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Brisanter Fund: Bruno Mansers Blasrohr-Giftpfeile entdeckt?

Helle Aufregung im Bruno-Manser-Fonds: Ihm wurde von einer Zürcherin ein Giftpfeilköcher übergeben. Es handle sich mit "grösster Wahrscheinlichkeit" um jenen, der Bruno Manser 1999 gestohlen wurde und die Öffentlichkeit damals in Atem hielt.
Basel, 2. August 2011

Der Anruf aus Zürich kam fast genau 12 Jahre nach diesem 6. Juli 1999, an dem Regenwaldschützer Bruno Manser am Bahnhof Dietlikon (ZH) vor dem Besuch eines Supermarktes auf die leichtsinnige Idee kam, seinen schweren Fallschirmrucksack nach Art der Waldnomaden in einem Gebüsch zu verstecken. Ein kapitaler Fehler hierzulande: Der Rucksack wurde geklaut, was bald die halbe Schweiz beschäftigte. Denn Manser hatte im Sack nicht nur Spendengelder, Briefe, Holzmuster und Klamotten verstaut. Er enthielt auch einen Bambusköcher des Penan-Waldvolkes (Sarawak) voller Giftpfeile für ein Blasrohr.

Wie tödlich diese sein können, schilderte zwei Tage später John Künzli, damaliger Geschäftsführer des in Basel ansässigen Bruno-Manser-Fonds (BMF), dem Polizeiposten Dietlikon (ZH) in einem von Manser unterschriebenen Brief: "Achtung: Schon bei geringfügiger Verletzung besteht Lebensgefahr!" Die kleinen Pfeile mit dem Durchmesser eines etwas zu dick geratenen Zahnstochers seien mit einem Herzgift präpariert, "das Lähmungserscheinungen und Erbrechen hervorruft und innert kurzer Zeit (5 – 60 Minuten) tödlich wirken kann", heisst es im Schreiben weiter. Es endet mit der Hoffnung, der Sack werde bald gefunden.

Finderlohn: "Ein selbstgekochtes z'Nacht"

Doch gefunden wurde nie etwas. Stattdessen brach in der waffenstarrenden Schweiz zunächst ein teils absurder Sturm der Entrüstung über den fahrlässigen Umweltaktivisten mit seinen Giftpfeilen herein. Nicht einmal die von Hand geschriebene Meldung Mansers vom 16. Juli an die dem Regenwaldschützer sonst eher wohlwollend gegenüberstehenden, ihn nun jedoch heftig scheltenden Medien brachte etwas: "Die glückliche FinderIn (...) erwartet ein selbstgekochtes z'Nacht bei mir, und 1'000 Franken Finderlohn." Stattdessen verschwand Bruno Manser keine zwei Jahre später selbst – spurlos, bis zum heutigen Tag.

Der Anruf im Juni kam aus Zürich. Eine Frau erklärte dem BMF, sie hätte auf Arte "Tebarans Testament" gesehen, diesen Film von Matthias Klum über den Penan-Häuptling Tebaran Agut in Sarawak, Borneo. Dabei sei ihr ein Pfeilköcher ins Auge gestochen. Exakt so einen habe sie doch am 15. November 2008 im Kanzleiflohmarkt in Zürich erworben. Ob es sich hier nun um den neun Jahre zuvor versteckten und kurz darauf gestohlenen Giftpfeilköcher handle? Der BMF zögerte nicht lange – eine Mitarbeiterin liess sich den Pfeilbehälter übergeben, und seither wird das Objekt genau studiert.

Pfeilköcher gibt auch Rätsel auf

Erster Befund: Der Behälter wurde, so BMF-Geschäftsleiter Lukas Straumann (Bild), "eindeutig als ein Penan-Bambusköcher mit aus der Sagopalme (Uvut) hergestellten Blasrohrpfeilen" erkannt. Im Köcher zählten die Sarawak-Spezialisten der Menschenrechtsorganisation zirka 40 in ein Palmblatt eingerollte Pfeile, von denen einige an den Spitzen noch die typisch schwarzen Giftspuren aufwiesen. Straumann zu OnlineReports: "Ich gehe davon aus, dass es mit grösster Wahrscheinlichkeit der Köcher mit den Giftpfeilen aus Bruno Mansers Rucksack ist." Um jedoch den Pfeilbehälter "zweifelsfrei" identifizieren zu können, müssten weitere Nachforschungen angestellt werden. Hierzu gehöre auch die Expertise eines Penan-Vertrauten des Verschollenen.

