© Foto by The family of Stephen Cripps/Leeds Museums and Galleries
"Das Geheimnis des Kreativen": Pyrotechnik-Künstler Cripps

Ein intensives Lebenswerk von wenigen Jahren

Bekanntschaft mit einem ungewöhnlichen britischen Künstler, der Feuer und Flamme zum Thema machte


Von Aurel Schmidt


Dass das Museum Tinguely einen hierzulande kaum bekannten britischen Künstler vorstellt, der 1982 mit kaum dreissig Jahren beim Versuch, seine Drogenabhängigkeit zu überwinden, starb und praktisch kein greifbares materielles Werk hinterliess, stellt eine Herausforderung dar.


Wie soll mit praktisch nichts eine Ausstellung eingerichtet werden? Es ist möglich. Was herausgekommen ist, lässt sich sehen.

Der Künstler ist Stephen Cripps, der seine erste monografische Ausstellung erhalten hat, die die Kuratorin Sandra Beate Reimann aus verstreuten Dokumenten und aus Aussagen Dritter zusammengetragen und aufgearbeitet hat. Cripps war von kinetischen Skulpturen und allgemeinen von Maschinen fasziniert und passt daher ideal in das Konzept des Museums Tinguely, dessen Einfluss (etwa "Hommage à New York", 1960) auf Cripps manchmal sehr deutlich festgestellt werden kann.

Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Cripps nach seiner künstlerischen Ausbildung seine Abschlussarbeit über Jean Tinguely schrieb.

Feuer und Flamme

Feuer, Rauch, Licht, Umgang mit akustischem Quellen, Performances stehen im Zentrum von Cripps Schaffen. Vor allem pyrotechnische Aktionen scheinen es Cripps angetan zu haben, von denen viele sich in "Schall und Rauch" auflösen und sich "nicht verkaufen lassen, aber radikal waren", wie Roland Wetzel, Direktor des Museums Tinguely, dazu meint.

Viele von Cripps Aktionen dürften aus Sicherheitsgründen heute gar nicht mehr veranstaltet werden, andere waren künstlerische Einfälle, Erfindungen, Ideenprojekte, bei denen kaum je eine Realisierung zur Diskussion stand.

"Floating Fire Machine" sah eine einstündige Pyro-Performance auf einem Boot auf der Themse vor, in deren Verlauf eine Maschine durch benzingetränkte Tücher in Brand gesteckt werden sollte. "Das Feuer beginnt an einem Ende. Grosse bewegliche Reihen von Feuerwerken, Explosionen, bunte Flammen." So erläuterte Cripps seine Absicht. Die Hafenbehörde lehnte ab, aber man kann sich das Happening sehr gut als Farbgemälde vorstellen.

Rauch in den Lungen

Der zur Ausstellung in Basel erschienene Katalog beschreibt neben anderen eine weitere Performance: "Exploding Chocolate Cake", 1973, diesmal durchgeführt. Die Explosionen der eingesetzten Maschine sollen nicht nur einen ohrenbetäubenden Lärm verursacht haben, sondern auch Linsen und Kuchenstückchen im Raum versprengt haben; ausserdem drang Rauch in die Lungen der von Cripps' Kunst bedrohten Besucher, wie überliefert worden ist.
 
In einem internen Ausstellungsraum ist ein Film zu sehen, der von einer weiteren Performance erhalten geblieben ist und einen guten Eindruck wiedergibt, wie es einmal zugegangen sein muss. Auch in einem kurzen Film ist Cripps selbst zu sehen, der ganz woanders zu sein scheit, während er einer Reporterin Auskunft gibt.

Das Allermeiste in der Ausstellung sind jedoch Skizzen, Papiere, Zettel, Entwürfe, Pläne, Notizen aus dem Gedankenlabor des Künstlers. Die meisten Exponate sind Kritzeleien, schnell, flüchtig, ungezügelt zu Papier gebracht, die manchmal auch noch Spuren von äusseren Einwirkungen aufweisen, Tintenspritzer, Wasserflecken, Russreste. Wenn vieles davon ephemer sein mag, so weisen doch einige Blätter eine überraschende künstlerische Qualität auf, die innehalten lässt und einen zweiten Blick herausfordert.

Leben unter Hochdruck

Manches in der Ausstellung besteht aus Papierfetzchen, die alle wundersam schön gerahmt sind und den Eindruck von Todesanzeigen hervorrufen. Viele sind vielleicht nur aus Respekt aufbewahrt worden. Aus diesem Grund entsteht ein zwiespältiger Eindruck, als hätten die Ausstellungsmacher verzweifelt nach Darstellbarem gesucht, um die Ausstellung zu alimentieren. Betrachtet man die Blätter aber einzeln und mit der erforderlichen Aufmerksamkeit, kann man zu einem anderen Befund kommen.
 
Cripps, jung gestorben, musste in seinem kurzen Leben ein Werk schaffen, das er hinterlassen konnte, und stand zu diesem Zweck lebenslang unter Hochdruck. Der Kritiker versetzt sich in den Kopf des Künstlers, in dessen Denkfabrik und Produktionsstätte, und begegnet einem Menschen, der ununterbrochen auf der Suche nach dem Unfassbaren, nach dem Unerreichbaren war und mit einer seltenen Insistenz den Vorstoss, es wider jede Vernunft trotzdem versuchen, nicht aufgab und vielleicht gar nicht aufgeben konnte.
 
Dieser Idee beim Buch der Ausstellung wie einer Spur zu folgen, könnte sich als lohnend erweisen. Das Geheimnis des Kreativen ist hier neu aufgeworfen.


Museum Tinguely: Stephen Cripps. Performing Machines. Bis 1. Mai.

27. Januar 2017


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BaZ online
vom 20. Februar 2018
über einen Salzsäure-Unfall
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Vielleicht hat auch der Redaktor Salz gesoffen.

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