Kommentare

<< [ 1 | (...) | 31 | 32 | 33 | 34 | 35 | 36 | 37 | 38 | 39 | 40 | (...) | 213 ] >>

1. Mai-Feier: Untergang durch Déja vu

Von PETER KNECHTLI

Es lag eine merkwürdige Stimmung über der diesjährigen 1. Mai-Feier in Basel. Schon am Besammlungsplatz war die Spannung spürbar, als aus kräftigen Lautsprecherboxen nicht nur harter Rock erklang, sondern auch bissige Kritik an den traditionellen Statthaltern der Arbeiterklasse, den führenden Sozialdemokraten und Gewerkschaftern. Schliesslich führten verbalradikale Autonome den Demonstrationszug an, veranstalteten gegen die sozialdemokratisch gelenkte staatliche Liegenschaftsverwaltung ein Buhkonzert und beschimpften das mit Langzeitauftrag ausgestattete "Sicherheits-Orchester", das – statt wie üblich an der Zugspitze – beschaulich unter den Kunstmuseums-Arkaden blies: Mauerblümchen-Präsenz.

Diese Szene war symptomatisch für das, was sich abspielte: Hinten im Demozug trugen wenige bekannte Gesichter des linken Spektrums das schweizweit gleiche Transparent. Von einer kräftigen Präsenz der mehrheitlich links-grünen Regierung keine Spur, elegant gekleidete Abgeordnete zogen es vor, sich erst auf dem Festgelände des Barfüsserplatzes zu zeigen.

Wer, wie der Schreibende, schon Dutzende 1. Mai-Feiern erlebt hat und in früheren Jahren als aktiver Journalisten-Gewerkschafter selbst mit Transparent durch Basels Strassen zog ("Der Pressekampf geht weiter"), kann nur noch staunend den Niedergang dieses Festtags einer einst stolzen Arbeitnehmerschaft beobachten. Gerade mal knapp zweitausend Personen, die pressure group der "Revolutionäre" inbegriffen, versuchte die Illusion einer Manifestation der Stärke aufrecht zu erhalten, während sich in den wesentlichen Fragen der sozialen Gerechtigkeit seit Jahren faktisch nichts mehr bewegt.


"Dem Anlass fehlten die inhaltliche Struktur
und der dramaturgische Wille."



Das archaische Durcheinander der Forderungen auf den Spruchbändern mag unausweichlich und Ausdruck pluralistischer Problemempfindung sein. Doch dem Anlass fehlten die inhaltliche Struktur und der dramaturgische Wille. Der VPOD-Staat, den die Basler Bürgerlichen so gern als Drohgespenst beschwören, entpuppt sich als Phantom: Es ist das erschütternde jährliche Déja-vu einer politischen Klasse, die sich links etikettiert, aber im Zustand des Mangels an eigenem Aufbruch eigentlich doch ganz anständig lebt.

Man mag die seit Jahren gleichen abgelutschten Parolen und pauschalen Anschuldigungen gegenüber dem Klassenfeind in Form von Institutionen und Personen nicht mehr hören. Zu offensichtlich sind die Reden Pflichtstoff. Die Basler Linke ist an ihrem Feiertag nicht mehr in der Lage, attraktive Inhalte zu bieten. Sie ist nicht mehr in der Lage, sich auf ein jährlich aktualisiertes Motto zu einigen und in den Reden die Missstände, die es tatsächlich anzuprangern gilt, mit Fallbeispielen zu belegen und einzuordnen.

Statt dessen sind langfädig dahinplaudernde Redner zu hören, die kaum mehr als ein Gähnen provozieren. Sie können zwar twittern und posten, die Linken, aber sie können nicht mehr reden. Vielleicht weiss ihre Nomenklatura auch nicht mehr, was ihre Botschaft an die Unterprivilegierten eigentlich ist. Oder vielleicht warten die wenigen rhetorischen Ausnahme-Talente mit ihren Auftritten, bis ein Wahljahr ansteht.

Wenn selbst auf linker Seite die Unlust, die Arbeitnehmer-Feier mit Präsenz zu stärken, kaum mehr zu übersehen ist, so wohl kaum deshalb, weil sich das "Revolutionäre Bündnis" an die Spitze des Demonstrationzuges putscht.

Eine politische Gefahr geht von diesem zahlenmässig kleinen disparaten Konglomerat, das sich "die Stadt wieder aneignen" will, nicht aus. Aber es hält der SP als grösste Partei dieses Kantons mit rot-grüner Mehrheit immerhin den Spiegel vor mit Unterschicht-Themen, die sie selbst vernachlässigt hat. Gemeint ist weder Kapitalismus-Lamento noch Revolutions-Romantik, sondern beispielsweise konkrete problematische Aspekte linker Politik wie die Verknappung günstigen Wohnraums und bestimmte Auswirkungen der Stadtentwicklung.

