© Foto by Priska Ketterer
"Chance für junge Regisseurinnen": Darsteller Andrej Dunaev, Larissa Schmidt

Russische Lyrik – mit leichter Hand inszeniert

Premiere der Lyrischen Szenen "Evgenij Onegin" von Peter Tschaikowski nach der Novelle von Alexander Puschkin im Theater Basel


Von Jürg Erni


Der russische Romantiker ist auf dem Theater vor allem durch seine Musik zu klassischen Handlungsballetten bekannt. Nun haben eine junge Regissseurin am Regie- und ein Einspringer am Orchesterpult die Szenen über Langeweile und Liebeskummer im Milieu von Gutsbesitzern des 19. Jahrhunderts auf die Bühne gebracht.


Während Deutschlands Vorzeige-Opernhaus München bislang nur Männer ans Regiepult liess, gibt das Theater Basel jungen Regisseurinnen eine Chance, sich auch im Opernfach zu bewähren. Nach Jette Steckel ("Tosca") und Vera Nemirova ("Lohengrin") hat die hochgewachsene Corinna von Rad, die Musik studiert, bei Altmeister Götz Friedrich das Regiehandwerk gelernt und in Basel bereits ein Schauspiel und ein Musical inszeniert hat, zum wohl schwierigsten Fach in der Oper gegriffen, zu Tschaikoswkis Lyrischen Szenen "Evgenij Onegin".

Chansonnier im Bärenkostüm

Da machen als Stummszene zur Ouvertüre die Gutsherrin Larina und die rührige Amme Filipjewna Konfitüre ein und verteilen die Gläser unters Volk. Rätselhaft eine Tafel an der Wand mit eingeschobenen Kirchenchoral-Nummern und aufdatierten Zahlen des Ernteertrags. Kein edler Gutshof ziert das Bühnenbild (Ralf Käselau) vielmehr ein nüchterner Raum im Breitleinwandformat mit Vorhängen und einem Wintergarten in der Bel Etage, darin allerlei wildes Getier lauert und wie am Gryffe-Vorabend ein Bär tanzt, aus dessen Kostüm sich der linkische Monsieur Triquet (Karl-Heinz Brandt) für sein Chanson demodé schält. Tanzbärenzauber.

Spektakulär an diesem Abend ist eigentlich nur die Kugel, die den Poeten Lenskij mit gezieltem Schuss beim unnötigen Duell mit seinem Freund und Rivalen Onegin trifft. Dieser schäkert und tanzt lieber mit Lenskijs Freundin Olga als mit der ihn glühend verehrten Tatjana. Deren viertelstündige Brief-Szene ist der Auslöser für das abendfüllende Leid. Bei der Wiederbegegnung nach zehn Jahren kann Onegin noch so sehr bereuen, Tatjana hält zu ihrem geehelichten, alten Fürsten Gremin. Das Ende bleibt vage mit einem am Boden zerstörten Titelhelden.

Chor tanzt tolpatschig

Puschkins Lyrische Szenen werden durch Tschaikowskis Musik zu neuem Leben erweckt. Sie erzählt von den seelischen Befindlichkeiten des russischen Adels und seiner schwankenden Gefühlswelten. Das ist alles fast zu schön, um wahrhaftig zu sein. Wenn Tänze zur Aufmunterung von Gutsherrin und General mit Cotillon, Walzer, Polonaise und Ecossaise die Stimmung heben sollten, fehlt leider das Ballett, und der Chor muss als torkelndes Volk auf dem Karussell bis zum Umfallen in die Bresche springen, was eher groteske Züge annimmt.

In russischer Originalsprache wird gesungen, was eine Leistung der Sonderklasse bedeutet. Zum Glück verweisen die deutschen Obertitel für die internationale Klientel auch in Englisch auf das Libretto. Sonst wäre man im angestimmten Konversations-Ton vollends verloren.

Schlicht ergreifend

Die Besetzung der grossen Partien ist durchwegs hervorragend mit dem Paar Tatjana/Onegin, das als Südkoreaner im realen Leben dieselbe Sprache spricht. Sunyoung Seo und Eung Kwang Lee haben ihre Stimmen aus der Opernwerkstatt Avenir heraus entwickelt und sie zu einsamer Grösse gebracht. Wie Seo sich in ihrer standhaften Schlussarie nochmals in freie Höhen aufschwingt, ist schlicht ergreifend.

Ein ebenbürtiges Paar auch stimmlich ist Larissa Schmidt und Andrej Dunaev als Olga/Lenskji. Einen mächtig russischen Basso profondo besitzt der Chinese Liang Li als Fürst Gremin. Etwas zu hysterisch wirkt Sanja Anastasia als Larina, während sich Rita Ahonen als Filipjewna mit ihrer schönen Alt-Stimme einzig bei der Übergabe von Tanjas Brief aus der Ruhe bringen lässt.

Ein Wohlfühl-Opernabend

Als Einspringer für den erkrankten Giuliano Betta steht der junge Amerikaner Erik Nielsen am Orchesterpult und verhilft dem ebenmässig musizierenden Sinfonieorchester Basel zur tragenden Begleitpartie. Ein Wohlfühl-Opernabend.  

Bei der Premierenfeier liess Theaterdirektor Georges Delnon wie üblich die Mitwirkenden auf der Foyertreppe Revue passieren. Dann war die russische Kolonie des Abends unter sich und tanzte und sang ihre Volkslieder, bis die Knie knirschten.

Nächste Aufführungen des "Evgenij Onegin": 21., 26., 31.1. und 3.,5., 9.,15., 23.2.

20. Januar 2014


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"Um Objektivität bemüht"

Eine sehr schöne, um Objektivität bemühte Kritik aus der Feder von Jürg Erni. Wohltuend nach dem Déjà vu beim Lesen der heutigen Morgenzeitungen: in der Basler Zeitung BaZ ein griesgrämiger Verriss der Inszenierung von Corinna von Rad durch Siegfried Schibli (Klassik-Kanonier und wiedergeborener MRR der Musikkritik) der findet, nur dank der Leistung der Sänger sei das Ganze nicht abgestürzt. Ganz anders Martina Wohlthat in der Neuen Zürcher Zeitung: sie geht detailliert auf den Regieansatz ein, ohne die ausserordentlichen Leistungen der Interpreten zu vernachlässigen. Fazit: Oper ist eben etwas für Auge und Ohr, und wenn ein Musikkritiker nur ein gutes Gehör hat, kann er sich in modernen Operninszenierungen nie wohl fühlen, da das Geschehen auf der Bühne den Musikgenuss stört.


Hans-Ulrich Iselin, Riehen


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"Die Sprecherin der Swiss Indoors antwortete nicht auf die Anfrage dieser Zeitung."

BZ Basel
vom 27. November 2017
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Auf unsere Medienanfrage zu einem Gerichtsfall hat die Sprecherin auch nicht geantwortet. Die Swiss Indoors-Schweigerin.

"Und übrigens ..."

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