Regenwald-Schützer Bruno Manser offiziell für tot erklärt

Basel, 10. März 2005

Jetzt gilt Bruno Manser als verschollen - und zwar offiziell. Fast genau fünf Jahre nach seinem spurlosen Verschwinden in den letzten Urwaldresten Sarawaks auf der Insel Borneo hat das Basler Zivilgericht das im Dezember 2003 auf Antrag der Familie Manser vom Gerichtspräsidenten Stephan Wullschleger eingeleitete Verschollenverfahren abgeschlossen. Demnach geht die Justiz davon aus, dass der Basler Umweltschützer "höchst wahrscheinlich" nicht mehr lebt. Eine genaue Begründung steht allerdings noch aus.

Zur Einleitung des Verschollenerklärungsgesuchs hatte der von der Vormundschaftsbehörde Basel-Stadt beauftragte Beistand Mansers, Kaspar Müller, den Basler Anwalt Patrick Wamister verpflichtet. Nach dessen Aussagen und dem Studium der Akten erklärte der Gerichtspräsident am 11. Dezember 2003: "Das erhebliche Interesse am Stummmachen von Bruno Manser durch die malaysische Regierung und die Holzkonzerne ist belegt."

Ein Jahr lang versuchte nun das Zivilgericht mit Aufrufen in der Schweiz und in malaysischen Medien Beweise zu beschaffen, welche schlüssig zeigten, dass Bruno Manser noch lebt. Allerdings hatte der Fahndungsdienst der Kantonspolizei Basel-Stadt bereits im Februar 2001 eine Vermisstenanzeige ins Internet gestellt. Überdies liegen OnlineReports Informationen vor, wonach sich der damalige Polizeikommandant, Markus Mohler, bei der US-Botschaft in Bern um die Mithilfe des FBIs bemühte. Trotz allen offiziellen und privaten Bemühungen - wie beispielsweise ein halbes Dutzend Suchexpeditionen in Sarawak -, konnten bis heute keine neuen Erkenntnisse über das Schicksal des 1954 im Basler Frauenspital geborenen Umweltschützers gefunden werden.

Das Zivilgericht setzt nun der Ungewissheit mit der Verschollenerklärung ein Ende. Kaspar Müller hörbar bewegt zu OnlineReports: "Das Gericht hat unser Gesuch gutgeheissen: Bruno wurde mit Wirkung ab dem 25. Mai 2000 für verschollen erklärt.» Somit kann nun das Erbschaftsverfahren eingeleitet werden.

Die Frage aber, ob der Verschollene verunfallt, umgebracht oder untergetaucht ist, bleibt nach wie vor unbeantwortet. Für den Basler Journalisten und OnlineReports-Mitarbeiter Ruedi Suter, der an einer umfassenden Biographie über Manser arbeitet, sind nach wie vor alle drei Szenerien möglich: "Ich kann es drehen und wenden wie ich will - Indizien gibt es für alle drei Versionen. Müsste ich zum jetzigen Zeitpunkt spekulieren, würde ich die Unfall-Version als die am wenigsten wahrscheinliche bezeichnen."

Das letzte Lebenszeichen Manser ist ein Schreiben vom 23. Mai 2000 an seine jurassische Freundin. Der mit einem Männchen beendete Brief, das die Zunge rausstreckt und eine lange Nase dreht, wurde in Sarawak in der Nähe des Dorfes Bario an der Grenze zu Kalimantan verfasst. Manser war dort kurz zuvor illegal ins Penanland infiltriert, um noch einmal seine nomadisierenden Freunde zu besuchen.

Der in Basel lange als Medizinstudent immatrikulierte und gelernte Senn lebte von 1984 bis 1990 bei den Penan-Waldnomaden, lehrte ihr Sprache, dokumentierte ihr Leben und führte schliesslich den Widerstand gegen die eindringenden Holzkonzerne an.

Zwischen 1990 und 1999 setzte der zuvor in Sarawak als "Staatsfeind" gejagte Schweizer Malaysia und seine Holzindustrie mit aufseherregenden Aktionen und unter Mithilfe grosser Umwelt- und Menschenrechtsaktionen in Europa, Japan und Nordamerika unter enormen internationalen Druck. In der Schweiz versuchte er 1993 mit einem 60-tägigen Fastenstreik eine Deklarationspflicht für Holz zu erwirken, die von Bundesrat und Parlament bis zum heutigen Tag verschleppt wurde. Ausgerechnet heute sind im Nationalrat von Remo Gysin (SP, BS) und Maya Graf (Grüne, BL) wieder zwei entsprechende Motionen eingereicht worden.

Für sein politisches Engagement wurde der äusserst vielseitige Kritiker der technischen Zivilisation mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Über seine Erfahrungen bei den Penan geben die beim Basler Christoph-Merian-Verlag erschienenen "Tagebücher aus dem Regenwald" Aufschluss. Suters Biografie mit dem Titel "Bruno Manser - Stimme des Waldes" wird kommenden Herbst im Berner Zytglogge-Verlag erscheinen.

Bruno Mansers Engagement zugunsten der indigenen Bevölkerung der tropischen Wälder wird vom Bruno-Manser-Fonds (BMF) mit Sitz in Basel weitergeführt. Wichtigstes Projekt ist derzeit die Unterstützung der Penan mit Hilfe eines "Community Mapping"-Projekts, in dessen Rahmen speziell ausgebildete Penan-Teams ihre traditionellen Nutzungsgebiete im Wald kartieren. Die resultierenden Karten dienen als Grundlage für Landrechtsklagen vor den lokalen Gerichten. Sollte Bruno Manser tatsächlich tot sein, hätte die Welt einer der glaubwürdigsten Kämpfer für die Erhaltung der Lebensgrundlagen verloren.