So, wie eben erlebt, hat die 1. Mai-Feier in Basel keine Zukunft und wohl auch keine Berechtigung mehr. SP und Gewerkschaften haben kluge Köpfe, die nicht unbedingt über Mandate bekannt sind, aber etwas zu sagen hätten. An ihnen wäre es, Denk-Animation und selbstkritische Reflexion in einer – von mir aus – Brandrede zu leisten, die dem Publikum auch nach dem anschliessenden Verzehr der Bratwurst noch in Erinnerung bleibt.

2. Mai 2017
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Peter Knechtli, ist Chefredaktor und Gründer von OnlineReports.ch.

peterknechtli@onlinereports.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
fileadmin/templates/pics/echo.gif

"Konzept-Grundlage für die kommenden Feiern"

Peter Knechtlis Kommentar zur Entwicklung der 1. Mai-Feier zynisch? Nein. Zumindest sollte der Text in den Kreisen der Veranstaltenden als Konzept-Grundlage für die kommenden Feiern heran gezogen werden. Ich bin seit vielen Jahren aktiver Teilnehmer des Umgangs. Wenn Knechtli mehr Lokalbezug und insbesondere das Aufgreifen aktuell brennender Themen einfordert, dann kann ich ihn nur unterstützen. Wohnungsnot, Abbau der aktuellen Sozialleistungen, Zerschlagung der Taxifahrer-Existenzen durch UBER usw., kann nicht mit akademischen Wortschlössern in Volkes Bewusstsein gebracht werden. Da müssen sich jene zu Wort melden (können), welche zum Hier und Jetzt etwas zu sagen haben. Und da darf eine Rede auch mal laut und heftig werden.


Markus Christen, Basel



"Gleiche Elemente und gleiche Phantasielosigkeit"

Der Kommentar von Peter Knechtli zum 1.Mai gibt sich pointiert und kämpferisch. Gut so. Aber die Kolumne bringt keine neue Einsichten und zeigt keine Kreativität nach vorne. Seien wir ehrlich, Kommentare mit gleichem Inhalt werden mindesten seit 10 Jahren mit den gleichen Elementen und der gleichen Phantasielosigkeit nach vorne geschrieben. Schade, dass Peter Knechtli sein früheres aktives gewerkschaftliches Engagement für einen aufrechten, querdenkenden und seriösen Journalismus aufgegeben hat. Das ist auf alle Fälle meine permanente Erwartung an onlinereports. Sie aber wird auch immer wieder enttäuscht, wie der Kommentar zum 1.Mai belegt. Schade.


Xaver Pfister, Basel


www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Wer nicht begriffen hat und nicht handelt, hat nicht begriffen."

Basler Zeitung
vom 2. Oktober 2019
über ein Manser-Zitat
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Wer richtig gelesen und korrekt geschrieben hätte, hätte das authentische Zitat dokumentiert: "Wer begriffen hat und nicht handelt, hat nicht begriffen."

RückSpiegel


Telebasel, die BZ und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die technisch bedingte Umkehr einer "Austrian Airlines"-Maschine nach Wien auf

Die Basler Zeitung und die BZ nahmen die OnlineReports-Nachricht zum Tod des Konjunkturforschers Christoph Koellreuter auf.

20 minuten online, Blick, nau.ch, das SRF-Regionaljournal und Telebasel nahmen den OnlineReports-Primeur über den Unfalltod des Basler Umweltschützers Martin Vosseler auf.

nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

In der Besprechung des Films "Bruno Manser – Stimme des Regenwalds" nahm die BZ auf eine OnlineReports-Recherche Bezug.

Die BZ nahm den OnlineReports-Primeur über eine Rückzahlung der wegen Veruntreuung angeklagten ex-Kassierin der katholischen Kirchgemeinde Grellingen auf.

Die Basler Zeitung greift in ihrem Bericht über die E-Trottinett-Anarchie auf ein OnlineReports-Interview zurück.

In ihrem Bericht über die Hühnerhaltung auf einem Basler Mehrfamiienhaus nimmt die BZ Bezug auf eine frühere Recherche von OnlineReports.

Die BZ bezog sich in ihrer Recherche über die Abgänge von Kaderärzten am Kantonsspital Baselland auf einen Bericht in OnlineReports.

Die BZ berief sich in einem Bericht über die Massenkündigungen am Schorenweg auf eine OnlineReports-News.

Die Schweiz am Wochenende und die Basler Zeitung haben die OnlineReports-News über den Bombenalarm am EuroAirport aufgenommen.

Das SRF-Regionaljournal, Telebasel, die Schweiz am Wochenende und Prime News haben den OnlineReports-Primeur über die Schliessung des Basler Kinos "Rex" nachgezogen.

