© Foto by Goldman Award


Erschossen: Indianische Preisträgerin Berta Cáceres

Sie kämpfte in Honduras gegen Staudämme und für die Respektierung der Indianer und der natürlichen Lebensgrundlagen. Seit gestern hat Zentralamerika eine mutige Frau weniger.
Basel, 4. März 2016

Ihre letzte Stunde erlebte Berta Isabel Cáceres Flores (44) gestern Donnerstagmorgen in La Esperanza im westlichen Honduras – Unbekannte erschossen die Indianerin im eigenen Haus. Ihr Bruder Gustavo Cáceres wurde von drei Kugeln getroffen und überlebte. Das meldeten zuerst amerikanische Medien und Menschenrechtsorganisationen. In Honduras, eines der gewalttätigsten Länder der Welt, werden täglich Menschen ermordet. Berta Cáceres aber war eine bekannte Umweltschützerin, eine entschlossene Indianer-Verteidigerin und Gegnerin des „Agua Zarca“-Dammprojekts am Fluss Gualcarque (Rio Blanco).

Dort leben seit Menschengedenken die Indios der Lenca-Nation. Das vom Damm bedrohte Gebiet ist den Lenca heilig. Von der Regierung oder den Damm-Planern sind sie ihrer Aussage nach nie angefragt worden. Mitbestimmung der Betroffenen gab es wie bei vielen Projekten in indigenen Gebieten keine.

Dagegen stemmte sich Berta Cáceres seit Jahren hartnäckig mit der von ihr mitgegründeten Organsation "Ziviler Rat der Organisationen bäuerlicher und indigener Völker" (COPINH). Mit Öffentlichkeitsarbeit, Versammlungen, juristischen Klagen, Blockaden und der Anrufung der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH) wehrten sich die Lenca. Es gab Tote, Verwundete und schliesslich zog sich der mit dem Projekt beauftragte chinesische Dammbau-Gigant Sinohydro zurück.

Wer steckt hinter dem gewaltsamen Tod?

Der Auftraggeber, das honduranische Unternehmen Desarrollos Energeticos S.A., machte aber weiter. Man schoss sich auf Berta Cáceres ein. Sie wurde mehrfach mit dem Tod bedroht. Leere Drohungen waren das kaum, da bereits vier ihrer Mitkämpfenden umgebracht worden waren. Amnesty International (AI) setzte sich für Cáceres ein, als sie von Wirtschaftskreisen beschuldigt wurde, dem Land zu schaden und hinter Gitter weggesperrt werden sollte.

Wer die prominente Menschenrechtlerin und Umweltschützerin erschossen hat – oder umbringen liess, darüber wird nicht gross gerätselt. Dahinter steckten jene Kreise, welche die Indianergebiete mit gewinnbringenden Dämmen und Bergbauminen überziehen möchten, sind sich viele sicher. Oder waren die Mörder einfach nur überraschte Einbrecher, wie auch behauptet wird? Das internationale Entsetzen über den gewaltsamen Tod Berta Cáceres hat Honduras Präsident Juan Orlando Hernández öffentlich schwören lassen, "dieses Verbrechen gegen Honduras" mit allen Mitteln aufzuklären – auch mit Hilfe der USA.

Als Berta Cáceres 2015 ihres Widerstands für die Lenca und ihres Erfolgs wegen gegen den weltgrössten Dammbau-Konzern Sinohydro (China) den renommierten Goldman-Umweltpreis (Kalifornien) entgegennahm, schilderte sie kurz, was sie und ihre Familie erwarten werde: Beschattungen, Entführungsversuche, Todesdrohungen, vielleicht aber auch der wahre Tod. Nun müssen die Lenca und damit auch alle Menschen, die sich in Honduras gegen zerstörerische Grossprojekte und für Menschenrechte und die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen einsetzen, eine ihrer mutigsten Frauen betrauern.




Weiterführende Links:
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- Riesenstaudamm Belo Monte bedroht 20'000 Indianer
- "Staudämme sind das Ende unserer Lepcha-Kultur"
- Indianer-Revolte in Wounded Knee: Vor 40 Jahren
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"Zeichen deuten auf grosse Kualition"

BZ Basel online
Titel vom
25. November 2017
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Kühe aller Fraktionen vereinigt euch!

"Und übrigens ..."

Weihnachts-Geschichte aus Israel
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