© Foto Ausriss by OnlineReports.ch
"Nun kann es passieren, dass ...": Neuer Lohnausweis

Neuer Lohnausweis: "Von Gerechtigkeit hört man nichts mehr"

Kantone handhaben die Deklarationspflicht trotz mehr Formular-Bürokratie völlig unterschiedlich


Von Peter Knechtli


Jahrelang wurde heftig um den neuen Lohnausweis gestritten. Seit Anfang Jahr ist er grundsätzlich in Kraft. Doch schon jetzt zeigt sich: Das Versprechen von mehr Steuergerechtigkeit kann er nicht einlösen. Was die nationale Steuerkonferenz beschloss, setzen die Kantone unterschiedlich um - und schaffen neue Ungerechtigkeiten und Probleme.


Seit Anfang dieses Jahres sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit einem neuen Formular konfrontiert: Dem "Neuen Lohnausweis" (NLA). Beschlossen hatte ihn nach mehrjährigem Seilziehen insbesondere mit den Verbänden von gewerbe und Industrie die nationale Steuerkonferenz, ein Gremium, das sich aus den kantonalen Steuerverwaltern zusammen setzt. Die Gründe: Mehr Transparenz, mehr Steuergerechtigkeit - und mehr Einnahmen.

"Ein fertiger Witz"

Schon wenige Monate nach Einführung des Neuen Lohnausweises zeigt sich, dass er längst nicht alle Versprechen einlösen kann, mit denen seine Kreation gerechtfertigt wurde. Das liegt daran, dass der Vollzug bei den Kantonen liegt, die einerseits mit der Umsetzung ganz unterschiedlich vorgehen. Einzelne Kantone wie Solothurn oder Luzern wenden ihn gar nicht oder modifiziert an. Andere Kantone wie Baselland akzeptieren für das Jahr 2007 auch noch das alte Formular, ohne dass dies näher begründet werden muss. Und jene Kantone, die auf die neue Lohn-Erhebung umgestellt haben, wenden unterschiedliche Bemessungsgrundlagen an. Ein regionaler Treuhänder nach dem Besuch eines Lohnausweis-Seminars zu OnlineReports: "Ein fertiger Witz!"

"Das Wort Gerechtigkeit, das in früheren Diskussionen häufig fiel, hört man nicht mehr", konstatiert der Fachmann und legt Beispiele vor. So können im Kanton Basel-Stadt bereits Firmen ein für sie unter Umständen günstiges Spesenreglement einreichen, die nur einen Mitarbeiter haben. Der Kanton Aargau aber lässt Spesenreglemente nur für Betriebe ab zehn spesenberechtigen Personen zu. In einzelnen Kantonen können selbst Firmen mit 50 Mitarbeitern kein Spesenreglement einreichen, weil sie nicht über genügend spesenberechtigte Mitarbeiter verfügen.

Der Experte glaubt auch, dass die Diskussionen der Betroffenen mit kommunalen oder kantonalen Steuerämtern "wie bisher weiter gehen" in Fällen, in denen kein Spesenreglement eingereicht wird oder werden kann.

Unterschiedliche Pauschalspenden-Regelungen

Massive Differenzen ergeben sich bei der Anerkennung von Pauschalspesen: In Basel-Stadt betragen sie fünf Prozent des Bruttolohns, wobei Beträge schon ab 6'000 Franken als revisionstechnisch "kritisch" betrachtet werden. Der Kanton Zürich anerkennt maximal zehn Prozent des Bruttolohns, bis höchstens 24'000 Franken. "Vermehrte Diskussionen" erwartet der Buchhaltungsfachmann bei AHV-Revisionen. Grund: Auf dem neuen Lohnausweis-Formular sei der AHV-pflichtige Lohn nicht aufgeführt oder nicht ersichtlich, wenn beispielsweise noch Kinderzulagen im Bruttolohn enthalten sind, die nicht mehr separat ausgewiesen werden müssen oder können.

