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"Wir nehmen Ängste ernst": Ermittler Voser, Lips, Brandobjekt Bäumlihof-Gut

Brand-Serie in Riehen: Ermittler ermuntern zu Nachbarschafts-Beobachtung

Werben um Verständnis, Präventions- und Fahndungs-Tipps an die Bevölkerung: Polizei und Strafverfolgung laden zum "Mediengespräch"


Von Peter Knechtli


Die Serie von ungelösten Bränden in der baselstädtischen Gemeinde Riehen erhöht den Druck auf die Ermittler. Heute Mittwoch luden sie zu einem "Mediengespräch" ein. Aktuelle Neuigkeiten konnten sie nicht präsentieren. Dafür warben sie für erhöhte Aufmerksamkeit der Bevölkerung – und lehnten Bürgerwehr-Ideen ab.


Beat Voser, Leitender Staatsanwalt und Chef des Basler Kriminalkommissariats, versuchte gar nicht, um den Brei zu reden: Er sei mit "ambivalenten Gefühlen" an das Mediengespräch gekommen. Es ist in der Tat aussergewöhnlich, dass sich die Strafverfolgungsbehörden im Verlaufe von Ermittlungsverfahren offensiv an die Öffentlichkeit wenden. Oft verweigern sie gerade aus diesem Grund ("Sorry, hängiges Verfahren") Medienschaffenden die Auskunft.

Medien-Fantasie "Zuschlagender Feuerteufel"

Im "Fall Riehen" scheint der politische Druck auf die Ermittler so stark geworden zu sein, dass ihnen der Weg via Medien an die Öffentlichkeit (und die Druck Erzeuger) ratsam schien. Zwischen dem 21. September 2004 und dem heutigen Tag ereigneten sich in der Wohngemeinde Riehen oder – in je fünf Fällen – im angrenzenden Bettingen oder Basel nicht weniger als 57 Brandfälle, die bisher ungelöst geblieben sind. Die Feuersbrünste beflügelten nicht nur die Ängste der betroffenen Bevölkerung, sondern zuweilen auch die Fantasie der Journalisten. Sie ahnten, wenn wieder einmal Brand zu vermelden war, "der Feuerteufel von Riehen" habe "wieder zugeschlagen".

Mit dieser Art von Vermutungs-Dramaturgie kann weder Polizei noch Staatsanwaltschaft etwas anfangen. Sie gehen systematisch vor, orientieren sich an Fakten, arbeiten in Szenarien. So steht keineswegs fest, dass es sich bei den 57 Bränden und die Serie eines Einzeltäter – und vor allem: immer des gleichen Einzeltäters – handelt (Voser: "Nicht jede Häufung ist eine Serie"). Soweit die Fahnder feststellten, wurde ohne verräterische Logik Feuer gelegt. Einmal eine kurze Serie, dann wieder Pausen unterschiedlicher Dauer. Das bisher einzige "Hauptmuster", so Voser: "Immer wieder Gartenhäuschen." Dazwischen aber auch wieder mal ein einfacher Holzstapel, die Totalzerstörung des denkmalgeschützten "Bäumlihof-Guts" oder eine Einstellhalle.

Hinweise an Täter vermeiden

Was haben die Strafverfolger in all diesen Jahren schon unternommen: Ereignisse mit Mondphasen und öffentlichen Festivitäten verglichen, die Kadenzen der Zeitabläufe überprüft, ein Phantombild veröffentlicht, DNA-Profile der Feuerwehrleute erstellt, eine Task Force in Betrieb genommen, Vergleiche mit Bränden in der deutschen Nachbargemeinden Weil angestellt, Karten mit Brandorten und ungeschützten freistehenden Objekten (Bild) angefertigt, Prävention betrieben. "Ein Riesenaufwand in Stunden", sagt Polizeikommandant Gerhard Lips, während Fahndungs-Chef Beat Voser allein bezüglich der DNA-Profile von "enormen Kosten" spricht. 20'000 Franken Belohnung wurden bisher ausgesetzt – 15'000 Franken durch die Gemeinde, 5'000 Franken durch die Staatsanwaltschaft. Allein: Der Erfolg blieb bisher aus – genauso wie die Fälle der zahlreicher Tierschändungen, die vor einiger Zeit das Baselbiet bewegten.

