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© Foto by Staatsarchiv Basel-Stadt


150 Jahre Basler Tiefbauamt – ja aber so was!

Basel, 15. Juli 2015

So ganz präzise lässt sich die Geburtsstunde des Basler Tiefbauamtes nicht festmachen. Aber erstmals gesetzlich dokumentiert ist der "Kantonsingenieur" im Jahr 1864, obschon der erste Funktionsträger dieser Art bereits zwei Jahre zuvor im Amt war. Ist letztlich egal. "150 Jahre im Dienst der Stadt – Zur Geschichte des Tiefbauamts Basel-Stadt" heisst das Buch, das der "Christoph Merian Verlag" nun in seiner Reihe "Beiträge zur Basler Geschichte" publizierte. Recherchiert und geschrieben hat es der emeritierte Basler Geschichtsprofessor Georg Kreis.

Ohne Untergrund läuft nichts

Wie bitte – ein Buch über das Tiefbauamt? Über aufgerissene Strassen, düstere Kanalisationen, staubtrockenen Leitungsbau? Man lasse sich nicht von fixen Vorstellungen täuschen. Sicherlich gibt es Politiker, die sich lieber in der Präsentation neuer architektonischer Perlen sonnen als im düsteren Basler Untergrund, wo sich zuweilen auch Ratten und Mäuse gute Nacht sagen.

Doch genauso wie sich das glanzvolle Überirdische nur in Symbiose mit einem klug angelegten und funktionierenden infrastrukturellen Untergrund entfalten kann, wächst auch das Heutige immer auf dem Boden des Gestrigen.

Vermutlich dürfte selbst ein erfahrener Historiker wie Georg Kreis über die Vielfältigkeit und die Grundsätzlichkeit der Aufgaben gestaunt haben, die sich – nach aussen unspektakulär – in den Stuben des Tiefbauamts vereinigen.

Was uns der Autor auf 320 Seiten Schicht für Schicht vorlegt, ist Basler Geschichte im besten Sinn. Baugeschichte. Sozialgeschichte. Umweltgeschichte. Stadtentwicklungsgeschichte.

Das Buch macht die unglaubliche und bis heute anhaltende Transformation der Stadt Basel vielleicht noch stärker sichtbar als neuerdings das alles überragende Roche-Hochhaus. Man denke nur daran, wie die Gewässer der Stadt bis vor wenigen Jahrzehnten als Kanalisationsstränge dienten. Die heutige Falknerstrasse, durch die der offene Birsig floss, war Ende des 19. Jahrhunderts eine stinkende Kloake, in die sich direkt die Fäkalien eines wildes Gemischs von in Hinterhöfen angebauten Abtritten ergoss.

Besondere Verantwortung, besonderer Reiz

Neben Literaturrecherchen ziehen sich teilweise arg detaillierte statistische Auszüge und politische Analysen aus den verfügbaren Jahresberichten wie ein roter Faden durch das Buch, welches das öffentlich kaum bewusste breite Zuständigkeits-Spektrum des Tiefbauamts dokumentiert: Strassen, Brücken, Wasserbauten, Kehricht, Strassenreinigung, Kraftwerke, Häfen, Planierungen, Parkhäuser. Und so weiter.

Gerade die Tatsache, dass Tiefbau-Aufgaben den Untergrund betreffen und dass einmal getroffene Entscheide nicht oder kaum reversibel sind, macht die besondere Verantwortung und auch den Reiz dieses staatlichen Tätigkeitsbereichs bewusst.

Das reichhaltig illustrierte Werk richtet sich in seinem Verständnisanspruch an Fachleute wie auch an das breite Publikum. Wer sich das leicht lesbare, immer den Bogen zur heutigen Zeit schlagende Buch zu Gemüte geführt hat, sieht die Stadt Basel mit andern Augen.


Georg Kreis: "150 Jahre im Dienst der Stadt – Zur Geschichte des Tiefbauamts Basel-Stadt". Christoph Merian Verlag. Basel 2015.



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