Manser selbst hatte damals aus dem Gedächtnis heraus in seiner Vermisstanzeige an die Polizei einen Köcher gezeichnet, der jedoch einen grösseren Durchmesser aufwies und etwa 150 Giftpfeile fassen konnte. Auch die Verzierungen auf dem gezeichneten Köcher weichen ab von jenen des in Zürich gekauften. Aber, so stelle sich nun die Frage: Hat der Regenwaldschützer als begnadeter Zeichner aus der Erinnerung heraus detailgenau seinen vermissten Köcher zu zeichnen versucht – oder handelte es sich bei der Zeichnung lediglich um das Beispiel eines Penan-Köchers?

Ende der Suche nach den Giftpfeilen?

Lukas Straumann würde ein Stein vom Herzen fallen, sollte sich bestätigen, dass dieser aufgetauchte und ausserhalb Penanland kaum je zu findende Giftpfeilbehälter tatsächlich jener Mansers war: "Dann können wir endlich die Suche nach dem damals gestohlenen Köcher einstellen. Denn bis heute sind diese Giftpfeile lebensgefährlich, was uns natürlich nach wie vor Sorgen bereitet." Der BMF-Geschäftsleiter benutzt die Gelegenheit auch gleich noch, den damaligen "Finder" des Manser-Rucksacks aufzufordern, jedenfalls den Köcher – sollte der jetzt überprüfte doch nicht jener Mansers sein – an den BMF zurückzugeben. Man werde die Angelegenheit sehr diskret behandeln.

Sollte jemand aber auch zufällig auf den gesuchten Penan-Köcher stossen und ihn dem BMF übergeben, winke "mit Sicherheit ein schöner Finderlohn". Womöglich aber wird diesen die Flohmarktbesucherin in Zürich selbst erhalten – nach der Analyse der Manser- und Giftpfeilspezialisten in der Schweiz und Sarawak. Sollte der Köcher mit seinem gefährlichen Inhalt Bruno Manser gehört haben, möchte ihn die Dame aus Zürich, so ihr Entschluss, für immer im Archiv des BMF in Sicherheit wissen.




Weiterführende Links:
- Das unerklärliche Verschwinden von Bruno Manser
- "Das Interesse am Stumm-Machen Mansers ist belegt"
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- "Die Henker werden nicht das letzte Wort haben"
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EVP Riehen
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Sie hat halt doch einen unübersehbaren Rotstich, die EVP.

RückSpiegel


Die Basellandschaftliche Zeitung und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-Nachricht über die geplante Massenentlassung bei der "Küschall AG" in Witterswil auf.

In ihrer Übersicht über die Schweizer Online-Newsmedien ging die NZZ auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung zog die OnlineReports-News über den Entscheid des Basler Appellationsgerichts gegen die Nichtanhandnahme der Strafanzeigen von Staatsanwältin Eva Eichenberger und Strafgerichtspräsident Lucius Hagemann durch die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin im Fall "Lehrer H." nach.

In ihrem Artikel über die "Berlusconisierung von links" zitiert die Weltwoche aus dem "dem gutinformierten Basler Internetdienst OnlineReports".

In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Primeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Im Jahr 2017 verhängte die Basler Kantonspolizei im Zusammenhang mit dem FC Basel 17 Rayonverbote – davon sieben an Fans von Gastmannschaften –, während der FC Basel acht Stadionverbote anordnete, von denen fünf Fans von Gastmannschaften betrafen.

• Die Gemeinde Allschwil plant eine Erneuerung und Erweiterung der Parkanlage sowie rund 140 Wohnungen auf dem Areal Wegmatten zwischen Baselmattweg und Bachgraben.

Thomas Bretscher wird ab 1. Februar neuer Geschäftsführer des "Business Park Laufental & Thierstein" und damit Nachfolger von Daniel Fiechter.

• Die Riehener CVP verlangt eine generelle Aufgabenprüfung (GAP), um die Diskussion um Aufgaben und Leistungen der Gemeinde und die dafür benötigten Ausgaben und Einnahmen zu versachlichen.

