© Foto by zvg
"Didaktische Aussichten unübersehbar": Hafengebiet St. Johann, Computeranomation

Digitale Räume zum Begehen

Augmented Reality – ein Gebiet für die Kreativwirtschaft


Von Aurel Schmidt


Die Welt ist Schein. Sie scheint, was sie ist oder vorgibt zu sein. Was wir sehen, ist ein Bild, das wir uns machen, erst recht heute, wo die technischen Mittel und Möglichkeiten in einer Weise zur Verfügung stehen, dass die Welt, die einfache widerständige beziehungsweise empirische Welt vervielfacht werden kann und einen illusorischen Charakter annimmt. Das ist mit keiner täuschenden Absicht verbunden, sondern soll erlauben, die Welt in einer erweiterten Form zu sehen. Wir sind nicht weit von Sigmund Freuds "Prothesengott" und der Idee von Marshall McLuhan, dass die medialen Technologien eine Erweiterung der Körperfunktionen sind.

Mit einem Head Set (einer elektronischen Brille, vereinfacht gesagt) und einem Computer im Rucksack kann ich die Umgebung in einer Weise sehen, wie es nie zuvor möglich war. Vorausgesetzt immer, dass in einem vorausgegangenen Schritt die Software entsprechend programmiert worden ist. Zahllose Einzelforscher und ganze Industrien arbeiten an der Entwicklung von Artificial Life, Artificial Intelligence, Augmented Reality, Virtual Reality und so weiter.

Der Ausdruck dafür heisst Kreativwirtschaft. Das ist ein Wortungeheuer, das trotzdem eine Schnittstelle von Programmation, Design, Kunst und Kreativität auf der einen und wirtschaftlichen Applikationen auf der anderen Seite bezeichnet, also den Ort, wo neue Anwendungsmöglichkeiten das Wahrnehmungsfeld erweitern.


"Wir können uns mit jemand in der gleichen Zeit,
aber in verschiedenen Räumen aufhalten."



In Basel ist dies die Firma "iart interactive", die zusammen mit "tegoro solutions" neue Medienkonzepte entwickelt und einsetzt. Der gute alte Head Set aus den neunziger Jahren ist zu neuen Ehren gekommen. Wo früher ein Riesenmöbel von einem Computer zur Verfügung stehen musste, können heute tragbare Computer eingesetzt werden, um virtuelle, also datengesteuerte Räume hervorzubringen. Das ist ein Vorteil, weil der experimentierfreudige Zeitgenosse sich heute frei im Gelände bewegen kann.

Valentin Spiess von iart arbeitet eng mit Martin Wiedmer und Jan Torpus vom Institut für Design- und Kunstforschung (IDK) der Hochschule für Gestaltung und Kunst der Fachhochschule Nordwestschweiz, mit der Universität Basel sowie mit Künstlern und Forschern in Shanghai zusammen. Die vernetzte Kooperation ermöglicht neue Projekte. Man sieht den Leuten an der Uferstrasse 90 in Kleinhüningen die Begeisterung an und spürt die Aufbruchstimmug. Arbeiten heisst für sie kommunizieren, Ideen entwickeln, Lösungen für Probleme finden (was meistens "solutions" heisst), an die Grenzen des Realisierbaren gehen. Was möglich ist, wird gemacht.


Die Entwicklung hat erst angefangen. Trotzdem können die Lösungssuchenden schon auf viele ausgeführte Projekte zurückschauen. Um ein Beispiel zu nennen: Im Museum für Kommunikation in Bern kann sich der Besucher auf ein Sofa setzen und auf einem Bildschirm vor sich mit einer zweiten Person, die neben ihm sitzt, unterhalten – nur dass die zweite Person in einem anderen Raum auf einem Sofa sitzt und mit dem ersten Besucher verschaltet ist. Die Kommunikation beziehungsweise virtuelle Präsenz fand also in verschiedenen Räumen, aber in der gleichen Zeit statt.

Das sind Aussichten, die unsere Vorstellungen von Raum und Zeit über den Haufen werfen müssen. Wir verlassen den Raum, der sich als Zufallsprodukt herausstellt, und sind im Begriff, zu Bewohnern der Zeit (als Mass der Datenübertragung verstanden) zu werden, wie Paul Virilio gesagt hat. Es mag noch eine Weile dauern, bis es soweit ist und wir es merken. Aber die Richtung ist eingeschlagen, und wir sind schon ein ganzes Stück weiter gekommen, als es uns bewusst ist.

