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"Gemeinsam und einvernehmlich": Zurücktretender CEO Kamm

"Baselworld"-Krise: Rücktritt von Messe-CEO René Kamm

Ausstieg der Swatch-Gruppe führt zu personellen Konsequenzen an der Spitze des Messe-Unternehmens


Von Peter Knechtli


Die "Baselworld" als sinkendes Flaggschiff der Basler Messegesellschaft MCH Group zieht ihren Kapitän mit ins Wasser: CEO René Kamm (Bild) hat heute Freitagmorgen seinen Rücktritt erklärt. Wohl nicht ganz freiwillig, wie es in einer Mitteilung heisst: Der Verwaltungsrat und Kamm seien "gemeinsam und einvernehmlich zur Überzeugung gelangt, dass angesichts der fundamentalen Transformationsphase in der Geschäftstätigkeit der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel an der operativen Spitze der Unternehmensgruppe gekommen ist".

Es brodelte seit längerem

Der Rücktritt kommt nicht völlig überraschend. Intern hat sich seit mindestens zwei Jahren abgezeichnet, dass die "Baselworld" als weltweit grösste Uhren- und Schmuckmesse ihren Höhepunkt überschritten hat, als die Zahl der Aussteller massiv zusammenbrach. Doch die Messe kommunizierte die Entwicklung nicht proaktiv, sondern überliess den Scoop den Medien. Genauso wie im jüngsten Fall, als sich die Swatch-Gruppe mit einigem Tosen von der Teilnahme an der nächstjährigen "Baselworld" verabschiedete: Es war nicht die Messe, die den Verlust ihres bedeutendsten Ausstellers meldete, sondern die "NZZ am Sonntag".

Eine zweifelhafte Kommunikations-Referenz stellt auch das "Korrigendum" dar, das die Messe ihrer heutigen Rücktritts-Meldung nachschob: In der Medienmitteilung vom 30. Juli über die Entwicklung der "Baselworld" habe sich "ein Fehler eingeschlichen". Die darin erwähnte Sitzung vom 4. Juli habe nicht mit dem "Comité Consultatif", sondern mit dem erweiterten "Comité Mondial" stattgefunden.

Vorruhestand für 58-Jährigen

Ob der Abgang von Swatch der "Anfang vom Ende" der "Baselworld" bedeutet, wie die "Basler Zeitung" kommentiert, ist nicht sicher. Sicher aber ist, dass sich der Verwaltungsrat der Messe – ein schwergewichtig politisches Gremium – sehr lange Zeit und dem CEO sehr lange Zügel gelassen hat. Jetzt muss René Kamm nicht mehr beweisen, dass er "mehr ist als ein Schönwetter-CEO" – mit einer Neuausrichtung aufräumen muss jetzt sein Nachfolger. Der 58-Jährige kann sich in den Vorruhestand begeben und seinen Lebensunterhalt mit der Abfindung und privaten Mandaten bestreiten.

Dass sich jetzt auch Stimmen zu Wort melden, die schon immer wussten, dass der Bau des neuen von Herzog & deMeuron entworfenen Messe-Komplexes ein Fehler war, erstaunt nicht. Diese historische Weichenstellung jedoch als einen Fehlentscheid zu bezeichnen – hinterher ist jeder klüger –, ist falsch: Dass der Niedergang des Schmuckstücks "Baselworld" so abrupt kommen würde, war damals nicht vorauszusehen.

Vischer Interims-CEO

Umso mehr wird es die Aufgabe von Kamms Nachfolge sein, den architektonisch spektakulären Messetempel so zu bespielen, dass er nicht das ganze Unternehmen in den Abgrund reisst. Der Hinweis auf die Diversifizierung und das "breite nationale Messe-Portfolio", das tatsächlich einige kleine Edelsteine enthält, kann nicht über die veritable Krise der Messe hinwegtäuschen. Denn richtig Geld gemacht hat die Messe mit ihren beiden Hochkarätern "Baselworld" und "Art Basel". Eine Angebots-Verbreiterung in Richtung Gemischtwaren-Laden kann jedenfalls nicht das Rezept sein.

René Kamm wird nun, wie es heisst, eine "geordnete Übergabe sicherstellen und dem Unternehmen in den nächsten Monaten bei Bedarf beratend zur Verfügung stehen". In der Übergangszeit bis zur geregelten Nachfolge wird Verwaltungsrats-Päsident Ulrich Vischer in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der Geschäftsleitung für die operative Führung der Unternehmensgruppe verantwortlich sein.

Mit der "Baselword" begann er ...

Während fast zwanzig Jahren hat Kamm die Entwicklung der MCH Group entscheidend mitgeprägt. 1999 begann er als Messeleiter der "Baselworld", die er fraglos zu einem Bijou des internationalen Messegeschäfts entwickelte und damit auch eine Internationalisierung der Gruppe vorantrieb. Er legte den Fokus auf Sammlermessen und ergänzte das Angebot mit Live Marketing Solutions und Event Services, wie sie von der vor etwas mehr als einem Jahr gekauften Unternehmung MC2 in den USA angeboten werden.

Anderseits hat die ernsthafte Krise der "Baselworld" voll auf den Unternehmenswert durchgeschlagen: Der Wert der Aktie hat sich innerhalb eines Jahres halbiert. Der Ausstieg der Swatch Group wird "Auswirkungen auf das Ergebnis 2019 haben, die zurzeit noch nicht konkret abschätzbar sind", wie das Unternehmen heute schreibt.

Ob eine weitere Wertberichtigung auf die Messehallen in Basel notwendig werde, hänge "von der künftigen Auslastung der Hallen und dem Erfolg der darin stattfindenden Veranstaltungen ab". Am 4. September wird über den Halbjahresabschluss 2018 informiert. Dann werden auch weitere Angaben zur erwarteten Ergebnisentwicklung erwartet.

Nach Bekanntwerden von Kamms Rücktritt legte die MCH-Aktie um fünf Prozent zu.

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3. August 2018

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"An der Nase herumgeführt"

Das hat aber lange gedauert, dass sich der Verwaltungsrat und der Kanton Basel-Stadt von diesem arroganten Herrn haben an der Nase herumführen lassen. Wir Steuerzahler dürfen dann sozusagen "die Scherben zusammen wischen" ...


Christiane Widmer, Basel


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"Die Basler Verkehrsbetreibe"

OnlineReports.ch
am 15. Januar 2020
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Bunt treiben sie's.

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Die Basler Zeitung nimmt in ihrem Bericht über den Neujahrs-Empfang der Handelskammer beider Basel auf OnlineReports Bezug.

Die BZ schrieb in derselben Ausgabe zwei OnlineReports-Meldungen ab, ohne die Quelle zu deklarieren. Wiederholungstat!

In ihrem Bericht über Verkehrsprobleme am Aeschenplatz zitierte die Basler Zeitung aus OnlineReports.

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Telebasel, die BZ und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über die technisch bedingte Umkehr einer "Austrian Airlines"-Maschine nach Wien auf

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Die Verlängerung der BVB-Tramlinie 3 nach Saint-Louis kostete rund 84 statt 93,7 Millionen Franken und ist somit um fast zehn Millionen Franken günstiger als geplant.

Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, dem Staatspersonal per 1. Januar 2020 einen Teuerungsausgleich von 0,5 Prozent auszurichten.

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