In ihrem Bericht über den Gelterkinder Antennenposter-Streit bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über den Rücktritt der Basler Unispital-Verwaltungsrätin Irmtraut Gürkan aus dem Vorstand des Universitäts-Klinikums Heidelberg auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Paola Gallo, die ehemalige Geschäftsleiterin von "Surprise", übernimmt per 1. Oktober 2019 die Geschäftsführung der Job Factory Basel AG und der Stiftung Job Training.

Der 19-jährige Geografie- und Geschichtsstudent Nino Russano wird als Nachfolger von Nicolas Eichenberger neuer Präsident der Juso Basel-Stadt.

Der Basler Bürgerrat hat eine spürbare Senkung der Einbürgerungsgebühren beschlossen, von der sowohl ausländische als auch Schweizer Bewerbende profitieren.

Die Verlängerung der BVB-Tramlinie 3 nach Saint-Louis kostete rund 84 statt 93,7 Millionen Franken und ist somit um fast zehn Millionen Franken günstiger als geplant.

Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, dem Staatspersonal per 1. Januar 2020 einen Teuerungsausgleich von 0,5 Prozent auszurichten.

Die Forscherin Michaela Kneissel nimmt anstelle des Ende Jahr ausscheidenden Ulrich Vischer Einsitz im Universitätsrat der Universität Basel.

Nach dem Rücktritt der neuen Basler Regierungsrätin Tanja Soland aus dem Grossen Rat rückt die ehemalige Juso-Präsidentin Jessica Brandenburger ab 1. Dezember ins Parlament nach.

Die ausserordentliche Mitgliederversammlung des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest vom 3. November 2019 wählte als Nachfolger von Dominik Beeler Simon Fankhauser in das Co-Präsidium.

Zu sieben Fällen von Sachbeschädigungen an Autos kam es in der Nacht von Freitag auf Samstag, 2. November, in der Umgebung der Tramhaltestelle "Vogesenstrasse" in Reinach.

Der Gemeinderat von Riehen erwartet für die Planperiode 2020 bis 2023 jährliche Defizite von 1,3 bis 2,5 Millionen Franken.

Susanne Wäfler-Müller (42) wird ab dem 1. Mai 2020 die Führung der Kantonsbibliothek Baselland übernehmen und auf Gerhard Matter folgen, der im Frühjahr in den Ruhestand gehen wird.

Zu Beginn des Schuljahrs 2021/22 wird Informatik als obligatorisches Fach in allen Baselbieter Gymnasien eingeführt.

Die SP Baselland empfahl an ihrer Delegiertenversammlung vom 22. Oktober, im zweiten Ständerats-Wahlgang die grüne Maya Graf zu wählen.

Die Grünen Liestal und Umgebung haben Marie-Theres Beeler an der Mitgliederversammlung vom 22. Oktober für die Legislatur 2020-2024 für den Stadtrat nominiert.

Am 9. August 2019 hat Eva Meuli dem Landrat ihren Rücktritt als Präsidentin der Abteilung Sozialversicherungs-Recht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft per 31. März 2020 erklärt.

Am 14. Oktober, lediglich drei Wochen nach Ausschreibung der Publikumsöffnung der ADEV Ökowärme AG, waren alle 3000 neu ausgegebenen Namenaktien gezeichnet.

Die Universität Basel richtet am 1. Februar 2020 mit dem Biologen Carsten Gründemann eine Stiftungsprofessur für translationale Komplementärmedizin ein.

Wechsel in der Geschäftsführung der Suchthilfe Region Basel: Barbara Held übernimmt die Leitung per Januar 2020, nachdem Walter Meury – ein Pionier in der Suchtarbeit – Ende Jahr in den Ruhestand geht.

Der Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels, Riehens Gemeindepräsident Hansjörg Wilde und Gemeinderat Daniel Hettich haben die erneuerte Lörracherstrasse in Riehen feierlich eingeweiht.

Veronica Schaller
, frühere Basler Sanitätsdirektorin und zuletzt Kulturbeauftragte der Stadt Bern, wurde zur neuen Präsidentin von "Curaviva Basel-Stadt", dem Verband der Basler Alterspflegeheime, gewählt.

Designierte Verwaltungsratspräsidentin der Schweizerischen Rheinhäfen ist Martina Gmür, Petra Mösching wird Mitglied des Verwaltungsrats.

Der Verein Region Oberbaselbiet wählte den aus dem Fricktal stammenden Gerry Thönen, der die Oberbaselbieter Gemeinden bis zur Gründung des Regionalvereins betreute, zum Geschäftsführer.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 70-Jahr Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Israel organisiert die Schweizer Botschaft in Israel im September diverse Anlässe mit Bezug zu Basel.

Die Parteileitung des CVP-Wahlkreises Liestal hat einstimmig beschlossen, Elisabeth Augstburger für die Ständeratswahlen vom 20. Oktober zu unterstützen.

Schweizerische Rheinhäfen: Benedikt Weibel hat seinen Rücktritt als Verwaltungsrats-Präsident per 31. Dezember 2019 bekannt gegeben; Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel, trat per 30. Juni zurück.