Das zeigen die Projekte von iart. Vorläufig lässt sich die Augmented Reality, das heisst die Realität, die mit medialen Mitteln zur Kenntnis genommen wird, am ehesten in den Bereichen Architektur und Museumsgestaltung einsetzen, etwa in begehbaren Modellen. Im Tourismus und in Shopping Malls lässt die neue Technologie an weitere Einsatzmöglichkeiten denken. iart war zum Beispiel an der Realisierung des Panoramas "Schweiz Version 2.1" im Kubus von Jean Nouvel an der Expo.02 und am Schweizer Pavillon an der Weltausstellung 2005 in Aichi beteiligt, ebenso an der Konzeption und Planung der Medien des Mercedes-Benz-Museums in Stuttgart und an weiteren Orten.


"Die Zukunft, wie sie sich einmal präsentiert,
wird in die heutigen Verhältnisse integriert."



Im Augenblick stehen zwei Vorhaben von iart in Zusammenarbeit mit dem IDK im Vordergrund. "lifeclipper2" erlaubt es, mit der notwendigen Ausrüstung im Hafengebiet St. Johann in Basel herumzuspazieren und einen Augenschein zu nehmen, wie die Umgebung in Zukunft einmal aussehen wird. Der Besucher bewegt sich also an Ort und Stelle und sieht in der Computeranimation auf dem Bildschirm, den er trägt, die geplante neue Ortsgestaltung. Dabei werden mit jeder Blick- und Ortsveränderung die neuen Aussichten berechnet und einbezogen. Die Gegend, wie sie sich einmal präsentieren wird, ist also in die heutigen Verhältnisse integriert, was eben mit dem Ausdruck Augmented Reality bezeichnet wird.

Ein zweites Projekt sieht die digitale Visualisierung einer Keltensiedlung am historischen Ort in der Gegend des Voltaplatzes vor. Eines Tages wird es möglich sein, in ein rekonstruiertes Haus einzutreten und Gegenstände zu verschieben. iart und IDK arbeiten bei diesem Projekt mit der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt zusammen.

Muss das alles sein? Das ist eine falsche Frage. Es ist die Richtung, in die sich die Entwicklung bewegt. Die Technik erweitert Wahrnehmung und Bewusstsein des Menschen, der sich ihrer bedient. Zum Beispiel gehört dazu eine veränderte Erfahrung des Raums. Die didaktischen Aussichten sind unübersehbar. Die technische Zivilisation wird noch viele Überraschungen bringen. Machen wir uns darauf gefasst. Bei alledem sollte der spielerische Umgang mit der Technik niemals ausser acht gelassen werden. Kreativität ist spielerisch und Spielen kreativ.

Weitere Auskünfte: www.iart.ch, www.idk.ch

29. April 2008


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Markplatz: Bei Raub über Mittag in der Garderobe verletzt"

OnlineReports.ch
Schlagzeile
vom 15. Oktober 2019
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Den Lesern gings durch Markt und Bein.

RückSpiegel


Die Basler Zeitung und die BZ nahmen die OnlineReports-Nachricht zum Tod des Konjunkturforschers Christoph Koellreuter auf.

20 minuten online, Blick, nau.ch, das SRF-Regionaljournal und Telebasel nahmen den OnlineReports-Primeur über den Unfalltod des Basler Umweltschützers Martin Vosseler auf.

nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

In der Besprechung des Films "Bruno Manser – Stimme des Regenwalds" nahm die BZ auf eine OnlineReports-Recherche Bezug.

Die BZ nahm den OnlineReports-Primeur über eine Rückzahlung der wegen Veruntreuung angeklagten ex-Kassierin der katholischen Kirchgemeinde Grellingen auf.

Die Basler Zeitung greift in ihrem Bericht über die E-Trottinett-Anarchie auf ein OnlineReports-Interview zurück.

In ihrem Bericht über die Hühnerhaltung auf einem Basler Mehrfamiienhaus nimmt die BZ Bezug auf eine frühere Recherche von OnlineReports.

Die BZ bezog sich in ihrer Recherche über die Abgänge von Kaderärzten am Kantonsspital Baselland auf einen Bericht in OnlineReports.

Die BZ berief sich in einem Bericht über die Massenkündigungen am Schorenweg auf eine OnlineReports-News.

Die Schweiz am Wochenende und die Basler Zeitung haben die OnlineReports-News über den Bombenalarm am EuroAirport aufgenommen.

Das SRF-Regionaljournal, Telebasel, die Schweiz am Wochenende und Prime News haben den OnlineReports-Primeur über die Schliessung des Basler Kinos "Rex" nachgezogen.

