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"Wer sich zuerst bewegt, gewinnt": Umweltpolitiker Moritz Leuenberger, Symbol-Ball

Leuenberger geht mit "Uefakratie" ins Gericht

Umweltminister der deutschsprachigen Länder werfen "Euro 08"-Veranstalterin mangelhafte ökologische Verantwortung vor


Von Valerie Zaslawski


Unmissverständliche Kritik an der fehlenden Ökologie-Politik übte heute Montagmorgen in Basel der Schweizer Umweltminister Moritz Leuenberger an der Uefa als Veranstalterin der "Euro 08": Sie habe ihren Anspruch an eine "grüne Grossveranstaltung" nicht erfüllt. Im Gegensatz dazu sei die Zwischenbilanz der öffentlichen Instiutionen sehr positiv, sagte Leuenberger im Anschluss an eine Umweltkonferenz.


Erst war Vergnügen angesagt, dann knallharte Überlebens-Politik: Hochrangige Umweltpolitiker aus den deutschsprachigen Ländern Schweiz, Deutschland, Österreich und Liechtenstein trafen sich heute Montagmorgen in Basel - nachdem sie sich gestern Sonntagabend den Fussball-Sieg der Schweiz gegen Portugal zu Gemüte geführt hatten. Ihre Themen: Klimaschutz, Biodiversität, Biotreibstoffe und Feinstaub. Ein weiteres Traktandum, das die deutsche Staatssekretärin Astrid Klug, den österreichischen Umwelt- und Landwirtschaftsminister Josef Pröll, den Schweizer Umweltminister Moritz Leuenberger und den Liechtensteiner Regierungsvertreter Hugo Quaderer beschäftigte: Die ökologische Bilanz der "Euro 08".

"Wie in der autonomen Republik Bunker"

Die Gastgeberländer Österreich und Schweiz versprachen "aus umweltpolitischer Sicht eine grüne Euro 08", was ihnen nach Leuenbergers Auffassung ("ein grosser Erfolg") auch gelungen sei: Der öffentliche Verkehr werde gut genutzt, wodurch es bisher keine grösseren Staus gegeben habe. Das Loblied, das Leuenberger auf die Organisation und die Ausführung des Fussballfests anstimmte, beschränkte sich aber lediglich auf den öffentlich genutzten Raum.

Ganz anders sein Urteil über die Fan-Zonen und die Stadien: Hier habe die Uefa ihre "Versprechen nicht erfüllt". Die "Uefakratie", so der Schweizer Umweltminister ungeschminkt an einer Medienkonferenz im Basler Rathaus, habe insbesondere in den Fan-Bereichen "Zustände wie in der autonomen Republik Bunker" geduldet. Die Veranstalterin es unterlassen, sich zu einer Emissions-Zertifizierung zu verpflichten, womit ein Beitrag zur Reduktion von CO2 hätte geleistet werden können. Diese ökologische Leistung wäre zu einem Beitrag von nur gerade 1,5 Millionen Franken erhältlich gewesen. Doch die Uefa, der die "Euro" einen Gewinn von über einer Milliarde beschert und die als "gemeinnütziger Verein" erst noch keinen Rappen Steuen zahle, habe sich darum foutiert.

Ein grüner Fussball als gelbe Karte

Weil auch ein grosser Fussballverband einen massgeblichen politischen Einfluss auf das gesellschaftliche Leben ausübe, appellierte Leuenberger an die Veranstalterin, dieser Verantwortung künftig gerecht zu werden. Die Fifa, die an der letzten Weltmeisterschaft in Deutschland für das Reglement zuständig war, hatte dies, wie Öko-Experten bestätigen, auch geschafft. Die dort gemachten Erfahrungen, so Staatssekretärin Klug, müssten weitergegeben werden. An Grossveranstaltungen einen umweltfreundlichen Einsatz zu leisten, müsste eine Selbstverständlichkeit werden: "Die Idee soll sich durchsetzen."

Der österreichische Minister Josef Pröll, der symbolisch - und wohl auch als Fingerzeig an die gösste "Euro"-Profiteurin - einen grünen Fussball zur Medienkonferenz mitbrachte, teilte Leuenbergers kritische Meinung über die Umwelt-Unfreundlichkeit der Uefa, zeigte sich dabei aber eher pessimistisch: Die Wahrscheinlichkeit, dass Österreich heute Montagabend im entscheidenden Spiel Deutschland schlagen werde, sei "leider" grösser als die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Uefa in Zukunft für grüne Spiele einsetzen werde.

Europa will Öko-Vorreiter werden

Das heutige Minister-Treffen drehte sich aber nicht nur um Fussball. Vielmehr bekräftigten die Umweltpolitiker, die globalen Probleme des Klimawandels, der Biodiversität und des Feinstaubs entschlossen anzugehen. Leuenberger lobte dabei das europäische Modell des Emissionshandels, durch das den Emittenten nur noch eine bestimmte Menge Kohlenstoffdioxid zur Verfügung steht. Damit werde insbesondere der CO2-Ausstoss reduziert und ein wichtiger Beitrag an die Biodiversität geleistet. Zudem kann sich der Schweizer Umweltminister so genannte "Feinstaub-Zonen" vorstellen, durch die der motorisierte Verkehr in bestimmten Gegenden eingeschränkt oder verboten werde. Als mögliche Region nannte Leuenberger den Mendrisiotto.

Auch Deutschland, dem aus dem Handel mit Emissionszertifikaten zusätzliche 400 Millionen Euro zur Finanzierung klimafreundlicher Technologien zur Verfügung steht, hat sich ein "ehrgeiziges Ziel" (Klug) gesetzt. Das Land will sich unter anderem mit 40 Millionen Euro für den internationalen Waldschutz einsetzen. Dabei soll, wie Klug auf eine OnlineReports-Frage präzisierte, mit "Instrumenten" sichergestellt werden, dass Länder, die den Regenwald schützen, mehr profitieren als Länder, welche die Sauerstoffreservate zerstören. Die deutsche Politikerin betonte wie ihr österreichischer Branchen-Kollege die Wichtigigkeit, dass Europa eine "ökologische Vorreiterrolle" übernehme. Ökologisch ausgerichtete Firmen profitierten schon bald von einem Wettbewerbsvorteil: "Wer sich zuerst bewegt, wird gewinnen."

Moritz Leuenberger liess es sich nicht nehmen, die Rolle von "Herrn Bush", der sich neuerdings ökologisch gebärde, kritisch zu hinterfragen: "Versprechen sind das Eine, Taten das Andere."

16. Juni 2008


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Das ist aber ein zweitauglustiger Satz.

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