Ein Spinnentier "ehrt" den verschollenen Bruno Manser

"Aposphragisma brunomanseri" gedenkt des Kämpfers wider das unaufhaltsame Fällen der letzten Urwälder.
Basel, 11. Juni 2014

Jetzt erinnert auch eine Spinnenart an Bruno Manser, den vor 14 Jahren in Sarawak verschollenen Basler Urwaldschützer, Forscher und Menschenrechtler. Dort, auf der Westseite der Regenwaldinsel Borneo, spinnt eine neulich entdeckte Spinnenart nun mit dem Namen "Aposphragisma brunomanseri" ihre Fäden. Das bislang namenlose Spinnchen (Bild: Männchen) hat seinen Namen dem Schweizer Biologen und Manser-Verehrer Marco Thoma (34) zu verdanken.

Dieser hat sich am Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern in seiner Diplomarbeit von 2009 mit dem Tier beschäftigt und der neuen Spinnenart dann auch den Namen gegeben. Warum? Marco Thoma, der Manser persönlich nicht kannte, begründete  in einem Brief an den Bruno Manser Fonds (BMF), er bewundere das Wirken von Bruno Manser, sein Beobachtungsvermögen, seine Konsequenz und die Art und Weise, mit der er auf die Lebensumstände der indigenen Völker auf Borneo hingewiesen habe. "Insbesondere die grosse Energie und Kreativität, die er freisetzen konnte, sei es bei seinem Hinstehen für die Rechte der Penan, aber besonders auch was seine Beobachtungsgabe und Dokumentationsfertigkeiten anbelangt, beeindruckten mich tief", sagte Thoma gegenüber OnlineReports.

Im Fachjournal vorgestellt

Nachdem der kleine Gliederfüsser im Mai von Marco Thoma offiziell in einem Fachjournal vorgestellt wurde, konnte auch dessen Artnamen in Kraft treten. "Aposphragisma brunomanseri" gehört laut Thoma, der selbst noch nie in Sarawak war, zur Familie der Zwergsechsaugenspinnen (Oonopidae). Spinnen gelten als die wichtigste terrestrische Räubergruppe (Prädatoren), sie üben einen enormen Einfluss auf Insektenpopulationen aus und reagieren sensibel auf Biotopveränderungen. Gemäss Biologe Thoma scheinen Zwergsechsaugenspinnen  mit ihren kleinen Verbreitungsgebieten auch Hinweise auf besonders artenreiche Ökosysteme zu geben.

"Aposphragisma brunomanseri" wurde übrigens von schweizerischen und niederländischen Forschenden während den achtziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts in den Wäldern West-Sarawaks gesammelt.

Ein Zufall, dass sich zu dieser Zeit auch der Basler Regenwaldschützer bei den Penan-Waldnomaden Sarawaks deren Wissen aneignete (1984-1990) und zahlreiche Kleintiere beobachtete, abzeichnete und in seinen Tagebüchern verewigte. Ob Bruno Manser auch "Aposphragisma brunomanseri" begegnete, wissen wir nicht. Abgezeichnet hatte er den fragilen Achtbeiner jedenfalls nicht. Doch darf angenommen werden, dass dem Verschollenen, über dessen Schicksal weiterhin völlige Unklarheit herrscht, die Namensstiftung Freude bereitet hätte. Nicht, weil nun ein Spinnchen seinen Namen trägt, sondern weil es als "neu entdecktes" Wald-Lebewesen in den wissenschaftlichen Etagen auch besser wahrgenommen werden dürfte.




Weiterführende Links:
- Bruno Mansers Tagebücher: Drei Kilogramm Motivforschung
- "Die Politik braucht Menschen wie Bruno Manser"
- "Die Henker werden nicht das letzte Wort haben"


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