In ihrem Bericht über den Gelterkinder Antennenposter-Streit bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über den Rücktritt der Basler Unispital-Verwaltungsrätin Irmtraut Gürkan aus dem Vorstand des Universitäts-Klinikums Heidelberg auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Der Basler Bürgerrat hat eine spürbare Senkung der Einbürgerungsgebühren beschlossen, von der sowohl ausländische als auch Schweizer Bewerbende profitieren.

Die Verlängerung der BVB-Tramlinie 3 nach Saint-Louis kostete rund 84 statt 93,7 Millionen Franken und ist somit um fast zehn Millionen Franken günstiger als geplant.

Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, dem Staatspersonal per 1. Januar 2020 einen Teuerungsausgleich von 0,5 Prozent auszurichten.

Die Forscherin Michaela Kneissel nimmt anstelle des Ende Jahr ausscheidenden Ulrich Vischer Einsitz im Universitätsrat der Universität Basel.

Nach dem Rücktritt der neuen Basler Regierungsrätin Tanja Soland aus dem Grossen Rat rückt die ehemalige Juso-Präsidentin Jessica Brandenburger ab 1. Dezember ins Parlament nach.

Die ausserordentliche Mitgliederversammlung des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest vom 3. November 2019 wählte als Nachfolger von Dominik Beeler Simon Fankhauser in das Co-Präsidium.

Zu sieben Fällen von Sachbeschädigungen an Autos kam es in der Nacht von Freitag auf Samstag, 2. November, in der Umgebung der Tramhaltestelle "Vogesenstrasse" in Reinach.

Der Gemeinderat von Riehen erwartet für die Planperiode 2020 bis 2023 jährliche Defizite von 1,3 bis 2,5 Millionen Franken.

Susanne Wäfler-Müller (42) wird ab dem 1. Mai 2020 die Führung der Kantonsbibliothek Baselland übernehmen und auf Gerhard Matter folgen, der im Frühjahr in den Ruhestand gehen wird.

Zu Beginn des Schuljahrs 2021/22 wird Informatik als obligatorisches Fach in allen Baselbieter Gymnasien eingeführt.

Die SP Baselland empfahl an ihrer Delegiertenversammlung vom 22. Oktober, im zweiten Ständerats-Wahlgang die grüne Maya Graf zu wählen.

Die Grünen Liestal und Umgebung haben Marie-Theres Beeler an der Mitgliederversammlung vom 22. Oktober für die Legislatur 2020-2024 für den Stadtrat nominiert.

Am 9. August 2019 hat Eva Meuli dem Landrat ihren Rücktritt als Präsidentin der Abteilung Sozialversicherungs-Recht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft per 31. März 2020 erklärt.

Am 14. Oktober, lediglich drei Wochen nach Ausschreibung der Publikumsöffnung der ADEV Ökowärme AG, waren alle 3000 neu ausgegebenen Namenaktien gezeichnet.

Die Universität Basel richtet am 1. Februar 2020 mit dem Biologen Carsten Gründemann eine Stiftungsprofessur für translationale Komplementärmedizin ein.

Wechsel in der Geschäftsführung der Suchthilfe Region Basel: Barbara Held übernimmt die Leitung per Januar 2020, nachdem Walter Meury – ein Pionier in der Suchtarbeit – Ende Jahr in den Ruhestand geht.

Der Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels, Riehens Gemeindepräsident Hansjörg Wilde und Gemeinderat Daniel Hettich haben die erneuerte Lörracherstrasse in Riehen feierlich eingeweiht.

Veronica Schaller
, frühere Basler Sanitätsdirektorin und zuletzt Kulturbeauftragte der Stadt Bern, wurde zur neuen Präsidentin von "Curaviva Basel-Stadt", dem Verband der Basler Alterspflegeheime, gewählt.

Designierte Verwaltungsratspräsidentin der Schweizerischen Rheinhäfen ist Martina Gmür, Petra Mösching wird Mitglied des Verwaltungsrats.

Der Verein Region Oberbaselbiet wählte den aus dem Fricktal stammenden Gerry Thönen, der die Oberbaselbieter Gemeinden bis zur Gründung des Regionalvereins betreute, zum Geschäftsführer.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 70-Jahr Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Israel organisiert die Schweizer Botschaft in Israel im September diverse Anlässe mit Bezug zu Basel.

Die Parteileitung des CVP-Wahlkreises Liestal hat einstimmig beschlossen, Elisabeth Augstburger für die Ständeratswahlen vom 20. Oktober zu unterstützen.

Schweizerische Rheinhäfen: Benedikt Weibel hat seinen Rücktritt als Verwaltungsrats-Präsident per 31. Dezember 2019 bekannt gegeben; Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel, trat per 30. Juni zurück.