Was die Behörden wirklich wissen, wissen wir auch nach dem "Mediengespräch" nicht: "Wir wollen dem Täter keine Hinweise geben." Aber wir stellen eine Vermutung an: Sie sind mit uns Nichtwissenden in guter Gesellschaft, sonst hätten sie uns heute die Festnahme des Haupttäters präsentiert. Doch so einfach, wie sich das die Mannen der SVP vorstellen, ist die Ergreifung eines Brandstifters nicht, wie Beat Voser erklärte. Bei Bränden lösen sich die Spuren oft in nichts auf – oder sie gehen auf im Schaum der Brandlöscher. Manchmal genügt sogar ein einfaches Streichholz, das später zu Hause spurensicher beseitigt werden kann.

Beobachtung Ja – Bürgerwehr Nein

Zu einem Aspekt allerdings äusserte sich Polizeikommandant Lips deutlich: Eine Bürgerwehr "als Ersatz für eine nicht vorhandene staatliche Organisation" (so seine Definition) ist unerwünscht. Polizist Lips: "Wir sind da. Eine Bürgerwehr braucht es nicht, sie ist kontraproduktiv oder gar gefährlich." Wenn Bürger nächtlicherweise nämlich durch unbelebte Wohnquartiere patrouillieren, könnten sie einen Brandstifter in ein anderes Gebiet vertreiben.

Der Satz "Wir brauchen keine Unterstützung von privater Seite" war dann doch nicht allzu kategorisch gemeint. Der Polizeikommandant warb dann doch für eine bestimmte Form von Basis-Fahndung der Bürgerinnen und Bürger: Sie sollen aufpassen, wer sich in ihrer engsten Wohn-Umgebung aufhält. Fremde Leute sollen angesprochen werden: "Was machen Sie da? Was haben Sie hier zu suchen?" Der diskret geschärfte Bürger-Blick auch ins nachbarschaftliche Umfeld (Fachbegriff: "Neighborhood Watching") sei durchaus "wünschenswert", sagte der Polizei-Chef, der sich erstaunt darüber zeigte, wie ungehindert Zivil-Polizisten in unverschlossene Liegenschaften oder Tiefgaragen gelangen können. Der Lips-Tipp: Türen rund um die Uhr abschliessen.

"Macht doch endlich etwas"

Der Riehemer Gemeindepräsident Willi Fischer, der sich wenige Wochen vor dem zweiten Wahlgang laut seinen eigenen Worten "als Gast" am Mediengespräch aufhielt, wandte sich klar gegen Bürgerwehr-Tendenzen: "Das Gewaltmonopol liegt beim Kanton." Dagegen warb er wie Lips auch dafür, Gebäude abzuschliessen und die Umgebung zu beobachten: "Es hat noch viele Holzschöpfe, die nicht brannten." Fischer bestätigte auch, dass die Behörden nach jedem Brand mit Druck aus der Bevölkerung konfrontiert seien: "Macht doch endlich etwas." Aber was denn?

Wie hoch der materielle Schaden der 57 ungelösten Brandfälle ist, konnte Beat Voser auf die Frage von OnlineReports hin nicht beantworten: "Der Schaden steht für uns nicht im Vordergrund. Uns geht es um die Sicherheit der Bevölkerung. Wir nehmen ihre Ängst ernst." Und Gerhard Lips ergänzte: "Unser Ziel ist, einen oder mehrere Täter festzunehmen, damit die Brände möglichst rasch aufhören."

17. Februar 2010

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In einem Satz


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• Die 57-jährige Juristin und frühere Leiterin der Basler Sozialhilfe Nicole Wagner wird Mitglied der Stiftung Habitat, wo sie die zurücktretende Beatrice Oeri ersetzt. 

• Nachdem im Baselbiet die Initiative zum Ausbau des Hochleistungsstrassennetzes rechtsgültig zustande gekommen ist, hat sich das Initiativekomitee aufgrund der laufenden Arbeiten zu einem allfälligen Gegenvorschlag mit einer Unterbrechung der Behandlungsfrist bis maximal 30. September 2019 einverstanden erklärt.

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• Der Kanton Basel-Stadt rechnet für das Jahr 2018 mit einem Budgetüberschuss von 138 Millionen Franken.

Gottlieb Keller, Mitglied der Konzernleitung und Chefjustitiar der Hoffmann-La Roche, hat in der Deutschen Botschaft in Bern das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten.

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Monique Juillerat, bisher als Mitglied der Geschäftsleitung von "familea" für die externe und interne Kommunikation verantwortlich, wird ab 1. September neue Kommunikations-Verantwortliche der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion.

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