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"Erste Priorität Sicherheit": Schausteller Peter Hablützel

Das höchste transportable Riesenrad der Welt

Der 60 Meter hohe Stahlkoloss zählt zu den beliebtesten Attraktionen der Basler Herbstmesse


Von Peter Knechtli


Am kommenden Samstag dreht es sich wieder auf dem Basler Münsterhügel: Das 60 Meter hohe Riesenrad, das einen prächtigen Ausblick über die Stadt und ins Dreiländereck ermöglicht. Die imposante Konstruktion beeindruckt Passanten schon beim Aufbau - und erst recht, wenn sich das Rad im Duft von Zuckerwatte und gebrannten Mandeln zu drehen beginnt.


Ende letzter Woche auf dem Basler Münsterplatz: Passanten stehen still und schauen in den Himmel. Auf einer Schwindel erregenden Höhe von 30 Metern wird eben die fünf Tonnen schwere Nabe, geragen von einem monströsen Kranfahrzeug, auf die Stahlträger gezirkelt. Männer verrichten Millimeterarbeit. Später wird das Rad mit hydraulischem Überdruck aufgespannt - für Nicht-Kenner: damit Druckausgleich erzielt wird - und schliesslich werden die 40 Gondeln, die gesamthaft bis 300 Personen fassen, aufgehängt. Dann steht der 450 Tonnen schwere Koloss, eines der im wahrsten Sinn des Wortes herausragendsten Merkmale der Basler "Mäss".

Bisher keine gravierenden Unfälle

Heute Mittwochnachmittag: Peter Hablützel (52), Schausteller in sechster Generation, arbeitet mit einem Team am nicht ganz protokollarischen Finish: In der Nacht auf heute muss sich, wie der reichlich hinterlassene Dreck zeigt, ein Schwarm gefiederter Freunde auf dem Rad niedergelassen haben. Während ein Team mit Putzarbeiten beschäftigt ist, bewegt Peter Hablützel in seinem blauen Overall das Rad über eine mobile Funkstation im Kriechgang etappenweise vorwärts. Von Schwindel dürfen die Arbeiter nicht geplagt sein, wenn sie mit Wasser und Lappen ungesichert durch die Gerüststangen tänzeln.

An Unfälle während seiner über 30-jährigen Schausteller-Karriere indes kann sich Chef Hablützel nicht erinnern: "Gut, es haut sich mal einer mit dem Hammer auf die Finger oder einer schlägt sich das Bein an. Mehr nicht." Auch mit seinen Kunden kam es noch nie zu ernsthaften Zwischenfällen. "Kürzlich hatte eine Rollstuhlfahrerin in der Gondel Panik. Aber das war kein Problem. Wir fuhren sie herunter und liessen sie aussteigen", bleibt Peter Hablützel kühl. Was ihm eher Sorgen bereitet, sind betrunkene Jugendliche, die in Gondeln zu schaukeln beginnen, oder - wie in Zürich - Häuser aus der Höhe mit Eiern bewerfen.

Auf Risiken an dieser weitgehend computergesteuerten Anlage lässt sich der erfahrene Schausteller nicht ein: "Sicherheit hat oberste Priorität". Die Gondeln sind verglast, die Gitter-Türen von aussen verriegelt.

Riesenaufwand für Auf- und Abbau

Mit einer Höhe von 60 Metern - eine noch grössere Höhe ist aus statischen Gründen auf dem engen Platz nicht möglich - ist die Messe-Attraktion des grösste transportable Riesenrad der Welt. Entsprechend aufwändig sind Aufbau und Demontage: Zehn Tage verschlingt der Aufbau der mit 24 Bahncontainern angefahrenen Elemente, sechs bis sieben Tage die Demontage - gesamthaft also genau die 16 Tage Dauer, an denen das Rad in Betrieb ist. Nach jeder Veranstaltung werden Achse und Speichenrad im Betriebsgebäude in Beringen SH gereinigt und geschmiert.

Über die Zahl der Fahrgäste schweigt sich Hablützel aus, weil es ein Einfaches wäre, aufgrund der Fahrpreise - acht Franken für Erwachsene, fünf Franken für Kinder und 20 Franken für zwei Erwachsene und zwei Kinder - die Umsätze zu errechnen. Was Peter Hablützel aber nennt, ist der Betriebsaufwand von 100'000 Franken, bevor ein Rappen verzinst, geschweige denn gewonnen ist. Nun denn: Ein Geschäft ist das in Deutschland gebaute Riesenrad, das ausser in Basel auch in Bern und auf dem Zürcher Sechseläutenplatz zu Gast ist und auch an der Expo.02 und an der Weltausstellung in Hannover in Berieb war, schon.

Unterkunft nach Schausteller Art

Solange das Rad dreht, ist auch Peter Hablützel "als Dirigent von A bis Z dabei". Unweit seines Riesenrads haben er und seine Frau nach echter Schausteller-Art ein mobiles Schlafzimmer mit Dusche und WC eingerichtet. "Mehr brauche ich nicht, wenn ich arbeite." Die Zeit, wenn das Riesenrad dreht, ist streng. Aber danach gönnt sich der "Dirigent" eine Auszeit - vermutlich auf Mallorca, wohin seine verheirateten Töchter ausgewandert sind. Doch daran ist im Moment nicht zu denken: Am Samstag um 12 Uhr gehts los.

26. Oktober 2005


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