© Foto by Kevin McKiernan
"Feiern an den Frontlinien": Winter im Protestlager bei Standing Rock

Standing Rock: Indianer gewinnen Pipeline-Gefecht, nicht die Schlacht

Der seit Dekaden grösste Indianer-Aufstand der USA findet ein vorläufig friedliches Ende


Von Ruedi Suter


Die umstrittene Öl-Pipeline vor dem Reservat Standing Rock der Hunkpapa Lakota-Sioux im US-Bundesstaat North Dakota ist gestoppt: Die Indianer von 300 Nationen und ihre Unterstützer auf der halben Welt freuen sich über den Entscheid der Obama-Regierung, die Pipeline umzuleiten. Damit ist das erste Gefecht, aber nicht die Schlacht gewonnen: Bald kommt Trump ans Ruder.


"Rund 10'000 Leute feiern hier an den Frontlinien! Es ist immer noch kalt, unter Null Grad Celisus. Aber es ist ein wunderbarer Tag, Indianer zu sein - berührend, diese Begeisterung hier!" Diese Sätze trafen heute Montag um 15.20 Uhr auf der OnlineReports-Redaktion ein, abgeschickt vom irisch-amerikanischen Journalisten und Indianerspezialisten Kevin McKiernan aus einem der verschneiten Protestlager im Standing Rock Sioux-Reservat.

Seit gestern Sonntag schon versuchen die zahlreichen in Schnee und Eis ausharrenden Gegner und Gegnerinnen der Dakota Access Oil Pipeline (DAPL) beim Standing Rock Sioux-Reservat unterhalb des Oahe-Stausees am Missouri-Fluss, ihr Glück zu fassen: Das letzte Stück der Öl-Pipeline wird vorderhand nicht durch das Indianerland getrieben und stattdessen die Realisierung einer Ausweichroute ins Auge gefasst. Dies hatte eben das für den Bau zuständige US Army Corps of Engineers Vertretern der Hunkpapa Lakota-Sioux-Nation mitgeteilt.

Grösster Widerstand seit "Wounded Knee"

Gleichzeitig lud die Armee die Indianer ein, in Gesprächen ihre Vorstellungen und Befürchtungen mitzuteilen. Die Indigenen und eine rasch wachsende Zahl von Sympathisanten in den USA, Europa, Neuseeland, Afrika wehren sich seit Monaten gegen die Pipeline. Vor allem weil sie durch indianische Grabstätten ausserhalb des Reservats und unter dem Missouri hindurch geführt werden soll.

Indianer und Indianerinnen wie auch die Umweltaktivsten befürchten unter anderem ein mögliches Leck, das später die ganze Grundwasserversorgung des Reservats und der Bevölkerungen weiter flussabwärts vergiften könne. Keine grundlose Sorge – immer wieder kommt es zu Lecks in Öl-Pipelines mit verheerenden Folgen. Der Widerstand der Indianer – der grösste seit jenem von Wounded Knee im Jahr 1973 – gilt aber auch ganz allgemein der Erdölindustrie als eine der Hauptverursacherinnen der Klimaerwärmung.

Grossartig oder verheerend?

Die Meldung löste grosse Erleichterung aus, rechnete man doch für diese Woche mit einer brutalen Räumung der verschiedenen Gelände, auf denen die Indianer und ihre Unterstützer seit dem Wintereinbruch in Zelten, Jurten, Autos, Bussen und behelfsmässigen Unterkünften der nächtlichen Kälte und Schneestürmen trotzten. Mit Trommeln und indianischen Gesängen begrüsst man jetzt dort den von Präsident Barack Obama unterstützten Baustopp.

Erfreut gaben sich auch die involvierten Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen. "Dies ist ein grossartiger Sieg im Kampf um den Schutz der indigenen Rechte und Selbstbestimmung", erklärte etwa Lilian Molina von Greenpeace gegenüber der "New York Times".

Erbost zeigten sich hingegen Projektmanager und Politiker der Gegenseite. Craig Stevens, Sprecher einer Koalition von Bauunternehmungen, kanzelte den Entscheid beispielsweise als verheerend und "rein politisch" ab. Und: "In 47 Tagen wird der neu gewählte Präsident Donald Trump das Ruder übernehmen, und ich bin zuversichtlich, dass nicht das letzte Wort zur Dakota Access Pipeline gesprochen ist."

