensum übernommen würde, und eine Abteilung Strafrecht. Die Abteilung "Strafrecht" würde zudem von 100 auf 150 Stellenprozent aufgestockt. Diese Abteilung soll von den beiden SVP-Richtern Thomas Bauer (zu 50 Prozent) und Dieter Eglin (zu 100 Prozent) präsidiert werden, wobei Eglin sein derzeitiges 50 Prozent-Engagement verdoppeln möchte.

SVP verhalf Grünem zur Wahl

In einem späteren, im Verlauf des Frühlings erfolgenden Schritt geht es darum, das Verfahrensgericht per Ende März 2010 aufzuheben und seine Funktion in Form eines neuen "Zwangsmassnahmengerichts" in das Strafgericht zu integrieren. Folge: Statt fünf, wie bisher, wird das Strafgericht über sechs Präsidien verfügen. Brisant an dieser Konstellation ist die Frage, welche der fünf Parteien, die heute, säuberlich verteilt, je ein Präsidium besetzen, das sechste Präsidium und damit ein Doppel-Mandat erringen wird. Bisher teilen sich Jacqueline Kiss (SP), Daniel Seiler (SVP), Irène Läuchli (FDP), Adrian Jent (CVP/EVP) und Enrico Rosa (Grüne) in den Vorsitz des Strafgerichts.

Die Aussage von FDP-Fraktionschef Ceccarelli zeigt: Wie die Wahlen für das Kantonsgericht und das Strafgericht ausfallen werden, ist alles andere als vorentschieden. Dass es bei Richterwahlen durch das Parlament immer wieder zu Überraschungen kommt, zeigte sich erst kürzlich bei den Wahlen von fünf Vizepräsidien des Strafgerichts, bei denen die Freisinnigen zwei Sitze beanspruchten. Der mehrheitlich bürgerliche Landrat wählte aber überraschend nicht den FDP-Kandidaten Andreas Faller, sondern recht deutlich den Grünen André Brunner. Pikant: Brunner verhalfen auch Stimmen aus der SVP zur Wahl.

Regina Schaub verzichtet auf Kandidatur

Der Support für den Grünen von rechts könnte einerseits eine Retourkutsche dafür sein, dass die Freisinnigen dem Sozialdemokraten Andreas Brunner die Wahl als Kantonsgerichtspräsident ermöglichten und nicht dem SVP-Kandidaten Dieter Eglin. Er könnte aber auch ein Indiz dafür sein, dass die SVP nun konsequent versucht, Dominanzansprüche der Freisinnigen abzublocken, die offensichtlich immer noch eine gewisse Mühe mit ihrer Rolle "Nummer zwei" im bürgerlichen Lager bekunden.

Ungewohnte Allianzen und Ränkespiele könnten sich auch bei den jetzt bevorstehenden Wahlen ergeben. Auf das sechste Strafgerichtspräsidium könnte die SP als grösste Fraktion mit überzeugendster Legitimation Anspruch anmelden, zumal das ins Strafgericht integrierte, formell aber vor der Aufhebung stehende Verfahrensgericht von der Sozialdemokratin Regina Schaub mit einem 80 Prozent-Pensum präsidiert wird. Allerdings will die 58-jährige Gerichtsvorsitzende für das sechste Präsidium nicht kandidieren, wie sie OnlineReports gegenüber ankündigte.

SP will sechstes Strafgerichtspräsidium

Doch die SP erhebt dennoch Anspruch auf das sechste Präsidium und damit auf ihren zweiten Sitz, wie Landrat und Sekretär Ruedi Brassel bekräftigte: Die Kandidatur werde "nächstens ausgeschrieben", doch für die interne Nomination steht bei der SP bereits ein Mann "in der Poleposition": Andreas Schröder, heute bereits Vizepräsident des Strafgerichts und Gerichtsschreiber am Basler Appellationsgericht. Er geniesst unter Juristen einen ausgezeichneten Ruf und ist in der Materie "gut eingearbeitet", wie Brassel meint.

Eher im Hintergrund hält sich die CVP, die bisher "noch keine Nominationen" vorgenommen hat, da sie sich "am Gerangel nicht beteiligt", wie Fraktionspräsidentin Elisabeth Schneider gegenüber OnlineReports erklärte. Eine eigene Kandidatur käme allerdings in Frage, "wenn die andern Parteien keine überzeugenden Kandidaten präsentieren". Elisabeth Schneider könnte sich vorstellen, dass SVP und FDP nach dem sechsten Präsidium greifen.

SVP will am Kantonsgericht durchkommen

Doch bei diesen Parteien scheint diesbzüglich keine grosse Ambition zu herrschen. FDP-Fraktionschef Daniele Ceccarelli spricht davon, es sei "offen", ob die Freisinnigen einen Anspruch stellen, währenddem SVP-Fraktionschef Thomas de Courten ("wir haben mit den andern Parteien noch nicht abschliessend gesprochen") der SP laut Parteien-Proporz gar den neuen Präsidenten-Sitz zugesteht. Allerdings scheint die SVP nur dann auf eine eigene Kandidatur verzichten zu wollen, wenn sie im Kantonsgericht mit ihren beiden Strafrechts-Kandidaten Eglin und Bauer durchkommt.

