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"Hingehen und schauen": Vor der Eröffnung stehendes Basler Literaturhaus

Ein Haus für heimliche "Hausierer"

Basels neuer Ort für Literatur - und kulinarischen Genuss - an der Barfüssergasse 3 vor der Eröffnung


Von Aurel Schmidt


Lesen ist eine einsame und stille Tätigkeit. Das heisst aber nicht, dass die Literatur deswegen auf eine Öffentlichkeit und ein Forum verzichten muss. Das Literaturhaus Basel kann am 7. und 8. April an seinem neuen und nach langen Jahren des Vagabundierens hoffentlich endgültigem Domizil an der Barfüssergasse 3 seinen Betrieb aufnehmen.

Margrit Manz, die Leiterin, und ihr Mitarbeiterinnen haben allen Grund, enthusiastisch zu sein. In den modernen und hellen Räumen wird es reizvoll sein, Literatur als Attraktion zu vermitteln. Die bauliche Einrichtung hat Hans Jeker vom Architekturbüro Zwimpfer Partner vorgenommen. Am gleichen Ort befand sich früher eine Druckerei. Basel hat bekanntlich seit der Reformation zum Buchdruck und Verlagswesen eine besondere Beziehung. Darauf bildet sich die Stadt auch etwas ein, aber sie hat jetzt noch ein bisschen mehr Grund dazu.

Das Literaturhaus in seiner neuen Gestalt und Funktion ist ein Ort nicht nur zum Vorbei-, sondern zum Aus- und Eingehen. Die Literatur wird damit in Basel fortan mitten im städtischen Leben zu Hause sein. Die Räumlichkeiten umfassen 385 Quadratmeter, 145 davon entfallen auf den eigentlichen Veranstaltungsraum mit einem angenehmen Werkstatt-Charakter. 120 bis 150 Zuhörerinnen und Zuhörer können hier erfahren, was Autoren und Autorinnen denken, schreiben und zu sagen haben. Die Räume können übrigens auch für private Zwecke gemietet werden, zusammen mit den Einrichtungen des Cafés "Kafka am Strand" am gleichen Ort... aber das kommt noch.

"In den letzten Jahren sind hier 970
Künstler und Künstlerinnen aufgetreten."




Das Literaturhaus wird von einem Trägerverein betrieben, dessen Präsident Hans Georg Signer, vollberuflich Ressortleiter Schulen im Bildungsdepartement, ist. 450'000 Franken stehen für den Betrieb des Hauses zur Verfügung. Das ist für die einen sehr viel und die anderen viel zu wenig. Eine detaillierte Aufstellung zeigt die Realität auf. 100'000 Franken entfallen auf die Miete, nochmals der gleiche Betrag auf die Administration. Ausserdem muss für ausländische auftretende Gäste Quellensteuer bezahlt werden und beim Sicherheitsdepartement muss für jeden Abend eine Reisenden- und Gewerbebewilligung eingeholt werden, eine Hausiererbewilligung also, die sich auf das Bundesgesetz über das Gewerbe der Reisenden aus dem Jahr 2002 stützt.

Was dann noch übrig bleibt, wird für den eigentlichen Literaturbetrieb aufgewendet. Zu den Aufgaben der Literaturhauses gehört es, Begegnungen mit Autorinnen und Autoren von nationalem und internationalem Rang zu ermöglichen sowie ausserdem Schreibende aus der Region zu fördern. In Zahlen heisst das, dass von April 2000 bis Februar 2006 970 Künstler und Künstlerinnen, schreibende und andere, aufgetreten sind.

"Zur klassischen Literatur-Lesung
treten neue Tätigkeitsformen hinzu."




Die besondere Stellung des Literaturhauses bringt es mit sich, dass hier Autorinnen und Autoren vorgestellt werden können, die, unabhängig von ihrem Bekanntheitsgrad, von ihrer literarischen Qualität her jede Aufmerksamkeit verdienen. Margrit Manz wird sich kaum an der Mainstream-Literatur orientieren. Das ist sicher richtig so. Dafür gibt es andere Organisationen.

Die bisherige Tätigkeit, die zur Hauptsache in Form von klassischen Lesungen bestand, soll Zukunft beträchtlich ausgeweitet werden. Das liegt an den Absichten der Intendantin ebenso wie an den Mitteln und Möglichkeiten des Hauses.

So ist zum Beispiel vorgesehen, Themenabende zu veranstalten (im Mai etwa über "Schönheit"), einen Autorenstammtisch einzuführen, Podiums- und Werkstattgespräche, Diskussionsabende über aktuelle gesellschaftliche Fragen in Verbindung mit Literatur sowie Workshops durchzuführen, den literarischen Nachwuchs zu fördern und auch zum Beispiel literarische Führungen in und um Basel zu organisieren (Sturm und Drang am Rheinknie, Hesse in Basel). Sinnvoll ist es auch, neue, experimentelle Literaturformen auszuprobieren (Slam Poetry); am 25. April wird der Film "Tony Takitani" des japanischen Regisseurs Jun Ichikawa (2004) nach einer Erzählung von Haruki Murakami vorgeführt.

Mit anderen Basler Literaturorganisatoren wird eine Kooperation angestrebt. Das Literaturhaus hat es übernommen, die Anlässe der verschiedenen Veranstalter aus Basel und Umgebung (Literarisches Forum, Literaturbüro, Arena Riehen, verschiedene Buchhandlungen) zu koordinieren. Seit Kurzem treten sie gemeinsam in der Öffentlichkeit auf. Seither fällt überhaupt erst auf, was für ein reichhaltiges Literaturangebot es in Basel gibt.

"Literatur und Gastronomie kommen
unter einem Dach zusammen."




Im Eingangsbereich des Literaturhauses ist ein Café eingerichtet, das nach einer Erzählungen des schon erwähnten japanischen Schriftstellers Haruki Murakami den Namen "Kafka am Strand" bekommen hat. Ursula Pecinska und ihre Frauen (um nicht von ihrem "Team" sprechen zu müssen) servieren über Mittag raffinierte Kleinigkeiten. Ein Salatbuffet, Tapas, Trüffelrisotto auf Endivien - in diese Richtung weist die Speisekarte. So kommen Literatur und Gastronomie zu einer sympathischen Begegnung zusammen.

40 Sitzplätze und 10 weitere an der Bar zeigen den intimen Rahmen an. Man kann hier Zeitungen lesen und in Büchern stöbern. Das Lokal ist von Dienstag bis Samstag von 11 bis 20 Uhr geöffnet, an Veranstaltungstagen in Verbindung mit einem zum jeweiligen Anlass passenden Spezialitätenangebot bis um 23 Uhr. Ach ja, und zu trinken gibt es natürlich auch etwas.

Und um das Wichtigste nicht zu vergessen und das Erscheinen dieses Artikels zu erklären: Am Wochenende wird der Betrieb im Literaturhaus aufgenommen (das Café war schon seit Mitte März geöffnet). Am 7. April um 19 Uhr wird mit obligaten Begrüssungsansprachen und einer Diskussion über die Situation der Gegenwartsliteratur das Haus eröffnet, nach einem Apéro liest Urs Widmer aus seinem neuen Buch "Ein Leben als Zwerg". Am 8. April ist dann von 13 bis tief in die Nacht an ohne Unterbruch etwas los.

Die Eintrittspreise sind kaum der Rede wert. Angaben sind unter www.literaturhaus-basel.ch zu finden. Am besten wird es aber wohl sein: Einfach hingehen und schauen.

3. April 2006


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