Andrea Strahm: "Alles mit scharf"

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Traritrara – die Post ist weg!

Die Zeiten von "Globi auf der Post" und unserem Herr Graf, der alles wusste, sind definitiv vorbei. Was heulen wir dieser herrlichen Zeit nach! Etwa als wir das Haus renovierten und vorübergehend gegenüber wohnten – Herr Graf legte die Post ganz ohne on-line-Umleitungsauftrag einfach vis-à-vis in den Briefkasten. Die Päckli der Nachbarin gab er uns und umgekehrt, falls sie oder wir nicht Zuhause waren. Es wäre ihm nie in den Sinn gekommen, eine Sendung einfach vor die Haustüre zu stellen.

Er kam immer, ausnahmslos, am Vormittag, und alles klappte reibungslos. Die einsamen und älteren Leute warteten auf ihn, er kannte sie. Sprach zwei Worte und meldete es, wenn etwas nicht stimmte. Ein Scherzchen auf der Strasse, und er fuhr weiter.

Und plötzlich wurde alles anders, Herr Graf  verschwand. Jetzt rast der Gelbe Riese im gestreckten Galopp durch die Gegend, zu jeder Tageszeit, unberechenbar, anonym. Die Pöstler stehen neuorganisiert unter einem unmenschlichen Druck. Erhalten strikte Vorgaben, wie viele Sekunden sie pro Haustüre verbraten dürfen. Macht jemand nicht sofort die Türe auf, werden Pakete einfach hingeknallt, und da stehen sie dann stundenlang. Falls sie nicht geklaut werden, aber egal, die Post ist ja versichert. Kommt wahrscheinlich billiger, als die Mitarbeitenden anständig zu behandeln. Dabei deckt keine Versicherung der Welt den emotionalen Wert ab, den so mancher Inhalt eines Päckli hat. Was nicht mehr zählt.


"Sie ist teuer, die Post,
und sie arbeitet schlecht."



Die Daumenschraube wurde in den letzten Jahren immer stärker angezogen. Unser Pöstler war erschöpft, konnte nicht mehr, und irgendwann war er weg. Nach ihm kamen andere, schnellere, jüngere, sprachlose, austauschbare Pöstler. Einen Abholzettel auszufüllen kostet Zeit, und genau diese steht ihnen nicht zur Verfügung, drum haut die neue Garde die Pakete einfach vor die Türe.

Es nützt einen Deut, auf der Super-Homepage der Schweizerischen Post die Option "Deponieren" zu streichen. Es wird dennoch deponiert, alles andere ist bei diesem Zeitrennen gar nicht zu machen. Was es für die Pöstler für Konsequenzen hat, wenn sie den Marathon zu langsam absolvieren, kann man nur erahnen, wenn man sie so sieht, gestresst, rennend, einsilbig.
 
Obwohl die Paketpost zugenommen hat, wird Filiale an Filiale geschlossen. Als Ersatz fungieren chemische Reinigungen, Lebensmittelläden oder Apotheken, die in irgendeine Ecke ein gelbes Display stellen und auf Post machen. Dort soll man sein Paket aufgeben, und auch den Brief. Das Vertrauen, das ein Postschalter mit uniformierter Bedienung ausstrahlt, ist weg. Denn die Ausbildung und Gewissenhaftigkeit, die eine Schalterbeamtin ausweisen,  hat die Angestellte der chemischen Reinigung, die mir kürzlich in gebrochenem Deutsch einen wichtigen Brief aus der Hand nahm, mit Garantie nicht. Und den Herrn, der sich wegen Hämorrhoiden beraten liess, hat es kürzlich in der Apotheke auch nicht gefreut, dass ich dahinter mit meinem Paket wartete und alles mitbekam.

2015 machte die Post einen Gewinn von 645 Millionen Franken. Und schraubt dennoch weiter, kriegt nicht genug. Sie ist teuer, die Post, und sie arbeitet schlecht. Sie kann sich das erlauben, hat eine Monopolstellung. Die frühere Post fehlt an allen Ecken, es gibt sie nicht mehr. Es fehlt auch die soziale Kontrolle, die die Pöstler wahrnahmen, das bisschen Menschlichkeit, wenn ein Einschreiben kam, oder ein Päckli zum Geburtstag. Ein grosser Verlust, eine Verarmung. Da hat jemand einen monetären Tunnelblick und sieht nicht, was es zu sehen gäbe. Fertig Traritrara, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

19. Juni 2017
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Andrea Strahm, geboren 1955, arbeitet als Juristin auf dem Gebiet des geistigen Eigentums und war bis Mai 2017 Präsidentin der CVP Basel-Stadt. Sie geniesst es, ergänzend zu den von ihr täglich verfassten sachbezogenen und ernsthaften Eingaben und Verträgen in dieser Kolumne persönlich und emotional sein zu dürfen. Andrea Strahm gehörte während neun Jahren dem Vorstand des Neutralen Quartiervereins Neubad an, davon zwei Jahre als Co-Präsidentin. Die Mutter zweier Töchter lebt in Basel.