Schon risikofreudiger zeigen sich die Grünen, die laut Landrat Klaus Kirchmayr "bei den Profi-Richtern eine krasse Untervertretung" beklagen. Als Kandidat für die Kantonsgerichtsabteilung "Strafrecht" scheint die Kandidatur von Markus Mattle schon relativ weit gediehen. Für das sechste Strafgerichtspräsidium – so ist aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren – dürfte die Kandidatur von Beat Schmidli, bisher nebenamtlicher Strafrichter, "nicht unwahrscheinlich" sein. Die Grünen hoffen, von den klimatischen Unwägbarkeiten von SVP und FDP profitieren zu können, die bei weiten noch nicht überwunden sind. Ruedi Brassel jedenfalls glaubt: "Es wird vermutlich eine stärkere Auseinandersetzung geben."

Die Bürgerinnen und Bürger wirds freuen: Es riecht nach echter Wahl statt nach Parteienschacher.

9. Dezember 2009

Weiterführende Links:


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Die Sprecherin der Swiss Indoors antwortete nicht auf die Anfrage dieser Zeitung."

BZ Basel
vom 27. November 2017
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Auf unsere Medienanfrage zu einem Gerichtsfall hat die Sprecherin auch nicht geantwortet. Die Swiss Indoors-Schweigerin.

"Und übrigens ..."

Weihnachts-Geschichte aus Israel
RückSpiegel


In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Promeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung nahm in ihrer Berichterstattung über den "Fall Wessels" auf einen OnlineReports-Kommentar Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, die SDA und die Badische Zeitung gingen auf den OnlineReports-Primeur über die Berufung des türkischen Basler Polizei-Assistenten gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft ein.

20 Minuten online nahm die OnlineReports-News über die Basler verkehrs-Betriebe (BVB) an der Grenze ihrer Belastung auf.

Die BZ Basel und das Regionaljournal gingen aktuell auf die OnlineReports-Recherche über einen Manipulations-Versuch der BVB-Direktion im Vorfeld der Wahlen in die Personalkommission ein.

Barfi zog die OnlineReports-Story über die umstrittene Umnutzung des "FKK-Clubs" in ein Bordell an der Amerbachstrasse in Basel nach.

Der Landbote nahm die OnlineReports-Story über den Stromeinkauf der Gemeinde Muttenz beim Stadtwerk Winterthur auf.

Die OnlineReports-News über den Personalabbau auf der Basler Hauptpost wurde durch Telebasel aufgenommen.

Telebasel online ging in seinem Bericht über die SP-Prämieninitiative auf einen Kommentar von OnlineReports ein. 

Die Weltwoche zitierte in ihrem Bericht über den Basler Scharia-Befürworter Aziz Osmanoglu aus einem Gerichts-Bericht von OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Elisabeth Pestalozzi, seit August 2016 stellvertretende Chefredaktorin von Radio SRF, wird im zweiten Quartal 2018 neue Kommunikationsleiterin der Christoph Merian Stiftung.

• Über tausend Personen verlangen in einer Petition der SP Gelterkinden die Einführung von Tempo 30.

• Im zweiten Wahlgang der Liestaler Stadtrats-Ersatzwahl vom 14. Januar 2018 treten Marie-Theres Beeler (geboren 1959, Grüne) und Karin Jeitziner (geboren 1961, FDP) an.

Marco Greiner, Regierungssprecher und Vizestaatsschreiber von Basel-Stadt, ist neuer Präsident der Schweizerischen Informations-Konferenz öffentlicher Verwaltungen.

• Die Basler CVP hat ihre mit 3'910 Unterschriften versehene Krankenkassen-Initiative eingereicht, die verlangt, dass selbstbezahlte Prämien für die obligatorische Krankenpflege-Versicherung vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können

• Mit der Jus-Studentin Laetitia Block als Nachfolgerin von Pascal Messerli steht erstmals eine Frau an der Spitze der Jungen SVP Basel-Stadt.

• Das Basler Ristorante Cibo Mediterraneo ist der künftige Betreiber der neuen Buvette am St. Alban-Rheinweg.

Reto Meyer, Inhaber und Geschäftsführer der WS Kommunikation in Basel, kauft per Jahreswechsel sämliche Anteile der BSSM Werbeagentur von Urs Schneider und Hannes Müller.

Jana Wachtl (38) wird als Nachfolgerin von Sabine Kubli auf Jahresbeginn neue Leiterin der Baselbieter Fachstelle "Gleichstellung für Frauen und Männer".

• Das Basler Energieunternehmen IWB plant, im Februar 2018 elf neue Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Quartierstrassen auf Allmend zu installieren.

• Entgegen der Parole der kantonalen CVP sagte der CVP-Wahlreis Liestal Nein zum "8. Generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr" und damit Ja zum "Läufelfingerli".

Raymond Cron wird als Nachfolger von Andreas Büttiker ab 1. Januar 2018 neues Verwaltungsratsmitglied des EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg.

• Der Basler Grosse Rat hat die Standesinitiative der SP gegen der Schliessung von Quartier-Poststellen überwiesen.

• Die bürgerlichen Jungparteien von Basel-Stadt ziehen ihre Zweirad-Initiative zurück, da sie mit dem vom Grossen Rat beschlossenen Gegenvorschlag ihre Hauptforderungen als erfüllt betrachten.

• Die Baselbieter Wahlen des Landrats und des Regierungsrats für die Amtsperiode vom 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2023 finden am 31. März 2019 statt.

• Weil mit dem als Gegenvorschlag verabschiedeten neuen Bürgerrechtsgesetz und den Anpassungen auf Bundesebene die Anliegen der Initianten erfüllt sind, zieht die SVP Basel-Stadt ihre Volksinitiative "Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern" zurück.

• Mit der Gründung der Sektion Waldenburg wollen die Grünen Baselland im Wahlkreis Waldenburg den verlorenen Landratssitz zurück erobern.