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"Es wäre schade": Basler Energiepolitiker Jürg Hofer, Barbara Schneider

Nach Geothermie-Erdbeben: Regierung will "ohne Zeitdruck" prüfen

Drei Varianten sind denkbar: Projektabbruch, sanftes Fortfahren oder weiter wie bisher


Von Marc Gusewski


Die Basler Baudirektorin Barbara Schneider bedauert ausdrücklich das Erdbeben, das die Wasser-Injektion unter Hochdruck vergangenen Freitagabend ausgelöst hatte. An einer eilends einberufenen Medienkonferenz heute Dienstagnachmittag legte sie die Möglichkeiten des künftigen Vorgehens dar.


Bis zum Vorliegen hinreichend aufschlussreicher, geologischer Gutachten bleibt das Basler Geothermieprojekt nach dem Erdbeben der Stärke 3,4 vom letzten Freitagabend gestoppt, erläuterte Regierungsrätin Barbara Schneider am heute Dienstagnachmittag in Basel an einer neuerlichen "Lage-Orientierung". Eine zeitliche Festlegung für das regierungsrätliche Vorgehen lehnte Barbara Schneider ausdrücklich ab: "Wir machen weiter, wenn wir dies als verantwortbar beurteilen. Dafür nehmen wir uns die nötige Zeit."

Allzu viel Zeit kann sich die Bauherrin allerdings kaum leisten: Jeder Tag, an dem nicht gearbeitet werden kann, kostet 200'000 Franken.

Eine Plädoyer für Ruhe und Gelassenheit

Derzeit stehen für das weitere Vorgehen drei Optionen offen: Der Abbruch aus Risikoerwägungen, ein nicht näher spezifiziertes "behutsames Weitermachen" sowie ein "weiter so wie bisher, wie im technischen Plan vorgesehen", sofern die befragten Erdkundler und Gutachter dies als verantwortbar beurteilen würden.

Im übrigen entschuldigte sich Barbara Schneider mehrfach für "den erlittenen Schrecken" der Bevölkerung von Basel, der angrenzenden französischen und deutschen Gemeinden und entschuldigte sich dafür mehrfach. Schneider: "Heute würden wir anders vorgehen, vor allem anders informieren."

Andererseits plädierte die SP-Regierungsrätin dafür, "Ruhe und Gelassenheit zu bewahren und gemeinsam zu überlegen, wie und ob wir fortfahren". Mit dem Basler Geothermieprojekt steht für Barbara Schneider eine "vielversprechend Zukunftstechnologie auf dem Spiel, die in Zukunft einen grossen Beitrag leisten könnte in der Schweiz." Sie fügte an: "Es wäre schade, wenn wir dieses Potential übereilt ausser acht liessen." Immerhin sind bereits fast 60 Millionen Franken investiert.

Im Einklang mit den Fachleuten

Unterdessen wurde der Leiter der Gesundheitsdienste und insofern Erster Katastrophenvorsorger der Stadt, der frühere Kantonschemiker André Herrmann, mit der behördeninternen Koordination der anlaufenden wissenschaftlichen Analysen betraut. Klar ist derzeit so viel, dass die von der Projektträgerschaft gelieferten Daten von Donnerstag und Freitag letzter Woche durch Fachinstanzen hinterfragt und plausibilisiert werden sollen. Jedenfalls waren bis anhin alle Risikoentscheide bezüglich Erdbebengefahr im Einklang und nach dem Dafürhalten des herrschenden Wissen der geologischen Fachzunft getroffen worden, wie insbesondere der Vorsteher des Amtes für Umwelt und Energie, Jürg Hofer, darlegte. Seine Behörde hatte dem Baugesuch mitsamt Umweltverträglichkeitsprüfung und den darin enthaltenen "Erdbeben-Assessment" den Stempel der Unbedenklichkeit verpasst.

Was die in den letzten Tagen oft kritisierte Informationspolitik der Basler Regierung anging, konnte Hofer nachweisen, dass die französischen und deutschen Oberbehörden von Anfang an über das Geothermieprojekt "informiert waren und wurden." Aber "unglücklicherweise", so Jürg Hofer, habe ausgerechnet die entscheidende Medienmitteilung der Industriellen Werke Basel (IWB) beziehungsweise der Geopower AG von letzten Freitagvormittag wenig Aufmerksamkeit vorab bei den elektronischen Medien im französischen wie deutschen Umland, wie auch in der Stadt selbst. Darin hiess es: "Diese Erschütterungen (…) können in vereinzelten Fällen wahrgenommen werden." Das bewahrheitete sich tatsächlich am Freitagabend um 17.50 Uhr - allerdings, so André Herrmann selbstkritisch, um den Faktor 20 höher als erwartet, geschweige denn behördlich zugebilligt.

12. Dezember 2006

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