Weitere Differenzen ergeben sich auch in der Berechnung des Privatanteils bei Benutzung eines Geschäftsfahrzeugs (angenommener Neupreis: 50'000 Franken, davon Privatanteil 4'800 Franken oder 0,8 Prozent pro Monat). Wird das Fahrzeug geleast und nach beispielsweise drei Jahren für 20'000 Franken gekauft wird, rechnet sich im Aargau der Privatanteil auf der Basis von 20'000 Franken, also jährlich 1'920 Franken. Der Kanton Zürich aber berechnet weiterhin einen jährlichen Privatanteil von 4'800 Franken.

Fazit: Sicher scheint bisher nur zu sein, dass der Neue Lohnausweis vor allem einem nützt - dem Staat.

Allenfalls Anträge im Parlament

Einer, der sich auf politischer Ebene mit Vorstössen gegen den Neuen Lohnausweis wehrte, ist der Baselbieter FDP-Nationalrat und Wirtschaftskammer-Direktor Hans Rudolf Gysin.

OnlineReports: Herr Gysin, wir haben Ihnen die Einschätzungen eines Fachmanns zum Neuen Lohnausweis vorgelegt. Teilen Sie diese Meinung?

Hans Rudolf Gysin: Leider zu hundert Prozent ja.

OnlineReports: Sind Ihnen weitere Probleme und neue Ungerechtigkeiten bekannt, die der Neue Lohnausweis mit sich bringt?

Gysin: Dadurch, dass der Privatanteil am Geschäftsauto nun in Franken auf dem Lohnausweis aufgeführt werden muss - früher genügte dafür ein Kreuzchen -, ist dafür auch die AHV abzurechnen. Nun kann es passieren, dass aufgrund des AHV-Rechts der AHV-Revisor diesen Betrag für die vergangenen vier Jahre ebenfalls als AHV-pflichtig aufrechnet und Arbeitgeber wie Arbeitnehmer rückwirkend zu Kasse bittet.

OnlineReports: Planen Sie allenfalls weitere Aktivitäten, um die Probleme und die ungleiche Anwendung des Formulars in den Kantonen zu beseitigen?

Gysin: Ich plane, solche Hinweise, wie sie in den Feststellungen des von Ihnen zitierten Buchhaltungsexperten zum Ausdruck kommen, zu sammeln und in die immer noch bestehende Subkommission "Lohnausweis" der nationalrätlichen Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) einzubringen. Je nachdem wären dann dem Parlament entsprechende Anträge einzureichen.

4. April 2007


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

Was Sie auch noch interessieren könnte

Ein Zunft-Buchhalter vor den
Schranken des Gerichts

Anklage-Vorwurf an Fernand Gerspach:
Veruntreuung und Urkundenfälschung


Vom Edelfaden zum Kunst-Stück:
Kreationen aus dem Webstuhl

Karola Kauffmann stellt in Basel aus:
Kunsthandwerk zum Tragen.


Reaktionen

Christian Heeb will wieder
Radio machen - für "Mündige"

Angriff des Lokalradio-Pioniers
gegen "Radio Basilisk" und "Basel 1".


Reaktionen

Kritik von links an der
Unternehmenssteuer-Reform

SP-Fraktionschef Ruedi Brassel:
"Nur die Reichsten profitieren."


Reaktionen

Harte Kritik an Gegnern der
Unternehmenssteuer-Reform

Caspar Baader über Gemeinderäte:
"Dem Verwaltungsdenken verhaftet".


Reaktionen

Atel-Tochter kauft Kraftwerke
der Papierfabrik Grellingen

Hoher Kaufpreis: Regionale Interessenten
konnten nicht mithalten.


Neuer "Basilisk"-Besitzer Martin
Wagner: "Ich bin unabhängig"

Medienhaus soll verkauft werden:
BaZ-Tochter zeigt Interesse.


270 Staats-Millionen für
neues Basler Messe-Zentrum

Regierungen beider Basel präsentieren
ihre Finanzierungs-Vorlagen.


Reaktionen

Indonesischer Staatsterror
gegen das Urvolk der Papua

Die "Dschungelkind"-Autorin
Sabine Kuegler hilft ihren Freunden.