Weiterführende Links:
- Das unerklärliche Verschwinden von Bruno Manser


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"Neo-FCB-Coach Marcel Koller stationierte einen Tag vor dem Sieg gegen GC ein Exempel an einem Spieler."

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vom 6. August 2018
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Die OnlineReports-Erstnachricht vom Tod des ehemaligen Basler Regierungsrates Lukas "Cheese" Burckhardt wurde von Barfi.ch, der BZ Basel, die Basler Zeitung, vom SRF-Regionaljournal und von der Nachrichtenagentur SDA aufgenommen.

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Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über den Einbürgerungs-Streit der drei baselstädtischen Bürgergemeinden mit dem Kanton Basel-Stadt und den Gang ans Bundesgericht nach.

Die Schweiz am Sonntag schrieb eine OnlineReports-Nachricht über die rechtlichen Schritte der Wirtschaftskammer Baselland gegen die "Basler Zeitung" ab.

In ihrem Artikel über Markus Ritters Abgang aus dem Basler Präsidialdepartement bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

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In einem Satz


• Der FCB-Captain und Innenverteidiger Marek Suchy hat sich am 12. August im Spiel gegen den FC Sion einen Teilriss der Achillessehne am linken Fuss zugezogen und fällt damit für unbestimmte Zeit aus.

• Die Wirtschafts- und Abgabekommission des Grossen Rates unterstützt den "Basler Kompromiss" zur Umsetzung der Steuervorlage 17 und stimmt dem Ratschlag der Regierung mit einer Änderung zu.

• Nach zwei Jahren wechselt in Basel-Stadt das Präsidium der Fraktion "Grünes Bündnis" wieder von "Basta" (Beatrice Messerli) zu den Grünen (Jürg Stöcklin).

Pierre Lavielle, der Präsident des EuroAirport-Verwaltungsrats, ist am 2. August unerwartet gestorben.

• Verschiedene Baselbieter Gemeinden wie Therwil oder Gelterkinden haben aufgrund der Trockenheit ein totales Verbot des Abbrennens von jeglichen Feuerwerkskörpern (Raketen, Vulkane, Heuler usw.) erlassen, bevor auch der Kantonale Krisenstab ein generelles Verbot aussprach.

• Der Riehener CVP-Einwohnerrat Patrick Huber tritt von seinem Amt als Vizepräsident der Basler CVP und als Leiter der Arbeitsgruppe Wirtschaft auf Ende Juli zurück.

Patrick Huber wird im August neuer Geschäftsführer der Basler Bankenvereinigung (BBVg) als Nachfolger von Raphael Vannoni.
 
"Parterre Basel" ist die neue Pächterin des Basler Konzertlokals "Atlantis" am Klosterberg.

Ueli O. Kräuchi, Geschäftsführer des Verbandes Basellandschaftlicher Gemeinden (VBLG), gibt die Leitung der VBLG-Geschäftsstelle per 31. März 2019 altershalber ab.

• Das Bürgerspital Basel übernimmt per 1. Januar 2019 die Spektrum Werkstätte für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel.

• Die Gewerkschaft Unia hat am 4. Juli 2'300 Unterschriften für das Referendum gegen längere Ladenöffnungszeiten eingereicht.

• Der Basler Gewerbeverband reichte zusammen mit den Parteien FDP und SVP, der "IG Lysbüchel" sowie verschiedenen Branchenverbänden das Referendum "gegen die Fehlplanung Lysbüchel" mit 2'972 Unterschriften ein.

Dominique Tellenbach, bisheriger Direktor der Berufsfachschule Basel, wird ab 1. Februar 2019 neuer Rektor der beiden Gewerblich-industriellen Berufsfachschulen Liestal und Muttenz.

Alexander Lenzlinger wird ab 1. August neuer Finanzchef der IWB und Nachfolger von Michael Ackermann, der eine längere berufliche Auszeit nimmt.

• Die Grünen Baselland folgten dem Vorstand und nominierten Isaac Reber für die Regierungsratswahlen 2019 (dritte Amtsperiode).

• Die Basler Grünliberalen lancieren in Riehen eine Petition zum Thema Kunststoff-Recycling, die sowohl in Riehen wie in Basel eingereicht wird.

• Seit 1. Juni ist Bettina Bühler als Nachfolgerin von Birgit Sachweh Geschäftsführerin des Frauenhauses beider Basel.

• Laut einer Studie des Versicherungskonzerns "Baloise" ist Fussball die "gefährlichste Sportart der Welt", da sich jeder vierte Sportunfall in dieser Gattung ereignet.

Anja Bandi übernimmt Anfang Juni von Marc Lüthi die Gesamtleitung der Abteilung Bestattungswesen der Stadtgärtnerei Basel.

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Erfolgreich verlief der ausserordentliche Sirenentest am 23. Mai in beiden Basel.

• Der Baselbieter FDP-Landrat Andreas Dürr wurde als Nachfolger von Urs Schweizer zum neuen Präsidenten des ACS beider Basel gewählt.

• Die Basler Energieversorgerin IWB steigerte 2017 den Umsatz auf 739 Millionen Franken, doch fiel der Jahresgewinn mit 74 Millionen Franken wegen Wertberichtigungen und Rückstellungen um 33 Millionen Franken niedriger aus als im Vorjahr.

• Die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger wurde zur Vizepräsidentin des Schweizerischen Gewerbeverbands gewählt.