© Fotos by Paul Sacher Stiftung, Ute Schendel
"Atombombe der Musik": Strawinsky-Werk "Sacre du Printemps", Partitur

"Le Sacre du Printemps": Intimer Blick in ein Juwel der Musikgeschichte

Zum 100-Jahr-Jubiläum des Strawinsky-Meisterstücks veröffentlicht die Paul Sacher Stiftung drei exklusive Bände – darunter die Original-Partitur


Von Alfred Ziltener


Die in Basel domizilierte Paul Sacher Stiftung steht vor der Herausgabe der bedeutendsten Publikation ihrer Geschichte: Drei wissenschaftliche Bände zu Igor Strawinskys "Le Sacre du Printemps" – darunter ein Faksimile der Original-Partitur. Die musikgeschichtliche Ikone des 20. Jahrhunderts wurde vor hundert Jahren uraufgeführt.


Eine "Atombombe der Musik" soll der Schweizer Komponist Arthur Honegger Igors Strawinskys Partitur zum Ballett "Le Sacre du Printemps" (Das Frühlingsopfer) genannt haben, das bei seiner Pariser Uraufführung am 29. Mai 1913, also vor ziemlich genau 100 Jahren, einen der grössten Skandale der Musikgeschichte verursacht hat.

Der Vergleich ist kühn, aber er trifft die ungeheure Wirkung dieser in der Tat explosiven, völlig neuartigen Komposition bei ihrem Erscheinen. Er ist aber insofern falsch, als der "Sacre" nicht wie die Bombe ein Vernichtungs-, sondern ein Befreiungsschlag war: Mit einem Ruck hat Strawinsky das Tor zur musikalischen Zukunft weit aufgerissen.

Heidnische Rituale

Das Ballett zeigt einen Frühlingsritus im vorchristlichen Russland. Mit Tänzen und Kampfspielen wird zunächst die Muttergöttin Erde verehrt. Dann wird eine junge Frau als Opfer auserwählt. Nach einem rituellen Akt der Ahnen tanzt sie sich zu Tode.

Strawinskys Partitur ist teilweise in der Schweiz, in Clarens am Genfersee, entstanden. Sie setzt das Geschehen mit einer bis dahin nie gehörten Brutalität um. Dissonanzen, grelle Bläsereinsätze, brachiales Schlagzeug und unerbittliche Motorik bestimmen über weite Strecken das Klangbild. Pulsierende Rhythmen, teilweise über einander geschichtet, treiben selbst in den ruhigeren Abschnitten die Musik voran. An die Stelle der melodischen Entwicklung tritt die Wiederholung von kurzen, rhythmisch prägnanten Motiven. Hier setzen später unter anderen Carl Orff mit "Carmina Burana" und die Komponisten der Minimal Music, etwa Phil Glass, an.

Diese Musik musste das Publikum von 1913 vor den Kopf stossen. Nach wenigen Vorstellungen wurde das Stück abgesetzt und erst 1920 wieder aufgeführt. 1922 erschien die Partitur im Druck.

Original-Partitur als Prunkstück

Strawinsky starb 1971 in New York. Sein Nachlass liegt in Basel, im Archiv der Paul Sacher Stiftung. Der Basler Dirigent und Mäzen war ein Freund und Bewunderer des Russen, den er für den grössten Komponisten seiner Zeit hielt. Er hat viele seiner Werke aufgeführt und ihn auch selbst als Dirigenten und Pianisten nach Basel geholt. Strawinsky hat Sacher und seinem Basler Kammerorchester zwei Auftragswerke gewidmet, das "Concerto en ré" (uraufgeführt in Basel 1947) und "A Sermon, a Narrative and a Prayer" (Basel 1962).

1983 konnte Sacher den Nachlass des Komponisten erwerben – für zwölf Millionen Schweizer Franken. So kamen rund 225 Manuskripte nach Basel, dazu Briefe, Kritiken, Fotos. Im Haus der Stiftung am Münsterplatz werden sie sachkundig aufbewahrt und der Forschung zugänglich gemacht. Der Kulturgüterschutzraum (Bild) ist bombensicher gebaut, das Klima ist kontrolliert bei 18 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent.

Als Prunkstück der Sammlung gilt Strawinskys Handschrift der vollständigen Orchesterpartitur des "Sacre du Printemps" von 1913. Das Faksimile dieses Autographs steht im Zentrum einer dreiteiligen Jubiläums-Edition der Stiftung. Interessant ist dieses Dokument, weil es die Urfassung der Ballettmusik zeigt. Für die Druckausgabe von 1922 nämlich hat der Komponist das Werk aufgrund seiner praktischen Erfahrungen bei der Aufführung überarbeitet. So hat er beispielsweise die ganz hohen und ganz tiefen Orchester-Register verstärkt, um seine kompositorischen Absichten deutlicher zum machen.

Blick durchs Schlüsselloch

Selbst Fachleuten unbekannt war bis vor kurzem die Handschrift einer Fassung des "Sacre" für Klavier zu vier Händen, deren Faksimile ebenfalls zur Edition gehört. Strawinsky hat diese Version parallel zum Orchesterstück komponiert und noch vor der Uraufführung des Balletts veröffentlicht.

Diese gedruckte Fassung ist vom Material her identisch mit der Orchesterversion. Die nun erstmals publizierte Handschrift dagegen enthält frühe Passagen, die Strawinsky noch vor der Uraufführung korrigiert hat: Sie erlaubt so den Blick durchs Schlüsselloch in die kompositorische Werkstatt. Ein Band mit Aufsätzen zu musikwissenschaftlichen und theatergeschichtlichen Themen rundet die Edition ab, die sich an die weltweite Musikwissenschaft und an die führende Musikwelt richtet.

Herausgeber der drei exklusiven, in einer Auflage von 1'400 Exemplaren aufwendig hergestellten Bände (Preis 350 Euro), die Ende Mai erscheinen, sind die stiftungseigenen Autorinnen und Autoren Ulrich Mosch, Felix Meyer, Hermann Danuser und Heidy Zimmermann.

14. Mai 2013


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