• Die Basler Regierung hat die Standesinitiative von FDP-Grossrat Christophe Haller betreffend "Abschaffung der Besteuerung des Eigenmietwerts" beim Generalsekretariat der Bundesversammlung eingereicht.

• Das Basler Hochbauamt rechnet beim Erweiterungsbau für das Kunstmuseum Basel mit einer Kostenüberschreitung von 3,5 Prozent.

Stagnierende Gesamtzahl der Studierenden an der Universität Basel: 12'873 Studierende und Doktorierende haben sich im Herbstsemester 2017 für ein Studium eingeschrieben.

• Die volle Freizügigkeit, die auf 1. Januar 2014 in beiden Basel eingeführt wurde, bleibt auch mit der ab 2018 geltenden Spitalliste weiterhin bestehen.

• An der Sitzung vom 18. Dezember hat das französische Parlament dem schweizerisch-französischen Abkommen zum Steuerregime am EuroAirport zugestimmt.

Elisabeth Pestalozzi, seit August 2016 stellvertretende Chefredaktorin von Radio SRF, wird im zweiten Quartal 2018 neue Kommunikationsleiterin der Christoph Merian Stiftung.

• Über tausend Personen verlangen in einer Petition der SP Gelterkinden die Einführung von Tempo 30.

• Im zweiten Wahlgang der Liestaler Stadtrats-Ersatzwahl vom 14. Januar 2018 treten Marie-Theres Beeler (geboren 1959, Grüne) und Karin Jeitziner (geboren 1961, FDP) an.

Marco Greiner, Regierungssprecher und Vizestaatsschreiber von Basel-Stadt, ist neuer Präsident der Schweizerischen Informations-Konferenz öffentlicher Verwaltungen.

• Die Basler CVP hat ihre mit 3'910 Unterschriften versehene Krankenkassen-Initiative eingereicht, die verlangt, dass selbstbezahlte Prämien für die obligatorische Krankenpflege-Versicherung vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können

• Mit der Jus-Studentin Laetitia Block als Nachfolgerin von Pascal Messerli steht erstmals eine Frau an der Spitze der Jungen SVP Basel-Stadt.

• Das Basler Ristorante Cibo Mediterraneo ist der künftige Betreiber der neuen Buvette am St. Alban-Rheinweg.

Reto Meyer, Inhaber und Geschäftsführer der WS Kommunikation in Basel, kauft per Jahreswechsel sämliche Anteile der BSSM Werbeagentur von Urs Schneider und Hannes Müller.

Jana Wachtl (38) wird als Nachfolgerin von Sabine Kubli auf Jahresbeginn neue Leiterin der Baselbieter Fachstelle "Gleichstellung für Frauen und Männer".

• Das Basler Energieunternehmen IWB plant, im Februar 2018 elf neue Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Quartierstrassen auf Allmend zu installieren.

• Entgegen der Parole der kantonalen CVP sagte der CVP-Wahlreis Liestal Nein zum "8. Generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr" und damit Ja zum "Läufelfingerli".

Raymond Cron wird als Nachfolger von Andreas Büttiker ab 1. Januar 2018 neues Verwaltungsratsmitglied des EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg.

• Der Basler Grosse Rat hat die Standesinitiative der SP gegen der Schliessung von Quartier-Poststellen überwiesen.

• Die bürgerlichen Jungparteien von Basel-Stadt ziehen ihre Zweirad-Initiative zurück, da sie mit dem vom Grossen Rat beschlossenen Gegenvorschlag ihre Hauptforderungen als erfüllt betrachten.

• Die Baselbieter Wahlen des Landrats und des Regierungsrats für die Amtsperiode vom 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2023 finden am 31. März 2019 statt.

• Weil mit dem als Gegenvorschlag verabschiedeten neuen Bürgerrechtsgesetz und den Anpassungen auf Bundesebene die Anliegen der Initianten erfüllt sind, zieht die SVP Basel-Stadt ihre Volksinitiative "Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern" zurück.

• Mit der Gründung der Sektion Waldenburg wollen die Grünen Baselland im Wahlkreis Waldenburg den verlorenen Landratssitz zurück erobern.