Selbst der Trump gegenüber kritisch eingestellte Republikaner Paul Ryan, Sprecher des US-Repräsentantenhauses, kritisierte den vorläufigen Baustopp ebenfalls scharf. Zudem wünschen sich Bewohner in der längst von Weissen dominierten Region wie auch die Polizeikräfte ein rasches Verschwinden der Protestierenden, für deren Anliegen sie nichts übrig haben.

Norwegische DNB-Bank als Vorbild


Dave Archambault II, Häuptling des Standing Rock-Stamms, hingegen bedankte sich bei den vielen Angereisten, worunter auch einer Gruppe Kriegsveteranen. Sie hätten wesentlich dazu beigetragen, dass der Widerstand wuchs und internationale Dimensionen annahm. Tatsächlich haben sich an vielen Orten auch in Europa Personen wie Organisationen mit Demonstrationen und Petitionen sowie via die Sozialen Medien für das Anliegen der Sioux eingesetzt. Selbst in Bern und Zürich fanden zwei Demonstrationen für die Sache der Sioux statt.

Auch eine Delegation des einzigen Urvolks Europas, der Samen, trat in Aktion. Beaska Niillas, Geschäftsführer der Norwegischen Sami-Verbands NSA, und seine Frau Sara Marielle Gaup Beaska, die Standing Rock besucht hatte, forderten die grösste Bank Norwegens DNB auf, sich aus dem Projekt herauszunehmen. Mit Erfolg – die DNB-Manager erkannten die rufschädigende Brisanz des Projekts für ihr Geldinsitut und zogen ihre Beteiligungen zurück.

Unterdessen wurden weitere an der DAPL beteiligte Banken aufgefordert, sich aus dem zweifelhaften Projekt zurückzuziehen, worunter BayernLB, die Deutsche Bank sowie die Credit Suisse und die UBS. Die beiden Schweizer Banken finanzieren laut der Gesellschaft für bedrohte Völker Schweiz (GfbV) über die Energy Transfer Family indirekt den Bau der Pipeline, hätten sich aber bislang jeder Stellungsnahme entzogen.

GfbV-Geschäftsleiter Christoph Wiedmer: "Wir sind enttäuscht, dass sich keine der beiden Banken besorgt über die Gewalt vor Ort geäussert hat und keinerlei Handhabe zur Lösung des Konflikts vorschlagen. Dies widerspricht ihrer eigenen Nachhaltigkeitspolitik – und macht ihre Richtlinien wertlos."

Steht die grosse Schlacht erst bevor?

Wie es nun weitergeht mit der Pipeline bei Standing Rock ist alles andere als klar. Trotz des aktuellen Baustopps ist es nicht ausgeschlossen, dass die "schwarze Schlange", wie die Ölleitung einst von indianischen Sehern vorausgesagt wurde, das Indianerland später doch noch fressen wird.

Bislang war Geschäftsmann Donald Trump finanziell noch massiv am Bau der Pipeline mitbeteiligt. Mit seinem bislang schwach ausgebildeten Umwelt- und Sozialbewusstsein ist überdies keineswegs sicher, wie er als Präsident mit dem Projekt bei Standing Rock umgehen wird, selbst wenn er sein Wirtschaftsimperium an seine Kinder überschrieben hat.

Ist der jetzige Baustopp nur ein vorläufiger Sieg der Indianer in einem – trotz Verletzter und Hunderter von Verhaftungen auch von Medienlieuten – relativ glimpflich abgelaufenen Gefecht? Die grosse Schlacht, so befürchten Skeptiker, steht womöglich erst noch bevor.

Das sehen viele der noch in Standing Rock Ausharrenden so – worunter zahlreiche Indianer und Indianerinnen 300 anderer Nationen des Landes. Nun einfach abzuziehen, scheint ihnen, die in der Vergangenheit von den weissen Eroberern immer wieder betrogen wurden, schlicht zu riskant. So wollen sie ihren Kampfruf "Mni Wichoni!" vorläufig weiterhin über die winterlichen Ebenen schallen lassen: "Wasser ist Leben!"

5. Dezember 2016

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