© Fotos by Matthias Brunner, OnlineReports.ch
"Äusserst problematisch": Kundenbindungs-Spielzeug der Migros

Kinder-Spiel der Holz-Verschwendung

Problematische Kundenbindung der Migros: "Dino"-Spielzeuge verursachen tonnenweise Holz-Abfall, die Deklaration ist ungenügend


Von Matthias Brunner


Mindestens 200 Tonnen Holz landen wegen der neuesten Dino-Sammelaktion der Migros einfach im Abfall. Zusätzlich stossend: Obwohl es sich um FSC-Holz handelt, bleibt die Herkunft im Ungewissen. Ursache scheint ein Mangel des FSC-Labels zu sein.


Bis Mitte Oktober erhielt im Migros während sieben Wochen jeder Kunde bei jedem Einkauf ab zwanzig Franken ein kleines Päckchen mit der Bezeichnung "Animanca" überreicht. Darin befand sich ein kleines Holzplättchen mit sieben gestanzten Einzelteilen, aus denen sich ein dreidimensionales Dinosaurier-Skelett basteln liess. Um ein einziges von insgesamt 28 Exemplaren zusammenzusetzen, brauchte es zwei bis drei Päckchen.

Lindenholz aus China?

Ein aufmerksamer OnlineReports-Leser hat ausgerechnet, dass ein einzelnes Holzplättchen sechs Gramm wiegt, wobei vier Gramm davon Abfall sind - also zwei Drittel. Wie viele Päckchen tatsächlich abgegeben wurden, wollte Migros trotz mehrmaliger Nachfrage nicht preisgeben. Die Pressestelle in Zürich liess auf unsere Anfrage lediglich verlauten, dass es sich um eine Zahl im "zweistelligen Millionenbereich" handle. Nach unseren vorsichtigen Schätzungen hat der Grossverteiler demnach mindestens 50 Millionen Päckchen abgegeben. Daraus resultiert: Mindestens 200 Tonnen Holz sind im Abfallsack gelandet.

Diese beträchtliche Abfallmenge ist nicht der einzige fragwürdige Punkt an dieser Aktion des Grossverteilers. Auf den Päckchen ist zwar das FSC-Label ("Forest Stewardship Council") aufgedruckt, das für nachhaltig bewirtschaftete Wälder stehen soll. Doch steht auf der Packung ebenfalls, dass der Inhalt in China produziert worden ist. OnlineReports wollte deshalb von der Migros wissen, aus welchem Holz die Teilchen gefertigt sind, und woher es stammt. "Die Dino-Bausätze sind aus FSC-zertifiziertem Lindenholz aus China gefertigt", lautet die Antwort per Email. Bloss: Gemäss der eidgenössischen Holzdatenbank sind nur drei Lindenarten in der Schweiz im Handel, nämlich die Amerikanische Linde, sowie die Sommer- und Winterlinde - aber keine aus China.

Herkunft des FSC-Holzes nicht rückverfolgbar

Dank des unter dem FSC-Signet stehenden Codes konnte OnlineReports über die FSC-Datenbank im Internet den Hersteller der Dino-Modelle ermitteln: Eine Firma Guangzhou Sea-Land Toys Co. Ltd. in Guangdong. Dem FSC-Zertifikat ist zu entnehmen, dass die Firma Holz nur zur Weiterverarbeitung bezieht. Woher dieses Holz ursprünglich stammt, geht aus den Angaben nicht hervor.

Hier offenbart sich ein grosser Mangel des FSC-Labels: Tatsächlich wird nur der Endverarbeiter als Lizenznehmer registriert, wie Roland Furrer, der Geschäftsführer von FSC Schweiz, bestätigt. Aber eigentlich möchten doch Konsumentinnen und Konsumenten wissen, aus welchen Wald oder zumindest welchem Land das zertifizierte Holz letztlich stammt. "Das ist ein berechtigtes Anliegen", gibt Furrer offen zu. Bis in zwei Jahren sollte eine öffentlich zugängliche Online-Plattform des FSC zur Verfügung stehen, über welche die Herkunft des Holzes bis zum ursprünglichen Wald zurückverfolgt werden könne. Allerdings dämpft Furrer zu grosse Hoffnungen schon im Voraus: "Diesen Standard weltweit zu etablieren, wird nicht einfach sein."

Kritik an ungenügender Deklaration

Seit dem 1. Januar dieses Jahres gilt in der Schweiz eine Deklarationspflicht nach Holzart und Holzherkunft. Zwar fallen die Spielfiguren von Migros nicht unter diese neue Bestimmung. Trotzdem fragte OnlineReports bei Migros nach, um welche Holzart und Herkunft es sich nun letztlich handle. Eine Stellungnahme des Grossverteilers ist bis heute ausgeblieben. "Es ist äusserst problematisch, dass die Herkunft des Holzes nicht nachgewiesen werden kann", kritisiert Lukas Straumann, Geschäftsführer des in Basel domizilierten und auf Schutz des Regenwaldes spezialisierten Bruno Manser Fonds (BMF). Dies sei für ein zertifiziertes Holz "nicht akzeptabel". Abgesehen davon findet er, selber Familienvater, dass diese Migros-Aktion die Wegwerf-Mentalität schon bei Kindern fördere.

Tatsächlich scheint es sehr unwahrscheinlich, dass das verwendete Lindenholz aus China stammt. Furrer erklärt, dass es im Reich der Mitte nur gut 25'000 Quadratkilometer FSC-zertifizierte Wälder gebe was im internationalen Vergleich sehr wenig sei. Andererseits sei China der grösste Holzimporteur der Welt.