Des Volkes Stimme: Ein
Medien-Unikum wird 125-jährig

Die Sissacher "Volksstimme" von
Peter Schaub jubiliert in schweren Zeiten.


www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Sehr geehrte Damen und Herrenteil"

Pro Velo beider Basel
Anschrift in einer Medienmitteilung
vom 9. Februar 2020
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Welches Teil da wohl genau gemeint war?

RückSpiegel


Die BZ nahm die OnlineReports-Meldung über die Beton-Elemente auf dem Basler Centralbahnplatz auf.

Die OnlineReports-News über die technische Panne bei Swisslos wurde von der BZ aufgenommen.

In ihrem Bericht über die Bereitschaft zur Regierungskandidatur von Beatriz Greuter zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Die BZ online bezog sich in ihrem Bericht über den Tod des Baselbieter Lehrerverbands-Geschäftsführers Michael Weiss auf OnlineReports.

Die Volksstimme zitierte in ihrem Bericht über den Konkurs von "Die Medienmacher" aus OnlineReports.

Telebasel bezog sich im Bericht über den Widerstand gegen die Basler IBA-Rheinterrassen auf einen Bericht von OnlineReports.

Die Basler Zeitung nimmt in ihrem Bericht über den Neujahrs-Empfang der Handelskammer beider Basel auf OnlineReports Bezug.

Die BZ schrieb in derselben Ausgabe zwei OnlineReports-Meldungen ab, ohne die Quelle zu deklarieren. Wiederholungstat!

In ihrem Bericht über Verkehrsprobleme am Aeschenplatz zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

Die OnlineReports-Nachricht vom Tod des ersten Baselbieter Kantonsgerichtspräsidenten Peter Meier wurde von der BZ, Telebasel, der Basler Zeitung und vom SRF-Regionaljournal nachgezogen.

Telebasel, die BZ und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die technisch bedingte Umkehr einer "Austrian Airlines"-Maschine nach Wien auf

Die Basler Zeitung und die BZ nahmen die OnlineReports-Nachricht zum Tod des Konjunkturforschers Christoph Koellreuter auf.

20 minuten online, Blick, nau.ch, das SRF-Regionaljournal und Telebasel nahmen den OnlineReports-Primeur über den Unfalltod des Basler Umweltschützers Martin Vosseler auf.

nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

In der Besprechung des Films "Bruno Manser – Stimme des Regenwalds" nahm die BZ auf eine OnlineReports-Recherche Bezug.

Die BZ nahm den OnlineReports-Primeur über eine Rückzahlung der wegen Veruntreuung angeklagten ex-Kassierin der katholischen Kirchgemeinde Grellingen auf.

Die Basler Zeitung greift in ihrem Bericht über die E-Trottinett-Anarchie auf ein OnlineReports-Interview zurück.

In ihrem Bericht über die Hühnerhaltung auf einem Basler Mehrfamiienhaus nimmt die BZ Bezug auf eine frühere Recherche von OnlineReports.

Die BZ bezog sich in ihrer Recherche über die Abgänge von Kaderärzten am Kantonsspital Baselland auf einen Bericht in OnlineReports.

Die BZ berief sich in einem Bericht über die Massenkündigungen am Schorenweg auf eine OnlineReports-News.

Die Schweiz am Wochenende und die Basler Zeitung haben die OnlineReports-News über den Bombenalarm am EuroAirport aufgenommen.

Das SRF-Regionaljournal, Telebasel, die Schweiz am Wochenende und Prime News haben den OnlineReports-Primeur über die Schliessung des Basler Kinos "Rex" nachgezogen.

In ihrem Bericht über den Gelterkinder Antennenposter-Streit bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über den Rücktritt der Basler Unispital-Verwaltungsrätin Irmtraut Gürkan aus dem Vorstand des Universitäts-Klinikums Heidelberg auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Die Basler Regierung lehnt ein mit Steuergeldern finanziertes flächendeckendes WLAN ab.

Die Baselbieter Regierung und die Verbände des Lehrpersonals haben sich auf die wesentlichen Eckwerte zum zukünftigen Mitarbeitenden-Gespräch geeinigt.

Baselland Tourismus hat ab Mai 2020 einen neuen Geschäftsführer: Michael Kumli übernimmt dann als Nachfolger von Tobias Eggimann die Leitung der touristischen Dachorganisation.

