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Nun schweigt Indianerin Nicolasa Quintremán für ewig

Die Mapuche in Chile trauern um eine der bedeutendsten Sprecherinnen der Anden. Sie organisierte den Widerstand gegen den Staudamm Ralco und den europäischen Energiegiganten Endesa.
Basel, 27. Dezember 2013

Nicolasa Quintremán hat diese Welt verlassen. Am Dienstag wurde die Leiche der kleinen, 74 Jahre alten Indianerführerin aus dem in Chile liegenden Stausee Lago Ralco nahe der Siedlung Alto Bío Bío geborgen. Gemäss den Untersuchungen der Polizei und ersten Medienberichten soll die sehbehinderte Sprecherin der Pehuenche-Mapuche-Indianer ins Wasser gefallen und ertrunken sein.

Ironie des Schicksals: Nicolasa Quintremán hatte beinahe ihr ganzes Leben lang gegen die Stauung des Rio Bío Bío und diesen Stausee gekämpft, in dessen Wasser sie nun ihr irdisches Ende fand. Die stets entschieden auftretende Anden-Ureinwohnerin führte eine Volksbewegung, die 2002 sogar vor der Menschenrechtskommission des Europäischen Parlaments über die Bedrohung der indianischen Lebensgrundlagen und die Vernichtung von Heiligem Boden durch die drohende Talsperre berichtete.

Staudämme statt Menschenrechte

Aus Verzweiflung führten die indigenen Andenbewohner unter der Führung von Nicolasa Quintremán zusammen mit Umweltschutz-Organisationen auch Massenproteste in chilenischen Grossstädten wie Santiago und Concepción durch. Alles vergebens, der gegen 155 Meter hohe Staudamm wurde gegen den Willen der Ureinwohner im Jahr 1998 südöstlich von Los Ángeles in der Region del Bío-Bío in den Fluss getrieben und 2002 beendet. Der 2004 geflutete Stausee ist 34 Quadratkilometer gross. Betrieben wird das einzige Wasserkraftwerk (570 MW-Leistung) dort vom europäischen Riesenkonzern Endesa, dem grössten Energieversorger Spaniens und Lateinamerikas.

"Für die Flutung des Stausees mussten Angehörige der indigenen Völker der Mapuche und Pehuenchen aus ihren Siedlungsgebieten umgesiedelt werden", ruft die Agentur Latinapress die leidvolle Geschichte der von Nicolasa Quintremán beherzt verteidigten Indigenen in Erinnerung. Dem ist beizufügen, dass der Bau von Staudämmen in abgelegenen Gebieten weltweit regelmässig zur Vertreibung, Deportation oder Umsiedlung von Ureinwohnern und Ureinwohnerinnen führt, um den Energiehunger der Städte zu stillen. Am chilenischen Rio Bío Bío sind mindestens vier weitere Staudämme in Planung.

In Chiles Anden hat Nivaldo Piñaleo, der Bürgermeister der Gemeinde Alto Bío Bío, nun eine mehrtägige Trauer angeordnet. Damit wollen er und seine Volksangehörigen der verstorbenen Nicolasa Quintremán die grösstmögliche Ehre erweisen.




Weiterführende Links:
- "Staudämme sind das Ende unserer Lepcha-Kultur"
- Riesenstaudamm Belo Monte bedroht 20'000 Indianer
- "Eine Attacke auf das Herz Amazoniens"
- Jetzt vertreiben auch Staudämme Urvölker im Regenwald
- ABB-Konzern gefährdet Penan-Indigene in Sarawak


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