21. November 2012


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
fileadmin/templates/pics/echo.gif

"Noch 100 Tonnen mehr Abfall"

Zu den 200 Tonnen bereits entstandenem Abfall, kommen nochmals 100 Tonnen dazu. Denn diese Holzplättchen sind so zerbrechlich dass sie schon oft beim ersten Zusammenbau brechen. Die Wenigen, die wirklich heil zusammen kommen, haben in Kinderhänden eine Überlebenszeit von ca. 7 Minuten. Und den Unsinn machen alle mit!


Patrik Cattin, Basel


www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Die Sprecherin der Swiss Indoors antwortete nicht auf die Anfrage dieser Zeitung."

BZ Basel
vom 27. November 2017
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Auf unsere Medienanfrage zu einem Gerichtsfall hat die Sprecherin auch nicht geantwortet. Die Swiss Indoors-Schweigerin.

"Und übrigens ..."

Weihnachts-Geschichte aus Israel
RückSpiegel


In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Promeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung nahm in ihrer Berichterstattung über den "Fall Wessels" auf einen OnlineReports-Kommentar Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, die SDA und die Badische Zeitung gingen auf den OnlineReports-Primeur über die Berufung des türkischen Basler Polizei-Assistenten gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft ein.

20 Minuten online nahm die OnlineReports-News über die Basler verkehrs-Betriebe (BVB) an der Grenze ihrer Belastung auf.

Die BZ Basel und das Regionaljournal gingen aktuell auf die OnlineReports-Recherche über einen Manipulations-Versuch der BVB-Direktion im Vorfeld der Wahlen in die Personalkommission ein.

Barfi zog die OnlineReports-Story über die umstrittene Umnutzung des "FKK-Clubs" in ein Bordell an der Amerbachstrasse in Basel nach.

Der Landbote nahm die OnlineReports-Story über den Stromeinkauf der Gemeinde Muttenz beim Stadtwerk Winterthur auf.

Die OnlineReports-News über den Personalabbau auf der Basler Hauptpost wurde durch Telebasel aufgenommen.

Telebasel online ging in seinem Bericht über die SP-Prämieninitiative auf einen Kommentar von OnlineReports ein. 

Die Weltwoche zitierte in ihrem Bericht über den Basler Scharia-Befürworter Aziz Osmanoglu aus einem Gerichts-Bericht von OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Elisabeth Pestalozzi, seit August 2016 stellvertretende Chefredaktorin von Radio SRF, wird im zweiten Quartal 2018 neue Kommunikationsleiterin der Christoph Merian Stiftung.

• Über tausend Personen verlangen in einer Petition der SP Gelterkinden die Einführung von Tempo 30.

• Im zweiten Wahlgang der Liestaler Stadtrats-Ersatzwahl vom 14. Januar 2018 treten Marie-Theres Beeler (geboren 1959, Grüne) und Karin Jeitziner (geboren 1961, FDP) an.

Marco Greiner, Regierungssprecher und Vizestaatsschreiber von Basel-Stadt, ist neuer Präsident der Schweizerischen Informations-Konferenz öffentlicher Verwaltungen.

• Die Basler CVP hat ihre mit 3'910 Unterschriften versehene Krankenkassen-Initiative eingereicht, die verlangt, dass selbstbezahlte Prämien für die obligatorische Krankenpflege-Versicherung vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können

• Mit der Jus-Studentin Laetitia Block als Nachfolgerin von Pascal Messerli steht erstmals eine Frau an der Spitze der Jungen SVP Basel-Stadt.

• Das Basler Ristorante Cibo Mediterraneo ist der künftige Betreiber der neuen Buvette am St. Alban-Rheinweg.

Reto Meyer, Inhaber und Geschäftsführer der WS Kommunikation in Basel, kauft per Jahreswechsel sämliche Anteile der BSSM Werbeagentur von Urs Schneider und Hannes Müller.

Jana Wachtl (38) wird als Nachfolgerin von Sabine Kubli auf Jahresbeginn neue Leiterin der Baselbieter Fachstelle "Gleichstellung für Frauen und Männer".

• Das Basler Energieunternehmen IWB plant, im Februar 2018 elf neue Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Quartierstrassen auf Allmend zu installieren.

• Entgegen der Parole der kantonalen CVP sagte der CVP-Wahlreis Liestal Nein zum "8. Generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr" und damit Ja zum "Läufelfingerli".

Raymond Cron wird als Nachfolger von Andreas Büttiker ab 1. Januar 2018 neues Verwaltungsratsmitglied des EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg.

• Der Basler Grosse Rat hat die Standesinitiative der SP gegen der Schliessung von Quartier-Poststellen überwiesen.

• Die bürgerlichen Jungparteien von Basel-Stadt ziehen ihre Zweirad-Initiative zurück, da sie mit dem vom Grossen Rat beschlossenen Gegenvorschlag ihre Hauptforderungen als erfüllt betrachten.

• Die Baselbieter Wahlen des Landrats und des Regierungsrats für die Amtsperiode vom 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2023 finden am 31. März 2019 statt.

• Weil mit dem als Gegenvorschlag verabschiedeten neuen Bürgerrechtsgesetz und den Anpassungen auf Bundesebene die Anliegen der Initianten erfüllt sind, zieht die SVP Basel-Stadt ihre Volksinitiative "Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern" zurück.

• Mit der Gründung der Sektion Waldenburg wollen die Grünen Baselland im Wahlkreis Waldenburg den verlorenen Landratssitz zurück erobern.