Die über Funk gesteuerten Sirenen in Basel-Stadt und Baselland haben die Bewährungsprobe bestanden: Das System funktionierte während des Probealarms vom 5. Februar ordnungsgemäss.

Der BVB-Verwaltungsrat hat am 3. Februar den 48-jährigen Bauingenieur und Leiter "Infrastruktur" Ramon Oppikofer zum Vize-Direktor gewählt.

Der 19-jährige FCB-Spieler Noah Okafor wechselt per sofort vom FC Basel 1893 zum FC Red Bull Salzburg in die österreichische Fussball-Bundesliga.

Melanie Nussbaumer, Tochter des Baselbieter SP-Nationalrats Eric Nussbaumer, wird als Nachfolgerin von Kerstin Wenk neue Vizepräsidentin der SP Basel-Stadt.

Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, das Gesetz "über den unverzüglichen Bau der H2 zwischen Pratteln und Liestal" formell aufzuheben, da es "seinen Zweck erfüllt" habe.

Kilian Winkler wird als Nachfolger von Marco Natoli neuer Präsident der JCVP Basel-Stadt.

Wegen des Baus eines neuen Kreisverkehrs im Schweizer Sektor der Basler Flughafenstrasse wurde eine temporäre Verkehrsumleitung auf der rechten Strassenseite auf der Höhe von dem Parkplatz S4 eingerichtet worden.

Die Gemeinde Riehen spendet 10'000 Franken zugunsten eines Nothilfe-Projekts des Roten Kreuzes für Geflüchtete in Bosnien-Herzegowina.

Ein überparteiliches Komitee hat am 15. Januar bei der Basler Staatskanzlei die Unterschriften für die Initiative "für erschwingliche Parkgebühren" eingereicht.

Urs Bucher wird am 1. August 2020 die Leitung der Volksschulen Basel-Stadt übernehmen und damit die Nachfolge von Dieter Baur antreten, der zum Ende des Schuljahres in Pension geht.

Die 53-jährige Juristin Blanche Gilli ist seit Anfang 2020 neue Präsidentin des Vereins gemeinsame Opferhilfe beider Basel.

Der FC Basel leiht seinen 21-jährigen Innenverteidiger Yves Kaiser bis zum Ende der Saison 2019/2020 an den FC Schaffhausen aus der Challenge League aus.

Knut Schmidtke, Marc Schärer und Lucius Tamm werden per 1. April 2020 die Leitung des in Frick domizilierten Forschungsinstituts für biologischen Landbau FiBL von Urs Niggli übernehmen.

Die Baselbieter Grünen reichten am 12. Dezember ihre mit rund 1700 Unterschriften versehene Klimaschutz-Initiative ein, die das Ziel des Pariser Abkommens gesetzlich verankern will.

Die Basler SP-Bürgergemeinderätin Canan Özden tritt auf Anfang 2020 die Nachfolge der zurücktretenden Gabriella Matefi (SP) als Basler Bürgerrätin (Exekutive der Bürgergemeinde) an.

Das Theater Basel konnte im Jahr 2018/2019 die Anzahl der Besuchenden zum vierten Mal in Folge auf 183'705 Personen (+1,6 Prozent) erhöhen, während jedoch die Besucher-Einnahmen um 1,7 Prozent sanken.

Die neue grüne Baselbieter Landrätin Laura Grazioli übernimmt von der frisch gewählten Nationalrätin Florence Brenzikofer das freiwerdende Präsidium der Finanzkommission.

Paola Gallo, die ehemalige Geschäftsleiterin von "Surprise", übernimmt per 1. Oktober 2019 die Geschäftsführung der Job Factory Basel AG und der Stiftung Job Training.

Der 19-jährige Geografie- und Geschichtsstudent Nino Russano wird als Nachfolger von Nicolas Eichenberger neuer Präsident der Juso Basel-Stadt.

Der Basler Bürgerrat hat eine spürbare Senkung der Einbürgerungsgebühren beschlossen, von der sowohl ausländische als auch Schweizer Bewerbende profitieren.