© Foto by OnlineReports.ch

andreastrahm@bluewin.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)
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"Entmenschlichte Arbeitsbedingungen"

Sehr treffen und erheiternd. Noch ist es unsere Post. Danke den PolitikerInnen, die den Service public schon vor ein paar Jahren als Thema aufgegriffen haben. Sie waren, wie so oft, der Zeit voraus. Was eigentlich nicht stimmt: Sie waren vielmehr aufmerksam und standen in der Zeit, hinkten ihr weniger hinten nach und hüpfen nicht auf jede coole Erneuerung.

Vor ein paar Jahren traf ich in meinem vorherigen Wohnort, einem Dorf etwa 15 km ausserhalb Basel, zufällig wieder einmal unseren Pöstler Jean-Claude beim Postverteilen. Wir freuten uns und hatten natürlich einiges zu berichten. Keine 10 Sekunden nach unserer Begrüssung nahm er ein Gerät hervor und drückte auf eine Taste. Er müsse diesen Schwatz von seiner Arbeitszeit abbuchen!

Ich meine alles was recht ist, aber soweit dürfen wir die Arbeitsbedingungen "unserer" Angestellten doch nicht entmenschlichen. Leben wir um zu arbeiten oder umgekehrt?! Warum soll es nicht mit ein Ziel sein, die Arbeitszeit angenehmer zu gestalten, so dass es vorkommen könnte, dass die Leute gerne zur Arbeit gehen würden. Das würde auf einen verschickten Brief wohl nicht einmal einen halben Rappen ausmachen und wir hätten freudigere, entspanntere PösterInnen, die ihrer inoffiziellen sozialen Aufgabe ihres Berufes Aufmerksamkeit schenken könnten. So könnten die PöstlerInnen, ausser Päckli, auch Freude in die Bevölkerung tragen!

Regieren eigentlich vorallem die kahlen Ökonomen die Arbeitswelt und die Psychologen haben zu heilen, was die andern anrichten! Abgesehen davon haben wirs ökonomisch überhaupt nicht nötig und zweitens ist dieser Weg verlustreicher wie der menschlichere.


Viktor Krummenacher, Bottmingen



"Irgendwann kommt der Zeitpunkt"

Sehr geehrter Herr Thiriet, irgendwann kommt der Zeitpunkt, bei dem kann man nicht mehr für alles und jedes die Partei als Sündenbock heranziehen. Schliesslich denkt jeder Mensch normalerweise auch noch selbst und hat eine Eigenverantwortung.


Peter Isler, Basel



"Garantiert nicht mehr Lohn"

Genau! Und: Die neuen Postangestellten... ehm, die Damen, welche in der Bäckerei oder in der Apotheke oder im Lebensmittelladen die Postabwicklungen für die Post machen... sie werden weiterhin als Verkäuferinnen bezahlt und bekommen garantiert nicht mehr Lohn für ihren Zusatzaufwand.


Beatrice Iser, Basel



"Kunden und Postbeamte sind Leidtragende"

Ein sehr guter Artikel der die Sache auf den Punkt trifft. Die Leidtragenden der ganzen Sache  sind die Kunden und die Postbeamten, die auf der Post und die Brief und Päcklipöstler. Eigentlich sollte die Post ja für uns da sein, aber es scheint als seinen wir nur die Kasse für den Bundesbetrieb um den Gewinn noch höher zu schrauben. Die Qualität und die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke, aber das scheint die Führung nicht zu kümmern, Hauptsache man kann ein fettes Gehalt einstecken und sich rühmen irgendwo dafür wieder ein paar Franken eingespart zu haben.


Peter Isler, Basel



"Es sind ihre Parteifreunde"

Schöne, scharfe Kolumne zum Wochenbeginn. Aber als ehemaliger CVP-Präsidentin des Kantons Basel-Stadt ist der Kolumnistin ja sicher nicht entgangen, dass der Verwaltungsrats-Präsident der Post (nicht gewählter Bundesrat Urs Schwaller) und der Präsident der Regulierungsbehörde ComCom (abgewählter Zürcher Regierungsrat Hans Hollenstein), welche die von ihr betrararte respektive betrauerte Entwicklung massgeblich verantworten, ihre Parteifreunde sind.


Roger Thiriet, Basel



"Genau so ist es"

Genau so steht es heute mit der Post, wie es Andrea Strahm schildert. Schade!


Theo Klee-Martin, Frenkendorf


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"Die Temperaturen kratzen heute am Gefrierpunkt."

BZ Basel
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vom 1. Dezember 2017
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Hinterliessen sie Spuren, die Temperaturen?

"Und übrigens ..."

Weihnachts-Geschichte aus Israel
RückSpiegel


In ihrem Artikel über die "Berlusconisierung von links" zitiert die Weltwoche aus dem "dem gutinformierten Basler Internetdienst OnlineReports".

In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Primeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung nahm in ihrer Berichterstattung über den "Fall Wessels" auf einen OnlineReports-Kommentar Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, die SDA und die Badische Zeitung gingen auf den OnlineReports-Primeur über die Berufung des türkischen Basler Polizei-Assistenten gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft ein.

20 Minuten online nahm die OnlineReports-News über die Basler verkehrs-Betriebe (BVB) an der Grenze ihrer Belastung auf.

Die BZ Basel und das Regionaljournal gingen aktuell auf die OnlineReports-Recherche über einen Manipulations-Versuch der BVB-Direktion im Vorfeld der Wahlen in die Personalkommission ein.

Barfi zog die OnlineReports-Story über die umstrittene Umnutzung des "FKK-Clubs" in ein Bordell an der Amerbachstrasse in Basel nach.

Der Landbote nahm die OnlineReports-Story über den Stromeinkauf der Gemeinde Muttenz beim Stadtwerk Winterthur auf.

Die OnlineReports-News über den Personalabbau auf der Basler Hauptpost wurde durch Telebasel aufgenommen.

Telebasel online ging in seinem Bericht über die SP-Prämieninitiative auf einen Kommentar von OnlineReports ein. 

Die Weltwoche zitierte in ihrem Bericht über den Basler Scharia-Befürworter Aziz Osmanoglu aus einem Gerichts-Bericht von OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Elisabeth Pestalozzi, seit August 2016 stellvertretende Chefredaktorin von Radio SRF, wird im zweiten Quartal 2018 neue Kommunikationsleiterin der Christoph Merian Stiftung.

• Über tausend Personen verlangen in einer Petition der SP Gelterkinden die Einführung von Tempo 30.

• Im zweiten Wahlgang der Liestaler Stadtrats-Ersatzwahl vom 14. Januar 2018 treten Marie-Theres Beeler (geboren 1959, Grüne) und Karin Jeitziner (geboren 1961, FDP) an.

Marco Greiner, Regierungssprecher und Vizestaatsschreiber von Basel-Stadt, ist neuer Präsident der Schweizerischen Informations-Konferenz öffentlicher Verwaltungen.

• Die Basler CVP hat ihre mit 3'910 Unterschriften versehene Krankenkassen-Initiative eingereicht, die verlangt, dass selbstbezahlte Prämien für die obligatorische Krankenpflege-Versicherung vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können

• Mit der Jus-Studentin Laetitia Block als Nachfolgerin von Pascal Messerli steht erstmals eine Frau an der Spitze der Jungen SVP Basel-Stadt.

• Das Basler Ristorante Cibo Mediterraneo ist der künftige Betreiber der neuen Buvette am St. Alban-Rheinweg.

Reto Meyer, Inhaber und Geschäftsführer der WS Kommunikation in Basel, kauft per Jahreswechsel sämliche Anteile der BSSM Werbeagentur von Urs Schneider und Hannes Müller.

Jana Wachtl (38) wird als Nachfolgerin von Sabine Kubli auf Jahresbeginn neue Leiterin der Baselbieter Fachstelle "Gleichstellung für Frauen und Männer".

• Das Basler Energieunternehmen IWB plant, im Februar 2018 elf neue Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Quartierstrassen auf Allmend zu installieren.

• Entgegen der Parole der kantonalen CVP sagte der CVP-Wahlreis Liestal Nein zum "8. Generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr" und damit Ja zum "Läufelfingerli".

Raymond Cron wird als Nachfolger von Andreas Büttiker ab 1. Januar 2018 neues Verwaltungsratsmitglied des EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg.

• Der Basler Grosse Rat hat die Standesinitiative der SP gegen der Schliessung von Quartier-Poststellen überwiesen.

• Die bürgerlichen Jungparteien von Basel-Stadt ziehen ihre Zweirad-Initiative zurück, da sie mit dem vom Grossen Rat beschlossenen Gegenvorschlag ihre Hauptforderungen als erfüllt betrachten.

• Die Baselbieter Wahlen des Landrats und des Regierungsrats für die Amtsperiode vom 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2023 finden am 31. März 2019 statt.

• Weil mit dem als Gegenvorschlag verabschiedeten neuen Bürgerrechtsgesetz und den Anpassungen auf Bundesebene die Anliegen der Initianten erfüllt sind, zieht die SVP Basel-Stadt ihre Volksinitiative "Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern" zurück.

• Mit der Gründung der Sektion Waldenburg wollen die Grünen Baselland im Wahlkreis Waldenburg den verlorenen Landratssitz zurück erobern.